Nur ein Ersatzmodul

  • Hallo Foristi,


    in loser Folge möchte ich das Werden eines Moduls, von der Planung bis zum 95%-Abschluss, vorstellen. Da bekanntlich alle Wege nach Rom führen, stelle ich hier MEINEN Weg vor; andere werden andere Wege gehen, vielleicht sind sie kürzer, vielleicht wird der Weg zur Lebensaufgabe, der eine Weg hat vielleicht schönere Ausblicke, ein anderer macht dafür weniger Arbeit bzw. Stress. Am Ende soll aber ROM zu sehen sein: Ein weitgehend fertiges Modul (in meinem Fall, bei anderen ist es vielleicht eine Anlage, ein Lokmodell oder was auch immer). Fertig wird Modellbahn ja eigentlich nie, deshalb auch nur 95%.



    Los geht's!


    Die Ausgangslage:



    Abgebildet ist fast vollständig der bisherige Stand meiner Betriebsstelle "GEESTHAVEN". Für die Arrangementplaner sind nur die wichtigsten "Features" abgebildet: Die korrekten Maße der Modulkästen. Im vorliegenden Fall entspricht die tatsächliche Gleisausstattung nicht der abgebildeten Zeichnung, ist für das Arrangement auch nur nachrangig.


    GEESTHAVEN beginnt mit der Ochtrum-Brücke, daran schließt sich ein 70 cm langes Modul mit einer Weichenverbindung der beiden Parallelgleise an. Das nächste 140 cm lange Modul beinhaltet die Weiche in den Betriebsbahnhof GEESTHAVEN. Reisezüge haben hier nichts zu suche, die fahren auf der Hauptstrecke vorbei. GEESTHAVEN ist "rangieren pur".


    Alle Module der "Hauptgruppe" G.haven weisen die Länge von 140 cm auf, so sind sie im Anhänger gut zu stapeln. Das 70 cm-Modul ist ein "halbes", die andere Hälfte weist ebenfalls eine Weichenverbindung auf und kann am anderen Ende der Modulgruppe eingefügt werden. Meine Vorstellung war, dass die zweigleisige Strecke so auch in eingleisigen Arrangements eingebaut werden kann und auf der Strecke ggf. gekreuzt oder überholt werden kann. Nun ja, . . .


    Während der ersten Treffen erwies sich das 70 cm-Modul als, sagen wir mal: "nichtgefällig", das Deckungssignal steht doch wesentlich zu nah an der Weichenverbindung:



    Da die Kreuzungsmöglichkeit bisher noch nicht gefordert war, beschloss ich, beide Module mit den Weichenverbindungen gegen ein 140 cm-Modul auszutauschen, so steht das Deckungssignal ein wenig "vorbildlicher" entfernt von der Gefahrenstelle. Gleichzeitig bietet das lange Modul auch gestalterischen Freiraum für frachtengenerierende Anschließer.


    So soll das neue Modul aussehen:





    Der Modulkasten


    Die Module mit dem I-Profil weisen die Strecke 4 cm über dem "Industrie-Planum" auf. Aus diesem Grund habe ich einen flachen Kasten mit geschlossenem "Deckel" gebaut auf den die Strecke aufgeständert wird.





    Alle Teile sind miteinander verschraubt: Die Stirnplatten aus 16 mm Tischlerplatte, die Seitenwände aus 8 mm Pappelsperrholz und der "Deckel" aus 6 mm Pappelsperrholz. Verschraubt werden die Teile mit 2,5x25 Spax.


    Die Ecken bekamen eine Verstärkung aus passenden Tischlerplatten die gleichzeitig als Fundament für die Beinhalteflansche dienen:




    Die Unterkante der Seitenbretter wird mit einer eingeklebten Leiste 20x13 verstärkt, die mit Hilfe eines Alumodulbeines beim Trocknen schön glatt gezwungen wurde:





    Damit die Modulbeine später schön gerade stehen, wird der Beinflansch beim Verschrauben mit einem Brettchen parallel zum Stirnbrett geführt:



    Geschraubt wird mit Schlüsselschrauben 6x20:





    Auf den fertigen Kasten werden nun die wichtigen Maße eingezeichnet: Die Lage der Gleise, vornehmlich die der Streckengleise die ja mit anderen (Fremd-)Modulen zusammenpassen müssen, die übrigen Gleise um schon mal den Platzbedarf in Augenschein zu nehmen.


    In meinem Fall muss natürlich die Lage der Weichen (besonders der Unterflurantriebe) sowie der Signalschacht (Wattenscheider) berücksichtigt werden.


    Um die Stecke auf Niveau +4 zu bringen, habe ich passende Streifen aus Tischlerplatte unter dem Streckenbrett angebracht. Das Trassenbrett ist auch 8 mm stark; zuzüglich 4 mm Schotterbett (ebenfalls aus Sperrholz).



    Die Abstände der Stützen betragen ca. 20 cm. Die Zwischenräume zwischen den Stützen sind an den Stirnbrettern und bei den Weichenantrieben ausgeschnitten um freien Zugang zu bekommen:







    Bevor die Trasse endgültig befestigt wird, werden noch einmal alle wichtigen Maße präzise eingemessen:






    Mit dem Festschrauben der Trasse und des Schotterbetts ist nun der erste Teil der Arbeiten und meines Berichts abgeschlossen.



    Wie es weitergeht, könnt ihr in der nächsten Folge nachsehen.



    Bis denne!

  • Hallo Foristi,


    "Wie´s drunter aussieht, geht niemand etwas an", sagt man landläufig. In unserem Fall ist aber auch das Druntenrum für einige von Interesse.


    Beim Modulbau geht es darum, das "Planum" auch wirklich plan zu bekommen. Ok, bei dicken schweren Platten ist das kein Problem, aber bei den von mir verwendeten 6 mm Sperrholz ist ein wenig "Support" notwendig. Ich bringe diese Unterstützung erst nach dem Verlegen der Gleise an, da weis ich, wo die Weichenantrieb und anderes "Gedöns" (Nein, nicht das vom Kanzler Schroeder angesprochene) Platz beansprucht.


    Ich habe im Fall diese Moduls eine Mischung aus Quer- und Längsspanten angebracht, die größte "freie Länge" beträgt so nur max. 40 cm, das reicht um merkbares Durchhängen zu unterbinden.




    Durch die beiden Querspanten nahe den Stirnbrettern habe ich hier viel Platz für die Arbeit an den Verbindungsschrauben und die notwendigen elektrischen Verbindungen:



    An jeder Stirnseite meiner Modulkästen habe ich "das volle Programm" angebracht: 4 mm Bananenbuchsen für jede Schiene, da die beiden Streckengleise elektrisch voneinander getrennt sind und eine LN-Steckmöglichkeit. Dieser ganze Aufwand ist bei mir eigentlich überflüssig, da ich die zusammengehörenden Module normalerweise über ein bzw. zwei Vielpolstecker (Centronics 24 polig) miteinander verbinde. In seltenen Fällen wurden die Module aber auch für die Trennung bzw. Übertragung von zwei Digitalzentralen verwendet und da werden die einzelnen Verbindungskabel als "Stromfühler" gebraucht. (Mehr Ahnung habe ich davon nicht, also bitte keine diesbezüglichen Nachfragen)


    Zwischen den beiden Stirnseiten des Moduls werden die Stecker mit 2 qmm - Kabeln verdrahtet. Ich verwende dabei die Farben rot und blau. Ganz zu Beginn des FREMO haben wir das einmal festgelegt, da die ersten Übergangsprofile eine klar zu identifizierende Seite aufwiesen (hoch bzw. niedrig), sprachen wir von einer Nordseite (hoch) und Südseite (niedrig). Daraus folgte: Nordseite blaues Kabel, Südseite rot ("der Süden ist rot"). Mit der zunehmenden Verbreitung der flachen Modulprofile ist das natürlich hinfällig geworden; ich bleibe aber für meine Übersichtlichkeit dabei und definiere für mich nach wie vor in N und S.


    An die Schienenprofile gehe ich von den Lötleisten aus mit "normalem" Modellbahnkabel 0,14 qmm.





    In jedem Modul sind mittig an den Seitenwänden LN-Buchsen eingebaut die ich über normales 6-pol- Rundkabel anlöte (ein Stück Streifenplatine ist ideal):





    Die Lage der Stützbretter wird eingemessen:




    Gleichzeitig bohre ich mit einem 2 mm Bohrer auf den Linien durch, so finde ich die Schraubpositionen auf der Oberfläche problemlos wieder.



    Für die Kabeldurchführungen habe ich mit der Stichsäge ein paar Öffnungen freigeschnitten:






    In gleicher Weise verfahre ich mit den Längsspanten, auch hier ist ein Kabeldurchlass berücksichtigt. Die Spanten verschraube ich untereinander und mit den Seitenwänden, so ist alles stabil und weitgehend verwindungsfrei.



    In diesem Bauzustand habe ich gleich den "Wattenscheider"-Signalschacht angebracht. Die Aluwinkelkonstruktion habe ich mit Stabilit express eingeklebt, das beiliegende Holzfüllstück, mit Pattex fixiert, diente mir als Hilfsmittel zur senkrechten Ausrichtung:






    Das schönste (?) am Modellbahnhobby: Das Verlegen der Gleise



    Für mich hat diese Tätigkeit etwas "Urwüchsiges", erinnert es doch tief im Kleinhirn verwurzelt, an meine kindlichen Anfänge, als auf dem Teppich noch die Stückgleise zusammengesteckt wurden, der Trafo angeschlossen und . . .



    Aber zurück in das Heute, ein gutes halbes Jahrhundert später! Da sind die Ansprüche ein wenig in den Himmel gewachsen.



    Problemfall: Gerade Module! Hier machen sich geringfügige Nachlässigkeiten beim Ausrichten der Flexgleise peinlich bemerkbar. In diesem Fall wollte ich endlich mal nicht auffallen.



    Auf dem Trassenbrett zeichnete ich genaue Lage der Gleise ein: Nach den Mittellinien im 46 mm Abstand die Schwellenbreiten, jeweils 15 mm rechts und links der Mittellinien. An einer dieser Linien orientierte ich das erste Gleis.


    Zuvor klebte ich meine Standard-Endstücke: Zwei Pertinax-Schwellen, die mit Stabilit auf ein 0,5 mm MS-Blech geklebt wurden. Diese Einheit klebe ich, ebenfalls mit Stabilit, an die Modulenden:





    Puristen werden sich sicherlich an dieser Methode stören (mein Weg nach Rom!), aber in all meinen zahlreichen Modulen mit einigen Hunderten von Übergängen habe ich damit noch keinen Ausfall erlebt. Immer waren es die Strickjacken, die beim Aufbau und Zusammenschrauben des Arrangements "den Kürzeren" zogen. Bei Bahnhofsmodulen mit bis zu 11 Gleisen, also 22 Schienenprofilen, schienen mir alle anderen Methoden zu anfällig.



    Wie schon erwähnt, ist mein "Schotterbett" aus einem 4 mm starken Sperrholzstreifen entstanden. Geräuschdämmung? Nicht vorhanden! Stört in den großen Hallen des Modularrangements auch nicht!


    Die Kanten des Schotterbetts sind bewusst nicht abgeschrägt: So rieselt der Schotter nicht auf der schrägen Fläche zu weit nach außen und das Schotterbett bleibt etwas schmaler. Der Streifen für die Gleise ist bei mir 80 mm breit, so bleiben neben den Schwellen noch je 2 mm Platz bevor es "abwärts" geht.



    Als problematisch vermutete ich den Einbau der beiden Weichen der Gleisverbindung: Da die Weinert-Weiche wegen ihrer korrekten ungleichen Schwellenlängen nur schwer auszurichten wäre, habe ich zunächst die geraden Gleise an den Linien ausgerichtet. Ich verklebe die Schienen, hier ROCO-Betonschwellengleis, flächig mit Pattex-classic. Mit dem beiliegenden Zahnspachtel verteile ich den Kleber gleichmäßig und lege die Meterware in den nassen Kleber ein. So habe ich genug Zeit das Gleis an einem langen Lineal (70 cm) auszurichten.


    Erst nachdem beide Parallelgleise verlegt waren, habe ich die auf den 46 mm Gleisabstand zurechtgestutzten Weinertweichen eingebaut und am Schienenprofil mit dem langen Lineal ausgerichtet.






    ICH bin mit dem Ergebnis zufrieden, obwohl . . .



    So, nun reicht´s mal wieder für heute. Im nächsten Teil geht's mal wieder ans "Schottern", was in unserm Fall ja straffrei ist.



    Bis denne!

  • Hallo Bruno,
    kann man alles nicht viel besser machen. Deine lange Erfahrung beim Modulbau ist deutlich zu spüren.
    Aber:

    Geräuschdämmung? Nicht vorhanden! Stört in den großen Hallen des Modularrangements auch nicht!


    Ein anderer Modulbauer, den die Geräuschkulisse stört, muss natürlich den Aufbau des Gleisbettes ganz anders angehen.
    Schön, mal so einen Bericht über den Modulbau zu lesen. Andere holen ihre Module vom Tischler ab!

  • Hallo Foristi,



    Nachdem die Gleise verlegt und der Kleber ordentlich getrocknet war, habe ich die elektrischen Anschlüsse mittels 0,14 qmm Litze angelötet. Ich löte sie seitlich außen in das Schienenprofil ein und ziehe die Kabelenden durch eine kleine Bohrung nach unten weg. Dabei übe ich automatisch einen gewissen Zug aus und überprüfe so die korrekte Lötung. Dass man später bei genauen Hinsehen (und besonders bei Makroaufnahmen) diese Stellen sieht, stört mich nicht. Um mit Loriot zu sprechen: "Man muss schon sehr genau hinsehen . . .". Aber wer partout etwas sucht, soll auch etwas finden!


    Die gesamte Verdrahtung wurde sicherheitshalber noch mal mit einem Messgerät (Piepser) geprüft. Leidvoll gewarnt durch die Erfahrung, dass besonders die Pertinaxschwellen gelegentlich noch einen "Hauch" Kupfer in der Abfräsung zwischen den Profilen aufweisen. Und nach dem Lackieren bleibt dann nur try-and-error um den Kurzschluss zu finden.


    An einem sonnigen Spätsommertag habe ich dann "outdoor" die Gleise, auch die Industrieanschlüsse "unten", mit dem Luftpinsel gespritzt. Von dieser banalen Aktion gibt es keine Aufnahmen.


    Die Betonschwellengleise habe ich, so wie sie lagen, mit Humbrolgrau Nr. 64 gespritzt. Die Weichen mit ihren Holzschwellen waren natürlich mit Papier und Klebeband abgedeckt. Im Zweiten Durchgang waren die Holzschwellengleise, also die Weichen "oben" und die Gleise "unten" dran: Hier verwende ich den Humbrolfarbton Nr. 98 "Chocolat"


    Nach gutem Trocknen habe ich am nächsten Tag die Schienenprofile und Kleineisen mit dem Pinsel coloriert: Für die vielbefahrene Strecke nehme ich Humbrol Nr. 29 "dark earth", was nach meinem Eindruck dem frischen Rost des Stahlabriebs recht nahe kommt.


    Die selten befahrenen Gleise in den Industrieanschlüssen (zumal sie stumpf enden) versah ich mit dunklem "Rubber" von Model Master.


    Auch beim Streichen der Profile gehe ich nicht zu akribisch vor, schließlich bleibt auch der rostende Abrieb nicht brav nur auf den Eisenteilen liegen.



    Bei dieser Streichorgie hatte ich zum ersten mal die Gelegenheit , die WEINERT-Weichen intensiv und nah vor Augen zu bekommen. Durch die matten Farben kommen die phantastisch nachgebildeten Kleineisen erst richtig zur Geltung; fast jedes Kleineisen im Zungenbereich ist anders ausgeführt, und erst die Radlenker! Schade, dass man später im Betrieb nicht mehr so nah herankommt.





    Nun kommt das Gelände dran



    Da die nun folgenden Schritte recht grobmotorisch sind und die Gefahr des Verschmutzens der Gleise hoch ist, habe ich es wieder mit Papier und Klebeband abgeklebt. Nun kann es losgehen!



    Im Wesentlichen beschränkt sich das "Gelände" auf die Bahndämme der hochliegenden Strecke. Alle Seitenöffnungen unter dem Trassenbrett habe ich mit zugeschnittenen Streifen aus 3 mm starken Kapadur-Platten verschlossen. Die Kapadurplatten enthalten einen Kern aus PU-Schaum und sind beidseitig mit Karton beklebt. Durch den PU-Kern lassen sie sich auch mit Pattex verkleben ohne dass der Schaum sich auflöst. In meinem Fall habe ich aber zur Heißklebepistole gegriffen. das geht schneller!







    Auch bei diesen Arbeiten lege ich keine übertriebene Präzision an den Tag, schließlich wird das ganze noch mit Gips kaschiert.



    Den Gipsbrei habe ich mit Farbkonzentraten eingefärbt, so entstehen keine illusionstötenden weiße Flächen:




    Nach dem Breiauftrag mit einem Spachtel habe ich die nasse Oberfläche mit den Fingern "gefilzt", so wurden die "Kellenschläge" geglättet:



    Nach dem Trocknen sieht das dann so aus:






    Der nächste Schritt ist dann die "Grundbegrünung": Ich strich die Flächen mit brauner Abtönfarbe ein und streute in die nasse Farbe T 49 "blendet Turf" von Woodland oder Noch.




    Muss man den Bahndamm vorher mit Schleifpapier glätten? Ich meine: Nein!


    Diese sehr einheitliche Fläche behandle ich dann weiter mit den Turf-Farbtönen Soil, Earth, green grass etc.:






    Damit das ganze Streuzeugs auch fest wird, tränke ich jetzt die gesamte Fläche mit spiritusverdünnbarem Tiefgrund. Am nächsten Morgen, nach guter Entlüftung, sieht das dann so aus:




    Damit ist die erste grobe Gestaltung abgeschlossen, die Basis für das weitere Durchgestalten gelegt. Nun kann auch die Abdeckung der Gleise entfernt werden und der Randweg angelegt werden. Hierzu verwende dich meinen Quarzsand, den ich aufstreue und mit meinem schwarzen Tiefgrundgemisch tränke. In diesem Fall ist der Schwarzanteil geringer und der Randweg ist zu einem hellen Grau getrocknet:





    Nun geht´s an´s straffreie Schottern: Ich verwende für die Streckengleise den hellen Diabas-Schotter von ASOA. Die langen "Schläge" lassen sich am besten mit einem Schotterboy schön gleichmäßig behandeln:




    Zumindest die richtige Menge Schotter liegt jetzt im und neben dem Gleis:





    Nun schließen sich die schon bekannten Schritte des "Dressierens" der Schotterkörner an. Mit dem Pinsel werden sie in Form gebracht:





    Die Weichen müssen leider von Hand mit Schotter gefüllt werden, auch kein Problem.



    Die Stellschwelle habe ich mit dem Strohhalm freigepustet.



    Nun steht nur noch die Schotterfixierung mit wässrigem Tiefgrund an den ich mittels Pipette einbringe. Auch dabei lege ich nicht zu viel Wert auf Präzision: Tiefgrund auf den Schwellen ist nach dem Trocknen kaum noch zu sehen.






    Nach dem Durchtrockenen ist auch der Schotter wieder heller geworden und bietet das folgende Bild:




    Die Industriegleise "unten" habe ich in schon vorgestellter Weise mit Basalt geschottert. Das Aussehen ist durch meinen vorangegangenen Beitrag bekannt.



    So, nun geht es an die für mich "zweitschönste" Modellbahnbeschäftigung: Durchgestalten!



    Davon demnächst mehr in diesem Forum!


    Bis denne!

  • Hallo Foristi,



    Nachdem im letzten Teil oben drauf die Basis für die weitere Durchgestaltung gelegt wurde, will ich heute noch einmal kurz nach untendrunter:


    Im Industrieteil auf -4 ist jetzt in Verlängerung des Ziehgleises für den Schlachthof ein wenig freie Fläche für einen Anschließer vorhanden. Hier möchte ich den vielen guten Chemiekesselwagen ein Ziel geben.



    Die Chemische Fabrik "MOLTO-OLET" beschäftigt sich mit der Herstellung von Kunststoffen, die als Rohprodukte an die weiterverarbeitenden Betriebe im FREMO-Land speditiert werden.


    Für diese Aufgaben ist das Firmengelände mit drei Gleisen ausgestattet, die mittels einer Dreiwegeweiche platzsparend vom Stammgleis ausgehen. Diese Weiche wird mechanisch vor Ort gestellt, da das Rangierpersonal zum Entkuppeln ja direkt "vor Ort" sein wird. Der feuergefährdete Betrieb betreibt eine Dampfspeicherlok mit der Achsfolge B, was für die relativ wenigen Wagen völlig ausreicht. Die Lok versieht auch die Übergabefahrten zum/vom GEESTHAVEN-Rbf. Ein kleiner Lokschuppen mit Dampfbefüllmöglichkeit befindet sich am Werkseingang.




    Hier die mechanische Bedienung der beiden Weicheneinheiten:




    In der Frontwand sind zwei 28 mm Bohrungen angebracht, die die Aufnahme der Stellstangenknöpfe bilden. Ich verwende Fahrradspeichen , sie sind schön glatt und haben an einem Ende ein Gewinde auf das sich eine passende "Mutter", die sonst in der Felge des Reifens versteckt ist, aufschrauben lässt. Mit "spitzen" Fingern lässt sich so die Stange bewegen.


    Innen im Modul ist die Stellstange gekröpft um dicht unter die Grundplatte zu kommen:



    Über Lüsterklemmen ist die Stellstange mit dem Stellmechanismus verbunden, der ebenfalls in Lüsterklemmen geführt wird. In einer senkrechten Bohrung in einem 3 mm -MS-Rundstab steckt ein 0,8 mm Stahldraht der die Stellschwellen der Weiche bewegt. Um eine sichere Zungenlage zu erzielen, ist ein Kippschalter eingebaut, der gleichzeitig die Herzstückpolarisierung bewirkt.



    In diesem Zustand ist auch die Anschlussseite des Moduls "voll zugerüstet": Die beiden 24 pol. Centronic-Buchsen sind eingebaut und angeschlossen, die Servo-Motoren für die Weichenverbindung auf der Hauptstrecke sind angebracht und die Servosteuerplatine ist eingebaut. Eigentlich sollte jetzt nichts mehr schiefgehen, meint Murphy.




    MOLTO - OLET



    Das bahnseitige Werksgelände der chemischen Fabrik ist in den Bahndamm eingelassen, der in diesem Bereich natürlich eine Stützmauer erhielt. Ich wollte nicht wieder zu Beton greifen, eine gemauerte Dammsicherung würde mit den Ziegelmauern der Gebäude eine "Einheit" bilden. Ich verwende für die Mauer Gipsplatten aus den Spörleformen der Wohnhausbrandmauern. Mir gefällt die Unregelmäßigkeit des Mauerwerks; Steingröße? Fugentiefe? ICH zähle nicht nach, entscheidend ist für mich das Endergebnis: Sieht es überzeugend aus? Ich finde: Ja





    Als Abdeckung verwende ich ebenfalls die Simse aus den Spörleformen.



    Damit nicht "böse Buben" in das Werksgelände dringen, ist es natürlich eingezäunt, auch auf der zur Bahn grenzenden Mauer. In aller Vorsicht haben die Firmenverantwortlichen eine Doppelreihe Maschendraht an massiven Stahlrohren angebracht, so dass die Zaunhöhe im Modell ca 24 mm hoch ist.





    Dieser selten zugängliche Zaun ist natürlich eine ideale Rankhilfe für Kletterpflanzen (sie sollen auch die eine oder andere Nachlässigkeit beim Kleben bzw. Lackieren des Zaunes kaschieren). OK, Makros sind grausam!!!




    Zum heutigen Abschluss nur noch ein Bild der Werkhalle von MOLTO - OLET:





    Dazu demnächst mehr in diesem Forum.


    Bis denne!

  • Hallo Foristi,


    auch die andere Fläche neben dem Bahndamm ist nun der Durchgestaltung anheim gefallen. Hier werden die zwei Gleise, die schon auf dem Modul davor vorhanden sind, weitergeführt. Diese Gleise bieten sich an für die Behandlung von Ganzzügen; so ist auf meinen Bildern vom GEESTHAVEN-Einsatz in Papenburg auch ein Kohle-Ganzzug in zwei Teilen abgestellt zu sehen. Mit der Vergrößerung des neuen Moduls ist so auch die Abstelllänge um 2 x 70 cm gestiegen.



    Der schon im zweiten Teil dieses Beitrags in seiner Grundbegrünung gezeigte Bahndamm erhielt nun einen Bewuchs mit langen Grasfasern an der Dammkrone und dichtem Buschwerk in unterschiedlicher Höhe:





    In ganzer Länge sieht das so aus:




    Auch die Bahnseitige Grenze des Umschlagbetriebes wird durch eine Mauer vor unbefugtem Zutritt geschützt. Zwei Auhagen-Mauerplatten, rücken an Rücken verklebt und in 22 mm breite Streifen geschnitten, ergeben das Mauerwerk , das einen oberen Abschluss aus einem 1,5 mm Rechteckprofil bekam. Diese Einheit habe ich mit Humbrol 100 gestrichen und nach dem Trocknen die Fugen mittels Plaka-Wischtechnik hervorgehoben. Diese gealterte Mauerplatte habe ich dann in 33 mm große Teile zersägt. Aus diesen Einzelteilen habe ich dann die Mauer Stück für Stück aneinandergereiht, wobei ein I-Profil als "Stahlträger" jeweils dazwischen geklebt wurde. Der weiße Plastikstreifen von Evergreen wurde zuvor dunkelbraunrostig gestrichen. Aufgeklebt habe die Mauer mit Pattex- classic direkt auf den Holzuntergrund; Hält nach gutem Trocknen extrem gut!.


    Stellproben haben ergeben, dass die altbekannten KIBRI-Bekohlungskräne, die heute unter "Bw Gremberg" angeboten werden, zufälligerweise, auch funktional, sehr gut passen würden. Also habe ich im nächsten Schritt die notwendigen Kranbahnschienen aufgeklebt. Dazu halbierte ich ROCO-Metergleis mittig in den Schwellen.


    Jetzt konnte die gesamte Fläche "eingeerdet" werden: Meine Quarzsandmethode mit mäßig schwarzem Tiefgrund kam auch hier problemlos zur Anwendung.


    Ein wenig Grünzeug und Restkohle vervollständigen diese Szenerie:




    Zwischenzeitlich habe ich auch zwei Kräne fertiggebaut, spritzlackiert und ein wenig verunziert:






    Die Kräne sind für den Transport abnehmbar. An der Modulvorderkante habe ich einen Streifen unbehandelt belassen. Mal sehen, vielleicht kann ich hier irgendwann einmal eine Kaimauer mit Binnenschiffen anhängen.



    Kommt Zeit, kommt Rat - Meint grüßend Bruno - bob -

  • Hallo Bruno
    eine - schüchterne - Frage habe ich. Die Asymetrische 3 Wegeweiche sieht aus, als ob sie von Peco kommt. Verwendest Du die Peco Code 75 Weiche oder hast Du da das höhere Schienenprofil für Code 83 eingezogen?
    Ich dachte Fremo wäre gleich Code 83?
    Danke für eine kurze Aufklärung.
    LG,
    Axel

  • Hallo Axel,


    Code 75.


    Ich habe erst vor kurzem erfahren, dass es auch Code 83 von Peco gibt, zumindest das Flexgleis.


    Im Fremo ist (fast) alles erlaubt, da kann jeder sein Pläsierchen ausleben solange es betrieblich keine Probleme bereitet und nicht die Augen irreversibel "schädigt".


    LG Bruno - bob -

  • Hallo Bruno
    Stein vom Herzen fall.... :thumbsup:
    Ich habe vor ein paar Tagen beim Fremo "unterschrieben" und habe hier etliches in Code 75 liegen... und ich hatte schon Bedenken...
    Zu den Code 83 Sachen - Die Weichen und das Schwellenbild entsprechen dem US-Stil - Jedenfalls laut meinem Katalog. Vonwegen der Augenschädigung und so 8)
    Merci und Ciao,
    Axel



    Edit, Rainer, 12.12.2013:
    Die sich aus diesem Beitrag ergebende Diskussion zu Profilen Code 83 / NEM / NMRA etc. habe ich umgehängt. Bitte ggf. diesem Link folgen.

  • Hallo Foristi,


    das Modellbahnerleben geht weiter, aber alles braucht seine Zeit: Nervig besonders die Trockenzeiten von Klebern und Farben.



    Die Kohlenumschlagsanlage des letzten Beitrags erfuhr so eine funktionelle Erweiterung: Neben der B e ladung von O-Wagen soll auch eine E n t ladung von Kübelwagen Ok stattfinden können. Dazu bedarf es eines speziellen Bügelsystems um die klappbaren Kübel zielgenau zu entleeren.



    Im Internet, besonders auf den DSO Hifo-Seiten, gibt es immer mal wieder derartige Verladeanlagen zu sehen. Ein Bild habe ich mir als Planungsgrundlage daungeloodet:



    Zufälligerweise entsprach mein Ausdruck ziemlich genau den Maßen der Kübel vom ROCO-Wagen, so dass ich die Maße mit dem Lineal bestimmen konnte:



    Eine Skizze reicht mir zum Bauen:



    Aus entsprechenden Evergreen-Profilen war ein Handmuster schnell gefertigt:




    Hier ein Größenvergleich zu den "normalen" Greifern:




    Der erste Prototyp machte noch funktionale Probleme: Der Tragbügel war zu lang, der Spreitzbügel zu kurz. Letzterer war aus dem Bild nicht abzugreifen.




    Die passenden Bügel habe ich dann gleich "in Serie" hergestellt:




    Aufhängungsmöglichkeiten klebte ich aus Ätzteilen von Saemann ein:



    Nach dem Kolorieren und Anbringen der Seile erfolgte ein erster Funktionstest:




    Es funktioniert!





    Nun noch der Entladevorgang in ein Binnenschiff:






    Wer nun denkt, das ganze wird ein Funktionsmodul, irrt! Es ist nur schöner Schein! Aber die Bügel werden an einem Teil der Kranausleger anstatt der vorgesehenen Greifer angebracht.



    Bei der Gelegenheit: Alle Bilder, die mir zur Verfügung stehen, suggerieren einen automatischen Ablauf; Menschen sind nicht zu sehen. Vom Prinzip her müsste aber beim Einhängen der Bügel und beim Wiederaufsetzen der Kübel Hand angelegt werden!


    Wer kann mit professionellen Kenntnissen dienen?


    Fragt Euch Bruno - bob -

  • Hallo Bruno,


    ich muss sagen das Konzept von Geesthaven finde ich fantastisch. Viel unabhängiger Betrieb vor Ort und gleichzeitig machen die Module ordentlich Strecke zwischen den benachbarten Bahnhöfen. Auch deine Beschreibungen hier lese ich sehr gerne und sind durchaus lehrreich.


    Bei dem Motiv des Kohleumschlags stellen sich mir aber ein paar Fragen. Warum wird da gleichzeitig Kohle Be- und Entladen? Wenn man das ganze als Kohlenhalde betrachtet, ergibt das denke ich Sinn, aber mit der Kaikante vorne? Für Lagerplätze wäre vermutlich eine breitere Brücke üblicher, auf der der Kranoberwagen sich quer zum Gleis bewegen kann.


    Soll hier die Kohle aufs Schiff umgeschlagen werden und gleichzeitig wieder vom Schiff auf die Bahn? Irgendwie erschließt sich mir da der Sinn noch nicht?
    Wäre es vielleicht besser die Trichter für anderes Gut zu verwenden, Erz / Kies / Sand? Was ich ansonsten auch gut vorstellen könnte, die Trichter nicht zum Beladen der Güterwagen zu verwenden, sondern mit diesen ein Förderband zu beschicken, welches parallel zu den Gleisen verläuft, evtl. dafür die Kranbrücken um 180° drehen. Vielleicht finde ich die Tage dazu auch noch ein Bild in meinem Fundus.


    Gruß
    Michael


    Zu dem technischen Ablauf der Kübelverladung kann ich leider auch nicht weiterhelfen.

  • Hallo Michael,


    vor diesem Transportdilemma stand ich auch -- In der Realität!


    Hier in Bremen gibt es ein Hafenbecken mit dem bezeichnenden Namen "Kohlehafen". Auf der einen Kaiseite wurde Exportkohle aus Ganzzügen, damals noch O-Wagen, in Seeschiffe verladen, auf der anderen Kaiseite lagen genau die gleiche Seeschifftypen und brachten Importkohle für das dort angesiedelte Kraftwerk.


    Später lernte ich: "Logistik hat mit Logik nichts zu tun!"


    Aber im Ernst: Angelandet im Kraftwerk wurde (und wird) billige Kohle aus Polen und Kolumbien (Tagebau!), exportiert wurde zu der Zeit Hüttenkoks für die aufstrebende Stahlindustrie in Fernost.


    Bei mir in Geesthaven mag es ähnlich sein, die Kübel auf den Okm 58 sind für Koks, die angelandete Kohle wird mit Omm oder OOt abgefahren.


    Wirklich wichtig war mir, den schön anzusehenden Ganzzügen, die ich aus meiner Kindheit noch in Erinnerung habe, ein nett anzusehendes Ziel beim Spielen im Arrangement zu geben; es muss nicht immer Schattenbahnhof sein.


    Apropos: Wenn´s um (Spiel-)Geld geht, nein, nicht Sparkasse, meine Kräne verladen auch Erz, Kies und Sand. Pekunia non olet!


    Liebe, vorweihnachtliche Grüsse


    Bruno - bob -

  • Hallo Bruno,


    ich finde Deinen Modulbau sehr interessant, vorallem, dass nicht alles immer noch massiver wird.
    Jetzt habe ich da mal ne Frage.
    Wie stellst Du sicher, dass Deine Stirnprofile absolut senkrecht stehen? Hast Du eine besondere Vorrichtung gebaut?
    Ich will nämlich neue Module für eine Betriebsstelle bauen und so schaue ich mich gerade mal um.


    Gruß
    Andreas

  • Hallo Andreas,


    ein ebener Tisch und ein Winkel reichen mir. Die Seitenteile aus 8 mm Pappelsperrholz sind auf der Striebig-Säge im Baumarkt präzise rechtwinklig gesägt, das überprüfe ich mit dem Winkel. Sollte man schon im Baumarkt machen, manche Aushilfssäger nehmen es nicht so genau. Da kann man gleich reklamieren. Ich bin immer dabei und schreite ein, wenn nmM Murks droht. Vor allem, wenn der Akteur keine Lust hat, den Sägekopf in die Waagerechte zu verschwenken und das zu sägende Teil nur noch auf einem der Anschläge frei Hand balanciert wird (alles schon erlebt).


    Seitenteil und Stirnprofil stelle ich nun "auf Eck" zusammen und fixiere sie mittels kopflosen Nägeln. Da das Procedere auf dem Tisch erfolgt, kann ich die Senkrechte prüfen. Durch das Eckstück, welches ebenfalls eine rechtwinklige Seite aufweist, wird dann das ganze mittels der Schrauben fixiert.


    Bei mir klappt´s. Alternativ kann man sicherlich einen "Anschlag" auf den Tisch schrauben, dann braucht man die Teile nur noch beim Verbinden dagegen drücken.
    Mache ich im nächsten Leben so.


    Viel Erfolg! und LG Bruno - bob -

  • Hallo Bruno,


    danke für die Auskünfte. Jetzt habe ich noch eine Frage zum "Deckel". Du schreibst mal 6 mm, mal 8 mm.
    Ich möchte bei meiner Betriebsstelle durch eine 1:50 Steigung rechtfertigen, warum der Abstand zwischen Einfahrsignal und Rangierende-Tafel nur 50 cm beträgt. Ich würde das gerne mit einem Deckel aus 4 mm Pappelsperrholz bewerkstelligen, in der Hoffnung, dass sich das Holz biegen läßt. Höhenunterschied soll 10 mm sein. Auf das Deckelbrett werde ich wie Du ein 4 mm Sperrholz geben und die beiden miteinander verschrauben.
    Was meinst Du dazu aufgrund Deiner Erfahrung.


    Gruß
    Andreas

  • Hallo Andreas,


    das 4 mm Sperrholz lässt sich in unseren modellbahnüblichen Radien (auf/ab) durchaus biegen, eine genügend große Zahl von Querspanten vorausgesetzt, damit es "flüssig" wird. Mein Vorschlag: Einen Längsspant mit den gewünschten Profilen mittig unter die zukünftige Trasse schrauben; 8 oder 10 mm Sperrholz reichen, wenn man mit 2,5 mm Spax verschraubt (natürlich kann man auch mit Ponal dann eine feste Verbindung vorsehen und die Schrauben wieder rausdrehen). Die zukünftige Trasse/Schotterbett kann dann genauso fixiert werden.


    LG Bruno - bob -