Die Ochsenlok BR 41 080 , ein Messingmodell

  • Hallo Fans.
    Dem Wunsch einiger Kollegen, ein Messingmodell vorzustellen, komme ich gern nach. Es handelt sich hier um ein Modell, welches aus einem Bausatz der mittlerweile erloschenen Fa. "merker + fischer" entstanden ist.
    Diesmal von der 41 080. Es ist eine Lokomotive mit einem Ersatzkessel der Bauart 57 der Deutschen Reichsbahn.
    Dieser Kessel unterscheidet sich vom Originalkessel der BR 41 dadurch, daß er über KEINEN Speisedom verfügt.Dafür hat er zwei Waschluken mehr.
    Hier ein Bild der 41 080 im Bf Güsen...



    Dieses Bild war für mich der Anlass, über den Bau einer solchen Lokomotive nachzudenken.Als Basismodell war ursprünglich eine, auf einem Tauschmarkt erworbene Hamo-41 vorgesehen...Dabei wäre neben dem Entfernen des Speisedomes und fast aller Leitungen auch noch die Entfernung der "Buckel" an der Feuerbüchse notwendig geworden.Diese Buckel sind aber notwendig um das Getriebe und den Betonmischermotor zu verdecken. Im Ergebnis ist dann erstmal das Projekt in der Schublade und die Lok in der e-Bucht verschwunden.
    Kurze Zeit später hatte ich dann das zweifelhafte Glück in der Bucht eine "merker + fischer" 41 zu erwerben. Und das nach meinem Versuch eine T14 umzubauen! Die ist als teilfertiger Umbau in der Bucht gelandet! Aber daß nur am Rande...
    Nun aber zur 41 080:
    Kurz zum Original, die Lokomotiven sind mit Kesseln aus dem hochfestem Kesselbaustahl St 47 K gebaut worden. Das ermöglichte eine Leistungssteigerung, da diese Kessel (ursprünglich) mit 20 bar betrieben wurden.Jedoch nach kurzer Zeit stellte sich heraus, das dieser Kesselbaustoff nicht alterungsbeständig war.Schon in der ersten Erhaltungsperiode wurde der Kesseldruck auf 16 bar gesenkt. Ab 1941 wurde das erste mal über einen Ersatz der Kessel nachgedacht. 1942 wurden die am meisten verschlissenen Kessel, durch einen baugleichen, aber aus normalen Kesselbaustoff bestehenden Kessel ersetzt.
    Dies erfolgte aber nur bei einem Teil der Lokomotiven. Nach dem Krieg hatte sich das Problem mit den Kesseln soweit verschärft, daß in der DDR ein Programm zum Ersatz aller Kessel aus St47 K in Angriff genommen wurde...Das Ergebnis sind die Rekokessel 39E / 50E . Da diese Kessel in den fünfzigern noch nicht zur Verfügung standen,hat man noch einige Lokomotiven mit Kesseln aus normalem Kesselstahl und den alten Zeichnungen (zum Teil geschweißt) ausgerüstet. Da zu diesem Zeitpunkt die innere Speisewasseraufbereitung mittlerweile Stand der Technik war,konnte auf einen (zu öffnenden ) Speisedom verzichtet werden.
    Bei einigen Lokomotiven sind dann auch noch die alten Windleitbleche beibehalten worden, so daß diese Loks ein etwas "uriges" Aussehen hatten.
    Und genauso eine Lok sollte es werden. Die "achtzig" stand recht schnell fest, da es hier die Nummernschilder bei weinert gab...


    Nun das Modell:



    Nach dem Erwerb des m+f Bausatzes kam zunächst erst mal die Ernüchterung.
    Einige Teile fehlten-so zum Beispiel das gesamte Gestänge.
    Der Führerstand etnsprach nicht dem Führerstand der 41 (es war der der 45)
    Na und die Räder erst (Weiß- (weichst-) Metall) , die gingen mit einigen anderen Sachen gleich in die Bucht...
    Das größte Problem waren dann aber die Zylinder...das habe ich aber dann erst bei der Montage gemerkt.
    m+f heißt nicht umsonst "MURKS und FUMMEL" !
    Jedenfalls lag der Bausatz vor mir, die Ätzteile schön aus dem Bogen getrennt...die Gußteile von den Gießbäumen entfernt und entgratet. Nach der Begutachtung wurden noch ein paar weinert- Teile vorbereitet. Recht schnell war auch klar daß hier ein anderer Führerstand hermußte.
    Der fand sich ebenfalls in der Bastelkiste.
    Die "großen" Baugruppen waren auch recht schnell zusammengelötet.Und es sah recht bald nach einer 41 aus...




    Blick auf die Heizerseite, schön sind die beiden auf der linken Seite befindlichen Speiseventile zu sehen.Noch fehlt das Triebwerk und die Zylinder sind auch bloß für´s Foto angesteckt.



    Ein Blick von hinten in den Führerstand zeigt,daß die Stehkesselrückwand recht spartanisch eingerichtet ist. Verschiedene Sachen habe ich dann noch nachgerüstet-z.B. das Bremsventil.Nach ein bißchen "gefummel" paßte dann auch der weinert-Führerstand auf die Ätzteile des Umlaufs.Nach ein bißchen mehr "ge murkse" auch der Stehkessel in den Führerstand.



    Die 41 080 hatte, im Gegensatz zu vielen Loks, keine Lampenbügel, sondern nur Griffstangen.Die wurden dan mal auf dem Uhrmacherdrehstuhl aus 1,0mm Draht gestichelt.Das Ergebnis kann sich sehen lassen--oder?
    Die Verstrebungen für die Windleitbleche habe ich schlicht und ergreifend vergessen.Ist mir aber auch erst dieser Tage , beim Fotografieren der lackierten Lok aufgefallen...



    Sehr schön sieht man auf diesem Bild die beiden Speiseventile auf der Heizerseite.Der weiße Streifen auf dem Kesselscheitel ist der verspachtelte Schlitz einer Senkschraube. Die hatte ich zum Verschluß der Bohrung dort eingesetzt und verschliffen. Auf der Lokführerseite ist ebenfalls ein verschlossenes Loch zu sehen, weil ich irrtümlicherweise erst auf jeder Seite ein Speiseventil eingesetzt hatte (nur gut, daß ich es nicht, hart eingelötet hatte)
    Also habe ich erst noch mal die Krümmerhauben gebaut-an die dann die Ventile gelötet wurden.



    Die Lokführerseite,gut sind die Leitungen zu sehen, die von der Luftpumpe zu den Luftbehältern führen-die Montage hat mich oft fluchen lassen und einige Flaschen böhmische Hopfentropfen gekostet.Am Ende ist es doch ganz gut geworden.Auch ist auf dem Bild zu erkennen, daß es unterschiedlich große Tritte am Kessel gibt.Dabei ist zu sehen, daß sie recht dick sind: die Urmodelle sind aus drei Teilen zusammengebaut.



    Hier noch einmal die Speiseventile, dabei mußte eines umgebaut werden, weil der Krümmer in die falsche Richtung geführt hat. (ich habe kein anderes Ventil gehabt).
    Die Tritte werde ich auf Wunsch eines Kollegen demnächst als Ätzteile fertigen.



    Die Windleitbleche sind auf dem Umlauf hart aufgelötet. Damit ist die Gefahr, daß sie abfallen, gegenüber kleben deutlich vermindert.
    Am Zylinder sind die Schieberentwässerungsrohre angebracht.
    Die Reichsbahn hatte seinerzeit an den Aschekästen der verschiedensten Baureihen Luftfanghutzen angebracht. Damit sollte mehr Luft unter de Roste gebracht werden, um so die verfeuerung minderwertiger Kohle zu ermöglichen. Der Aschkasten ist aus PS neu angefertigt worden, da der aus dem Bausatz nicht zu verwenden war.Die Luftfanghutzen sind aus Messingblech gefeilt und hart verlötet- das Ganze wurde dann mit Stabilit express in die Kunststoffteile eingeklebt.




    Hier noch mal von der anderen Seite. Die Schleppachse würde in der Deichsel von weinert gelagert, der Lastenausgleich ist von m+f . Die 41 080 hatte auch eine,wie hier auf den Bildern zu sehen, Schleppachsbremse. Der Träger für den Führerstand ist ein Messingätzteil, er entspricht der atlten Bauart.
    Auf dem nächsten Bild sind die Hutzen noch einmal von unten zu sehen.



    Radsätze, Bremsbacken und die Bodenplatte stammen von Roco. Die Bodenplatte ist mit einem zusatzlichem Messingblech verstärkt, damit ich die Schrauben ohne "vergnaddeln" des Plasteteils anziehen konnte.Meine erste Überlegung, den Nachläufer von Roco zu verwenden, hat sich nicht verwirklichen lassen.
    Also habe ich den von weinert mit dem Lastenausgleich von m+f verheiratet:



    Somit war die Lok im Großen und Ganzen fertiggestellt. Der Antrieb ist, wie bei fast allen im Tender untergebracht. Es ist ein alter Tender von roco- der mit dem Bohrmaschinen-motor. Ein Faulhabermotor in einem massiven Messingblock sorgt nun (digital gestellt) für Vortrieb.



    Beim Probelauf hat sich jedoch herausgestellt, daß sich die Lok im auslauf aus Bögen und Weichen immer schräg stellt.Abhilfe schafft nur eine Kurzkupplung mit Kulisse und starken Federn.



    Jetzt funktioniert es, nur beim Rückwärtsfahren stellt sich die Lok noch leicht schief. Ist aber bei dem Gewicht und der verhältnismäßig kurzen, geführten Länge kein Wunder.
    Möglicherweise ist aber auch das Spiel der Achslager etwas zu groß...
    Jetzt also nur noch den Tenderkasten mit dem geschweißten Kohlenkasten aufsetzen



    und fertig zum
    GRUNDIEREN:





    Die Teile wurden mit weinert-Lack grundiert und lackiert, dabei habe ich die Farbe für die Radsätze etwas abgetönt. Es sollte der Eindruck einer gammligen Lok entstehen.Nach dem Lackieren der Lok und des Fahrwerks ist jedoch eine recht gepflegt aussehende entstanden, die bis jetzt noch einer (dezenten Alterung) entgegen sieht. Die Führerstandsfenster und Windabweiser werden nach dem Altern eingebaut.
    Separat zu Grundierung und Lackierung wurden die Zylinder und das weinert-Gestänge vorbereitet.Dabei sollten sich noch größere Probleme ergeben. Die Zylinder sind zu kurz, damit paßte die Schieberschubstange nicht, da ich sie aber bereits mit dem Schieberkreuzkopf vernietet hatte, gab es nur zwei Möglichkeiten zur Korrektur.
    1. Die Schieberschubstangen komplett neu bauen oder
    2. sie so zu verlängern, daß sie mit dem Lager der Schwinge passen. Für letztere Variante habe ich mich entschieden.
    Ich habe einfach einen schmalen Streifen Ms-Blech aufgelötet, eine neue Bohrung und paßt NICHT! Also alles noch einmal. Dann gings aber ganz gut.
    Was mich noch ein wenig stört, sind die zu breiten Zylinderblöcke...Aber da der Rahmen in einer sehr frühen Bau-Phase mit dem Umlauf verlötet wird, ist an dieser Stelle keine Korrektur möglich.Beim nächsten Mal sehe ich zu, daß ich das ganze so vorbreiten kann, damit die Zylinder der Piko-41 passen.Dazu sind dann aber auch einige Arbeiten am Rahmen nötig. Vielleicht sogar ein Knickrahmen...
    Aber auch das über der Vorlaufachse liegende Schutzblech hat für einige Schwierigkeiten gesorgt.
    Im Gegenbogen R5 (roco-line) ohne Zwischengerade sind die Spurkränze des Vorläufers angestoßen und haben einen Kurzschluß verursacht. Ich hätte die Kontaktfedern auf der Masseseite auch noch isoliert anbringen müssen. Am Ende hat es dann gereicht, die zylinderseitigen Ecken etwas zu befeilen und die Achslager der Führenden Kuppelachse etwas abzufräsen.
    Danach ging es in die Lackiererei:
    Nun die Bilder der inzwischen lackierten Lokomotive .




    Ein Kompromiss sind die einfachen Fensterschirme, die 41 080 hatte, wie auf dem sw-Foto zu sehen, Windstauschuten.



    Bei der m+f Pufferbohle sind die Gleisräumer mit angegossen, dadurch ergibt sich dieses etwas eigenartige Bild. Es ist aber nicht so einfach möglich ddiese , durch die Gleisräumer von weinert zu ersetzen, da hierdurch die gesamten Propotionen der Lokomotive gestört werden.
    Die maßlich richtigen Gleisräumer von weinert sind einfach etwas zu filigran für diese, doch etwas robuste Lok.



    Ich hoffe, daß Euch die Bilder von dieser doch nicht ganz alltäglichen Lokomotive gefallen haben. Inzwischen gab es ja auch schon einmal die Ankündigung von MäTrix, eine Altbau 41 zu bauen (41 070).Aber inzwischen ist dieses, wie auch andere interessante Modelle eingedampft wordenm...
    Ich bin für Kritik und Anregungen offen, nur eines passiert an dieser Lok wohl nicht,daß ich die Radsätze abdrehen werde. Ich traue dem Plastezeugs nicht so richtig. Zum zweiten sieht man ´daß die Räder viel zu breit sind. So ist m.E. dieser Zustand ein guter Kompromiss.
    Manchmal liebäugel ich schon mit H0pur...
    Gleichzeitig möchte ich aber auch einige dazu ermuntern-ihre in Schachteln und Schränken schlummernden m+f-Bausätze zu montieren...
    Es läßt sich was draus machen- nur man sollte die Bauanleitung lesen-und streckenweise vergessen.


    Ich werde sie in loser Folge vorstellen- und wenn gewünscht, auch ausführliche Bauberichte schreiben.


    Viele Grüße aus Jena
    Christian

  • Hallo Christian,


    für mich immer wieder bewundernswert, mit welcher Akribie Du beim Bau Deiner Dampfer vorgehst. Ich könnte das nicht. Allein der ganze technische Hintergrund, dieses Wissen um "wie funktioniert eine Dampflok" geht mir ab. Ich habe mir zum langsamen einlesen in die Materie vom EJ-Verlag die CD "Die Dampflokomotive, Technik und Funktion" schicken lassen. Da sind die 4 Heftausgaben im PDF-Format enthalten. Jetzt muss ich nur noch Zeit finden, das alles zu lesen UND zu verstehen.


    Also sieh mir bitte nach, wenn ich Deinen ausführlichen Baubericht nur staunend zur Kenntnis nehmen, aber fachlich leider nichts dazu beitragen kann.

    Zitat

    Ich werde sie in loser Folge vorstellen- und wenn gewünscht, auch ausführliche Bauberichte schreiben.

    Ja, bitte, Christian, Deine Bauberichte setzen Maßstäbe. Danke.


    Gruß
    Rainer

    Kleinreuth-Nord-Logo-supersmall.jpg


    Christopher La Brec: Jeder Mensch verfolgt einen Traum in seinem Leben. Entweder den eigenen oder den eines anderen. Gib acht, das Du Deinen eigenen verfolgst.

  • Hallo Rainer,
    für meine Arbeitsweise ist es notwendig, mich auch mit dem technischen Hintergrund des entsprechenden Vorbild zu befassen. Dabei gibt es auch Fahrzeuge, die wesentlich schlechter dokumentiert sind. Da ist es dann entsprechend schwieriger, ein halbwegs korrektes Modell zu entwickeln. Das trifft besonders auf die Lok der PKP zu, welche in der Zwischenkriegszeit gebaut worden sind- auch sind hier die verfügbaren Unterlagen mehr als dürftig.
    Aber ich bin der Meinung- daß auch Du einen solches Modell bauen könntest- soviel unterscheidet sich die Arbeitsweise nicht vom Gebäudebau. Lediglich die Entwicklung von Antrieb und Getriebe ist etwas aufwendiger- aber auch hier gibt es genügend Informationen im Netz.


    Für die Montage der Rahmen sind die Arbeitsweisen, denen des Gebäudebaues sehr ähnlich. Man muß nur darauf achten daß die verschiedenen Teile rechtwinklig/parallel moniert werden. Aber dazu bringen die Bausätze genügend Hilfen (Schrauben, Distanzbolzen) mit. Der Rest ist "Handwerk". Lediglich sollte man mit den Fertigungsmethoden vertraut (Löten;Kleben) sein. Bei der Entwicklung eigener Modelle muß man sich doch recht früh im Klaren sein, was wo und wie zu montieren ist- ansonsten bricht man sich die Finger.Einen Bausatz zu montieren, ist gar nicht so schwierig. wenn man sich an die Bauanleitung hält- und Schritte die nicht klar erscheinen "trocken" ausprobiert. Ich habe aber auch immer wieder festgestellt- das Bauannleitungen Fehler enthalten oder unklar sind. Eine Ausnahmen stellen die die, als nicht unproblematisch beschriebenen bausätze der Fa model loco dar, hier konte ich wirklich nach den Anleitungen bauen- am Ende liefen die Loks ganz gut. Bei den m+f-Bausätzen ist es ähnlich. Allerdings würde ich nach heutigem Kenntnisstand einige Baugruppen auseinandernehmen und durch zusätzliche Montagehilfen ergänzen.Allerdings folgen die m+f-Bausätze unterschiedlichen Montagephilosophien- so das eine allgemein gültige Aussage nicht gemacht werden kann. Auf die entstehenden Probleme werde ich beim Bau meiner Modelle hinweisen. Aktuell habe ich noch zwei dieser Modelle in der "pipeline" zum einen einen bereits modifizierten Bausatz der G10 zum anderen einen der T14.1 (diese soll mit einem anderen als dem mitgelieferten Antrieb ausgerüstet werden- aber dies ist Zukunftsmusik.



    Der Teufel steckt im Detail- und hier ist es wichtig- genügend Fotos des zu bauenden Modells zu haben- dabei ist es dann auch gar nicht so wichtig- bis ins letzte Detail der Funktion im Bilde zu sein.


    Es ist schön,daß Du Dich mit der Funktion der Dampflok beschäftigst. Wenn da Unklarheiten bestehen- einfach mal Fragen. Ich werde,so es mir möglich ist, Antworten geben.
    Mit meinen Beiträgen möchte ich Mut machen auch mal ein Fahrzeugmodell zu bauen- es muß ja nicht unbedingt gleich ein Lokmodell sein- hier bieten sich zum Beispiel die Auto- oder Wagenmodelle von weinert an. Diese sind hervorragend vorbereitet und passgenau. Als Krönung würde ich noch nicht einmal die Lokmodelle annehmen, sondern eher die Formsignale von weinert, die an Filigranität nicht zu überbieten sind.


    Mt dem Staunen geht es mir genauso- wenn ich die verschiedenen Gebäudemodelle sehe, die hier vorgestellt werden, seien es die von Eberhard oder eben dein Höchstadt-EG. Hier kann ich auch fachlich nichts beitragen. Lediglich Tipps aus dem allgemeinen Modellbau "absondern"- die nur Detaillösungen sein können.


    Wenn also das Interesse besteht- werde ich weitere Bauberichte vorstellen und auch den "Bello"-Faden fortführen. Ich möchte aber ermutigen, bei Unklarheiten Fragen zu stellen.


    Hiermit möchte ich aber auch einen Faden ankündigen- der sich mit dem Bau einer weiteren PKP-Lok beschäftigt. Es ist auch das bisher umfangreichste Projekt, welches ich bearbeitet habe.


    Jetzt wünsche ich eine
    Gute Nacht
    Christian

  • Grüß Gott Christian,
    soeben habe ich den Bericht über die BR 41 080 gelesen. Das hast Du ja ganze Arbeit geleistet. Nach dem ich Deine anderen Arbeiten kenne war das ja selbstverständlich! Nun habe ich einige Fragen?
    1) Welchen Führerstand hast du hergenommen?
    2) Was meinst Du mit Griffstangen gestichelt?
    3) Von wem sind die Sicherheitsventile?
    4) Zum Tender und zur Motorbefestigung habe ich auch eine Frage, auch zum Kohlenkasten. Eigenbau aus MS Blech nehme ich an.
    Zur Beantwortung meiner Fragen schon jetzt vielen Dank, Gruß Herbert.

  • Hallo Herbert,
    schön, daß Dir meine Lok gefällt.
    Nun möchte ich Dir gern Deine Fragen beantworten:
    Der Führerstand ist von Weinert- ich hatte vor langer Zeit mal einen halben Bausatz der BR44 auf einem Tauschmarkt erworben. Halber Bausatz heißt in diesem Falle- es fehlte der komplette Antrieb und das Fahrwerk der Lok. Da es sich um die DB-Variante handelte, blieb für meine Verwendung lediglich der Führerstand und der Kessel übrig. Wie schon im Baubericht beschrieben, lag dem Bausatz nur ein Führerstand des BR45 bei- der sich aber von den normalen Führerständen maßlich unterscheidet. Der Führerstand der 45 und der Kessel wurde in der Bucht versenkt.


    Die 41 080 hatte, wie verschiedene andere Lokomotiven der DR keine Lampenbügel auf der Pufferbohle, sondern nur Griffstangen (die ja eigentlich Rohre sind) mit einer Kugel am oberen Ende. Diese Griffstangen gibt es auch von Weinert unter der Artikelnummer 8466 zusammen wit einigen weiteren Griffen, sowie unter der Nummer8750 unter der Bezeichnung Rangierstangen. da mir diese Teile aber beim Bau nicht vorlagen, habe ich sie mit dem Handdrehstahl aus Messingdraht gedre(chsel)[h]t. Da diese Handdrehstehle auch im Uhrenbau unter dem Begriff "Stichel" bekannt sind- habe ich sie eben "gestichelt". Die Bearbeitungsspuren wurden dann mit einer feinen Feile und Schleifpapier beseitigt.


    Die Sicherheitsventile lagen dem m+f-Bausatz bei. Sind aber für die Lokomotiven der BR 41 ( in dieser Form mit dem Ersatzkessel Bauart57) eigentlich falsch. Denn sie stellen eigentlich die alte Bauform mit zwei Betätigungszügen dar. Diese Sicherheitsventile gehören eigentlihc an die Lokomotiven der BR ´n 01/02/43/44 und 62. Die von Weinert angebotenen (passenden) Sicherheitsventile lagen mir wohl nicht vor. Zudem sitzen die Ventile zu weit außen.
    In wieweit die alten Sicherheitsventile bei der Altbau-41 verbaut worden sind, kann ich nicht sagen. Aber nur soviel- der Rüttelzug der Sicherheitsventile ist als eine der ersten Entfeinerungsarbeiten beim Bau der BR44 entfallen. Diese Entfeinerungen sind mit der Liste 1 vom 21. März 1942 angeordnet worden.
    Die vereinfachten Sicherheitventile sind nach dem Krieg bei allen Einheitslok eingebaut worden.


    Der Tender ist ein alter Tender mit dem alten Bohrmaschinenmotor von Roco. Eine Lok der BR 44 (die schwarze ÖBB-Lok aus dem Bello-Faden) spendete ihren Fauhlhaber-Motor. Dabei wurde der Motorblock nachgefertigt- da mir der alte Block etwas zu ungenau gefertigt war und deswegen im Tenderrahmen klapperte. Dieser Block sitzt nun recht straff in seinem Ausschnitt...allerdings möchte ich Ihn nicht noch mal aus dem Tender entfernen um die Maße abzunehmen. Der Grund hierfür ist der Drahtverhau für den Dekoder.
    Der Wasserkasten des Tenders entstammt einem Günther-Umbausatz und hatte ursprünglich einen schrägen Kohlekasten. Die DR hat aber bei den fälligen RAW-Aufenthalten diese Kästen durch geschweißte Kästen ersetzt. Ziel ddieses Umbaus war wohl- den Kohleraum zu vergrößern. Diese Kohlekästen werden jedoch von keinem Hersteller angeboten und deswegen aus Messingblech gefeilt und hart verlötet. Die obere Kohlekastenverstärkung ist ein Winkelprofil,welches mit einem Schenkel nach Innen , weich aufgelötet wurde. Mit ein paar Feilenstrichen wurde dieser Schenkel maßlich und optisch angepaßt. Allerdings ist der Kohlekasten etwas zu hoch- da mir keine Maßzeichnung vorlag. Der gesamte Kohlekasten ist mit Zweikomponentenkleber auf dem Tenderkasten verklebt worden.


    Die auf dem Foto ersichtliche dicke Messingplate stellt sicher, daß der Tenderkasten ordnungsgemäß auf dem Tenderrahmen sitzt. Zudem klemmt er dem Motorblock auf dem Fahrwerk fest. Üblicherweise übernimmt diese Funktion ja das originale Tendergehäuse. Die Platte wird von vier Stehbolzen auf dem Tenderfahrwerk gehalten, die in das Tenderfahrwerk eingeklebt sind. Die mitleren Schrauben verspannen die gesamte "Mimik".


    Da mir die Kuppelei von roco nicht wirklich gefallen hat- wurde hier eine Kurzkupplung eingebaut. Der Schacht der Kulisse ist ebenso an dieser Platte hart anglötet. Von der Seite ist dieser Schacht als Rahmenvorschuh (wie beim Vorbild zu sehen). Der Kulissenkasten ist auf dem Tenderfahrwerk verschraubt-dazu dient die Schraube der alten Tenderkupplung.
    Die Federn der Kulisse sind an der Stirnseite angehängt.



    Hoffentlich habe ich Deine Fragen erschöpfend beantworten können. Sollte es weitere Unklarheiten geben- einfach fragen.


    Vieel Grüße
    Christian

  • Grüß Gott Christian,
    meinen Dank für Deine ausführliche und detaillierte Info. Das war für mich sehr aufschlussreich. Du hast alle Fragen bestens beantwortet. Drei Fragen bleiben aber noch.
    1) Gehe ich recht in der Annahme das der Tenderkasten ein 2`2` T32 ist?
    2) Teile mir Bitte mit wie Du den MS Block für den Faulhaber-Motor gefertigt hast? Die einzelnen Arbeitsschritte und die entsprechenden Maschinen sind für mich wichtig zu Wissen.
    3) Welchen Faulhaber-Motor hast Du eingebaut?
    So das war`s mal wieder.
    Viele Grüße Herbert.

  • Hallo Herbert,
    Du gehst richtig in der Annahme, daß es sich hier um einen 2´2´T32 handelt. Und zwar hier konkret um den Tenderumbausatz von Günther.
    Ich kann Dir allerdings jetzt nicht mehr genau sagen , ob es sich bei dem Faulhabermotor um einen 1331 handelt. Aber vom Ansehen würde ich sagen ja. Nach dem Bau/ Umbau habe ich die Lok nicht mehr auseinander genommen.
    Am einfachsten ist es, mal den Faulhabermotor (die Skizze) mit dem Original-Motor zu vergleichen und danach auszuwählen. Wie schon erwähnt hatte ich diesen Motor aus einer anderen Lok transplantiert (die noch auf ihren Umbau zur Ersatzkessel-Lok wartet) und die Maße vom Motorblock des Spendertenders abgenommen. Eine Skizze existiert hierzu nicht. Aber die Außenmaße entsprechen dem Roco-Motor.


    Die Fertigung des Motorblocks setzt die Verwendung von Dreh- und Fräsmaschine voraus. Allerdings dürftest Du ja hiermit entsprechende Erfahrungen haben.


    Jetzt möchte ich kurz einen Arbaitsplan erstellen ( allerdings sind die konkreten Maße vom Roco-Motor abzunehmen.


    1. Drehen des Außendurchmessers, re Seitendehstahl, Drehmaschine (vorzugsweise DLZ)
    2. Plandrehen
    3. Zentrieren der Motorbohrung, Zentrierbohrer
    4. Vorbohren der Motorbohrung auf Motornenndurchmesser ( -1,0 mm), Spiralbohrer
    5. Ausdrehen des Schwungmassendurchmessers (+0,5 mm), Ausdrehstahl
    6. Ausdrehen der Motorbohrung (-0,15mm)
    6.1.ggf Fertigdrehen der Motorbohrung, Passen mit Motor oder Grenzlehrdorn (Toleranzfeld H7 oder leichter Schiebesitz)
    oder
    7. Aufreiben der Motorbohrung, Maschinenreibahle mit Toleranzfeld H7
    8. Absägen des Motorblocks vom Rohmaterial
    9. Umspannen und Plandrehen
    10.Messen, Meßschieber
    11.Plandrehen auf Länge


    12.Spannen im Maschinenschraubstock der Senkrechtfräsmaschine
    13.Überfräsen der ersten Fläche, Walzenstirnfräser, ggf Fingerfräser ( dan die Fläche auf mehrere Spuren aufteilen)
    14.Umspannen
    15.Überfräsen der zweiten Fläche (Beim Überfräsen umbedingt darauf Achten, daß beide Flächen symmetrisch sind- hierdurch wird die Höhe der Motorachse bestimmt), Fräsunterlagen!!!16.Umspannen, daß der Motorblock mit den Flächen an den Backen des Schraubstocks liegt)
    17.mittig zentrieren
    18.Kernloch für M3 bohren
    19.4mm tief auf Durchmesser 6 aufsenken, Fingerfräser
    20.Arbeitsgänge 17-19 auf der anderen Seite wiederholen
    23.Gewinde M3 schneiden
    24.sämtliche gefrästen Flächen entgraten
    25.Motorbohrung entgraten, bis sich Motor durch die Bohrung schieben lässt


    26.Zylinderkopfschrauben M3 auf die notwendige Länge kürzen (+0,2 mm)
    27.den vorbereiteten Motor (mit Schnecken, Schwungmasse und Kabel) in die Motorbohrung stecken und ausrichten
    28.mit den M3-Schrauben vorsichtig sichern, Achtung bei zu festem Anziehen kann der Motor beschädigt werden!!!
    29.Schrauben mit Lack gegen Lösen sichern
    30.den gesamten Block in den Tender einbauen
    31.Kontrolle des Zahnradeingriffs ( sollte erstmals nach Arbeitsgang 14./15. geschehen) ggf den Block auf der schwergängigeren Seite in den Tender einbauen und mit Fühlerlehren oder Schreibpapier auf die notwendige Höhe einstellen)



    Hoffentlich habe ich mit diesem Abriß Deine Fragen beantworten können...Beim nächsten Umbau werde ich diese Schritte bildlich darstellen ;)


    Viele Grüße
    Christian

  • Grüß Gott Christian,
    den Arbeitsplan habe ich genau studiert. Meinen herzlichen Dank. Da ich noch eine Piko BR 01.5 mit Roco Öltender u. Speichenräder habe und noch eine Piko BR 41, werde ich dem nächst den MS Block mit Faulhabermotor in Angriff nehmen. Zuerst muss ich noch zwei Baustellen (01 150 und ÖBB Rh 12) abarbeiten.
    Viele Grüße Herbert.