Hitachi EG70R

  • Hallo,


    ein aktuelles Projekt, was mich derzeit beschäftigt, möchte ich euch hier vorstellen.
    Ursprünglich hatte ich die Hoffnung, dass man für den EG70R von Hitachi das Kettenwerk samt Kette von einem Panzer oder Kettenbagger verwenden kann. Nachdem ich dann gefühlte 2.000 Panzer sichtete und nichts wirklich richtig passte, führte der Weg am Eigenbau nicht vorbei.
    Mit etwas Fräsarbeit, einiges an konventioneller Schnitzerei und sehr viel Überlegen, entstand dann gestern Abend der erste Teil des Modells.
    Ich widme mich nun dem Oberwagen, dort warten bereits die nächsten Hürden auf mich...




  • Ein sehr interessantes Projekt, Robert.


    Sofern es geht, würde ich sehr gerne etwas mehr von den Arbeitsschritten bzw. Deinen Überlegungen wissen. Ich staune, was da bautechnisch alles machbar ist.



    Gruß Rainer 8)

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    Christopher La Brec: Jeder Mensch verfolgt einen Traum in seinem Leben. Entweder den eigenen oder den eines anderen. Gib acht, das Du Deinen eigenen verfolgst.

  • Hallo,


    Rainer: das Schwierige an dem Unterwagen war nicht das Bauen, sondern die Planung im Vorfeld. Insbesondere, da ich sonst meist Gebäude baue und mit Kettenfahrzeugen noch nicht alt zu viel Kontakt hatte. Bevor ich so etwas angehe, konstruiere ich die Einzelteile eines Modells im Kopf und setze sie dann sozusagen „virtuell“ zusammen. Erst dann setze ich Messer und Schneidelineal an, bzw. erstelle die Zeichnung für meine Fräse. Natürlich kann man das auch alles „Chic“ in einem CAD-Programm machen aber das dauert mir das zu lange und ist mir auch etwas zu umständlich.


    Laufwerk und Kette sind aus weißem Polystyrol und zu 100% aus Selbstbau. Den Rahmen könnte man problemlos selbst schnitzen, die Lauf- und Antriebsräder lassen sich auch aus Rundrohren von Evergreen herstellen. Bei der Kette wird es schwierig sie durch klassische „Schnitzerei“ herzustellen, hier war meine Fräse schon eine enorme Erleichterung! Grundsätzlich halte es es aber für möglich die Kette per Hand herzustellen, in dem man PS-Stripes auf ein dünnes Band klebt, was jedoch etwas Geduld und auch ein wenig Erfahrung im Modellbau erfordert.


    Als nächstes entstand der Rahmen für den Oberwagen. Im hinteren Teil ist dieser offen, da sich dort die Hydraulikzylinder für die Mulde befinden. Die Kabinenteile habe ich einzeln gefräst, anschließend zusammengeklebt und alle Kanten per Hand mit 1000er Schleifpapier abgerundet.
    Für den Motorteil habe ich alle Seiten die Gravur enthalten gefräst und graviert, den Rest schnitt ich mit dem Cutter zurecht. Tankeinfüllstutzen und Abgasrohr entstanden aus 1,0 mm Rundprofil von Evergreen. Das Abgasrohr habe ich mit einem 0,6 mm Bohrer aufgebohrt.






    Grüße
    Robert

  • Hallo Robert,
    es ist interessant zu lesen, wie Du solche Projekte angehst. Dabei unterscheidet sich unsere Arbeitsweise grundlegend- ich entwerfe alle Teile aus einer CAD-Darstellung . Dabei werden die Ätzteile aus den Zeichnungen in einen Ätzbogen kopiert. Die Fräs-/Drehteile werden dann in einer klassischen Dreiseitenansicht gezeichnent unsd auf konventionellen Maschinen gefertigt. Das Umsetzen von CAD-darstellungen in eine Fräsdarstellung habe ich bisher noch nicht verwirklicht. Allerdings bin ich auch noch nicht soweit, um meine MF70CNC in Betrieb zu nehmen... Der Kurs in Corel hilft mir hier aber schon weiter...
    Die Planungen für ein Modell sind schon recht aufwendig- besonders , wenn die Quellenlage dürftig (bei meiner Ok22) ist.
    Das Modell der Baumaschine ist schonbeeindruckend. Besonders wenn ich die vielen kleinen Gravuren sehe.


    Ganz großes Kino, was wir hier zu sehen bekommen...bin schon auf die nächsten Bauabschnitte gespannt


    Übrigens- ich bin auch von der Art, WIE Du das Modell fotografierst begeistert!


    Viele Grüße aus Jena
    Christian

  • Hallo,


    „von ganz groß zu ganz klein“. Quasi als Gegensatz zu Eberhards Beitrag zum Köpenicker Barockschloss, möchte ich euch heute den weiteren Bauverlauf des EG70R zeigen.
    Der Kippaufbau des Vorbildes hat im Gegensatz zum Serienfahrzeuges einige Veränderungen, welche ich versuchte auch im Modell umzusetzen. Die Heckklappe sowie der Aufbau und die beiden dazugehörigen Zylinder sind beweglich. Die Planierschilde vorn und am Heck des EG70R entstanden im letzten Arbeitsschritt und bilden damit den Abschluss der aufwendigsten Arbeiten. Es folgen die Details am Motor, sowie die Inneneinrichtung der Kabine.







    Grüße
    Robert

  • Hallo Robert,


    stehender Applaus aller 25 Mitglieder unseres Forums ist Dir sicher. Ich denke mit diesem Teil hast Du Dein Meisterstück geliefert. Meine Hochachtung! Tja, man müßte nochmal Zwanzig sein...


    Mit liebem Gruß - Eberhard

  • den Auführungen von Eberhard kann ich nichts mehr hinzufügen. Ich verneige mich virtuell.



    Gruß
    Rainer :thumbup:

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  • Hallo Robert,


    geiles Teil, ganz sicher! Aber


    Zitat

    Sofern es geht, würde ich sehr gerne etwas mehr von den Arbeitsschritten bzw. Deinen Überlegungen wissen. (Rainer)


    Ich nämlich auch. War da noch was ausser denken, fräsen und kleben? Oder sollten wir nur mit offenem Mund dastehen?

  • Hallo,


    vielen Dank für Eure lobenden Worte! :blush2:


    War da noch was ausser denken, fräsen und kleben? Oder sollten wir nur mit offenem Mund dastehen?


    Na eigentlich war da sonst nichts weiter, außer noch etwas schleifen und gelegentlich spachteln. Sonst frag(t) mal etwas Spezielles, dann kann ich das vielleicht näher erläutern.

  • Sonst frag(t) mal etwas Spezielles, dann kann ich das vielleicht näher erläutern.



    Hallo Robert,


    Du wolltest es so :D :
    Falls Du kein Betriebsgeheimnis verraten musst, würde mich interessieren, wie die Kippmulde entstand. Also Vorbild->Zeichnung->Teile->Montage. Mir fehlt da im Augenblick die Fantasie, wie vorzugehen wäre.


    Gruß
    Rainer

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  • Falls Du kein Betriebsgeheimnis verraten musst, würde mich interessieren, wie die Kippmulde entstand. Also Vorbild->Zeichnung->Teile->Montage. Mir fehlt da im Augenblick die Fantasie, wie vorzugehen wäre.


    Hallo Rainer,


    Im Prinzip schon sehr gut zusammengefasst :D
    Die Kippmulde entstand wie folgt: Nachdem vom Vorbildfoto alles vermessen wurde, habe ich die einzelnen Teile gezeichnet und gefräst. Der Grundaufbau besteht aus: Bodenplatte (ein Teil) und der darunter verklebten Verstrebung (ein Teil). Anschließend wurden die Längsseiten in die eine Nut eingefräst wurde, welche so stark wie die Bodenplatte ist, an dieser Verklebt. Das gleiche habe ich mit den vorderen Elementen gemacht: Wand (ein Teil) und die Verstrebungen (ein Teil) miteinander Verklebt und in die Nut der Seitenteile eingeklebt. Die Heckklappe entstand genauso, nur mit der Ausnahme, dass an den Seiten L-Profile befestigt wurden. An diese sind dann kleine Rundprofile (0,5 mm) angeklebt, welche in die Bohrung der Seitenteile passen.


    Ich weiß nicht ob das so verständlich ist aber das Prinzip ist immer das Gleiche: Jedes noch so komplizierte Vorbild musst du im Kopf in zweidimensionale Einzelteile zerlegen, dann weißt du auch, wie du es im Modell umsetzen kannst! Beispiel: Ein Gittermastkran sieht furchtbar komplex und aufwendig aus aber mit etwas überlegen kommt man vielleicht darauf, dass man eigentlich nur Dreiecke aus einer Platte ausfräsen muss und das Gitter was dann übrigbleibt zusammenklebt ;)


    Wenn trotzdem noch Fragen sind: Fragt einfach, es gibt keine dummen Fragen!

  • Aah jetzt ja oder "etzala hab ichs gschnallt". Danke Robert. :thumbsup:

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  • Hallo Robert,
    Nun haut es mich endgültig aus den Socken! Ganz großes Kino, was wir hier zu sehen bekommen. Und ich schließe mich dem STEHENDEN Applaus an. :applaus::applaus::applaus::applaus::applaus::applaus::applaus::applaus::applaus::applaus:


    Die Auflösung dreidimensionaler Gebilde ist mir von meinen Ätzteilen zwar bekannt- aber in dieser Perfektion habe ich es noch nicht gesehen...
    Mehr davon
    meint
    Christian
    aus Jena

  • Genug des Lobes und der Begeisterung! Es ist alles gesagt und ich schliesse mich selbstverständlich an.
    Vielen Dank fürs Zeigen und die Erklärungen.
    Nun wirkt die Ausführung und die begleitenden Worte wie von Zauberhand, so unwahrscheinlich einfach.
    Da kommen denn auch gleich mal Ideen. Aber vorher die Frage, was so ein Teil in einer Einzelanfertigung oder Kleinserie
    den geneigten Interessenten kosten würde?
    Ich schmöker gerade im Büchlein "Brockenhexe, Rübezahl und Dieselameise" und da gibt es diese alten Sachen...
    KS 07 ...sag ich mal, ein Diesel-Ketten-Schlepper aus den Fünfzigern.
    Ja ich weiss, gab es mal als Modell...ich habe meine drei oder vier Modelle im Sandkasten verspielt.
    Ginge sowas und zu welchen Preisen?
    Nettes Grüssle mitten aus dem Wald
    Peter

    ... und das Grüssle mitten aus dem Wald
    bis bald... ´s Peterle


    ...mittlerweile gibt es einiges auf meinem "Blog"


    Verschiebe nicht auf morgen, was du heute leben kannst.
    Jeder vergangene Augenblick, den du nicht zu ergreifen verstanden hast, ist ein verlorener Augenblick.
    (unbekannter Autor)

  • Hallo,


    danke für die lobenden Worte!


    Aber vorher die Frage, was so ein Teil in einer Einzelanfertigung oder Kleinserie
    den geneigten Interessenten kosten würde?


    Die Einzelanfertigung eines solchen Modells ist leider sehr teuer und liegt bereits im dreistelligen Bereich, da hier doch einiges an Entwicklungsarbeit notwendig ist. Also nix für „Mal eben gekauft und auf die Anlage gestellt.“ Ich hoffe, dass der geneigte Leser, der diesen Baubericht verfolgt ein Gefühl dafür bekommt, wie Aufwendig eine vollständige Neukonstruktion eines Modells ist und das die damit verbundenen Kosten ein Modell eines Großserienherstellers weit übersteigen.
    Um eine Kleinserienanfertigung zu realisieren müsste man das Modell im Resinguss-Verfahren herstellen. Dieses Material ist nicht jedermanns Sache und selbst hier sind, aufgrund der vielen Hinterschneidungen und der diversen Einzellteile, die Kosten noch im mittleren zweistelligen Bereich. Wie man aber in den Modell(bahn)-Foren täglich zu lesen bekommt sind selbst 25 EUR für ein LKW von Herpa o.Ä. vielen schon zu viel! Da überlegt man natürlich ob sich die Investition in die Entwicklung der Silikonformen und das Herstellen eines gewissen Lagerbestandes überhaupt lohnt...

  • Danke für die offene und ehrliche Antwort.
    Ich denke, da hapert es mit dem "Gefühl" bei mir wohl etwas. Das es nicht so nebenher ist, kann ich gerade noch nachvollziehen.
    Ich hätte meine Vorstellung für so eine FAMO-Raupe so bei 35 bis 40 Euro eingeordnet, um es mal einfach so offen zu sagen.
    Mag sein, das die Kenner der Materie da nur müde lächeln. Leider ist es aber so,
    das die finanziellen Möglichkeiten im Hobbybereich irgendwo ihre Grenzen erreichen.
    Danke für die Einblicke in Deine Möglichkeiten und Dein Schaffen, auch wenn es für mich nicht nutzbar ist.
    Nettes Grüssle mitten aus dem Wald
    Peter

    ... und das Grüssle mitten aus dem Wald
    bis bald... ´s Peterle


    ...mittlerweile gibt es einiges auf meinem "Blog"


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    (unbekannter Autor)

  • Servus Robert,


    das Teil schaut ja richtig toll aus :thumbup:
    Schade, dass es in meiner Epoche II solche Fahrzeuge noch nicht gab.
    Dein Baubericht ist wirklich einmalig geschrieben und verleiht manchen der User hier bestimmt zum Nachbasteln :D
    Ich hoffe wir sehen noch mehr solcher geiler Fahzeuge von Dir.


    Gruß
    Rainer K