rot/schwarzer Übergang bei Dampfloks der Epoche III

  • Hallo Kollegen,


    ich frage mich gerade, wie der Übergang zwischen rot "alles unter dem Umlauf" zu schwarz "alles über dem Umlauf" eigentlich gehandhabt wurde.


    Mir ist insbesondere unklar,

    • ob es verbindliche Detail-Regeln gab
    • ob bei Tenderloks die Unterseite der Wasserkästen rot oder schwarz war,
    • ob die Auftritte von der Pufferbohle auf die Umläufe rot oder schwarz waren,
    • ob diese Auftritte oben und unten gleichfarbig waren
    • ob die roten Tritte unter dem Führerhaus von oben schwarz lackiert waren

    Leider konnte ich keine Farbbilder finden, bei denen die Lok von unten fotografiert worden wäre UND die nicht komplett schwarzgrau versifft waren.
    Wer kann helfen? Heutige Museumslackierungen gelten nicht als Referenz :-)


    Michael

  • Hallo Michael,
    ich kann hier nur für die Deutsche Reichsbahn sprechen, deshalb kann es hier ggf. Differenzen zu den Vorschriften / Ausführungen der DB geben.
    Die Detailregeln gibt es- allerdings ist die Ausführung oftmals abweichend:
    Nach der Vorschrift sollten die Tritte schwarz ausgeführt werden- in der Tat waren sie jedoch rot und nur die Trittfläche schwarz...
    Vorschriftsmäßig sollten alle Teile- mit Ausnahme der Zylinder und des Aschkastens rot ausgeführt werden. Dabei sind bei Reichsbahns die Kreuzköpfe üblicherweise nicht lackiert worden.
    Meines Wissens sind die Wasserkästen der Tenderlok rundrum schwarz lackiert worden. Wobei es durchaus möglich ist, daß bei den Lokomotiven der BR´n 65.10 und 83.10 die Unterseiten rot lackiert worden sind. Denn hier sind auch Teile oberhalb des Umlaufes rot lackiert worden. Konkret waren es die Flächen auf denen die Loklaternen angebracht waren.
    Das war allerdings in den sechziger und frühen siebziger Jahren der Fall (also der für Dich interessanten Zeit).


    Tendenziell waren jedoch alle, von der Seite sichtbaren Teile rot lackiert. Auf alle Fälle die Rahmenwangen und Radsterne- da es hier auf eine gute Erkennung eventuell auftretender Risse ankam. Ich kann mich jedoch erinnern, daß die Teile zwischen den Rahmenwangen (Luftbehälter zwischen den Spannbändern/ Steuerungsträger/ Pendelbleche) schwarz lackiert wurden, bzw bei Ausbesserungen nicht neu lackiert wurden...


    Späterhin wurde der Anteil der rot lackierten Teile immer weiter eingeschränkt- rote Pigmente waren nur für Valuta erhältlich. Ab Mitte der achtziger Jahre wurde ein auf Eisenoxid basierendes Pigment verwendet. Diese Farbe war ein dunkles rostrotbraun...


    Also, im Prinzip gab es wohl nichts, was es nicht gab. Hier ist wohl eine gewisse Freiheit in der Ausführung möglich. Oder aber es stehen Detailfotos zur Verfügung


    Soweit meine Gedanken- hoffentlich waren meine Ausführungen hilfreich


    Viele Grüße
    Christian

  • Also, im Prinzip gab es wohl nichts, was es nicht gab. Hier ist wohl eine gewisse Freiheit in der Ausführung möglich. Oder aber es stehen Detailfotos zur Verfügung

    :thumbup::thumbup::thumbup:
    Moin Leute;
    So war das überall. In den westlichen Landesteilen in der Frühen Epoche III aus Mangel, man nahm das was da war, so sparsam wie möglich und beim Auslaufen der „Dampfer“ arbeitete (färbte) man bei Bedarfsinstandsetzungen ungefähr.


    Wie es sein sollte, belegen Fotos aus den 50er; 60er Jahre von frisch aus den AW kommende Loks. Aber auch dort kann man Unterschiede feststellen. Die inzwischen unzähligen Farbaufnahmen im HIFO belegen das.
    Bestimmt gibt es „Vorschriften“, :wissenschaftler: aber wo kein Kläger ist, gibt es auch keinen Richter. ^^
    Gruß Friedrich

  • Moin Michael,


    ich habe ein wenig in meinem Archiv gestöbert und in der Zeitschrift "Der Lokvogel, Sonderausgabe Nr. 4, Farbgebung deutscher Triebfahrzeuge Teil 2", Tabellen gefunden, die ich nach Excel übertragen habe und hier als jpeg einfüge:



    Vielleicht bringt diese Übersicht Dir etwas mehr Licht ins Dunkel.



    Gruß Rainer :thumbup:

    Kleinreuth-Nord-Logo-supersmall.jpg


    Christopher La Brec: Jeder Mensch verfolgt einen Traum in seinem Leben. Entweder den eigenen oder den eines anderen. Gib acht, das Du Deinen eigenen verfolgst.

  • Hallo liebe Kollegen,


    Christian: Leider habe ich nicht erwähnt, dass es mir um die DB ging. Sorry, aber danke für Deine Info.


    Friedrich: Ich habe schon viele Farbbilder gesehen, aber leider waren die Maschinen auf allen Bildern so versaut, dass man nicht mehr schwarz von rot unterscheiden konnte.


    Rainer: Spitze, das ist genau die Info, die ich brauchte. Vielen Dank für die Mühe, die Du Dir gemacht hast. Das heisst, die Unterseite der Wasserkästen ist schwarz, die Stromleitungsrohre und die Befestigungswinkel für dies Rohre sind aber rot. Die Tritte sind zwar oben und unten schwarz, aber die Haltestangen sind rot. :-)


    Ich werde dann mal nach dem 2/0 Pinsel suchen ...


    schönen Abend und danke an alle,


    Michael

  • Hallo Michael,
    es war mir schon fast klar, daß Du die DB der Epoche III gemeint hast. Dabei ist die Liste, wie sie Rainer hier präsentiert hat, fast wortgleich im Vorschriftenwerk der DB zu finden. Nur eben unterscheidet sich die Ausführung zum Teil recht deutlich. Und genau das kann ich mir auch bei den Kollegen in der Ausbesserung bei der DB vorstellen.


    Ich denke jedoch, daß, wenn Du dieTritte schwarz darstellst und die Trittrahmen rot, machst Du keinen Fehler...



    Viele Grüße
    Christian

  • Moin.


    Mein Senf dazu.
    Wasserkästen von Unten Rot.
    So kenne ich das und wurde auf frage an alte Personale die noch 64, 78, 86 und 94 bei der DB gefahren sind bestätigt. Und zumindest 64 491, 78 468 und 94 1538 waren so als ich auf ihnen gefahren bin.


    Gruß Alexander

    2 Dinge sind Unendlich, das Universum und die Menschliche Dummheit, mit dem Universum bin ich mir aber noch nicht sicher.
    Albert Einstein

  • Hallo Alexander,
    die von Dir angeführten Lok sind nun aber doch Museumslok. Da ist oftmalen die Lackierung doch etwas anders ausgeführt, als es in den Vorschriften angeordnet ist.
    Aber Du bringst mich auf eine Idee: ich habe noch ein Foto der 64 im RAW (in den neunziger Jahren) . Hier könnte die Bemalung noch nach Vorschrift ausgeführt sein...


    Mir sind auch DR-Lok bekannt, die rote Dessous (die Unterseite des Umlaufes und Schrägblech) getragen haben.
    Als Betriebslok gab es das nicht...


    Soweit meine Gedanken


    Viele Grüße
    Christian

  • Joa aber wie ich schrieb haben alte Personale bestätigt das es bei diesen BR schon früher so war. Maqybe hat da auch jedes Aw gemacht was es wollte. Auch im westen nicht auszuschliessen.

    2 Dinge sind Unendlich, das Universum und die Menschliche Dummheit, mit dem Universum bin ich mir aber noch nicht sicher.
    Albert Einstein


  • [...] Wasserkästen von Unten Rot.
    So kenne ich das und wurde auf frage an alte Personale die noch 64, 78, 86 und 94 bei der DB gefahren sind bestätigt. [...]

    Guten Morgen.
    Spannendes Thema :-) Gerade die 64 und 86 haben an der Unterseite der Wasserkästen Rücksprünge, die es erlauben, auch aus der üblichen Fotoperspektive Rückschlüsse auf die Farbe zu ziehen. Auf allen Fotos, die ich zu diesen Baureihen gefunden habe, waren die Wasserkästen unten schwarz und die Pendelblech rot.


    schönes Wochenende,
    Michael