Im Wandel der Zeit - Gestaltung, Jahreszeiten

  • Tach zusammen,


    nun habe ich fast ein Jahr lang ausschließlich Vorbildgrundlagen erarbeitet (und es geht noch weiter). Vieles, vor allem alles vor 1945, könnte man nun getrost vergessen. Spielt es beim Spiel mit der Modellbahn doch keine Rolle, was 1870 oder vor Millionen von Jahren war. Das stimmt für den reinen Fahrbetrieb natürlich uneingeschränkt, aber stimmt es auch für die Gestaltung einer Modellbahn?
    Ist es nicht vielleicht doch interessant, wie sich die Bodenbeschaffenheit zusammensetzt, welche Farbe „die Erde“ im Ruhrgebiet hat? Welche Farbe hatte das Wasser, wie war eine Uferbegrenzung gestaltet? … Also doch „ein bisschen“ Geologie?


    Welchen Einfluss hatte der Zweite Weltkrieg auf die Infrastruktur, wie wirken sich Wohn- und Industriebebauung auf eine „Landschaftsgestaltung“ aus? … Also doch ein bisschen Stadtgeschichte, Wegebau und Weltkrieg?


    Und nicht zuletzt: welchen (sichtbaren) Einfluss hatten Bodensenkungen, welche Einflüsse durch Industrieemissionen sind zu berücksichtigen? Also doch ein wenig Industriegeschichte?


    Diese Aspekte und Fragestellungen ließen sich noch eine Weile fortführen, aber das ist ja nicht das Ziel dieses Berichtsanteils. Vielmehr ist es meine Absicht hier und im Teil 3 aufzuzeigen, wie die gegebene Fülle an Informationen in eine Modellbahnplanung integriert werden kann. Dabei werde ich versuchen zu verdeutlichen, wie ich diese Informationen zusammengeführt, gefiltert und mit weiteren – noch darzustellenden -Vorbildinformationen angereichert habe. Und weil ich mich ab jetzt mit der Modellbahn beschäftige, dürfen erstmals modellbahnspezifische Aspekte in die Erarbeitung mit einfließen.


    A) Im Wandel der Zeit
    Gestaltung – Jahreszeiten - Epochen – Lok- und Wagenanschriften


    1) Gestaltung
    Die Modellbahn stellt die Jahre zwischen 1945 (nach dem 2. Weltkrieg) und 1965/1967 dar.
    Jedoch sind 20 Jahre einfach zu viel um eine stimmige Modellbahn zu bauen. Schließlich änderte sich in dieser Zeit nicht nur das rollende Material der Bahn, sondern auch das gesamte Umfeld – teilweise grundlegend. Oberste Priorität hat also eine zeitgerechte Ausgestaltung der Modellbahn. Die Gestaltung soll in allen, dem zeitlichen und technischen Fortschritt geschuldeten, veränderlichen Teilen dem „gespielten“ Zeitraum entsprechen. Dies bedeutet, dass ich einige Teile tauschbar mehrfach bauen werde.
    Es werden vermutlich die Jahre 1949, 1955 und 1961 werden.


    Als erstes sind da die Gebäude zu nennen. Nicht nur die Betriebsgebäude der Bahn, sondern auch das Umfeld soll diesen Wandel der Zeit darstellen. Für bestimmte Gebäude wird es einen Wandel von der Ruine über eine behelfsmäßige Instandsetzung bis hin zum Neubau der späten 1950er, frühen 1960er Jahre geben. Also eine „Baulücke“ wird mit drei Gebäuden bestückt sein.
    Andere Gebäude werden dauerhaft instandgesetzt dargestellt. Ihre „Baulücke“ wird mit zwei Gebäuden bestückt sein.
    Bestimmte Gebäude haben keine schweren Kriegsbeschädigungen davongetragen. Leichte Beschädigungen sind ausgebessert worden (z.B. ein neuer Dachanteil) andere werden ignoriert (hier als Beispiel Beschussschäden).


    Kraftfahrzeuge werden ebenfalls austauschbar sein, die epochentypischen Details werden berücksichtigt:
    Stetig steigender Individualverkehr, dem nachgebildeten Zeitraum entsprechend
    Baujahre der Fahrzeuge werden berücksichtigt
    Richtige Kennzeichenvergabe
    Farbwahl der Kraftfahrzeuge dem Baujahr entsprechend
    Lastwagen auch mit mehreren Anhängern (Lastzug mit Kennzeichnung)
    Viele Fahrräder, Motorräder und Motorroller (je nach Zeitraum) als Fortbewegungsmittel
    Für den vorletzten Punkt werden auch Umlackierungen erforderlich sein.
    Personen werden der Zeit entsprechend gekleidet. Als Beispiele sind zu nennen
    Hut für Mann und Frau (oder Kopftuch)
    Röcke und Kleider zeittypisch (Pettycoat-Röcke und Kleider z.B.)
    Taschen und Körbe zeittypisch (keine Plastiktüten, Riesenrucksäcke etc.)
    Farben und Muster zeittypisch gewählt (das geht, siehe hier ab Seite 89)
    Kinder in typischer Kleidung und mit typischen Spielsachen der Zeit
    Um dies auch austauschbar halten zu können, sind im Moment noch ein paar Überlegungen anzustellen. Es kristallisiert sich aber als Möglichkeit der Wechsel des Bürgersteigs oder des Bahnsteigbereiches heraus.


    Das urbane Umfeld unterlag ebenfalls einem Wandel. Die gerade angesprochenen Bürgersteige können sich auch mit den Nutzern gemeinsam ändern – vom Kleinpflaster zur 60er-Jahre Betonplatte als Beispiel. Ob sich jetzt auch der Straßenbelag ändern muss (vom Pflaster zum Teer) oder ob ich hier auf Änderungen verzichte, steht noch nicht fest.
    Eine mögliche Änderung sind die Straßenlaternen. Sie könnten von Gas auf Strom umgestellt worden sein. Dies ließe sich mit einem einfachen zweipoligen „Steckmodul“, fest an der Lampe montiert, einfach realisieren.
    Die Verkehrsbeschilderung wird ebenfalls zeittypisch angepasst. Die Schilder aus der Vorkriegs- und unmittelbaren Nachkriegszeit werden gegen die ersten „modernen“ Verkehrsschilder nach StVO von 1953, später von 1956 getauscht. Sie können ja einfach in ein Bohrloch gesteckt werden.


    2) Jahreszeiten
    Baut man ein Modul für den FREMO, so wird als Jahreszeit der Sommer vorgeschrieben. Dies bedeutet saftig grüne Wiesen und Bäume. Jedoch kommt dies nur zur Geltung, wenn auf dem Modul oder der Modulgruppe viel Grün zu sehen ist.
    Dies ist bei meiner Anlage nur bedingt der Fall, da sie sich im urbanen Umfeld befindet. Ferner ist es fraglich, ob ich mit dem Bahnhof jemals auf Reisen gehen werde, hier dürfte der Aufwand für mich als Einzelperson (Abbau – Transport – Aufbau und retour) doch zu erheblich sein. Aber die Option steht im Raum, Sommer ist also bei der landschaftlichen Gestaltung zu berücksichtigen.


    Da es sich bei mir wahrscheinlich um eine reine Heimanlage handeln wird, fühle ich mich jahreszeitlich jedoch nicht an FREMO-Normen gebunden. Deshalb habe ich mich auf den Monat Oktober, den „goldenen Herbst“, festgelegt. Hier können vereinzelte grüne Bäume noch stehen bleiben, aber auch die vielen bunten Farben des Herbstlaubs von Gelb über Braun bis Rötlich machen die Bahn für das Auge lebhafter.


    Wie bereits beschrieben, ist im urbanen Umfeld nur mit relativ wenig Grün zu rechnen. Die wenigen Bäume der Modellbahn werden deshalb zweifach gebaut, einmal für den Sommer, einmal für den Herbst. Dabei werde ich Gebüsch und Rasenflächen so anlegen, dass sie in beide Jahreszeiten passen.


    Soweit die ersten beiden Teile. Ich werde hier ebenfalls in einem 10-Tage-Rythmus schreiben, dieser wird sich jedoch bei Baubeginn der Modellbahn auf vermutlich 20 Tage - dann im Wechsel mit dem dritten und vierten großen Bereich, der Planung und dem Bau - verlängern. ...Der Baubeginn wird mein „Sommerloch“ füllen, soviel sei gesagt.
    Entgegen den bisherigen Gepflogenheiten, würde es mich freuen, zu den hier dargestellten Aspekten -jetzt oder später- eure Meinungen und Erfahrungen im Diskussionsthread zu lesen. Den Anfang macht der Leser, ich werde ihn aufmerksam verfolgen und mit Antworten begleiten.


    Herzliche Grüße
    Andreas


    Edit: 08.07.2018 Link nachgetragen

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    … Alles in allem eine verwirrende Vielfalt von Strecken, die in alle Himmelsrichtungen führten, von irgendwo herkamen und unbekannten Orten zustrebten. …

    2 Mal editiert, zuletzt von Andreas B ()