Im Wandel der Zeit - Epochen, Lok- und Wagenanschriften

  • Tach zusammen,


    beim letzten Mal hatte ich hier bei den Jahreszeiten meiner Modellbahn aufgehört. Heute geht es in der Zeit rückwärts in die


    3) Epochen
    Bei den folgenden Epochen-Einteilungen „streiten sich die Geister“ ob die Bezeichnungen so korrekt sind. Je nach Informationsquelle schwanken die Angaben und Zuordnungen teils erheblich. Und für „echte“ Nur-Vorbild-Eisenbahner ist diese Epocheneinteilung der Modellbahner natürlich völlig sinn- und haltlos. Also: jeder wie er mag!
    Ich hangle mich da an den MOROP-Normen NEM 800 von 2007 und 806D von 2008 entlang, mit kleinen eigenen Abweichungen.


    Epoche 2c, die Jahre 1945 bis 1949
    Diese unmittelbare Nachkriegszeit bis zur Gründung der DB wird nur in besonderen Einzelfällen dargestellt. Hier werden Lokomotiven und Wagen besondere Merkmale aufweisen, wie z.B. 50 2960 (Tender K4T30) oder 50 204 (geflickter Tender).


    Epoche 3a – die Jahre 1949 bis 1957
    Mein Hauptaugenmerk wird auf diese Zeitspanne gelegt.
    Dies ist die Zeit, als Personenwagen noch die 3.Klasse führten bzw. diese gerade abgeschafft war (03.06.1956).


    Die Einführung des dritten Spitzenlichtes (für Lokomotiven, die auf Hauptbahnen und Bahnen mit unbeschrankten Bahnübergängen (BÜ) unterwegs waren) erfolgte ab 08.1957, andere Quellen sprechen von 1958.


    Der EUROP-Park wird gegründet (ab 1953), erste Neubauwagen kommen auf (ab 1949).


    Personenwagen sind noch in RAL 6007 Flaschengrün lackiert (bis 1957).
    Die erste große Ausmusterungswelle läuft an, die Altbaulokomotiven der BR 52 (bis 1954) fallen ihr zum Opfer. Neuentwicklungen, wie die BR 65 oder der Kabinentender fallen in diese Zeit.


    Epoche 3b – die Jahre 1958 bis 1965 … naja, manchmal bis 1967
    Sie spielt wieder nur eine untergeordnete Rolle. Sie ist die (für mich) FREMO-typische Epoche.
    Lokomotiven sind mit dem „DB-Keks“ gekennzeichnet, haben aber noch das alte Nummernschema.
    Güterwagen weisen die DB-Beschriftung auf.
    Personenwagen sind in RAL 6020 Chromoxidgrün lackiert.
    Der Wegfall der Bahnsteigsperren (schrittweise ab 1960) ist auch so eine Veränderung dieser Zeit.


    4) Lok– und Wagenanschriften
    Hier noch mal eine Wiederholung zur Namensgebung der Bahn und detailliertere Ausführungen zur Beschriftung von Lokmotiven und Wagen, ausschließlich im zu betrachtenden Zeitraum:
    Bis zum 06.09.1949 bestand die Deutsche Reichsbahn in den westlichen Besatzungszonen weiter. Deshalb galt bis zu diesem Datum für die Direktionen die Bezeichnung +Reichsbahn-Direktion+ (RBD). Die Lokomotiven trugen weiterhin das Eigentumsmerkmal (Schriftzug meist aufgemalt, vereinzelt als Schild) +Deutsche Reichsbahn+, Personen- und Güterwagen das Kürzel +DR+, nur vereinzelt kam noch der Schriftzug zur Anwendung (Lehr-Hilfszug der ED Essen). Vereinzelt waren Lokomotiven auch ohne Eigentumsbezeichnung unterwegs.


    Im Folgenden möchte ich unabhängig von den oben angeführten Epochen die Unterschiede aufzeigen, die in den Lok- und Wagenanschriften zu finden waren.


    1945-1949
    1945 trugen viele einsatzbereite Lokomotiven die Beschriftung „For Use of Allied Forces“, welche im Dezember des Jahres entfernt werden sollte. Jedoch wurde dies in der britischen Besatzungszone nur schleppend umgesetzt.


    Eine entsprechende Beschriftungs-Variante trug 50 2645 des Bw Helmstedt der ED Hannover: sie erhielt nach der Ausbesserung im PAW der Salzgitter AG in Salzgitter-Watenstedt noch 1946 die aufgemalte Eigentums-Beschriftung:
    .........................................Deutsche Reichsbahn
    ................................................Britische Zone
    Eine weitere Beschriftungsvariante trug 42 547, vermutlich Bw Köln-Kalk (1950: Bw Lehrte). Auf der Rauchkammertüre stand oberhalb der Loknummer:..........
    ...........................................
    Allied Forces – British
    Gleichzeitig belegt diese Aufnahme den Nachkriegseinsatz der BR 42 in der britischen Besatzungszone, von dem es bisher kaum Aufnahmen zu sehen gab.


    Durch eine Anordnung der Besatzungsmacht vom 30.09.1945 wurde auf diese Beschriftung verzichtet, ebenso wie auf die noch an vielen Loks zu findenden Heimat-Bw-Kurzzeichen.


    Gleichartige Beschriftungen für Lokomotiven im Ruhrgebiet sind zwar denkbar, aber leider nicht bildlich belegt.


    Bei Güterwagen wurde ab 1947 die Bezeichnung +Brit-US-Zone+ hinzugefügt. Für die Zonen außerhalb des hiesigen Betrachtungsraumes wurden ab 1946 die Bezeichnungen +Zone Fr+ und +USSR-Zone+ hinzugefügt. Alle Zonenbeschriftungen standen unter dem Kürzel +DR+.


    1949-1953
    Ab dem 07.09.1949 wurden die Reichsbahn-Direktionen in +Eisenbahn-Direktion+ (ED) umbenannt und ab dem 01.01.1953 lautete die korrekte Bezeichnung +Bundesbahn-Direktion+ (BD).


    Bei anfallenden Fristarbeiten an den Lokomotiven ab 1949 wurden auch die Anschriften von Reichsbahndirektion (RBD) in Eisenbahndirektion, jeweils als Kürzel +ED+, geändert. Die Eigentumsbezeichnung +Deutsche Reichsbahn+ blieb bestehen oder wurde ganz entfernt. Eine einheitliche Verfahrensweise konnte ich allerdings nicht feststellen.


    Spätestens ab 1951 sind an Lokomotiven auch die Anschriften +Deutsche Bundesbahn+ (Schriftzug, aufgemalt) und für die Direktion +BD+ (? – oder doch noch +ED+?) zu finden. Nachweise sind hier zu finden:
    42 1893 am 13.10.1951 nach Kesselzerknall
    Kö 4917 1951 im Aw Opladen


    Die ab 1947 gültige Zonenbeschriftung ist auch weiterhin an den Güterwagen zu finden. Nur bei den Saarbahnen ändert sich 1951 etwas:
    Statt +Zone Fr+ tragen sie nun die Bezeichnung +SAAR+; sie ist gültig von 1951 bis 1957.



    1953-1957
    Ab dem 01.01.1953 wurden Lokomotiven verpflichtend mit der korrekten Bezeichnung +Deutsche Bundesbahn+ (Schriftzug, aufgemalt oder als Schild) versehen.


    Für Lokomotiven des Bw Hamm ist zu beachten, dass ab dem 01.07.1957 für Güterzuglokomotiven die Anschrift „Bw Hamm G“ und für Personenzuglokomotiven „Bw Hamm P“ genutzt wird.


    Für die Güterwagen ist zu sagen, dass noch bis 1953 die alte Bezeichnung +DR Brit-US-Zone+ auch bei werksneuen Wagen angebracht wurde. Die Begründung lieferten Stefan Carstens und andere hier: Die DDR verweigerte die Annahme von Wagen mit DB-Anschriften.
    Erst ab 1954 wurde dann sukzessive auf die neue DB-Anschrift gewechselt. So konnte auch noch 1957 Wagen mit der alten DR-Zonen-Beschriftung im Verkehr beobachtet werden.


    Ich stelle mal die Vermutung an, dass es sich bei den Personenwagen, die im Interzonenverkehr eingesetzt waren, ähnlich verhielt. Alle anderen Wagen dürften bereits ab 1953 umgezeichnet worden sein.


    Ab 1956 wurde für Lokomotiven und Personenwagen das endgültige DB-Emblem eingeführt, welches bei allfälligen Untersuchungen angebracht wurde. Dies dauerte bei Lokomotiven etwas länger, bei Personenwagen fiel die Einführung mit dem Wegfall der 3.Klasse zusammen, weshalb es hier bei der notwendigen Umzeichnung auch gleich zum Anbringen des DB-„Kekses“ kam.


    1957-1965
    Im Ruhrgebiet sind ab ca. 1960 keine Lokomotiven mehr ohne Beschilderung – also extra angebrachte Schilder- im Einsatz, auf die aufgemalten Anschriften wurde verzichtet.


    Die aufkommende UIC-Beschriftung für Güterwagen wurde bereits ab ca. 1960 in einer Übergangsform verwendet. Dabei wurde die neue Gattungsbezeichnung (z.B. E für offenen Güterwagen) in das Kennzeichnungsschema übernommen, der alte Begriff aber noch klein daneben geschrieben. Beispiel ist ein Omm 52 aufgenommen hinter 41 027 in Herne im Jahr 1960.


    Bereits 1963 wurden Fahrzeuge mit kompletter UIC-Nummer ab Werk neu geliefert. So zu sehen an diesem Gmms 40 im Aw Opladen.


    Damit sind wir am Ende der zeitlichen Modellbahneinordnung angekommen. Ich werde mich in meinen weiteren Ausführungen öfters hierauf beziehen.


    Herzliche Grüße
    Andreas

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    … Alles in allem eine verwirrende Vielfalt von Strecken, die in alle Himmelsrichtungen führten, von irgendwo herkamen und unbekannten Orten zustrebten. …

    Einmal editiert, zuletzt von Andreas B ()