E) Bahnamtliche Einordnung und Entwicklung - Güterverkehr - Chemische Industrie 2

  • Tach zusammen,


    heute nur ein kurzer Bericht als Abschluss der chemischen Industrie.


    11.h.iv.b) Erdölchemie
    Mit der Erdölchemie hatte sich erst in der Nachkriegszeit die Kraftstoffindustrie im Ruhrgebiet nachhaltig etabliert. Die Raffinerien der +Scholven-Chemie AG+, +Gelsenberg Benzin AG+, +Ruhrbau AG+, +Ruhrchemie AG+, +Ruhröl GmbH+ und +Kraftstoffhandels GmbH+ hatten zusammen eine Jahreskapazität von 4,8 Millionen t Erdölprodukte, hauptsächlich Heizöle, Nebenprodukte und Kraftstoffe.
    50% der Flüssiggas-Produktion in der Bundesrepublik wurden ebenfalls in diesen Anlagen gewonnen. Flüssiggas (Treibgas) war dabei eine als Kraftstoff geeignete Mischung aus Butan und Propan. Hier ein solcher Wagen, hier eine andere Bauart, je ca. 1952.


    Verarbeitet wurden, neben den ausländischen Rohölen, solche aus dem Emsland (Ölfeld Lingen), dem Raum Hannover und aus Nußdorf (Pfalz). Dabei kamen Kesselwagen von Vermietungsgesellschaften (VTG, EVA) zum Einsatz.
    1958 liefen Ganzzüge (Gag) aus Nußdorf mit den Zugnummern 7916 und 7917 auf dem Laufweg Landau (Pfalz) – Duisburg-Wedau und zurück.
    Fracht war Rohöl, welches die Wintershall seit 1955 in Nußdorf förderte.


    Die genauen Transportmengen des betrachteten Zeitraumes sind schwer festzustellen.
    Der Fachverband Kohlechemie e. V., Essen, gab in seinem Jahresbericht 1957 einen Rohöldurchsatz von 3,6 Millionen t für die Raffinerien im Ruhrgebiet an, das waren etwa 30% des gesamten Durchsatzes der Bundesrepublik und würde einer Auslastung der Werke von 75% entsprechen (Kapazität 4,8 Millionen t).


    30% der Produktion entfielen auf Heizöle und Nebenprodukte, wie Bitumen, leichte bis schwere Schmieröle, Gas- und Waschöle. Weitere 60% entfielen auf die Kraftstoffe Benzin und Diesel zu etwa gleichen Teilen und 10% auf verflüssigte Gase (Olefine) und permanente Gase (Wasserstoff).


    Zwei Drittel der benötigten Rohölmengen fielen als Transportgut der Bundesbahn zu, dies waren somit 2,4 Millionen Tonnen.


    Die Gelsenberg-Benzin AG, Gelsenkirchen-Horst, hatte eine Kapazität von 3 Millionen Tonnen (1956). Sie bezog ihr Rohöl aus dem mittleren Osten und deutsches Rohöl aus dem Emsland. Der produzierte Kraftstoff wurde an die BV-Aral AG und Esso geliefert.


    Die Scholven-Chemie AG, Gelsenkirchen-Buer, hatte eine Kapazität von 1 Million Tonnen (1956). Sie bezog ihr Rohöl aus dem Raum Hannover und Emsland. Der produzierte Kraftstoff wurde an BP geliefert.


    Die restlichen 0,8 Millionen Tonnen wurden durch die kleineren Raffinerien verarbeitet. Dies waren die
    • Ruhrbau GmbH, Mülheim (Ruhr)-Speldorf, 300.000 t
    Ruhrchemie AG, Oberhausen-Holten, 280.000 t
    • Ruhröl GmbH, Bottrop, 120.000 t
    • Kraftstoff-Handels GmbH, Essen, 80.000 t


    11.h.iv.c) Sonstiges
    Buna
    Die chemischen Werke Hüls AG, Marl-Sinsen, haben 1958 den Bau eines BUNA-Werkes beendet. Gemäß einer Angabe in „Die Bundesbahn 12, Bundesbahndirektion Essen“ sollte das Werk eine Kapazität von 50.000 jato (Jahrestonnen) erreichen. Die benötigten Mengen Kohlenwasserstoffgase sollten in Druckgaskesselwagen aus den Räumen Bremen und Hamburg zugeführt werden. Hier solche Wagen 1966, allerdings in Duisburg-Ruhrort Hafen.


    Natriumsulfat
    Mindestens ein Betrieb (Grillo-Werke) im Ruhrgebiet befasste sich mit der Herstellung und Verarbeitung von Natriumsulfat. Gemäß einem Aufsatz in Bundesbahn 12, Juli 1958, Bundesbahndirektion Essen, müssen es aber noch einige Betriebe mehr gewesen sein. Sie lagen auf der Achse Duisburg – Oberhausen - Gelsenkirchen. Infrage kommen also erneut die Scholven AG und die Chemischen Werke Hüls AG.


    Zur Gewinnung von Natriumsulfaten wurde Steinsalz vom linken Niederrhein per Bahn den Betrieben zugeführt. Der Lieferant für die Steinsalze war die ehemalige Zeche Borth in Rheinberg. Verarbeitet wurden die Steinsalze u.a. in den Grillo-Werken in Duisburg-Hamborn. Der Transport erfolgte anfangs in K- und KK-Wagen, später dann in Ktmm-Wagen. Hier fielen etwa 500.000 t Transportgut jährlich an.
    Das Natriumsulfat ging wiederum an Düngemittelfabriken, gesackt in G-Wagen.


    Herzliche Grüße
    Andreas

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    … Alles in allem eine verwirrende Vielfalt von Strecken, die in alle Himmelsrichtungen führten, von irgendwo herkamen und unbekannten Orten zustrebten. …