E) Bahnamtliche Einordnung und Entwicklung - Güterverkehr - Zink und Glas

  • Tach zusammen,


    ohne Umschweife direkt zum Thema:


    11.h.v) Weitere Industrien, Fabriken, Betriebe und Handelsgenossenschaften
    Weitere Anschließer mit nennenswerten Transportanteilen auf der Bahn sind nur schwer zu identifizieren – jedenfalls für das Jahr 1957. Deshalb gibt es hier einen Überblick der auch die früheren Jahre ab 1945 und die späteren Jahre bis 1965/67 mit abdeckt.


    11.h.v.i) Zinkindustrie


    Auf der Zeche Auguste-Victoria in Marl wurde bis 1962 ein Blei-Zink-Erzvorkommen abgebaut. Die Fördermenge betrug 1956 immerhin 349.000 t Erz.


    Ein bekannter Anbieter von Zink waren die Grillo-Werke in Duisburg-Hamborn und Oberhausen. Ein Bahnanschluss bestand zum Rbf Duisburg-Neumühl.
    Zink wird aus Zinksulfit und Zinkerz durch Rösten und aus Zinkspat durch Brennen gewonnen.
    Zink wurde (und wird) unter anderem zur Produktion von Regenrinnen, Mülltonnen, Wassereimern und ähnlichem benötigt, aber auch zum Verzinken von Eisen und Stahlteilen.
    Zur Herstellung von Produkten aus Zink wurden, neben reinem Zink unter anderem auch zinkhaltige Abfallstoffe aus Verzinkereien (z.B. diverse Beizen) und der Eisen- und Stahlindustrie (z.B. zinkhaltige Stahlwerksstäube – siehe oben) herangezogen. Zu den Produktionsmengen kann derzeit keine Aussagen getroffen werden.


    Zink wurde unter anderem in der Zinkfabrik Altenberg in Oberhausen und in Essen-Borbeck verarbeitet. Die Fabrik stellte Zinkbleche für den Baubedarf her, darunter Regenrinnen, Fallrohre, Traufkästen etc. Ein weiterer Produktionszweig befasste sich mit feingewalzten Zinkplatten für die Druckindustrie, die lichtempfindlich beschichtet waren. Sie hatte in Oberhausen Anschluss über den Bahnhof Oberhausen Hbf (hier direkter Anschließer) an den Rbf Oberhausen West. Die jährliche Produktionsmenge der oben angegebenen Waren belief sich auf rund 16.000 t.
    Die Waren für den Baubereich wurden, soweit es sich um größere Bestellmengen handelte, in G-Wagen versendet. Kleine Bestellmengen verließen das Werk als Stückgut (ab der örtlichen Güterabfertigung). Die Druckplatten, in einem sauberen Raum gut und sicher verpackt, wurden als Expressgut versendet.


    In Essen-Borbeck fand die Röstung von Zinkerz statt, bei der Blei, Cadmium und Schwefelverbindungen entstanden. Aus diesem Grund wurde dort auch eine Schwefelsäurefabrik aufgebaut. Sie hatte Anschluss an den Bahnhof Essen-Bergeborbeck, von dort an die Vbf Essen Nord oder Oberhausen West (über Essen-Frintrop). Leider sind bisher keine Informationen zum Transport- und Produktionsumfang bekannt.


    Eine weitere Zinkhütte gab es in Duisburg-Wanheim (Metallhütte Duisburg – MHD). Sie hatte Anschluss an den Vbf Duisburg-Hochfeld Süd. Auch hier sind bisher keine Produktionsmengen bekannt.


    11.h.v.ii) Glashütten
    Für die Glasherstellung werden verschiedene Rohstoffe gebraucht, die in unterschiedlichen Gemengen, je nach Glasart, eingeschmolzen werden.


    Zuschlagstoffe sind:
    - Hauptanteil ist Quarzsand, der besonders feinkörnig, reinweiß und frei von Verunreinigungen sein muss. Dieser Sand findet sich z.B. im Gebiet der Elbe und der Weser,
    ..dem Raum Dorsten/Haltern, sowie der Kölner Bucht. Lieferant für Quarzsand waren die +Quarzwerke+ in Frechen und Haltern und ab 1956 die +Westdeutschen Quarzwerke
    ..Dr. Müller GmbH+ in Dorsten, Haltern und Rheine.
    - Soda wird als Flussmittel verwendet, um den Schmelzpunkt des Quarzsandes herunterzusetzen. Soda wird industriell hergestellt. Lieferant war ebenfalls die ehemalige
    ..Zeche Borth in Rheinberg.
    - Als Stabilisator für gewöhnliches Glas wird Kalk eingesetzt. Kalk gibt dem Glas Härte, Haltbarkeit und Glanz. Der Kalk muss fein gemahlen und gereinigt sein. Er zersetzt
    ..sich während der Schmelze u.a. in Calciumoxid. Wie vor schon erwähnt, Lieferant könnten die Rheinischen Kalkwerke gewesen sein.
    - Natriumoxid dient als Ätzmittel. Lieferant könnte K+S Kali GmbH aus Kassel gewesen sein.
    - Magnesiumoxid hat ähnliche Eigenschaften wie Calciumoxid. Auch hier könnte K+S Kali GmbH aus Kassel der Lieferant gewesen sein.
    - Für bestimmte Glasarten (Kristallglas) dient Pottasche (Kaliumkarbonat) als Flussmittel oder teilweiser Ersatz von Soda. Lieferant könnte ab 1956 die Firma Lomberg in
    ..Mülheim (Ruhr) gewesen sein.


    Die Gewichts-Mengenverhältnisse:
    Für Quarzglas: 100% Quarzsand
    Für Flachglas: 72% Quarzsand, 1,5% Aluminiumoxid, 13,5% Natriumoxid, 8,5% Calciumoxid
    Für Kalk-Natron-Glas: 72% Quarzsand, 2% Aluminiumoxid, 14% Natriumoxid, 10% Calciumoxid
    Für Kristallglas: 75% Quarzsand, 14% Pottasche, 5% Natriumoxid, 6% Calciumoxid


    Glas wurde u.a. produziert in der:
    - DELOG (Deutsche Libbey Owens Gesellschaft) Glasfabrik in Gelsenkirchen-Rotthausen (Flachglas).
    - Deutsche Tafelglas AG Duisburg (DETAG), ehemals Glasfabrik Müllensiefen, Standort Witten (Flachglas)
    - Glashütte Wisthoff in Essen-Steele (Hohlglas).
    - Glas- und Spiegel-Manufactur AG, Gelsenkirchen-Schalke
    - Glaswerke Ruhr der Steinkohlenbergwerke Mathias Stinnes AG, Bottrop
    - Lüner Glashüttenwerke GmbH, Lünen
    - Oberhausener Glasfabrik in Oberhausen, Preßglas (Kalk-Natron-Glas). Sie hatte Anschluss an den Rbf Oberhausen West, in dessen unmittelbarer Nachbarschaft sie lag.
    Es gibt jedoch keine Informationen zu deren Rohstoffbezug und Produktversand (Wege und Mengen).


    Herzliche Grüße
    Andreas

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    … Alles in allem eine verwirrende Vielfalt von Strecken, die in alle Himmelsrichtungen führten, von irgendwo herkamen und unbekannten Orten zustrebten. …