E) Bahnamtliche Einordnung und Entwicklung - Güterverkehr - Großmärkte 1

  • Tach zusammen,


    der nächste Teil befasst sich mit den Großmärkten, heute mit den Waren, in 10 Tagen mit den Märkten.


    11.h.v.iii) Großmärkte
    In vielen Städten des Ruhrgebietes gab es Großmärkte für Obst, Gemüse, Fisch, Fleisch und andere Waren des täglich frischen Gebrauchs. Einige davon ließen sich lokalisieren.
    Doch zuvor möchte ich mich auf die angelieferten Waren konzentrieren.


    A) Waren
    A.1) Obst und Gemüse
    Obst und Gemüse wurde über weite Strecken in Schnellgüterzügen (Sg, Zuggattung 40), Trans-Europ-Expreß-Güterzügen (TEEM, Zuggattung 44; ab 1961), Durchgangseilgüterzügen (De, Zuggattung 50) und im Nahbereich durch Naheilgüterzüge (Ne, Zuggattung 55) transportiert. Zum Einsatz kamen Kühlwagen und G-Wagen, vereinzelt auch Viehwagen, soweit sie für den Transport der Waren zugelassen waren.
    Die Deutsche Bundesbahn verfügte in den 1950er Jahren über etwa 2600 eigene „Universal“-Kühlwagen für Fleisch, Obst und Gemüse (ohne Fisch), weitere Wagen wurden als Privatwagen, z.B. der Transthermos GmbH (Bremen; gegründet 1950), eingereiht.


    Die Lieferländer und ihre Waren:
    Bulgarien Obst und Gemüse
    Deutschland Obst und Gemüse
    Frankreich Obst und Gemüse
    Griechenland Obst
    Italien Obst und Gemüse
    Israel Obst (via Kühlschiff bis Koper (SLO, damals Jugoslawien), dann per Bahn weiter)
    Jugoslawien Obst und Gemüse
    Niederlande Obst und Gemüse
    Rumänien Obst und Gemüse
    Spanien Obst und Gemüse
    Ungarn Gemüse
    Übersee Obst
    Anmerkung:
    Deutschland bezeichnet hier die beiden damals existierenden deutschen Staaten, also sowohl die Bundesrepublik Deutschland (BRD), als auch die ehemalige Deutsche Demokratische Republik (DDR). Letztere exportierte neben weiteren Konsumgütern auch Lebensmittel –trotz der Mangelversorgung der eigenen Bevölkerung- in größeren Mengen in die Bundesrepublik Deutschland. Darunter befand sich Schweine- und teilweise Rindfleisch, Obst und Gemüse.


    Wer „Obst und Gemüse“ etwas genauer definieren möchte, dem empfehle ich folgende Links:
    Obst
    Gemüse


    Obst und Gemüse Ausland
    Obst und Gemüse aus den Ländern Italien, Griechenland, Jugoslawien, Ungarn, Bulgarien und Rumänien wurde 1957 über eine Direktverbindung vom zentralen Umschlagbahnhof für Obst und Südfrüchte in München Südbahnhof empfangen. Auf dieser Aufnahme aus München Süd, vermutlich um 1955 entstanden, sind über 100 F, mindestens 2 FF und 2 oder 3 Hbg der FS Italia zu erkennen.
    1957 wurden 133.000 Wagenladungen in der Münchener Großmarkthalle umgeschlagen und in Durchgangseil- und Schnellgüterzügen, kombiniert mit schnellen Flügelzügen, weiter verteilt.
    Anmerkung:
    Auch Frühkartoffeln kamen aus Italien!


    Die Waren aus München Süd erreichten die Großmärkte:
    Ankunft Laufzeit Ort
    in Stunde 03 nach 26 Stunden Laufzeit in Paderborn.
    in Stunde 05 nach 22 Stunden Laufzeit in Bochum Nord und Dortmund Süd
    in Stunde 14 nach 19 Stunden Laufzeit in Oberhausen und Wanne-Eickel
    in Stunde 16 nach 21 Stunden Laufzeit in Duisburg-Ruhrort Hafen und Gelsenkirchen
    in Stunde 17 nach 22 Stunden Laufzeit in Essen Nord
    in Stunde 18 nach 23 Stunden Laufzeit in Hamm
    in Stunde 21 nach 26 Stunden Laufzeit in Recklinghausen
    Anmerkung:
    Stunde 05 ist die Zeit zwischen 04:00:00 Uhr und 04:59:59 Uhr.


    Die Bahn selber gab direkte Zugverbindungen mit Schnellgüterzügen (Sg) zu folgenden Zielorten an.
    München Süd – Oberhausen – Gelsenkirchen
    München Süd – Duisburg-Hafen,
    München Süd – Essen Nord - Recklinghausen,
    München Süd – (Gießen) – (Hagen) - Dortmund Süd - Bochum Nord,
    München Süd – (Frankfurt Osthafen) - Wanne-Eickel,
    München Süd – Hamm
    München Süd – (Würzburg) – (Kassel) - Paderborn
    1957 war der Startbahnhof noch mit München-Süd angegeben, 1967 mit München-Laim.


    Mit Waren aus dem südeuropäischen Bereich lassen sich bisher vier Züge zwischen 1957 und 1970 nachweisen.
    1957: Sg 5571 B, Gegenzug Sg 5570 B, München Süd - Oberhausen – Gelsenkirchen
    1967: Dg 6087, München-Pasing – Wanne-Eickel Hbf mit Gemüse
    1967: TEEM 5519, Cerbère (Frankreich) – Stockholm (Schweden)/Oslo (Norwegen)
    1970: Sg 5217 B, Apach (Frankreich)/Ehrang – Duisburg Hbf.
    Fracht des TEEM (laut GZV 1967) war unter anderem Obst und Gemüse aus Italien, Frankreich und Spanien.
    Für die Weiterverteilung verkehrten unter anderem
    1961: De 5179, Duisburg Hbf – Dortmund Süd (an 04:15 Uhr)
    1967: De 5108, Osnabrück Hbf – Köln-Gereon
    1967: Ne 5304, Osnabrück Hbf – Wanne-Eickel Hbf
    Anmerkung:
    Cerbère ist französischer Übergangsbahnhof nach Spanien, hier werden die Wagen auch auf die iberische Breitspur (1668 mm) umgespurt.


    Anmerkungen:
    • Obst und Gemüse aus Frankreich wurde in Kühlwagen der +Société Francaise de Transport et Entrepôts Frigorifiques+ (STEF), in verschiedensten Bauarten,
    ..nach Deutschland gebracht.
    • Für den Transport der Südfrüchte aus Spanien und Portugal war die +Transportes Ferroviarios Especiales S.A.+ (TRANSFESA) zuständig, die seit 1949 in
    ..eigenen, umspurbaren, Kühlwagen die Waren auch nach Deutschland brachte.
    ..Hier ein solcher Zug bei Appenweier 1959 mit einem STEF-Kühlwagen an der Spitze und mindestens drei TRANSFESA-Wagen dahinter.
    • Viele Kühlwagen wurden auch durch die +Société Ferroviaire Internationale de Transports Frigorifiques+ (Interfrigo) gestellt. In diese 1949 gegründete Gesellschaft
    ..wurde die Deutsche Bundesbahn erst 1959 aufgenommen.


    Vom äußersten Süden in den hohen Norden.
    Exotische Früchte, deren Einfuhr erst ab 1955 wieder völlig frei gegeben wurde, kamen aus Übersee. Ihre Anlandung erfolgte in Bremen und Hamburg.
    Besondere Schnellgüterzüge waren im Jahr 1967 die Sg 5802 B, 5804 B, 5808 B, 5810 B, 5814 B, 5816 B Bremerhaven-Seehafen – Köln-Gereon. Sie fuhren nur bei Bedarf und nur wenn mindestens 10 Wagen zusammenkamen. Mit ihnen wurden Bananen und andere Importgüter transportiert.
    Diese Züge wurden unter anderem von Lok der Baureihe 41 des Bw Wanne-Eickel geführt. Diese wurden spätestens in Wanne-Eickel, vermutlich aber bereits in Kirchweyhe, Osnabrück oder Münster vor den Zug gesetzt. Die Züge setzten in …
    • Münster für Hamm, Schwerte und Hagen (weiter mit Flügelzügen De 35802 B, 35804 B, 35808 B, 35810 B, 35814 B, 35816 B, alle Münster (Westf) – Hamm (Westf))
    • Recklinghausen Hbf für Wanne-Eickel (weiter mit De 5108 oder Ne 5304)
    • Wanne-Eickel Übergang für Duisburg, Krefeld, Krefeld-Linn, Aachen und Montzen
    Wagen ab, jedoch wurden keine Wagen zugestellt.


    Weitere Importgüter aus Übersee (z.B. 1958 ebenfalls Bananen wurden mit den Sg 5820 B, 5822 B und 5826 B Hamburg Süd – Köln-Gereon (hier abgestellte Kühlwagen im Zollbereich Hamburg) abgefahren. Die Züge setzten in
    • Münster für Hamm, Schwerte und Hagen (weiter mit Flügelzügen De 35820 B, 35822 B und 35826 B)
    • Recklinghausen Hbf für Wanne-Eickel (weiter mit De 5108)
    • Wanne-Eickel Übergang für Duisburg, Krefeld, Krefeld-Linn, Aachen und Montzen
    Wagen ab, jedoch wurden keine Wagen zugestellt.


    Anmerkung:
    Zum Transport von Bananen beschaffte die Deutsche Bundesbahn ab 1955 insgesamt 651 Tno(meh)s 59. Dies waren zu Wärmeschutzwagen umgebaute Glmhs 50 mit Plattenwänden.
    Sie waren teils bei der DB selbst, aber auch als Privatwagen bei der Transthermos eingestellt.
    Weitere Handelsfirmen verfügten ebenfalls über Wagen für den Fruchtversand. Hier ein Wagen der Firma Harder, Meiser und Co (HAMEICO) aus Bremen, um 1952 herum, die ihr Hauptgeschäft mit dem Import von Bananen machte.


    Obst und Gemüse Inland
    Auch aus Deutschland wurde Obst und Gemüse in geschlossenen Güterwagen in Eilgüterzügen zu den Großmärkten im Ruhrgebiet transportiert. Aus folgenden Gebieten kamen (und kommen) Obst und Gemüse aus Deutschland:
    • Aus der Ville, einem Höhenzug westlich vor der Eifel gelegen. Z.B. in Roisdorf bei Bonn wurde in der dortigen Versteigerungshalle Gemüse aus dem Umland verkauft,
    ..so u.a. der –nur saisonal verfügbare- Bornheimer Spargel oder Rhabarber.
    • Vom Niederrhein kamen vor allem Kohl und Kartoffeln. Die Frühkartoffeln wurden nach Mülheim (Ruhr)-Speldorf und Dortmund Süd (zum dortigen neuen Großmarkt)
    ..transportiert. Zusätzlich wurden Großhändler in Gelsenkirchen-Buer Nord, Herten, Westerholt und Witten Ost (hier: Kartoffeln) bedient.
    • Aus dem Alten Land, einem Teil der Elbmarsch südlich der Elbe in Hamburg und in Niedersachsen, kamen u.a Birnen und Äpfel.
    Natürlich lässt sich diese Liste fortsetzen, hier würde ich mich auch über Zuschriften der Leser freuen.
    Wobei ich mir vorstellen kann, das Gemüse aus dem südlichen Raum (Spitzkohl z.B.) vermutlich eher regional verarbeitet wurde (z.B. bei +Hengstenberg+ in Esslingen, das bekannte Sauerkraut +Mildessa+ gibt es seit 1953). Aber: Hengstenberg hatte eine Zweigniederlassung in Dortmund-Schüren…


    Es lassen sich folgende Züge mit Obst und/oder Gemüse aus Deutschland nachweisen:
    1967 De 5003, Köln-Gereon – Hannover-Linden mit z.B. Frühkartoffeln vom Niederrhein
    1967 De 5025 B, Nürnberg Rbf – Duisburg Hbf mit Heidelbeeren, sonstiges Obst und Gemüse
    1967 De 5079 B, Mainz – Duisburg Hbf mit Frühkartoffeln
    1967 Sg 5447 B, Ludwigshafen – Duisburg Hbf mit Frühkartoffeln, sonstiges Obst und Gemüse
    1967 Dg 6085, Nürnberg Rbf – Wanne-Eickel Hbf mit Gemüse


    Ich gebe hier keine detaillierte Liste aller Güterzüge wieder die 1967 Gruppen mit diesen Frachten für Großmärkte im Ruhrgebiet führten, da die reine Menge der Zugverbindungen erschlägt. Obwohl: es sind doch einige Schmankerl dabei, die ein Lesen interessant machen – auch und gerade für Interessierte, die über den Tellerrand ihrer Region hinaus schauen wollen.
    Deshalb komprimiere ich hier die 176 Zugverbindungen auf eine Übersicht der Start- oder Zielbahnhöfe außerhalb der betrachteten Direktion Essen. Wer zu einem bestimmten Bahnhof oder Zug Informationen haben möchte, der kann mich gerne anschreiben.
    • Aachen West,
    • Apach (Frankreich)
    • Bielefeld Hbf
    • Cerbère (Frankreich)
    • Düsseldorf-Derendorf
    • Frankfurt Egbf
    • Hamburg Hgbf
    • Hamburg-Eidelstedt Rbf
    • Hannover Hgbf
    • Hannover-Linden
    • Köln-Gereon
    • Krefeld Gbf
    • Löhne (Westf) Gbf
    • Mainz
    • Nürnberg Rbf,
    • Osnabrück Hbf
    • Rheydt Rbf
    • Stockholm (Schweden)
    • Oslo (Norwegen)


    A.2) Seefisch
    Für frischen Seefisch aus Anlandungen in deutschen Seehäfen war die Bahn Hauptbeförderungsmittel, die über 80% des für den Versand vorgesehenen Frischfischs transportierte.
    Der Transport erfolgte in besonderen Fisch-Kühlwagen, von denen die Bundesbahn 1957 -nach eigener Angabe im Heft +Eisenbahn-Güterverkehr+- noch 1250 Stück, z.B. der Bauarten Tnf(reh)hs 32 (ca. 900) und Tnf(reh)hs 38 (ca. 350), ihr Eigen nannte.
    Die Verladung erfolgte u.a. in Cuxhaven-Fischbahnhof, Bremerhaven-Geestemünde (Vorbild; Modell – mit Dank an Bruno) und Hamburg-Altona.
    Von Cuxhaven aus wurden täglich rund 100 Güterwagen für vier Fisch-Schnellgüterzüge abgefertigt, die die meisten Empfangsbahnhöfe in Deutschland im Nachtsprung erreichten.
    Für 1967 bekannt:
    Sg 5510 Cuxhaven – Kirchweyhe – Osnabrück – Marl-Sinsen – Wanne-Eickel Hbf – Duisburg Hbf – Duisburg-Großenbaum – Düsseldorf Hbf – Neuß - Köln-Gereon; u.a. mit Fischwagen und weiteren Eilwagen für Wanne-Eickel und Duisburg.
    Unterverteilung durch:
    De 5178 Osnabrück – Münster (Westf) – Hamm (Westf) – Holzwickede – Hagen Gbf (So bis Wt-Elberfeld); u.a. Fischwagen für Hattingen.
    Mich würden die Laufwege und Zugnummern für Fischzüge aus Hamburg und Bremerhaven noch interessieren. Kann jemand der Mitleser aus Norddeutschland für Aufklärung sorgen-Bruno vielleicht?


    Auch in Privatwagen wurden Fische oder Fischerzeugnisse versandt. Hier und hier je ein Wagen der Fischkonservenfabrik Heinrich Baumgarten aus Bremerhaven-Fischereihafen.


    Vereinzelt wurden auch Fischkühlwagen von anderen Bahngesellschaften zu deutschen Zielbahnhöfen versendet. So unter anderem Fisch aus belgischen Seehäfen in den typisch belgischen Fischtransportwagen der SNCB.


    A.3) Fleisch
    Es ist anzunehmen, das Fleisch zumeist von den ortsansässigen Schlachtereien zugeliefert wurde. Somit würde ein Transport über weite Wege entfallen.
    Denkbar ist jedoch auch der Versand in Kühlwagen, vorwiegend aus dem norddeutschen Raum.
    Aus dem Oldenburger Raum gibt es zumindest diese Aufnahme eines Privatwagens der Großeinkaufs-Gesellschaft Deutscher Consumvereine (GEG) - Fleischwarenfabrik Oldenburg. Der Versand aus dem Hannoveraner, Hamburger oder Bremer Raum käme ebenfalls in Frage, jedoch habe ich bisher hierfür keine zeittypischen Belege finden können. Kann auch hier jemand der norddeutschen Mitleser eine Angabe machen?


    A.4) Blumen
    Blumen sind ein selten genanntes Frachtgut. 1967 verkehrte der
    Ne 5050 B Emmerich – Duisburg Hbf,
    mit Expreßgutwagen für Duisburg und Oberhausen, darüber hinaus mit Wagen für Düsseldorf und Köln. Er transportierte, u.a. verstärkt zu den Osterfeiertagen, Blumen aus den Niederlanden.
    Auf dem Bahnhof Emmerich gab es sogar beim Neubau des Bahnhofsgebäudes einen extra angelegten Abstell- und Sortierplatz für Blumen. Hier die Zeichnung von 1963 dazu, die diesen Platz aufzeigt.


    A.5) Tiefkühlware
    Eine weitere Besonderheit stellte 1967 der
    De 5092 Hannover Hbf (Pferdeturm) – Köln-Deutzerfeld
    dar. Er beförderte -neben Post- Tiefkühlwagen für Mülheim (Ruhr)-Speldorf, Duisburg-Großenbaum und Gelsenkirchen Hafen. Das Ladegut ist jedoch weitgehend unbekannt.
    Empfänger der Tiefkühlwagen waren:
    • Das Kühlhaus Duisburg-Großenbaum wurde erst um 1960 herum erbaut. Heute gehört es zur Nordfrost GmbH & Co. KG, einem Kühltransportlogistiker.
    • Im Gelsenkirchener Hafen, er wurde über den Vbf Gelsenkirchen-Bismarck bedient, war der Empfänger der Tiefkühlwagen die Westland Eis GmbH, ein Eiscreme- und Kühlhausbetrieb.
    • In Mülheim (Ruhr)-Speldorf wurde im städtischen Hafenbereich der Logistikstandort der TRANSTHERMOS GmbH & Co. KG mit den Kühlwagen bedient. Auch dieser Standort wurde erst nach 1960 eröffnet.


    A.6) andere Lebensmittel
    Auch weitere Lebensmittel wurden mit der Bahn transportiert. Nicht immer wurden mit ihnen Großmärkte bedient, sie gingen auch sicherlich mal zu einem, nicht in einer Vereinigung organisierten, Großhändler. Teilweise kamen hierfür Privatwagen zum Einsatz, ob sie jedoch auch ins Ruhrgebiet kamen…
    Ich versuche hier einmal, den Lebensmitteltransport in seinen Facetten anzureißen, eine vollständige Darstellung strebe ich nicht an. Trotzdem sind Ergänzungen um weitere Betriebe hoch willkommen.


    Eier
    In den 1950er und 1960er Jahren wurden auch Eier aus der DDR importiert. Sie wurden in Kühlwagen oder in Wärmeschutzwagen zu den Abnehmern in Westdeutschland transportiert. Eine entsprechende Aufnahme befindet sich im Fritz-Willke Buch von Carstens aus der Verlagsgruppe Bahn (VGB), wenn auch für den Raum Stuttgart.


    Käse, Milchprodukte
    Wer kennt sie nicht – Frau Antje mit „ihrem“ Käse aus Holland!? Für den Export holländischen Käses ist u.a. die 1898 gegründete holländische Genossenschaft +Friesche Coöperatieve Zuivel-Export-Vereniging+ (Frico) in Leeuwarden als Versender zu nennen. Die von der Frico genutzten Privatgüterwagen waren u.a. ehemals deutsche Güterwagenbauarten.


    Anmerkung zu den Frico-Wagen:
    Die Frico hatte ab 1954 unter anderem 29 Gms 30 (Oppeln), davon vier mit Bremserhaus, und sechs Gmhs 35 (Bremen) im Bestand. Die Wagen liefen auch nach Deutschland, Frankreich und Österreich.
    Sie waren ganz weiß lackiert. Ab 1957, als die +Coöperatieve Condensfabriek Friesland+ (CCF) die Schweizer Marke +Rivella+ übernahm -an der CCF war Frico beteiligt- wurden rote Emailleschilder „Drink Rivella“ an den Wagen in der oberen rechten Ecke der Seitenwände angebracht.
    1966 wurden diese Wagen abgestellt.
    Ab 1962 kamen die neuen viertürigen „Groentewagens“ -Serie 3390- auf. Sie hatten ebenfalls einen weißen Wagenkasten, jedoch mit rot-blau-roter Bauchbinde und der Aufschrift +FRICO LEEUWARDEN+.


    Brot
    Brot wurde ebenfalls mit der Bahn geliefert. Besonderheit dürfte der regelmäßige Wagen mit Brot aus Paderborn zum Großmarkt Essen gewesen sein. Die Backwaren kamen von der Brotbäckerei +Reineke-Brot+ in Salzkotten. Sie hatte sogar ein eigenes Verladegleis am Bahnhof Salzkotten. Bereits 1957 endete der Vertrieb über die Bahn.


    Soweit die Beschreibung der Waren.


    Herzliche Grüße
    Andreas

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    … Alles in allem eine verwirrende Vielfalt von Strecken, die in alle Himmelsrichtungen führten, von irgendwo herkamen und unbekannten Orten zustrebten. …

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