E) Bahnamtliche Einordnung und Entwicklung - Güterverkehr - Sonstiges

  • Tach zusammen,


    heute beschließe ich das Thema Güterverkehr in der Direktion Essen mit einem schnellen Überblick über die sonstigen Betriebe.


    11.h.v.f) Sonstiges
    Im Ruhrgebiet gab es über die bisher genannten Produktionszweige hinaus auch andere Betriebe, bei denen eine Anlieferung oder Abfuhr von Rohstoffen und Produkten mit der Bahn zumindest denkbar ist. Da ich hierzu nicht ins Detail eines einzelnen Betriebes gehen möchte (und kann), beschränke ich mich auf den Ort, den Betrieb und die Ware in Form einer kleinen Liste; sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
    Erste Punktaufzählung: Versandort(e)
    Zweite Punktaufzählung: Fabrikationszweig
    Dritte Punktaufzählung: Produkte
    Vierte Punktaufzählung: weitere Informationen (soweit vorhanden)


    A) Warenversand
    • Bochum, Bottrop, Castrop-Rauxel, Dorsten, Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Gladbeck, Hamm, Herdecke, Herne, Kettwig, Lünen,
    ...Mülheim (Ruhr), Recklinghausen, Unna, Wattenscheid, Witten
    o Textilindustrie, Bekleidungsindustrie
    o Rohstoffe gegerbtes Leder, Baumwolle; Produkte Garne, Tuche, Teppiche, Läufer, Bekleidung, Arbeitsbekleidung
    o 1949 gab es im Ruhrgebiet noch 65 Betriebe mit rund 12.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 3.907.000 DM.
    ...Folgende Firmen hatten einen Bahnanschluss:
    ...Die Firma +Johann Wilhelm Scheidt AG+, eine Tuch- und Kammgarnspinnerei, in Kettwig.
    ...Die Firma + Mink & Co, Lederwarenfabrik+ in Mülheim (Ruhr)-Saarn stellte Schulranzen und Koffer her.
    ...Die Firma + G. Möhlenbeck & Co, Lederfabrik+, ebenfalls Mülheim (Ruhr)-Saarn, stellte Bekleidungs- u. Arbeitsschutzleder, Autoleder, Möbelleder her.
    ...Vor allem in Gelsenkirchen siedelten sich Firmen der Textilbranche an. Die Unternehmer hatten in den ehemaligen Ostgebieten, z.B. in Stettin, Breslau
    ...oder Königsberg eigene Textilfabriken aufgeben müssen.


    • Dortmund, Duisburg, Gelsenkirchen, Hattingen
    o Mühlenbetriebe für Hülsenfrüchte
    o Getreide, Mehl
    o In 6 Mühlen wurden etwa 230.000 Tonnen Getreide jährlich gemahlen.


    • Blankenstein, Bochum, Bottrop, Dinslaken, Dortmund, Essen, Gelsenkirchen, Herne, Mülheim, Oberhausen, Preußen, Rauxel, Wattenscheid, Witten
    o Ziegeleien, Betonwerke
    o Ziegelsteine, Gehwegplatten, Bimssteinplatten,
    o Rund 250 Millionen Ziegelsteine wurden 1952 im Ruhrgebiet produziert, ein Teil wurde auch über die Bahn abtransportiert.
    ...Ein Ziegelstein wiegt in etwa 2,8 kg, er hat die Maße11,5 x 11,3 x 24 cm.


    • Dortmund, Gladbeck, Mülheim, Oberhausen
    o Lackfabriken
    o Lacke, Farben


    • Essen, Gelsenkirchen, Hamm, Herne,
    o Elektrogeräte-Hersteller allgemein
    o Herde, Öfen, Waschmaschinen („Weiße Ware“)


    • Essen, Mülheim, Oberhausen
    o Möbelfabriken, Lager
    o Polstermöbel, Schrankmöbel, Betten etc.


    • Bochum (ab 1962)
    o Opel
    o Autoteile, Kraftfahrzeuge
    o Begonnen wurde mit dem Kühlerbau für Opel-Fahrzeuge (Testphase der Fabrik), kurze Zeit später folgte die Produktionsaufnahme von
    ...PKW Typ Opel Kadett A. Sie wurden zur offiziellen Einweihung am 10. Oktober 1962 bereits am Band produziert.


    • Dorsten, Rhade, Recklinghausen, Witten und weitere
    o Molkereien
    o Milchprodukte, Frischprodukte
    o Im Ruhrgebiet wurden 8,4 Millionen Liter je Jahr Frischmilch in den Molkereien hergestellt. Der Verkauf erfolgte lokal, die Rohmilch wurde bei
    ...ortsansässigen Bauern abgeholt und meist per LKW zur Molkerei gebracht.
    ...Aus Rhade kommende Milch wurde in Gelsenkirchen als Frischmilch verkauft, später auch Frischprodukte (Butter, Magermilch, Buttermilch etc.)
    ...an die Frischdienst-Zentrale Essen geliefert.


    • Duisburg-Walsum
    o Papierfabrik Aschaffenburger Zellstoffwerke AG, ab 1962 Walsum-Papier
    o Papier, Sulfitzellstoff
    o Nach derzeitigem Stand die einzige Papierfabrik mit Gleisanschluss im Ruhrgebiet


    B) Warenempfang
    Auch im Empfang sind Warenlieferungen zu nennen, für die die Hersteller ein wichtiges Absatzgebiet im Ruhrgebiet hatten.
    Diese Auflistung steht erst am Anfang, sie wird ergänzt sobald neue Erkenntnisse vorliegen.


    • Bad Lauterberg
    o Bergwerk
    o Baryt (Schwerspat)
    o Beschwerungsmittel in der Brikettherstellung und für Erdölprodukte, Füllstoff für Papier- und Pappenherstellung,
    ...Verschnittmaterial in der chemischen Industrie, Zusatzstoff in Farben- und Lacken, Zuschlagstoff zur Rohschmelze der Glasindustrie.


    • Bad Lauterberg-Barbis
    o Bergwerk
    o Flußspat
    o Zur Eisen-, Stahl- und Kupfergewinnung notwendiger Zuschlagstoff.


    • Bracht, Brüggen, Elmpt, Kaldenkirchen, Niederkrüchten (alles am Niederrhein)
    o Ziegelwerke
    o Tonziegel und Tonröhren
    o Rund 100 Millionen Ton-Dachziegel wurden am Niederrhein 1950 gebrannt.


    • Köln-Liblar
    o Braunkohle-Brikettfabriken
    o Braunkohle-Briketts „Union“
    o 1945 wurden nur 3,7 Millionen Tonnen Braunkohlebriketts hergestellt. 1949 wurde das Vorkriegsniveau von rund 12,3 Millionen Tonnen erreicht,
    ...in den Folgejahren pendelte die jährliche Produktionsrate zwischen 11 und 15 Millionen Tonnen. Sie wurden in loser Schüttung mit der Bahn ab
    ...dem Übergabebahnhof Köln-Liblar versendet. Ein kleinerer, nicht zu beziffernder, Anteil davon ging auch ins Ruhrgebiet, so z.B. zu einem Kohlehändler
    ...in Herbede. Überwiegend wurden hier jedoch die „heimischen“ Steinkohlenbriketts verbrannt.


    Herzliche Grüße
    Andreas

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    … Alles in allem eine verwirrende Vielfalt von Strecken, die in alle Himmelsrichtungen führten, von irgendwo herkamen und unbekannten Orten zustrebten. …