E) Bahnamtliche Einordnung und Entwicklung - Betriebsmittel - Lokomotiven 1

  • Tach zusammen,


    ich hoffe doch, dass ich euch in den vergangenen Wochen und Monaten einige interessante Minuten schenken konnte. Jetzt könnt ihr endlich wieder Luft holen, unser Tieftauch-Ausflug (neudeutsch: deep-dive) in den Personen- und vor allem Güterverkehr ist damit beendet – vorerst. Sollte ich zukünftig noch an weitere tiefgründige Informationen gelangen, so würde ich das Thema erneut aufgreifen.
    Mal sehen, was draus wird.


    Heute steigen wir in einen Bereich ein, der sich sehr vielfältig zeigt, aber leider nur schwer chronologisch aufarbeiten lässt. Warum? Ganz einfach: zu viele interessante Hintergrundinformationen würden verloren gehen. Außerdem ist eine reine Aufzählung von Baureihen, Personen- und Güterwagentypen eine irgendwann nicht mehr lesbare Ansammlung von Informationen. Leider kann darauf nicht immer verzichtet werden, vor allem bei den Triebfahrzeugen.


    11) Betriebsmittel
    12.a.) Lokomotiven (Betriebsmaschinendienst)


    1945 sah es beim Rollmaterial im Bezirk Essen nicht viel besser aus als bei den Bauwerken.
    Eine erste Lokzählung fand im Juli 1945 statt, am 20.07.1945. Von den 1944 vorhandenen rund 1150 Lokomotiven aller Bauarten waren nur 635 einsatzbereit (etwa 55%).
    Am 01.12.1945 fand erneut eine Lokzählung statt, auf Anweisung des Alliierten Kontrollrats. Durch das Reichsbahn-Zentral-Amt (RZA) in Göttingen wurde eine Lokzählung am 31.12. 1945 veranlasst. Im Dezember ergab die Zählung für die RBD Essen 1279 Lokomotiven. Bei einem ungefähr gleichbleibend hohen Schadanteil von 55% ergeben sich 703 betriebsfähige und 576 Schadlokomotiven.
    Die RBD Essen zählte 23 aus belgischen und französischen Beständen stammende Lokomotiven der Baureihe 38. Sie waren in Dortmund Bbf, Duisburg Hbf, Essen Hbf, Essen-Kupferdreh, Hamm und Wanne-Eickel beheimatet. Sie wurden bis Ende 1946 an Belgien und Frankreich zurückgeführt.


    Im Betriebsmaschinendienst konnte bis Ende März 1946 auf einen sich weiter erhöhenden Lokomotivbestand von rund 1400 Lokomotiven in 35 Baureihen zurückgegriffen werden. Davon dürften in etwa 840 Lok dienstbereit gewesen sein. Der Schadbestand von 40% sank in den folgenden Jahren auf einen Durchschnitt von 18-20%. Bei gleichbleibendem Lokomotivbestand – die Lokbewegungen waren nur minimal- waren Anfang 1949 rund 1150 Maschinen betriebsfähig, so viele wie 5 Jahre zuvor insgesamt im Bezirk Essen standen.


    Zum Ende des Jahres 1949 hin, also vier Jahre nach dem Krieg, wirkten sich im Betriebsmaschinendienst allerdings die durch die Hauptverwaltung der Eisenbahnen in den Vorjahren getroffenen Sparmaßnahmen –vor allem Personal-Entlassungen- in der ED Essen erstmals negativ aus. Die Zahl der in den Bahnbetriebswerken (Bw) befindlichen Lokomotiven in Ausbesserung stieg bis zum Jahresende drastisch an, Lokausfälle waren an der Tagesordnung. Der Schadbestand lag 1949 bei rund 24% des Lokbestandes oder 336 Lokomotiven. Die Situation besserte sich in den Jahren 1950 und 1951 wieder auf rund 18 % (plus/minus 1% je Jahr), jedoch sank auch der Lokomotivbestand ab.
    1952 waren noch rund 1200 Lokomotiven in der BD Essen beheimatet, ihre Anzahl schrumpfte weiter von Jahr zu Jahr. Der durchschnittliche Schadbestand bei den Dampflokomotiven lag 1956 bei 14,5%, eine Verbesserung um 2% zum Vorjahr. 1961 hatte die BD Essen einen Lokbestand von 740 Lokomotiven, der sich 1962 auf 730 reduzierte.


    Das Bw Hamm P gab 1959 seine letzten Dampflokomotiven ab. Das Bw war damit dampffrei. Das Bw Dortmund Bbf gab 1961 seine letzten Dampfloks ab. Die Abgabe erfolgte zum Ende des Winterfahrplanes 1960 / 1961. Dortmund Bbf war damit ebenfalls dampffrei.


    Eine nach Jahren gegliederte Lokstationierung lässt sich für einen so langen Zeitraum nicht vernünftig erstellen, weshalb ich hier jahresübergreifend die Beheimatungen der einzelnen Baureihen inklusive etwaiger weiterer Informationen wiedergebe. Dabei waren die Loks nicht immer überall zur gleichen Zeit beheimatet. Die Bw-Angaben beruhen auf einer eigenen Zusammenstellung.
    Auch will ich hier kein Baureihenbuch schreiben. Es geht nur um die eine oder andere Hintergrundinformation, die man sonst selten findet.
    Die unten verlinkten Aufnahmen zeigen Lokprträts von Lok der angesprochenen Baureihe aus dem verlinkten Ort.


    01 in Dortmund Bbf, Hamm, Paderborn
    Lok aus Hamm bespannten D-Züge bis Hamburg-Altona (1954), sowie bis Hannover Hbf und Köln-Deutzerfeld. Sogar bis Bad Harzburg kamen 01 des Bw Hamm, jedoch nur mit einem Reisebüro-Zug.
    Darüber hinaus bespannten sie Eilzüge auf dem (Teil-) Laufweg von Krefeld bis Hamm.
    01 kamen ab ca. 1960 zum Bw Paderborn, also ziemlich am Ende meiner Betrachtungszeit. Sie fuhren u.a. bis Dortmund Hbf, hier wurden sie meist mit E 549 abgelichtet.


    01.10 in Hamm


    03 in Hamm


    03.10 in Dortmund Bbf, Paderborn
    Ab März des Jahres 1951 kamen 03.10, frisch entstromt und hauptuntersucht, zum Bw Dortmund Bbf. Teilweise erhielten sie während der dortigen Beheimatungszeit einen Neubaukessel. Eingesetzt wurden sie in einem Mischplan mit den neuen V200 des Bw Hamm, unter anderem vor dem hier gezeigten F 16 „Sachsenroß“.
    03.10, Bw Paderborn, kamen bis Aachen Hbf, liefen jedoch über Wuppertal und kamen nicht ins Kern-Ruhrgebiet.
    03.10, Bw Dortmund Bbf, bis Frankfurt/Main


    05 in Hamm
    Das Bw Hamm erhielt die drei Lok
    05 001,
    05 002 und
    05 003 1950 zugeteilt. Die Baureihe wurde vor hochwertigen Schnellzügen eingesetzt. Vereinzelt führten sie auch britische Urlauberzüge, so wie den Dm 80662. Die Lok kamen dabei vermutlich bis Emmerich.
    Die Baureihe 05 lief auch vor dem F1/F2 Hanseat von Hamm bis Hamburg-Altona und mit D 121 von Köln über Essen nach Hamm und weiter nach Hannover.
    Einen bebilderten Bericht gibt es auf DSO zu sehen. 1958 schied sie aus dem Betriebsbestand aus.


    17.2 in Dortmund Bbf (Ausmusterung bis 1948),


    17.10 in Dortmund Bbf (Ausmusterung bis 1948),


    23 in Paderborn
    Die Lok wurden ab 1954 zugeteilt und im Eilzug- und D-Zug-Dienst eingesetzt. Sie hatten ihre Wendebahnhöfe in Aachen, Altenbeken, Bonn, Mönchen-Gladbach, Hamm, Kaldenkirchen, Kassel, Köln Hbf, Münster (Westf) Hbf, Rheine.


    24 in Holzwickede
    Im Herbst 1949 erhielt das Bw Holzwickede Lokomotiven der Baureihe 24 zugeteilt. Es waren dies die 24 006, 007, 013, 014, 017 und 051. Sie wurden auf den Strecken nach Schwerte und Paderborn eingesetzt und erreichten 1951 vor Personenzügen auch den Bahnhof Hamm. Sie liefen jedoch keinen Wendebahnhof im Ruhrgebiet an. Die Lok wurden 1952 an die ED Münster abgegeben.


    38.10 in Bocholt, Dortmund Bbf, Dortmund Süd, Duisburg Hbf, Essen Hbf, Essen-Kupferdreh, Gelsenkirchen Hbf, Gelsenkirchen-Bismarck, Hamm, Holzwickede, Mülheim (Ruhr)-Speldorf, Oberhausen Hbf, Paderborn, Soest, Wanne-Eickel, Wesel
    Die Lok hatten Kastentender der Bauart pr. 2‘2’T21,5, wobei die Tender sowohl in der ursprünglichen genieteten Ausführung, z.B. 38 3075, als auch in der Version mit neuem geschweißten Tender-Wasserkasten (z.B. 38 3111) in der Direktion liefen. Weitere Lok hatten einen pr. 2‘2’T31,5 -von der Baureihe 17.10 geerbt- (38 2710) und Wannentender der Bauart 2‘2’T30, z.B. 38 3417.


    Wendebahnhöfe lagen hauptsächlich im eigenen Bezirk:
    Dorsten, Dortmund Hbf, Dortmund Süd, Duisburg Hbf, Duisburg-Wedau, Hamm, Herdecke, Mülheim (Ruhr)-Speldorf, Oberhausen Hbf, Oberhausen-Osterfeld Süd, Paderborn und Soest sind hier zu nennen.


    Eingesetzt wurden sie meist vor Eil- und Personenzügen. Lok der Bw Duisburg Hbf, Essen Hbf und Wesel kamen auch vor D-Zügen zum Einsatz.
    Die Ausnahmen nach außerhalb der eigenen Direktion rollten nach Hagen Hbf, Köln Hbf und Mönchen-Gladbach (Bw Duisburg Hbf), nach Hagen Hbf (Bw Essen Hbf, Dortmund Bbf, Oberhausen Hbf) und mit Eil- und D-Zügen von/bis Arnhem (NL) über Emmerich – Oberhausen, z.B. E 784 (Bw Dortmund Bbf) oder D 507 (Bw Wesel).
    Ihre Einsatzzeit in der Direktion Essen endete ziemlich genau mit dem Ende meines Betrachtungszeitraumes: 1967


    41 in Duisburg-Wedau, Hamm, Paderborn, Wanne-Eickel
    41, Bw Wanne-Eickel fuhren mit Güterzügen u.a. bis Aachen West, Bestwig (selten), Kirchweyhe, Köln Hbf, Köln-Deutzerfeld, Hamm und Wuppertal-Vohwinkel, nach Köln auch mit Eilzügen. Darüber hinaus bedienten sie mit Eilgüterzügen die Relation Köln-Gereon Egbf (Eilgutbahnhof) – Ruhrgebiet – Osnabrück - Kirchweyhe (325 km Laufstrecke) und zurück mit Halten in Duisburg Hbf und Wanne-Eickel.
    Ein weiterer durchgehender Zuglauf führte von Kirchweyhe bis Aachen West über 360 km Laufstrecke. Weitere Wendebahnhöfe im Güterverkehr lagen im Ruhrgebiet, z.B. in Dortmund Hbf.
    Im Personenverkehr bespannten sie u.a. den D 84 nach Frankfurt am Main auf dem Teilabschnitt Oberhausen Hbf – Hagen Hbf. Die Gegenleistung D 85 wurde ebenfalls von 41er des Bw Wanne-Eickel bespannt.


    42 in Dortmund Süd, Paderborn, Soest
    Ähnliches wie bei der Baureihe 52 (siehe den zweiten Teil) trifft auf die 11 (andere Quellen: 12) Lokomotiven der Baureihe 42 zu. Nach dem Krieg fanden sich 7 Lok in Paderborn, 3 in Soest und eine in Dortmund Süd. Letztere ist 42 642, die sehr stark beschädigt wurde (Fliegerangriff 12.03.45); es gibt eine Aufnahme aus Dortmund Süd von 1946, auf der sie vermutlich zu sehen ist.


    Eine kleine Besonderheit stellt diese Aufnahme aus dem Bw Duisburg Hbf dar.
    Die Eisenbahnstiftung nennt die 42 1507 des Bw Bingerbrück der ED Mainz, die hier im Jahr 1950 zu sehen sein soll. Sie soll mit einem Eilgutzug planmäßig über die Rheinstrecke nach Duisburg gekommen sein. Bingerbrücker 42 liefen in den 1940er/1950er Jahren eigentlich nur bis Köln-Eifeltor.
    Die Aufnahme ist auch im EK-Baureihen-Buch über die BR 38 auf Seite 265, Bild 254 zu sehen. Hier soll die Lok –ohne Nummer-Nennung- aus Köln-Kalk gekommen sein und die Aufnahme wird auf 1953 datiert. Dies wäre dann eine Lok der Lieferserie von 08.1944/09.1944 an die RBD Köln aus der Nummernreihe 42 541 bis 42 550. Das kurze Nummernschild zeigt in der Vergrößerung als letzte Ziffer wahrscheinlich eine 7, dies könnte darauf hindeuten, dass es sich evtl. um 42 547 handelt. Die Lok wurde am 07.09.1953 ausgemustert – war sie 1953 noch betriebsbereit?
    Ja, wat denn nu?


    44 in Bochum-Langendreer, Duisburg-Wedau, Gelsenkirchen-Bismarck, Hamm G, Holzwickede, Paderborn, Soest, Wanne-Eickel
    44, Bw Hamm, mit Güterzügen bis Dortmund Vbf, Osnabrück Vbf


    Bis etwa Mitte der 1950er Jahre waren Lok dieser Baureihe im „Kern“-Ruhrgebiet in den Bw Bochum-Langendreer und Gelsenkirchen-Bismarck beheimatet, dann abgezogen und ab Mitte der 1960er Jahre wieder in Wanne-Eickel und Gelsenkirchen-Bismarck beheimatet worden. Wendebahnhöfe des Bw Gelsenkirchen-Bismarck waren Borken, Dorsten, Duisburg-Hochfeld Süd, Wanne-Eickel und Winterswijk (NL).
    Das Bw Hamm erhielt erst 1957 die ersten Lokomotiven der Baureihe 44 nach dem Krieg. Sie liefen auf der Rollbahn gen Norden, teils nach Dortmund Vbf.


    Tatsächlich gibt es keinerlei Betriebsaufnahmen dieser Baureihe aus den Jahren 1945 bis 1960. Nur abgestellte Lokomotiven (44 037 1960 im Aw Mülheim (Ruhr)-Speldorf) und kriegsgeschädigte Lok (zwei unbekannte Lok 1946 im Bw Duisburg-Wedau) lassen sich nachweisen. Ab 1968 hingegen sind Aufnahmen in Hülle und Fülle zu finden…


    Herzliche Grüße
    Andreas

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    … Alles in allem eine verwirrende Vielfalt von Strecken, die in alle Himmelsrichtungen führten, von irgendwo herkamen und unbekannten Orten zustrebten. …