Hilfsbrücken bei der Tunnelbaustelle Diez an der Lahn

  • Hallo Modellbahner,


    gestern war "Tag der offenen Baustelle" am Strassentunnel der innerstädtischen "Umgehung" in Diez an der Lahn. Dort kommen gleich zwei Hilfsbrücken zur Überquerung der Baustelle zum Einsatz. Die zweigleisige Lahntalbahn wird dort kurz hinter dem Diezer Tunnel über die Baustelle geführt.


    Mein Sohn hat eifrig Bilder besonders von den Verbauungen und den Brücken gemacht, die ich Euch nicht vorenthalten will. Ein interessantes Motiv für ein Modul wie ich finde.
    Kurze Information zum Bauprojekt. Die "innerstädtische Umgehung war gut 20 Jahren in der Planung und Genehmigung. Bisher haben weitsichtige Politiker diese Art der Umgehung verhindern können. Aber irgendwann scheiden auch diese einmal aus der Politik aus. Das Ergebnis ist eine Baumaßnahme, die mit 31 Mio. Euro veranschlagt war und jetzt bei etwa 50 Mio. Euro enden wird. Wenn man bedenkt, das genau 400m Innenstadtstraße in den Genuß dieser Umgehung kommen ein fragwürdiges Unterfangen. Die Diskussionen und der Ärger sind da natürlich groß.


    Trotzdem ein reizvolles Thema diese Baustelle. Zum einen sind wie gesagt zwei Hilfsbrücken verbaut worden. Eine davon ist mit 31m Spannweite übrigens die größte Hilfsbrücke der Bundesbahn.


    Fangen wir mit der Kleineren von beiden an. Mit 24m auch schon eine beachtliche Spannweite, lagert sie auf Bohrpfählen mit einer Tiefe von gut 23m. Die ersten Bohrpfähle wurden während des laufenden Betriebes neben dem Bahndamm gebohrt und vergossen. Danach wurde binnen zwei Wochen das Gleis entfernt, die unterhalb des Bahnkörpers gelegenen Bohrpfähle gegründet und dann die Hilfsbrücke montiert. In dieser Zeit war die Strecke komplett gesperrt.


    Hier ein Bild der gesamten Konstruktion.


    Unterhalb der Brücke wird noch einmal weitere 8m tiefer bis zur Sohle des in offener Bauweise zu erstellenden Straßentunnels ausgeschachtet. Im unteren Bereich der Bohrpfähle zu erkennen die Gründung im Felsgestein. Zu allem Überfluss verläuft der Tunnel innerhalb eines massiven vulkanischen Ergussgesteins welches härter als Granit ist. Das heißt ohne Sprengungen keine Schachtung. Sprengungen direkt neben Wohngebäuden und Bahnstrecken erfordern eine Menge Vorsichtsmaßnahmen. So sind jede Menge automatische Messysteme rund um die Baustelle, dem bestehenden Einsenbahntunnel und allen angrenzenden Gebäuden montiert. Wenn der Berg nur hustet wird das sofort gemeldet.


    Auch nicht uninteressant, die Abstützungen mit dem sogenannten "Berliner Verbau", die Spundwände aus Holz. Überall dort eingesetzt, wo eine Setzung auf der anderen Seite keine Auswirkungen hat.


    Im nächsten Bild sieht man die Widerlager der Brücke. Interessant ist, das die Lager und die Bohrpfähle innerhalb einer Woche gebohrt vergossen und die Brücke darauf montiert wurde. Zu diesem Zeitpunkt war natürlich noch nichts geschachtet und unter der Brücke waren nur gut ein Meter Platz. Mit zunehmender Tiefe der Grabungsarbeiten werden dann Ankerlöcher durch die Bohrpfähle in den Fels bzw. Bahndamm gebohrt und vergossen im nächsten Bild schön zu erkennen. Eine besondere Herausforderung war die Umverlegung der Gleise, da sich die erste Brücke in einem Gleisbogen befindet. Auf dem Bild schlecht zu erkennen ist die einseitige Überhöhung der beiden Brückenteile.


    Das Typenschild weist die Brücke als eine ZH24 aus.


    Hier noch einmal der gesamte Konstrukt. Auf diesem Bild kann man die Gleisüberhöhung am Widerlager sehen. Die beiden Widerlager ruhen übrigens auf Stahlträgern, die in die Bohrpfähle eingegossen wurden.


    Das nächste Bild zeigt den Verlauf des in offener Bauweise zu erstellenden Tunnels. Auf der Höhe des Einfahrsignals befindet sich hinter der Spundwand und nicht sichtbar, die eigentliche Strassenbrücke der Diezer Strasse. Der Guckenberg wird erst nach Beendigung der Baumaßnahmen wieder hergestellt.



    Rechts im Bild das Tunnelportal des Diezer Tunnels und direkt links daneben der Eingang zum bergmännisch zu erstellenden Teils des Tunnels. Darüber die zweite und längste Hilfsbrücke der DB mit 31m Spannweite.
    Trotz dieser großen Spannweite ist sie noch zu kurz und es bedarf eines Kunstgriffes während der Bauphase. So wird die Brücke nach Fertigstellung eines in offener Bauweise erstellten Tunnelsegmentes um 10m versetzt, da das linke Widerlager im Moment inmitten der Baugrube liegt. Deshalb ist die momentane Zufahrt zum bergmännischen Teil auch so eng, wie man links im folgenden Bild sehen kann. Da es sich hier um einen massiven Felsen handelt wurde dieser lediglich mit Spritzbeton gesichert. Die Brücke selbst ruht auf dem Felsen.


    Das andere Ende ruht ebenfalls auf Fels.


    Im Vordergrund eine Bohrmaschine für die Spreng- und Ankerlöcher. Zum Abschluss noch ein Bild aus der Höhe des Gleisbettes aufgenommen.




    Hier zu sehen, der Bahntunnel mit knapp 165m und der Strassentunnel. Obwohl es sich um sehr hartes Gestein handelt, wird aufgrund der Nähe zum Bahntunnel nach jeder Sprengung zuerst die Strecke und der Tunnel vermessen, bevor die Bahn den Verkehr wieder frei gibt. Ein gigantischer Aufwand, der zweimal täglich stattfindet.



    Ein ganz wichtiger Teil aller Tunnelarbeiter. Der Platz für die heilige Barbara, die Schutzpatronin der Tunnelbauer.





    Ich hoffe damit etwas Inspiration geliefert zu haben und wünsche viel Spaß bei der Lektüre.
    Für weitere Informationen schaut einfach bei diesem Link.


    Bis dahin mit freundlichen Modellbahnergrüßen
    Thomas

    "Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." Jorge Augustín Nicolás Ruiz de Santayana