Wagenbausätze von Westerfield

  • Hallo,


    im Rahmen der erweiterten häuslichen "Freizeit" habe ich mir einige Wagenbausätze vom Dachboden herunter geholt. Die Zeit kann so einigermaßen sinnvoll für derartige aufgeschobene Projekte genutzt werden.


    So sieht der Inhalt einer Packung aus.





    Es liegt noch ein Tütchen mit Kleinteilen bei.





    Die passenden Drehgestelle und Kupplungen muß man selber beistellen. Ebenso die Decals für die Beschriftung. Nicht mit auf dem Bild ist noch eine Länge Angelschnur die dem Bausatz zur Nachbildung der Sprengwerke mit beiliegt.





    Das soll einmal daraus werden.





    Die Bauanleitung ist in Romanform gesschrieben mit nur recht wenigen Abbildungen.





    Die Anleitung für die Bremsanlage.

    Hier eine sog. K-Brake bei der Bremszylinder, Luftvorratbehälter und Steuerventil zu einem gemeinsamen Bauteil miteinander verblockt sind. Die ist modelltechnisch noch rel. einfach darzustellen. Rohrleitungen und Gestänge müssen vom Erbauer selber aus den beiliegenden Messingdrähten gefertigt werden.



    Die Bausätze selber sind von Westerfield aus den 1970er Jahren. Hier handelt es sich noch um die klassischen "Old School" Flachbausätze bei denen der Wagenkasten aus mehrere Einzelteilen zusammengesetzt werden muß. Das Material hier ist Polyester-Gießharz mit Metallpulver gefüllt. Es war von Anfang an spröde und das hat sich im Laufe der langen Lagerzeit nicht zum Besseren verändert, eher das Gegenteil. Roco Bröselkunststoff ist dagegen schon richtig "elastisch" :pinch:

    Es ist nicht mit den Resin-Bausätzen von Heute zu vergleichen. Heute ist das Material viel besser und auch die Gießtechnologie hat sich verbessert. So werden heutzutage Wagenboden und Wände zusammen in einem Stück gegossen was die Zusammenbau ungemein erleichtert.

    Diese Flachbausätze haben ihren eigenen Herausforderungen.

  • Wie es weitergeht:


    Das Bild zeige ich ganz bewuß erst Heute, gestern hätte man es für einen Aprilscherz gehalten.

    Der Hintergrund, die Teile haben sich im Lauf der langen Lagerung, die nicht immer ganz eben war, verzogen. Des weiteren in sich verworfen, gewölbt und verdreht. Um das wieder zu korrigieren werden die Teile auf einer ebenen Fläche ausgelegt und mit Wärme behandelt. Das Gießharz erweicht dann und sollte sich wieder plan auf den Untergrund legen. Das das Harz ein Duroplast ist kann es zwar etwas erweichen, aber nicht aufschmelzen. Man sollte es mit der Temperatur aber nicht übetreiben.

    In diesem Fall ein ebenes Backblech (ist auf Planität kontrolliert worden). Darauf wird zum Schutz desselben Druckerpapier gelegt und dann erst die Teile oben darauf. Das Ganze kommt dann bei etwa 60°C für einige Stunden in den Backofen. Jedenfall so lange bis die Teile wieder eben sind.

    Bis zur weiteren Verarbeitung bleiben sie auf dem Blech liegen.

  • Hallo,


    dann geht es so langsam los. Langsam deswegen, weil die Verklebung der Wagenkästen aus ihren Einzelteilen nur Teil für Teil erfolgen kann.


    Wegen Bretterfugen, war mal Gegenstand herftiger Diskussionen in der Paralellwelt :

    Kann man hier nicht meckern.






    Um Verwirrungen auszuschliessen, es handelt sich hier um 3 Wagen und 2 verschiedene Typen.

    Einmal gibt es einen Santa Fe (SF) Wagen mit hölzernen Untergestell, den kann man an seinen glatten verbretterten Seitenwänden erkennen.

    Dann sind es 2 Wagen der Canadian Pacific (CP) mit Stahluntergstellen, die haben aussenliegendes Fachwerk.





    Die Teile sind im Backofen etwas gerader geworden, aber leider doch nicht ganz gerade. Hier der erste Versuch beide Seitenwände des Santa Fe Wagens rechtwinkelig an den Boden zu kleben.

    Von aussen drücken die schweren Messingklötze und von innen halten selbst gemachte Spanten dagegen. Durch die Überbreite kann man die beiden Seitenwände auch ganz bequem gerade ausrichten.

    Das Ganze spielt sich auf einem Stück Polyethylenfolie, vulgo Plastiktüte, ab damit der Wagenkasten nicht auf der Unterlage festklebt.

    Da Seitenwände und Untergestell unten auf gleicher Höhe abschliessen kann man den Wagenkasten auf einer ebenen Unterlage zusammenkleben.





    Die Stirnwände (SF) werden in einem ersten Schritt nur unten verklebt und dazu geklammert. Innen befindet sich ein Stück Winkelblech aus Messing. Damit das nicht mit den Wagenwänden verklebt habe ich ein Stück PE-Folie dazwischen gelegt.

  • Hallo,


    dsc028485njxs.jpg

    Während beim ersten Wagenkasten der Kleber aushärtet, kann man paralell dazu schon am 2. Wagen arbeiten. Hier wird wider etwas neues ausprobiert. Eine Stirnwand (CP) wird in einem ersten Schritt nur mit einer Seitenwand verklebt und dafür geklammert. Auch hier befindet sich innen ein Stück Winkelblech aus Messing mit einem Stück PE-Folie dazwischen.





    dsc028504hkln.jpg

    Das Untergestell des 1:1 CP Wagens ist schon aus Stahl. Zuerst werden Drehgestellauflager angeklebt.





    dsc02852bgkyg.jpg

    Das efolgt etwas was man, frei nach W. Shakespeare, als der "Widerspenstigen Zähmung" bezeichnen könnte.

    Die Seitenwand mitsamt der vorher schon angeklebten Stirnwand wird mit den Gewichtsblöcken so fixiert, daß sie rechtwinkelig ausgerichtet sind. Auch hier trotz Sekundenkleber ein einige Stunden dauernder Aushärtungsprozeß.





    dsc028534ij20.jpg

    Nach 2 1/2 Tagen waren auf diese Weise die ersten beiden Wägenkästen zusammengeklebt.

    Der Kunststoffstreifen unten rechts diente eigentlich nur der Fixierung und Ausrichtung, hat sich aber versehentlich mit festgeklebt.

    Ich habe später beim Entfernen desselben, eingedenk des sprödbrüchigen Materials, nicht den Fehler gemacht ihn abzukratzen, sondern mit der Feile abzutragen.

  • Hallo,



    Bei den Wagenbausätze komme ich jetzt so Richtung Kleinteile:

    Noch einmal das Tütchen (SF Wagen).





    In der Verpackung für die CP Wagen lagen auch diese Teile die hier noch an ihrer gemeinsamen Schwimmhaut hängen.

    Links oben die Spanten für das Dach welches aus 2 Hälften zusammengefügt werden soll.

    Darunter Eckwinkel für Variationen verschiedener Bauserien.

    Teile der Bremsanlage wie Plattform mit Klinkenrad.

    Ganz unten einen zusätzliche Ladeöffnung für die Stirnwand, ebenfalls um verschiedene Bauserien darstellen zu können. Beim Vorbild wurden hier durch die Offnung z.B. lange Bretter von Hand verladen.

    Rechts daneben die Türlaufschienen und die oberen Türbeschläge. Vorbeugend hat Westerfield schon ein extra Teil mit beigelegt.

    Im Kästchen ganz rechts noch eine weitere Ladeöffnung, die Bremsanlage und noch die letzten Griffe.



    Der nächste Schritt war dann die "Verschweizerung" (Na, wie kommen die Löcher in den Käse?) der Wagenkästen. Jux beiseite, es waren dann mit einem 0,4mm Bohrer so 86 (CP) bis 90 (SF) Bohrungen für die Griffe und Tritte in die Wagenkästen einzubringen. Zum Glück waren die meisten Stellen schon vormarkiert wo man den Bohrer ansetzen muß. Der Rest wo gebohrt wird muß dann anhand der spärlichen Fotos sozusagen in freier Interpretation selber heraus gefunden werden.


    Nach der Bohrorgie (hier CP Wagen) galt es dann die einzelnen Griffe anzubringen. Sie sind aus Stahldraht und schon vorgebogen. Bei einem Teil der Griffe musste ein Schenkel noch zusätzlich gekürzt werden damit sie sich weit genug einstecken liessen. Das ist der Fall bei den Griffen für die Stirnwandaufstiege. Da sie auf exakt gleicher Höhe wie diejenigen in der Seitenwand liegen, kämen diese mit denen von der Seitenwand sich ins Gehege.


    Die Griffe werden zuerst lose mittels einer kräftigeren Pinzette eingesteckt, dann paralell ausgerichtet und die überstehenden Enden von innen verklebt.

  • Hallo Lutz


    sprödbrüchigen Materials

    Wegen dem Material... Im Moment ist der Wagen ja noch offen.

    Wie wäre es, in von innen mit Polystyrol oder Epoxy-basierten Leiterplatten zu verstärken?

    Also von innen noch Wände und Boden einzukleben? Oder ist das "too much"?


    die "Verschweizerung" (Na, wie kommen die Löcher in den Käse?)

    Loch an Loch und hält doch oder - auch grad aktuell - wie WC Papier. Reisst immer an der Falschen Stelle...


    LG,

    Axel

  • Hallo,


    für den Santa Fe Wagen müssen alle Griffe in einem gewissen und gleichmässigen Abstand von der Wagenwand entfernt sein:


    Dafür habe ich mir ein Hilfswerkzeug ausgedacht. Ein Kunststoffstreifen von entsprechender Breite und Dicke wurde an einem Ende keilförmig angefeilt.

    Damit fährt man jetzt unter die bislang nur lose eingesteckten Griffe und bringt sie so ohne viel Fummelei alle auf einen gleichmässigen Abstand von der Wagenwand.



    Dann habe ich auch mit dem dritten Wagen angefangen.


    Die Methode mit den geklammerten Winkeln wurde etwas verfeinert. Ich habe mir von einem Winkelprofil Stücke verschiedener Länge abgesägt. Des weiteren habe ich PE Beutel zerschnitten. Dabei wurden die bei den Beuteln vorhandenen Falze von aussen auf die Messingwinkel gelegt.



    So wird dann geklammert. Die Krokoklemmen sind von der kräftigeren Bauart und bringen den nötigen Anpreßdruck. Die zwischengelegte PE Folie verhindert ein Verkleben des Messingwinkels der nicht dauerhaft im Wagen verbleiben soll.





    Im Foto die erste Stirnwand mit dem Boden an die bereits angeklebte erste Seitenwand.

    In einem weiteren, hier nicht dargestellten Zwischenschritt, wird erst danach diese Stirnwad mit der Seitenwand verklebt.





    Als Vorarbeit sind schon eine Stirnwand und eine Seitenwand mit dem Boden verklebt worden, siehe Beitrag #12. Jetzt wird die zweite Seitenwand angebracht.

    Ich benötige hier 2 Winkel um die 2. Seitenwand zu verkleben.





    Um ein Aufklaffen der Seitenwand vom Wagenboden zu verhindern kommt noch eine zusätzliche Klammer zum Einsatz.


    Das dauert jetzt einige Stunden bis der Klebstoff ganz ausgehärtet ist. Erst dann kann die Anbringung der noch fehlenden Stirnwand in Angriff genommen werden.

    Von daher ein paralelles Arbeiten an den Wagen.


    Axel

    Ein Verstärken der Seitenwände mit flachen von innen flächig vorgeklebten Material wird wenig bringen. Der 3. Wagen ist leider noch so verzogen störrisch. Vielleicht 5,0mm Neusilberblech ... :bomb: Duck unn wech.

    Ich habe aber eine Lösung gefunden, später dazu mehr.

  • Hallo,


    wie schon aus den Bildern im letzten Beitrag (#15) ersichtlich, wollte dieser Wagenkasten einfach nicht gerade werden.


    Erst mit massiven Einbauten konnten die Wänd dann zwangsweise freiwillig dazu überredet werden gerade zu sein.

    Nein, kein 5mm Neusilberblech, schlicht 1mm PS und der Rest von einem Träger aus einem Brückenbausatz (Stammt in Wirklichkeit von den angeknabberten Kranstützen von Anderson Steel auf Flats; siehe Anlagenbauthread).





    Dann war da noch die 2. Stirnwand die spährisch, also in 2 Ebenen, gewölbt war. Als erste Maßnahme wurde ein Stück 4 x 4mm ABS Profil von innen aufgeklebt.





    Dann kamen links und rechts noch 2 Versteifungsrippen hinzu. Die Versteifungen wurden mit reichlich CA eingeschlickert.





    Jetzt ist das gerade und wird auch gerade bleiben.



    Axel

    Man muß die Spannungen genau da abfangen wo sie angreifen. Im Fall der Stirnwand ist der Witz die 2 senkrecht zur Fläche stehenden PS Streifen. Das quadratische 4-Kantprofil allein würde auf Dauer nichts bringen. Hier dient es hauptsächlich zur Vergrößerung der Klebefläche.

  • Hallo,


    es ist nun einmal leider so, daß nicht alle Teile auf Anhieb passen:

    Hier war der Wagenboden um etwa 1mm gegenüber den Seitenwänden zu lang ausgefallen. Nachmessen und Vergleichen mit dem anderen Wagen betsätigten, daß der Wagenboden der Übeltäter ist. Hier wird noch nachgearbeitet werden, aber erst nachdem alle Klebungen völlig duchgehärtet sind.





    Zeit nach den 2 1/2 Wagenkästen sich den Dächern zu widmen. Anstatt die vorgesehenen Spanten (siehe #14, 2. Bild) zu nehmen, habe ich meine eigene Ideen. So habe ich Streifen 0,5mm PS Plattenmaterial längs in der Mitte V-förmig gebogen und diese erst einmal auf eine Seite der Dachhälfte geklebt.





    Erst dann wurde die 2. Dachhälfte angeklebt (hinten).

    Vorne wird gerade der Dachlaufsteg, der längs in der Mitte verläuft, aufgeklebt. Die Gewichte sorgen für den nötigen Anpreßdruck.

  • Hallo,


    als Intermezzo habe ich an dem ATSF Wagen weitergemacht:


    dsc028835vkul.jpg

    Beim Vorbild besteht der Wagen zum allergrößten Teil aus Holz, so auch der Wagenrahmen. Sein Grundgerüst bilden mehrere paralelle Längsbalken. Ein Teil davon ist am Wagenboden mit angegossen, die Aufdoppelungen und Quertraversen müssen noch extra angebracht werden.





    dsc02884r6j2x.jpg

    So sieht der Boden nach der Anbringung der größeren Teile aus. Die Bohrungen der mittleren Quertraversen nehmen später die sog. Queen Posts der Sprengwerke auf. Es sind hier 6 Sprengwerke.

    Mit freundlichen Grüssen


    Lutz

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  • Hallo,


    weiter geht es mit den CP Wagen:


    dsc02885hijzx.jpg

    Nachdem der Überstand in der Bodenplatte abgefeilt worden ist, so passte Wunder über Wunder das erste Mal eine Wand ohne verschärfte Zwangsmaßnahmen.

    Die zerböselten angegossenen Türlaufschienen wurden durch aufgeklebte Streifen aus Messingblech ersetzt.





    dsc02860ukjli.jpg

    Noch mal die Türlaufschienen.





    dsc028759fk18.jpg

    Nachdem ich diese von ihren Schwimmhäuten befreit hatte, habe ich sie vollflächig auf die beiliegenden Messingblechsteifen geklebt. Diese Messingblechstreifen waren eigentlich für die Herstellung der Rangierertritte gedacht, aber eine Dicke von nur 0,1mm und nach Bauanleitung vorgesehenes stumpfes Ankleben unten an den Wagenkasten liessen bei mir Zweifel an der mechanischen Festigkeit aufkommen. Sicher korrekt montiert hätten diese Tritte wunderschön ausgesehen, aber ich bin viel zu faul dafür das Fremo Arrangement am Sonntagmittag nach abgebrochenen Tritten abzusuchen.

    Zumal diese Wagen zum Teil auch modernisiert wurden und dabei genormte Tritte zum Einsatz kamen. Also habe ich die Messingblechstreifen hierfür verbraten.





    dsc02886stkaa.jpg

    Auch die Türen waren verzogen und wiesen eine sphärische Wölbung auf. Mit untergeklebten 0,8mm PS Platten und Klammerung wurden sie dann gerade gemacht. Die Plattenstärke entspricht genau dem Abstand zwischen Türinnenseite und Wagenkastenseitenwand. Das hat den Vorteil, daß man die Türen dann vollflächig ankleben kann. Erfahrungsgemäß ist beim Hantieren des Wagens hier der Hauptangrabschpunkt.





    dsc02888l5kmc.jpg

    Erst die Türen aufkleben und dabei darauf achten auch die filigranen superbruchempfindlichen unteren Türrahmen vollflächig mit anzukleben.





    dsc02890a8k21.jpg

    Dann können die Türlaufschienen angeklebt werden.

    Mit freundlichen Grüssen


    Lutz

    Einmal editiert, zuletzt von Lutz K ()

  • Hallo,


    dann war da noch die Sache mit den zusätzlichen Eckbeschlägen:


    Bei einigen Bauserien hat man diese Eckwinkel angebracht. der 2. CP Wagen sollte diese bekommen.





    Angeklebt und dann uups einer ist schief mit Versatz. :blush2:

    Wieder abpokeln? Damit mir der Wagenkasten dann dabei zersplittert. Lieber nicht bei dem spröden Material.

    Augen zu und durch? Kann ich mich auch nicht so richtig damit anfreunden.

    Bei feilen und vertuschen. Das schon eher, wir werden sehen.





    Dann die Fragen nach den Drehgestellen und deren Befestigungen. Ich habe mich für M2 Gewindeschrauben entschieden.





    Auch der 3. Wagen, der mit der störrischen Stirnwand, bekam seine Griffstangen. Hier an der Seite kann man sie ohne weitere Bearbeitung in die vorgebohrten Löcher einstecken.





    An den Stirnwänden muß man sie einseitig kürzen. Und manchmal sind die vormarkierten Stellen wo gebohrt werden muß nicht ganz maßhaltig.

  • Hallo,


    Dann die Anbringung der Rangierertritte. Wie schon im Beitrag #13 angesprochen, habe ich mich hier für eine stabilere modernisierte Ausführung entschieden.

    Die Tritte stammen von A-Line, einem unabhängigen Anbieter für Zurüststeile, und sind aus verkupferten Eisen gefertigt. Dabei sind die Enden modellbahnerfreundlich rund gehalten und der Mittelteil ein Flachprofil. Die runden Endstücke passen in einfach herzustellende Bohrungen und sind anch der Montage unsichtbar, während der sichtbare Teil dann eben das Flachprofil wie beim Vorbild aufweist.

    Man beachte die unterschiedlichen Stirnwände. Der rechte Wagen hat hier Ladeluken angebracht bekommen. Beim Vorbild dienten diese dazu lange Bretter über die Stirnseite in den Wagen zu laden.

    Als vorbereitende Arbeiten für die Bremsanlage habe ich hier auch schon die Fangbügel in der Mitte an den Längsträgern angebracht.





    Bei den Kupplungsaufnahmen habe ich mich für original Kadee entschieden die ich noch bei mir lagern hatte. Es gibt zwar schmalere und damit zierlichere Ausführungen von Kadee, aber auch in den USA ist Corona Shutdown angeordnet. Das Werk von Kadee ist daher komplett dicht und Teile auf unbestimmte Zeit nicht lieferbar.





    Glücklicherweise habe ich auch noch Kupplungen gehabt. Die sog. Trip Pins für die (elektro)magnetische Entkupplung werden entfernt, weil von Hand mittels Schaschlikstäbchen entkuppelt wird.

  • Hallo,


    dann können das erste Mal die Drehgestelle untergeschraubt werden. Das habe ich vorzeitig gemacht um die Höhe der Kupplungen festzustellen.


    Einer der CP Wagen. Die Drehgestelle sind von Tichy Trains und haben bewegliche Seitenwangen. Die Kupplung hängt etwas herunter weil die Box für die alte Bauart der Kadee Kupplung mit den separaten Bronzefedern ausgelegt ist, hier aber eine moderne Kupplung mit Whisker verbaut ist. Diese Kupplungen haben sehr dünne Rückstellfedern aus Stahldraht, eben wie Schnurrhaare. Daher der Name Whisker (Schnurrhaar).





    Der 2. CP Wagen mit Atlas Drehgestellen. Die Kupplung ist hier zu niedrig.





    Der Santa Fe Wagen mit Andrews Drehgestellen von Kadee in der gefederten Ausführung aus Metall. Die Kupplungshöhe stimmt.





    CP Wagen mit Atlas DG. Wie bei mir üblich habe ich den 3-Punktzauber gemacht und auf diese Weise gleichzeitig den Wagen etwas höher gelegt damit die Kupplungshöhe dann stimmt.

  • Hallo,


    dann kommt jetzt das Kapitel Bremsanlage:


    Vor zig-Jahren hatte ich mir den wirklich sehr gut geschriebenen Artikel zu Thema Bremsen von Ted Culotta ausgedruckt.

    http://www.steamerafreightcars…/articles/brakesmain.html

    Hier wird Schritt für Schritt beschrieben wie man eine Bremsanlage mit ihren Rohrleitungen und Gestängen nachbildet. Mir hat das sehr weitergeholfen. Vielleicht erbarmt sich hierzulande mal einer und schreibt einen ähnlich anschaulichen Schritt für Schritt Artikel über das Darstellen einer Knorr-Kunze Bremse im Modell.


    dsc029041njez.jpg

    Abgebildet ist die sog. K-Brake mit ihren Bezeichnungen. Hier sind Bremszylinder, Luftbehälter und Steuerventil zu einem gemeinsamen Bauteil miteinander verblockt. Rechts daneben habe ich das tatsächliche H0 Bauteil gelegt. Darunter die beiden Umlenkhebel.

    Weiter die dem Bausatz beigelegten Messingdrähte. Sie sind zwar sehr hart, widersetzten sich aber allen Versuchen sie gerade zu bekommen.

    Daher werde ich für das Bremsgestänge auf meine Voräte an 0,3mm Bronzdraht zurück greifen.

    Als vorbereitende Arbeiten habe ich schon die Fangbügel für die Umlenkhebel angebracht und auch ein Podest für das Bremsenbauteil angeklebt. Es ist zwar auf der anderen Seite eines mit angegossen, aber zu dösig habe ich murphymässig die beiden Stirnwände vertauscht.


    Die K Brake ist auch hierzulande nicht so exotisch unbekannt. Gemeint sind die USATC Wagen die nach Europa kamen, u.a. auch nach Deutschland. https://www.modellbahn.net/index.php/sta...-in-deutschland

    Gut sichtbar an dem Kesselwagen die K-Brake. Bei der DB erhielten die Kesselwagen in der Epoche 3 die Bezeichnung EKW49.

    Weiterführende Links zu Eisenbahnbremsen:

    Sehr anschaulich beschrieben wird hier Eisenbahner-Insider-(Herrschafts-)Wissen dem interessierten Laien anschaulich vermittelt: http://www.railway-technical.com/trains/...uipment/brakes/

    Achtung Seitenhieb: Also ich habe es verstanden ohne laufende 10 Regalmeter staubtrockener (Deutsche) Vorschriften auswendig zu lernen.

    Noch weiter ins Detail gehend: http://www.railway-technical.com/trains/...an-freight.html





    dsc0290522jif.jpg

    Um eine stabile Befestigung zu erhalten habe ich den Luftbehälter und Podest senkrecht mit 0,8mm durchbohrt und mit einem Stück 0,8mm Messingdraht verstiftet.





    dsc02906d0kod.jpg

    Ebenfalls aus meinem Fundus stammt der Lagerbock für die Umlenkung. Beim Vorbild wird hier von der senkrechten Welle, an deren oberen Ende das Handbremsrad sitzt, ein Stück Kette auf eine kleine Trommel aufgewickelt und so die Drehbewegung in eine waagerecht lineare Bewegung umgewandelt die nur auf Zug beansprucht wird. Im Bausatz lagen zwar entsprechende Teile aus Gießharz dabei, aber ich möchte deren vorzeitige Zerbröselung nicht riskieren und habe statt dessen diese Spritzgußteile aus PS genommen und zur Sicherheit verstiftet.





    dsc02907jnkmw.jpg

    Um die Handbremse darzustellen habe ich den langen Umlenkhebel mit einer weiteren 0,4mm Bohrung versehen. Aus weichen 0,3mm Blumenbindemessingdraht hab ich mir eine Art angedeuteten Schäkel gebogen der ein Stückchen feingliederige Kette mit dem Hebel verbindet. Das andere Ende der Kette ist an einem Stück 0,3mm Bronzedraht. Der wiederum stellt das Zuggestänge für die Handbemse her und an dessen Ende befindet beim Vorbild ein weiteres Stück Kette das dann, w.o. beschrieben, von der Handbremswelle aufgewickelt wird. Die Darstellung der 2. Kette habe ich mir gespart weil der Mechanismus nur unter der Lupe und nur von unten sichtbar wäre. Da schliesse ich mich auch den anderen Modellwagenbauern an.

  • Hallo,


    die vorbereiteten Teile werden montiert:


    dsc02910j5kb4.jpg

    Der lange Hebel lenkt an einem Ende an der Kolbenstange des Bremszylinders an. Dicht daneben greift der Ketten-/Stangenzug zur Handbremse an. Der lange Hebel hat keinen Fixpunkt und ist sozusagen freischwebend. Der kurze Hebel ist dagegen an einem Ende im Rahmen gelagert. Jetzt wird auch der Sinn der Fangbügel und der Verbindung mittels Kette zur Feststellbremse klar.





    dsc029113wk9t.jpg

    Anschliessend wird das restliche Gestänge angebracht. In der Mitte die Differentialzugstange zwischen den beiden Hebeln.

    Das Gestänge oben links führt zum Drehgestell links und das unten rechts zum DG rechts. Die DG selber haben jeweils auch noch eine eigene Hebellage auf deren Nachbildung aber verzichtet wird.





    dsc02912ebjmf.jpg

    So sieht das aus wenn die DG montiert sind.



    dsc02913gojgx.jpg

    Das ist dann der 2. CP Wagen.

    Das war es im Prinzip mit der modellbahnfreundlich darstellbaren K-Brake. Die Luftleitungen habe ich hier nicht dargestellt. Die durchgehende Leitung würde dicht unter dem Wagenboden liegen mit einem einzigen Abzweig zum Steuerventil. Beim Vorbild gibt es dafür Durchbrüche in den Querträgern welche aber hier wegen des Herstellungsverfahrens nicht vorhanden sind.





    dsc02915xuki8.jpg

    Weiter geht es dafür an der B-Stirnseite. Die Bremserplattform, das Retainer Valve und die dazu gehörige Leitung sind angebracht. Die Leitung musste hier über und unter der Plattform gestückelt werden.

    Das Retainer Valve ist im Prinzip ein Drosselventil was am Ende der Luftauslaßleitung des Bremszylinders sitzt. Es ist eine Art Kunstgriff um bei den alten 1-Leitungs Druckluftbremsen bei den Wagen da wo es eingeschaltet ist, sowohl die Bremszylinder unter Druck zu halten und damit die Bremse angelegt, als auch gleichzeitig ein Befüllen der Hilfsluftbehälter zu ermöglichen. Normalerweise geht das nicht, aber der Trick ist den Bremszylinder weiter unter Druck zu halten indem man seinen Auslass drosselt rsp. verschliesst.




    Für Interessierte verweise ich auf die Links im Beitrag #17 wo das Verfahren ausführlich beschreiben ist:


    Retainers

    On long steep grades it may be necessary to set and release the brakes several times due to grade changes etc. But, if you release the brakes on a steep hill the train immediately accelerates. If you immediately reset the brakes you get less braking than before because the car reservoirs have not had time to recharge. Because of the long recharge time on long freights a way was needed to keep the brakes applied on the cars yet allow them to recharge. Enter the retainer valve.

    When a triple valve moves to release, it connects the reservoir to the brake pipe to begin recharging the reservoir from the brake pipe. It also vents (exhausts) the brake cylinder air to atmosphere to release the brakes. The retainer valve is mounted on the exhaust pipe of the brake cylinder and can restrict or close off that exhaust. This restriction holds some of the air in the brake cylinder, thus keeping the brake applied even though the triple valve is in release where it allows recharging of the reservoirs.

    Retainer valves are completely manually operated, i.e. the train must be stopped (usually at the top of a long grade), the brakes released, and a crewman must walk back along the train. He turns the retainer valve on each car to the restricting position. Usually only a percentage of the cars are "retainered", just enough cars to keep the train from running away down the hill when the brakes are released and recharging during the run down the mountain. When the crewman is back aboard the train may proceed down the mountain. The air brakes work normally until they are released. Then the cars with the retainers closed will hold their brakes applied, slowing train acceleration while the reservoirs recharge for the next brake application. The train must stop at the bottom of the grade and a crewman again walk back and return the retainers to their open (direct release) position.

    The retainer valves have four positions; direct release, slow release, low pressure hold, and high pressure hold. There are very few places in the U.S. today where retainers are used on a regular basis as dynamic brakes serve much the same purpose, controlling the train acceleration while the air brakes recharge. Since the dynamic brakes slow down the rate of acceleration the brakes have longer to recharge before they are needed again. Also the retarding effort of the dynamic brakes allow the engineer to use lighter air brake applications to control train speed, thus the car reservoirs are not depleted as much and require less time to recharge. However if a train should happen to go into emergency due to a burst air hose or such and stops on a long steep grade you would NOT want to release the train brakes after fixing the hose. The brakes would release completely and you will have almost no air remaining in the car reservoirs to reapply the brakes. If you don't have dynamic, or it is not sufficient to slow the train, then you'd have a run away. The solution is to walk back before releasing and turn on the retainers to hold the brakes on some cars. Then release the brakes and roll down the hill with these "retained" cars controlling the acceleration while the entire train recharges.

    Urheber des Texts in blau kursiv : Al Krug





    dsc02916b1knd.jpg

    Dann habe ich die Welle für das Bremsrad montiert. Hier habe ich 0,5mm harten Messingdraht genommen um einen tragbaren Kompromiß zwischen ausreichender Festigkeit und Filigranität zu bekommen. Das obere Ende bleibt erst einmal offen.





    dsc02917s7j88.jpg

    Was mit dann noch negativ auffiel waren die tanzenden Griffe.





    dsc02918xzjk3.jpg

    Also wurden die Ausreisser noch einmal herausgelöst und in neue knapp daneben gebohrte Löcher wieder fixiert.





    dsc02931lgkpn.jpg

    Dann stellte sich noch die Frage nach dem ausreichenden Wagengewicht. Dafür bin ich dann in den Keller gegangen und habe aus der Traktorgrabbelkiste diese Muttern herausgepickt. Die wurden dann nach Entfettung mit reichlich CA auf den Wagenboden geklebt.





    Die Dachhälften der beiden CP Wagen wurden nach der schon beschiebenen Methode zusammen geklebt. Hier bestehen sie aus Brettern und haben keine extra Seitenlaufstege. So werden die wenigen Griffstangen direkt auf das Dach montiert.

    Mit freundlichen Grüssen


    Lutz

    2 Mal editiert, zuletzt von Lutz K ()

  • Hallo,


    dann mal weiter mit dem Santa Fe Wagen.


    dsc029333ejks.jpg

    Bei den Längsbalken war so eine Art Flansch mit angegossen, hauchdünn und schon beim Anschauen zerbröselnd. Auf dem Foto sieht man den Rand unten. Das ausgefranzte Teil wollte ich jedenfalls nicht haben. So habe ich mir 2 Streifen aus 0,3mm PS zugeschnitten und diese einfach unten an die Balken geklebt. Das sieht dann etwas ordentlicher aus.





    dsc029349ikli.jpg

    Dann wurden die 0,8mm Bohrungen für die sog. Queenposts (Streben) eingebracht.





    dsc02935zmj1x.jpg

    Die Queenposts sind glücklicherweise aus PS hersgestellte Spritzgußteile. 4 davon sind auf dem Foto schon angebracht.





    dsc02936oykg9.jpg

    Jetzt sind alle 12 Queenposts montiert und ausgerichtet.





    dsc0293702jdh.jpg

    Eine weitere Überlegung waren dann die 4 Rangiertritte an den Wagenecken. Mitgeliefert wurden welche ebenfalls aus PS Spritzguß. Diese hätte man nehmen können, aber die Tritte sollen 2 Stufen haben. Dazu sollen nach Bauanleitung die unteren Stufen aus beiligenden 0,8mm breiten und 0,1mm starken Messingblechstreifen geformt werden und an die Kunststofftritte angeklebt werden. So weit, so gut, aber es sind so gut wie keine Klebeflächen vorhanden und damit wird das Gebilde dann sehr fragil. Dann auch noch an den exponierten Ecken ... 'y#

    Ich will ja nur nicht den Leuten recht geben die behaupten die Details würden schon in der Vitrine abfallen.

    Mein Denkkasten sagte mir kurz vor der Grübel-Rauchgrenze; Mensch du hast doch Tritte von A-Line aus Eisen. Sie haben so wie sie geliefert werden zwar nicht die gewünschte Form, aber das lässt sich ja abändern. Also habe ich die Befestigungsstifte 90° umgebogen damit sie jetzt seitlich angebracht werden können. Da Eisenwerkstoff lässt sich das dann auch Löten. Und mit einer Lötverbindung kann man dann auch eine ausreichende Festigkeit erziehlen.

    Mit freundlichen Grüssen


    Lutz

    Einmal editiert, zuletzt von Lutz K ()