Digitalisierung Fleischmann T3 /4010

  • Hallo Miteinander,

    ich will euch heute einerseits meinen Digitalumbau der Fleischmann T3 Art. Nr. 4010 vorstellen, will euch aber gleichzeitig um Rat fragen.

    Zuerst zum Umbau:

    Für die Münstertalbahn typisch sind die Loks der BR. 89, preuss. T3. Ich konnte vor vielen Monaten eine Fleischmann T3 im Auktionshaus kaufen. Sie war recht günstig. Jetzt, da ich Gleise aufgebaut habe wollte ich sie testen. Der Motor lief nicht, der Anker war durch die Halteklammer blockiert. Nachdem ich das gelöst hatte, baute ich die Lok auf Basis der Beschreibung von H.P. Pfeiffer für Digitalbetrieb um.

    Ich verwendete einen Kühn N45 Decoder. Abweichend von Pfeiffer´s Vorschlag bohrte ich die gelben Haltenasen der Rücklichter aus und setzte 2mm Lichtleitstäbe aus abgedrehten glasklaren Bausatzresten ein. Die LED (LED 0603, super golden white mit CU- Drähten von LED Baron), in Reihe geschaltet, für die Heckleuchten klebte ich mit kleinen PS Plättchen an die Fahrwerksrückwand. Als Vorwiderstand verwendete ich 2,2k Ohm. So kann man das Modell auseinanderbauen ohne Kabel ablöten zu müssen. Damit nicht gleichzeitig eine Führerstandsbeleuchtung entsteht bemalte ich die LED´s seitlich mit schwarzer Farbe und klebte ein Stück aufgeschnittenen Schrumpfschlauch als Dichtung oberhalb der LED an die Fahrwerksrückwand. Die verwendete serienmäßige Frontbeleuchtung ergibt leider gleichzeitig eine unerwünschte Fahrwerksbeleuchtung. Da will ich , anstatt der Glühlampe mal mit einer dritten LED experimentieren. Sicher einen halben Tag habe ich gebraucht um festzustellen, daß in meiner alten Lenz Zentrale für jede Adresse die Fahrstufenanzahl per Hand eingegeben werden muss.

    Jetzt die Bitte um Hilfe:

    Ich habe festgestellt, daß die Stromabnahme der kleinen Lok einfach unterirdisch ist. Da funktioniert selbst die B-gekuppelte PMT BR98 um Welten besser. Ich führe das auf das starre Fahrwerk zurück. Hat jemand von Euch schon mal das Fleischmann Fahrwerk modifiziert, oder kennt Einer einen Link zu solch einem Umbau? Aber bitte: Eine theoretische Abhandlung nutzt mir nichts. Ich hätte am Liebsten eine möglichst gut beschriebene (bebilderte) Schritt für Schritt Anleitung.

    Jetzt noch ein paar Bilder vom Umbau:

    Decoder rechts am Motorblock


    LED in Reihe geschaltet an der Fahrwerkrückwand. Aufgeschnittener Schrumpfschlauch als Lichtdichtung


    Anschluss serienmäßige Glühlampe. Kabel anlöten, Kontakt mit Schrumpfschlauch isolieren


    Vorwiderstand für LED´s


    Kupplungsadapter als NEM- Schacht von mobadapter64


    Übersicht


    Lichtleiter aus klarem PS Material in den Lampen


    Lichtleiter von innen


    Licht hinten


    Licht vorne mit „ Triebwerksbeleuchtung“


    Grüße

    Johannes

  • Hallo Thomas,


    ja ich weiß die Fahreigenschaften der GFN T3 sind sehr spielzeugorientiert. Unter 100 Sachen sollte man sich nicht einer Weiche nähern, sonst erfolgt unweigerlich der Einsatz des 5-Fingerschubsers. Das hat mich auch genervt.


    dsc0064735ucu.jpg

    Vor zig-Jahren habe ich den Umbau gemacht, damals gab es noch keine Digitalknipse, es bleibt leider nur ein nachträgliches Bild des Umbaus.

    Wenn Du bei deiner T3 einmal die Bodenplatte abnimmst wirst Du die Unterschiede sehen können.

    Stichwortartig beschrieben:

    - Räder von der Achse

    - Zahrad der mittleren Achse

    - alle Achslager nach unten hin öffnen

    - durch Sägen bzw. Feilen

    - mittleres Achslager bleibt bis auf die Öffnung nach unten unbearbeitet

    - wegen Zahneingriff muß das die Festachse bleiben

    - Radsätze ausserhalb der Lok wieder zusammen bauen

    - die Lager der 1. und 3. Kuppelachse bekommen erst einmal Höhenspiel

    - nur den mittleren Radsatz einsetzen

    - Lok mit nur diesen einen Radsatz auf eine ebene Fläche stellen

    - schauen wohin diese abkippt

    - ob nach vorne oder nach hinten

    - die Achse welche in die Höhe geht bekommt die Federung

    - die andere Achse bekommt die Lagerung für den 3. Lagerpunkt, d.h. sie wird zur Pendelachse

    - hier ist die Lok nach hinten gekippt

    - somit wird die 3. Achse die Pendelachse

    - dafür habe ich eine kurze 1,5mm Sackbohrung in der Mitte des Achslagers eingebracht

    - da hinein wird ein kurzes Stück 1,5mm Messing Rundmaterial eingesetzt

    - dessen Länge richtet sich danach, daß die Lok auf ihen beiden Kuppelradsätzen (2. und 3. Achse) wieder waagerecht steht

    - mehrmals probieren und messen angesagt

    - das Lager der 1. Achse bekommt ebenfalls eine Sackbohrung in der Mitte

    - deren Durchmesser und Tiefe richtet sich nach der verwendeten Feder

    - ein möglichst großer Durchmesser und

    - eine möglichst große Tiefe sind anzustreben

    - das ergibt eine weiche Abfederung; bei dieser kleinen Lok anzustreben

    - auf die Bodenplatte habe ich Abschnitte von Kunststoff 4-Kantprofilen geklebt

    - für den mittleren Radsatz ist das zusätzlich noch einmal aufgefüttert worden

    - damit dieser Radsatz wegen des Zahneingriffs kein Höhenspiel hat

    - 1. und 3. Radsatz haben da loses Höhenspiel

    - somit hat man auch hier eine klassische 3-Punktlagerung

    - nicht ganz optimal angesichts des Antriebs auf die 2. Achse

    - aber nach der Decke gestreckt und funktionsfähig


    Meine GFN T3 ist nie digitalisiert worden, lief aber analog nach den oben beschriebenen Umbau einwandfrei.



    Noch eine Anmerkung:

    Da Du über eine Drehbank verfügst, willst Du sicherlich die Spurkränze in der Höhe reduzieren.

    Nun hat die verblichene Firma Fleischmann in ihrer ganzen selbstständigen Existenz noch nie ein normgerechtes Rad oder gar einen normgerechten Radsatz produziert.

    Alles war nach Werksnorm. So kommt es, daß die Spurkränze an der Wurzel zu dick sind.

    In der NEM310 das Maß "T" ist gemeint: https://www.morop.org/downloads/nem/de/nem310_d.pdf

    Die NEM310 gibt hier ein Toleranzfeld von 0,7 bis 0,9mm vor. GFN Räder haben hier bis zu 1,2mm dicke Spurkränze, je nach zeitweiliger Werksnorm. Man bekommt daher die GFN Radsätze nicht auf das gültige Radsatzinnenmaß von 14,4 bis 14,6mm eingestellt. Die zu dicken Spurkränze sorgen dann dafür, daß der "Breitspur-"Radsatz im Gleis klemmt und auf seinen Spurkranzflanken taumelnd läuft.


    dsc05766n4jdg.jpg

    Der rechte Radsatz ist gemeint. Der ist von GFN und ich habe den Spurkranz von hinten in der Dicke reduziert. So müssten auch die Räder der GFN T3 bearbeitet werden. Der so bearbeitete Radsatz lässt sich danach zwar auf Norm einstellen, ist aber etwas schmaler geworden.

    Um wieviel Du die Räder schmaler machen musst, richtet sich nach der damaligen "Tagesaktuellen Werksnorm" von GFN.


    So weit meine Gedanken dazu und ich hoffe ich konnte Dir etwas weiterhelfen.

    Mit freundlichen Grüssen


    Lutz

    Einmal editiert, zuletzt von Lutz K ()

  • Hallo Lutz,

    ich freue mich, dass du mir antwortest und zwar mit einem konkreten, praktizierten Vorschlag. Ich hatte insgeheim darauf gehofft. Du scheinst dich mit der Materie auszukennen. Es ist mir Alles soweit klar, bis auf die Achsfederung. Ich fasse nochmal zusammen:

    • Die mittlere Treib- und Antriebsachse bleibt fest im Fahrwerk.
    • Die dritte Kuppelachse bekommt Spiel im Rahmen und pendelt um einen mittigen 1,5mm Messingstift
    • Die erste Kuppelachse bekommt Spiel im Rahmen und pendelt abgefedert um eine mittig montierte Schrauben- Druckfeder.

    Für die Druckfeder ist mir spontan die Feder für die Beschleunigerpumpenmembran eines Vergasers eingefallen (relativ weich und großer Durchmesser, konisch damit sich beim Drücken Windung in Windung legen kann). Oder denkst du hier eher an eine Feder mit 1- 2mm Durchmesser zum Beispiel von der Motorkohle eines kleinen E- Motors Da könnte man dann eventuell die Kohle als Gleitlager für die Achse nutzen .

    Und ja, sicher will ich die Räder der Lok verschönern, wenn sie schon abgezogen sind. Für deinen Tipp, die Fleischmann Hausnorm betreffend, bin ich dir dankbar. Da wäre ich vermutlich in die nächste Falle gestolpert.

    Ich habe noch ein T3 Fahrwerk ohne Motor. Daran kann ich mal üben. Wenn gut geklappt hat, will ich es dann mit einem Glockenankermotor ausrüsten und wie Herbert Haun vom EMB für das Raimo/M+F/ Trix Gehäuse der normalen T3 anpassen. Im Münstertal waren keine verstärkten T3 unterwegs.

    Grüße

    Johannes

  • Hallo Johannes,


    die Federchen habe ich mir angewöhnt selber zu wickeln:


    dsc016896usjn.jpg

    Es reicht dafür ein handelsüblicher Akkuschrauber mit Drehzahlregelung aus.


    - Du spannst irgendein Rundmaterial in das Bohrfutter ein

    - der Durchmesser richtet sich nach dem ungefähren Innendurchmesser der Feder

    - ein Ende des Wickeldrahts wird mit in das Bohrfutter eingeklemmt

    - mit Daumen und Zeigefinger den Draht auf den Kern drücken

    - mit langsamen Umdrehungen kann man jetzt nach einer Anlaufphase sauber Windung neben Windung legen

    - der Anpreßdruck soll möglichst hoch sein und der Wickeldraht kann mit den Fingern auf Zug gehalten werden

    - die Drehzahl und damit Wickelgeschwindigkeit richtet sich nach Deinem persönlichen Auafaktor

    - nicht den ganzen Draht aufwickeln, ein Ende von etwa 2 bis 3cm unbedingt stehen lassen

    - Akkuschrauber anhalten

    - dann blitzschnell die Hand wegziehen

    - der gewickelte Draht steht noch unter Spannung !

    - man lässt ihn dann herumschnellen bis die Spannung abgebaut ist

    - der Innendurchmesser wird etwas größer als der Kern sein, so bekommt man die Feder dann mühelos vom Kern

    - man hat sich hier jedoch eine Zugfeder gewickelt

    - eine Druckfeder bekommt man indem man die Feder auseinander zieht

    - dabei soll man die Hookesche Gerade verlassen und die Feder überstrecken

    - so bekommt man Zwischenräume zwischen den einzelnen Windungen


    Das ist grundsätzlich beschrieben wie ich meine Federchen wickel. Ich fordere aber ausdrücklich zum Experimentieren auf:

    - Durchmesser der Wickelkerns

    - Durchmesser des Wickeldrahts

    - Material des Wickeldrahts wie Härte


    Wenn die Feder fertig und überstreckt ist:

    - Anzahl der Windungen bei fertig gewickelter Feder

    - Durchmesser

    - Materialhärte

    - Materialdicke


    Bezüglich Material für die Federn; es muß nicht immer Federstahl sein. Daraus gewickelte Federn werden in der Regel zu hart für unsere Zwecke. Selbst Neusilberdraht ist meistens noch zu hart. Bronze und das sonst hier verpönte Messing sind die geeigneten Kandidaten. Möglichst dünne Drähte nehmen so 0,2 bis 0,3mm oder wenn man es bekommt 0,1mm.


    Es wird wahrscheinlich nicht beim ersten Mal klappen.

    Daher so lange herum probieren bis es passt. Irgendwann hat man den Dreh heraus und sich genau die Feder mit dem Durchmesser und dem Härtegrad gewickelt die man braucht.

    Mit freundlichen Grüssen


    Lutz

    Einmal editiert, zuletzt von Lutz K ()

  • Hallo Lutz,

    danke für die Anleitung zum Federbau. Ist ja eigentlich nicht so schwer. Muss man aber erst mal drauf kommen. Ich habe inzwischen das unmotorisierte T3 Fahrgestell rausgesucht und soweit zerlegt, wie es ohne Abzieher geht. Ich glaube, Fleischmann hat schon die passende Feder mitgeliefert. Ich meine die Feder vom Kontaktpilz. Meine T3 Exemplare kippen alle nach vorne, wenn ich die mittlere Achse unterlege. Ich denke, daß sie mit einem Glockenankermotor hinten noch leichter werden. Ich werde also vorne das Pendel und hinten die Federung einbauen. Zuallererst muss ich mir noch einen Radabzieher bauen oder kaufen. Aber dann gibt es eine ausführliche Dokumentation des Fahrwerksumbaus. Versprochen!

    An dieser Stelle auch: Vielen Dank für die Vorstellung deiner Werkzeuge in meinem anderen Faden.

    Grüße

    Johannes

  • Hallo Johannes

    Ich würde mir den Selbstbau eines Abziehers sparen und bei Fohrmann-Werkzeuge oder einem anderen Anbieter einen fertigen Abzieher kaufen und lieber die Zeit in den Bau von Beilagen für Speichenräder und Ausdrückdornen investieren.

    Bei meinem Umbau der SBB C5/6 habe ich mir fast einen Radsatz ruiniert, weil ich nicht bemerkt habe, dass die Kräfte für die Speichen zu gross waren.

    Siehe auch meinen Umbaubericht auf meiner Homepage...


    Wobei ich mit Blick auf die BR50 nochmals an meine C5/6er ran muss, weil die noch keine Allradauflage haben... . Aber erst mache ich meine 50er fertig.


    LG,

    Axel