Neue Bremserbühne für Fleischmann 19,2cbm-Kesselwagen

  • Moin moin zusammen,


    vor einiger Zeit konnte ich einen recht desolaten 19,2m3-Kesselwagen der Verbandsbauart von Fleischmann günstig erstehen. Ihm fehlte einiges an Teilen, so auch die Bremserbühne. Sie sollte durch ein passendes Exemplar ersetzt werden. Nun gibt es von Kuswa oder auch Weinert verschiedene Bühnen zu kaufen, jedoch passte keine zur gewünschten Ausführung mit beidseitigem Geländer an der Bühne. Jedoch von Krüger-Modellbau gibt es einen Doppelbausatz für die Liliput-Kesselwagen (HO98629.22) in der gesuchten Variante, den wollte ich probieren.

    Da der Zusammenbau „nicht ganz ohne“ ist, aber zu einem erstklassigen Ergebnis führt, hier ein kurzer Bericht.


    Geliefert werden zwei baugleiche Bremserbühnen, einmal mit Riffelblechbelag der Bühne, einmal mit einem Holzbohlenbelag. Durch die Falttechnik wird ein dreidimensionaler Aufbau der Geländer erreicht. Leider ist es konstruktionsbedingt nicht möglich, dass alle Bauteile gefaltet werden, ein Teil des Geländers muss angelötet werden. Auf dem unten angefügten Bild sind die Geländerteile oben liegend gezeigt.


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    Zuerst wird also dieses Geländer-Bauteil aus dem Ätzblech gelöst. Dann werden die beiden Bauteile Handkurbel und Hebel um 90° umgebogen. Dabei darauf achten, dass diese zur Rückseite gebogen werden; sie dienen dem Geländer als Anschlag beim anlöten. Nun wurden die beiden Geländer sauber übereinandergelegt und an den beiden Zugschlussscheibenhaltern zusammengelötet.


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    In Bild oben sieht man rechts das Ergebnis. Die zweite Lage ist fixiert, nun kann das gesamte Bauteil aus dem Ätzrahmen genommen werden. Anschließend wurden alle Ränder miteinander verlötet, wobei ich erst ein wenig Lötwasser in die entstehende Rinne zwischen den beiden Ätzbauteilen gegeben habe und dann mit ganz wenig Lot Fach für Fach miteinander verlötet habe.


    Dann wurde das andere Bühnengeländer um 180° gefaltet und auf die gleiche Art miteinander verbunden. Dabei ist darauf zu achten, dass die überstehenden Teile (die Bühnenbefestigung an der Pufferbohle, hier oben) nicht an der Bühne angelötet werden. Handkurbel und Hebel wurden einfach abgebrochen.


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    Alle eventuellen Lotrückstände auf den glatten Flächen können mit einem scharfen Skalpell abgekratzt werden, abschließend wurden die Flächen noch mit einem Glashaarradierer sauber geschrubbt.

    Dann konnten die Bühnenteile aufgerichtet werden. Dazu verwendete ich eine Biegelehre, um absolut gerade Kanten zu erreichen.


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    Nach dem beidseitigen Abkanten um 90° ist das Ergebnis eine nahezu fertige Bremserbühne mit feiner Optik. Was noch fehlt sind die Handbremskurbel, gegebenenfalls der Umlenkhebel dazu und der Bühnenbelag.


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    Die Handbremskurbel wird in ein vorhandenes Loch im Geländer eingelötet und am unteren Ende mit der Strebe verbunden. Den Umlenkhebel habe ich nicht montiert, da ich eine bewegliche Kurzkupplungskulisse bevorzuge. Wer die Kulisse festlegt oder gar ganz auf sie verzichtet, kann den Umlenkhebel noch an die Kurbel anlöten.


    Bei modernisierten Fahrzeugen kann die Bühne mit dem Riffelblech belegt werden. Das Blech wird aus dem Ätzrahmen genommen und seine Längsseiten gründlich mit einer Feile geglättet. Der Belag sollte anschließend „saugend“ zwischen die Geländerstreben geschoben werden können. Lötpunkte, in die äußersten und das mittige Fach gesetzt, fixieren die Bühne von unten.


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    Ebenso kann mit dem Holzbelag verfahren werden.

    Mein Muster wies keine Struktur auf. Wer möchte kann in dieses Blech eine Struktur mit Reißnadel und Glashaarradierer einbringen. Ich habe mich für Echtholz entschieden. Drei Streifen 0,5 mm dickes Nussbaumholz (Krick Bestell-Nr. 081551) wurden so bearbeitet, dass sie auf die Bühne mit Sekundenkleber aufgeklebt werden konnten.


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    Abschließend wurden noch die Handbremskurbel und die Bühnenstützen abgewinkelt.


    Nach einer gründlichen Reinigung steht dem Einbau auf den Waggon nichts mehr im Weg. Vorher sollte man sich noch überlegen, welche Schlussscheibenhalter am Modell genutzt werden und die anderen vom Bühnengeländer entfernen.


    Anhang:

    Bei der zweiten Bühne habe eine Weinert-Handbremskurbel (Bestell-Nr. 9255 ) angelötet.


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    Im Vergleich zur Bühne mit der geätzten Handbremskurbel hat dieser kleine Umbau die Bühne deutlich aufgewertet.


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    Wer die Zeit für einen sauberen Zusammenbau investiert erhält eine filigrane Bremserbühne die mit dem recht groben Fleischmann-Bauteil nichts mehr gemein hat.

    Zum Vergleich die Kesselwagen mit allen Bühnen von links nach rechts: Krüger; Krüger/Weinert; Fleischmann.


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    Herzliche Grüße


    Andreas

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    … Alles in allem eine verwirrende Vielfalt von Strecken, die in alle Himmelsrichtungen führten, von irgendwo herkamen und unbekannten Orten zustrebten. …