Kapa-Schaum nach E. Nouallier (Aus "Nur eine Dosenfabrik")

  • Moderationshinweis: Diese Beiträge wurden aus dem Ursprungs-Thread "Nur eine Dosenfabrik" herausgelöst. So kann hier die allgemeine Diskussion zu Depafit / Kapa fortgeführt werden.

    Rainer, 07.06.2020


    Hallo Bruno, Mitleser,


    vielleicht habe ich ja den Absprung nicht mitbekommen, aber ich verstehe irgendwie nicht was der Vorteil der kaschierten Platten vor z.B. mit Heißdraht geschnittenem Styrodur ist?

    Ich habe in Ottenhofen die Trittschalldämmplatten von der Rolle genommen und zugeschnitten und dann graviert. Ich kann da erst mal nicht so wirklich die Unterschiede sehen.


    img_4521pgk3t.jpg


    Mit der Heißdrahtsäge kannst du dann auch beliebige Streifen und Formen schneiden, was z.B. schöne verputzte Mauern ergibt. Eine aus meiner Sicht lohnende Investition diese Heißdrahtsäge. Ich möchte meine nicht mehr missen.

    Sind die kaschierten Platten feiner in der Struktur?

    Fragend anerkennende Grüße für dein Werk vom


    Michael R

  • Moin Michael und Mitleser


    Wie kommt man zu einem neuen (besser anderem) Material? Und weshalb soll ich es verwenden?


    Ja... diese Fragen stellt sich wohl jeder der bastelt, werkelt und (versucht) sich auf dem laufenden zu halten. Ich habe fast zeitgleich mit Bruno die Bauberichte von Emmanuel Nouaillier gelesen und wir haben seine Art zu bauen bewundert. Wenn dann noch das Material genannt wird und es vor Ort (in Bremen z.B. bei Gerstaecker ) vorhanden ist, holt man es sich und fängt an zu experimentieren. Das mit dem Material gute Ergebnisse möglich sind steht ja außer Frage und ist Seitenweise beschrieben, ob man es selber kann steht auf einem anderen Blatt.

    Wenn ich also ein gutes Ergebnis selber auch damit erziele, vielleicht noch besser als ich mit anderen Materialien bisher erreichen konnte, dann suche ich nicht nach Alternativen.

    Styrodur kenne ich nicht in Stärken unter 20mm; was nicht heißt das es so etwas nicht gibt. Für mich also keine Alternative, weil einerseits meine Erfahrung damit fehlt und anderseits die Bezugsquelle für passendes Material (bei mir) nicht vorhanden. Durch die Pappschicht und die Lösungsmittelverträglichkeit von Depafit ist das einfärben und verkleben ebenfalls erprobt.


    Das gleiche gilt für unzählige Klebstoffe z.B. für den Landschaftsbau. Man probiert etwas aus… es funktioniert gut, manchmal sehr gut. Dann muss ich für mich doch keine Alternative suchen und verwende das Produkt. Deshalb kann ( muss aber nicht) jemand anders diese Idee nutzen.

    Hier gilt nach meiner Auffassung mein Grundsatz ganz besonders: Jeder so wie er möchte!

    Anderseits ist das beharren auf eine Bauweise, die keinen Fortschritt bringt auch nicht das gelbe vom Ei. Hier muss ich in meinem Alter aufpassen, das es nicht in Altersstarrsinn ausartet. Wie in allen Lebensbereichen; das tun was man kann; neuem aufgeschlossen gegenüber stehen und dann entscheiden: gehe ich diesen Weg, oder reicht mir das Ergebnis, was ich bisher erreicht habe und gut kann.

    Jeder sollte also das nehmen, womit er gute Ergebnisse erzielt und Dein Pflaster gefällt ebenso.

    In diesem Sinne, lieber Gruß

    Schönes Wochenende und bleibt gesund.

    :matrose::matrose::matrose:

    Friedrich

  • Hallo Friedrich,

    auch ich verwende sehr gerne, wie Michael, Trittschalldämmung für Laminatböden zum Basteln. Mein Material ist in grünen Platten ca. 1,05x0,5m mit 3mm Stärke beim Umbau des gebrauchten Hauses meines Sohns in großen Mengen angefallen. Leider habe ich mir viel zu wenig davon zurückbehalten und den Rest zum Entsorger gebracht. Das Zeug sieht, abgesehen von der grünen Farbe, erstmal genauso aus, wie das gestrippte Deprafit. Auch lässt es sich genauso bearbeiten. Das Strippen entfällt. Aber es wird von acetonhaltigen Klebern und lösungsmittelhaltigen Farben angelöst. Da ich gerne mit Kinderklebe (Pritt Bastelkleber) oder Ponal Express arbeite und sehr gern Aqua Color Farben oder Dispersions- Wandfarben benutze, ist das für mich kein Problem. Aber für deine Techniken ist es vermutlich eher nicht geeignet. Ich denke, dass du vollkommen recht hast, wenn du bewährte Techniken und Materialien verwendest und nicht dauernd Neues ausprobierst um dasselbe Ergebnis zu erreichen. Wie der Alte Fritz sagte: „Jeder soll nach seiner Fasson selig werden

    Grüße

    Johannes

  • Hallo Friedrich,


    hier in Berlin gibt es auch einen sehr gut sortierten Fachhändler namens Modulor. Die haben fast alles und auch dieses Styrodur, beginnend mit den Maßen 1mm, 2mm usw.....

    Diese Platten sind handlich geschnitten und kann diese quer durch Berlin mit den Öffentlichen transportieren.

    Kann ich gut verstehen, wenn ein Fachhändler vor Ort ist.


    Gruß

    Andrè

  • Hallo Mitleser,


    erst mal vielen Dank für die Hinweise und Erläuterungen.

    Ich will auch den Faden von Bruno hier nicht trennen, bzw bitte die Moderatoren dann ggf zu verschieben.

    Ich will hier auch niemanden bekehren oder überreden. Das kommt halt bei der Schreiberei immer irgendwie anders rüber. Mir ging es darum, zu verstehen, was die Vorteile/ was anders bei der Methode von Bruno ist. Für mich ganz klar der Fakt, dass lösungsmittelhaltige Kleber und Farben verwendet werden können.

    Ansonsten bekommt man diese Trittschallmatten in jedem Baumarkt oder ich schneide mir kleinere Teile aus einer Platte wie z.B. die Mauern.


    Nochmals vielen Dank für die Info, insbesondere dir, Friedrich, für die ausführlichen Erläuterungen, die ich immer sehr zu schätzen weiß.


    Michael R

  • Hallo Foristi,


    bei meinem Bilderdienstleister abload.de befindet sich schon seit ein paar Jahren eine Galerie mit Bildern zum Umgang mit dem Kapa-Schaum. Irgendwie war nie der richtige Zeitpunkt, bzw. der richtige Anlass darüber explizit zu berichten. Mit diesem, nun eigenen Faden zum Thema, stelle ich meine damaligen "Werke" mal vor. Ich wollte die "Basics" des Streichens und colorieren des PU-Schaum-Materials an einem Beispiel vorführen. Letzlich ist es dann doch im Abfalleimer gelandet, da ich mit dem Ergebnis nicht zufrieden war: Die mit einem Bleistift eingravierten Linien waren mir viel zu dick geraten; in späteren Werken gelang mir das wesentlich feiner.


    Wie auch immer, als Basis für die Farbgebung mag es genügen.


    dscn4362b3sc3.jpg

    Hier der noch nasse erste Anstrich mit Humbrol 28; deutlich sind die dicken Gravierungen mit einem Bleistift zu sehen.


    Nach meinem Vorbild E. Nouallier ist die Basis der Bearbeitung des freiliegenden PU-Schaums ein zweimaliger Anstrich mit einem "Enamel", einem Kunstharzlack, zB. von Humbrol oder Revell oder . . . . Damit wird der offenporige Schaum an der Oberfläche geschlossen und gleichzeitig in der gewünschten Farbe angelegt. Für rohen Beton oder Putz empfiehlt E. N. den Farbton 28 von Humbrol, einem hellen Beige. Natürlich geht auch das dunklere 75 von Revell. Für getünchte Wände steht natürlich jeder andere Farbton bereit.


    Warum 2 x streichen? Wenn ich die eingearbeiteten Risse und Fugen dunkel anlegen will, sollte die Fläche weitgehend geschlossen sein damit hier keine dunkle Farbe eindringt. An einem Beispielstück habe ich das einmal dargestellt:


    dscn43686ks6b.jpg

    Unten ohne Plaka, links nur 1 x gestrichen, rechts 2 x mit einem Zwischenschliff. Deutlich ist die wesentlich bessere Oberflächenversiegelung zu erkennen.


    Meine Wisch-Methode, bei der zunächst die gesamte Fläche mit Plaka-Farbe von Pelikan eingestrichen wird um sie nach Trocknen mit einem stark verdünnten Salmiakwasser wieder herunterzuwischen, ist bei mir zu einem Standardverfahren geworden, auch bei normalen Plastikbausätzen. Ob auch eine andere Materialwahl zu einem ähnlichen oder gar besseren Ergebnis führt, kann ich nicht beantworten, da müsst ihr selbst mal dran herumdoktern.


    dscn43695hstz.jpg


    Nach mehr oder weniger intensivem Abwischen der Fläche bleibt die "Fugenfarbe" nun weitgehend in den Fugen stehen, nur in der matten Oberfläche der Farbe befindet sich noch ein (gewünschter) Grauschleier.


    dscn437038spz.jpg


    In meinem Musterstück wollte ich die Farbgebung des Betons noch weitertreiben um einen ölgetränkten und anderweitig verschmutzten Industrieboden darzustellen. Das mache ich mit Wasserfarben aus dem Tuschkasten. Je nach Qualität gibt es hier (preiswerte) relativ grobkörnige Pigmentierungen oder extrem feine aus den Künstlerprogrammen der Aquarellfarben. Davon brauche ich auch nur eine kleine Grundausstattung: Schwarz, Grau, Rostbraun und Erdbraun. Exotischere Verschmutzungen wie sie vielleicht in einer Farbenfabrik auftreten können, sind hierbei erstmal nicht berücksichtigt.


    Diese Wasserfarben nehme ich mit dem Pinsel auf, Wasser mit Spülmittelzusatz ist das Malmittel. Bevor ich die Farbe auf den Untergrund bringe, nässe ich den erst mit dem beschriebenen Spüliwasser ein. So ergeben sich gleich verlaufende Übergänge. Der Untergrund soll nicht "schwimmen", nur feucht sein. Dann kann ich auch "dicke" Farbe mit dem Pinsel pointiert aufbringen.


    dscn43712cszt.jpg


    dscn43729nsuz.jpg

    Die erste Schmutzschicht nur mit schwarzer Tusche


    dscn4373kysu0.jpg

    Jetzt kommt Farbe ins Spiel. "Nass in "feucht".


    dscn4375t6sd7.jpg

    Und so sieht es trocken aus.


    dscn4378b3snr.jpg

    So soll es sein.


    Zum Schluss darf natürlich das Fabrikgebäude nicht im Neubauglanz bleiben: Auch an den Wänden habe ich mit Wasserfarben Schmutz angebracht, das Kran-

    gerüst braucht auch noch eine Behandlung.


    dscn4379u3s4o.jpg


    Für mein Demostück musste ein Lasergebäude von MKB herhalten. Es hat später seinen endgültigen Platz auf einem Modul beim Bahnhof "Brebeck" bekommen:

    Link zum Brebeckbeitrag


    20181205_2148543ncae.jpg


    20181215_174939x8fsf.jpg

    Hier sind die Betonflächen dezenter verschmutzt.


    Das soll es für heute gewesen sein. Mit Beispielen für feinere Linien melde ich mich demnächst wieder.

  • Gude Bruno,


    sehr interessanter und lehrreicher Beitrag zum Thema Umgang mit Farben. Wenn ich das richtig verstanden habe ist die Grundierung aus Humbrol Farben und das "Washing" mit Plaka. Ich gehe mal davon aus, dass der Salmiakgeist nur die kaseinhaltigen Farben, also das Plaka, anlöst und entfernt.


    Gruß Thomas

    "Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." Jorge Augustín Nicolás Ruiz de Santayana

  • Hi Thomas,


    genau so isses: Die Lackschichten werden bei der kurzen Wischerei nicht angelöst.


    Wie das bei anderen Farbsystemen auf Wasserbasis (Acryl) aussieht, kann ich nicht beurteilen (da möchte ich auch keine Zeit investieren da ich mit m e i n e m System vollauf zufrieden bin).


    LG + PX