Nebenbeschäftigung

  • Moin Leute

    um den allgemeinen Modellbahn Frust zu bewältigen habe ich in den letzten Tagen 100 Preiserlein hoffähig gemacht. Frust nicht Cor. bedingt sondern weil bei allen meinen Bauprojekten irgendwo die Säge klemmt und die würde auch in normalen Zeiten klemmen.

    50 Preiserlein direkt aus den neusten Verfahren des Herstellers der letzten 10 Jahre und 50 denen immer noch irgend eine Farbe fehlte und die schon Jahrzehnte in der Box liegen.

    Problematisch ist die Farben der 50er und 60er zu treffen; man ist immer zu bunt, weil man Kleidungen von heute vor Augen hat. Damals wurde nur überwiegend dunkele Kleidung getragen.

    Schön ist, das ich noch die handwerkliche Fähigkeit besitze es zu tun, anderseits möchte ich nicht mein Geld damit verdienen müssen.

    Ich arbeite mit Revel und Humbrol Matt. Preiser verwendet eine andere Farbe die einen leichten Glanz aufweist. Das sieht dann nach „Lack-Kleidung“ aus. Bei Arbeitskleidung ist das bestimmt nicht förderlich. Wäre ja schön wenn man mal nichts zu meckern hätte.

    Die eine oder andere „fertig“ Figur aus der Preiswert Kategorie habe ich dann halt noch mal anders angezogen.

    So sieht es im Moment auf dem Basteltisch aus.

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    Lieber Gruß
    :matrose:

    Friedrich

  • Hallo Friedrich, Hallo Forenmitglieder,

    hier mal den Kernsatz meiner Frage:

    Problematisch ist die Farben der 50er und 60er zu treffen; man ist immer zu bunt, weil man Kleidungen von heute vor Augen hat. Damals wurde nur überwiegend dunkele Kleidung getragen.

    Friedrich, du baust ja in EP 3. Aber da hast du schon Probleme die aktuelle Mode( Farbe / Schnitt) darzustellen. Dabei wirst du in deiner Kindheit genau diese Kleidung kennengelernt haben. Es wird immer wieder auf die im Internet zu findenten Seiten der Modeindustrie verwiesen. Ja, da gibt es viele Seiten, die uns zeigen, wie die Mode in den 20er oder 30er oder 60er Jahren war. Aber, ganz ehrlich, wessen Mutter hatte , zum Beispiel, die Mode der Sechziger getragen. Die Abbildungen zeigen uns doch nur die Mode derer, die es sich auch leisten konnten. Die normale Bevölkerung ( ich bin in einem 600 Seelen- Dorf aufgewachsen) war doch Welten davon entfernt.

    Es bleibt die Frage: Wie kleidete sich die normale Bevölkerung in unseren Epochen? Mein Thema ist in den 1920er Jhren angesiedelt. Da war ich noch lange nicht geboren. Was hatte der Bauer Schuler an, wenn er 1925 am Samstag nach Freiburg fuhr um ein Ferkel zu kaufen. Was hatte die Bäuerin Egof an, wenn sie mit dem Zug 1928 nach Staufen fuhr um drei Hühner auf dem Wochenmarkt zu verkaufen? Wie kleidete sich der Maurergeselle Huber wenn er mit dem Zug in den 1920er Jahren zu seiner Arbeitsstelle nach Basel fuhr? Was hatten die Lagerarbeiter am Güterschuppen an? Wo kann ich solche Informationen bekommen? Mit Sicherheit nicht auf den bekannten Internetseiten. Wir stellen ja nicht den Anhalter Bahnhof in Berlin vor. Nein, in unserer Modellwelt ist Alles etwas ( räumlich) kleiner. Wir beschränken uns auf das Landleben, mit kleinen aber lebenswichtigen Stationen. Allenfalls kommen noch Kleinstädtische Motive in Betracht. Aber auch da waren mit Sicherheit nur die Damen der Wohlhabenden nach der aktuellen Mode gekleidet.


    Gruß

    Johannes

  • Hallo Johannes,


    in den Heimatmuseen sind solche Bekleidungen aus der Zeit an Puppen dargestellt. Das gilt auch für diverse Eisenbahnmuseen, zb. habe ich sowas in Utrecht gesehen.


    Im Wesentlichen werden verwaschene graue, braune und blaue Töne sein bei der Oberbekleidung. Auf ein sauber gebleichtes Leinenhemd legten die Ehefrauen schon damals Wert "wie du wieder rumläufst; was sollen die Nachbarn (von mir) denken". In Norddeutschland west/ost waren wohl auch die blauen Hemden mit Kreidestrich üblich. Aber: Alles keine leuchtende Farben, da war der "Gilb" immer dabei. Und Alltagsschmutz sowieso bei den Arbeitern.


    Unsere "Kunst" besteht nun darin, das im Kleinen umzusetzen ohne dass es allzu schmuddelig rüberkommt. Meine Gebäudealterungen spalten die Betrachter auch in zwei Lager. Wichtig: Mir gefällt´s!


    LG + px - Bruno -

    Es muss nicht alles perfekt sein was gut ist

  • Moin Leute


    In Ostfriesland auf den Dörfern gab es bis in die 70er für die Bevölkerung über 50 nur eine Farbe und die war keine, nämlich schwarz. Ich kenne meine Großmutter „vom Land“ nur in schwarz. Und alle Leute rund um sie herum kenne ich auch nur in schwarz. Mein Vater trug Kordhosen in dunkelbraun und schwarz. Die berühmten Kittel (siehe unten) der Männer waren dunkelblau oder dunkelgrün. Dazu Latzhosen auch dunkelgrün (Landwirtschaft) oder blau, wie Blaumann eben. Und die Jugend trug (wenn die Eltern es erlaubten) Jeans auch blau. Und die Anzüge der „Besseren“ waren grau. Man kommt mit wenig Farben aus. Haut; Weis; Braun; Blau; Grün und Schwarz.

    Aber das im Modell durch zu halten ist recht eintönig. Ich erlaube mir ab und zu einen „Ausreißer“ auch, oder gerade damit der erhobene Zeigefinger erscheint. :diablo:

    Wie war es auch noch: jeder so wie er ... Dennoch versuche ich schon recht realistisch zu bleiben.

    Lieber Gruß
    :matrose::matrose:

    Friedrich
    Nachtrag:

    Kittel ist nicht die richtige Bezeichnung. Es war eine Jacke mit zwei Seitentaschen und eine Brusttasche. Kittel waren Knielang und wurden „vom Meister“ in der Werkstatt oder vom Verkäufer z.B. im Eisenwaren Geschäft getragen. Ich kenne die Kittel nur in Dunkelgrau.

  • Hallo Friedrich und Mitleser.


    das mit dem Schwarz ist mir aus den 60ziger Jahren bis Ende der 70er auch bekannt. Allerdings nur Sonntags beim Gang zur Kirche. Ansonsten, unter der Woche, waren bei den Frauen kleine Blumenmuster auf Bluse und Rock üblich. Darüber dann die obligatorische Kittelschürze teilweise mit schreienden Farben und Mustern. Die Männer aus meiner Familie und Dorf kenne ich allerdings auch nur im Blaumann. Die Kriegsgeneration 1. und 2. Weltkrieg trugen meist noch die Feldmütze dazu. Im Grunde eine etwas andere Baseballmütze von heute. Mein Vater, als Schreiner, hatte noch eine blaue Schürze um und ein Barett auf dem Kopf. Ein Überbleibsel der französischen Besatzung.
    Die Bauern um uns herum meistens in dicken "Manschesterbuchsen" (Cord) in einem graugrün. Darunter Gummistiefel. Blaue Jacke und je nach Alter die Feldmütze, ebenfalls in graugrün. Grundsätzlich könnte ich zusammenfassen, dass die Handwerker in blau mit den, je nach Gewerk, typischen "Zusatzausrüstungen" ausgestattet waren. (Schreiner, Schmied usw.) Die Bauern in Cordhosen wie beschrieben. Frauen, meistens Hausfrauen, eher bunt in Kittelschürze.


    Das Ganze ist natürlich von Landstrich zu Landstrich verschieden. Obiges Besipiel gehört zum Lahntal zwischen Koblenz und Weilburg.


    Viele Grüße

    Thomas

    "Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." Jorge Augustín Nicolás Ruiz de Santayana