• Hallo beieinander,

    sieht so aus, als käme ich irgendwie nicht recht von der Modelllandwirtschaft los. Beim Fremo :87 Treffen habe ich bei René Novotný den Hauler Bausatz für eine Dreschmaschine gekauft. Nachdem ein paar Unklarheiten, die Bauanleitung betreffend, geklärt waren, habe ich gleich mit dem Bau losgelegt. An der Stelle: Danke Wolfgang für die ungeschwärzte Bauanleitung. Heute ist die Dreschmaschine fertig geworden. Also fast. Ich will noch eine neue Deichsel aus Evergreen Profilen bauen. Das Resin Original ist total krumm und das Kuppelauge fehlt auch. René sagte, daß man die Maschine in Arbeitsstellung oder in Transportstellung bauen kann. Ich konnte mich nicht entscheiden und habe daher zwei Gelenke an der Strohausgabe angebracht. So kann ich beide Situationen nachstellen. Jetzt noch einige Fotos.

    Eine entspannte neue Woche wünscht Euch

    Johannes


  • Hi Johannes,

    alle Achtung - das war sicher ne Geduldsprobe in 1:87 ;) Etwas ganz Besonderes auf der Moba. Ich schaue mir sowas auch gern auf landwirtschaftlichen Oldtimerausstellungen an, die sich glücklicherweise immer noch großer Beliebtheit erfreuen. Auch bei jungen Leuten.

    Viele Grüße

    Bernd

  • Hallo Johannes,

    ja, der Eindruck trügt nicht. Mit Deinen historischen landwirtschaftlichen Geräten zeigst Du das Landleben vergangener Jahre. Ich kenne diese Geräte nur aus Museen oder als verottende Wracks auf irgendwelchen LPG- Wirtschaftshöfen.
    Es ist ein sehr schönes Modell geworden- auch wenn Du einige Schwierigkeiten mit dem Bausatz hattest. Aber es zeichnet einen guten Modellbauer aus- auch aus nicht so gut dokumentierten Anleitungen ein tolles Model zu erstellen.

    So- jetzt hast Du einen Pflug, einen Dreschkasten und zwei Lokomobilen- was fehlt noch? Hier habe ich einige Ideen:

    Hier zunächst noch mal ein Dreschkasten hergestellt von HCP (Hipolit Cegielski Poznan- einer noch heute existierenden Maschinenfabrik)- in Arbeitsstellung- angetrieben von einem kleinen HCP- Lokomobil





    Eine kleine Kartoffelschleuder

    während bei der hinteren Schleuder die Kartoffeln lediglich aus dem Boden geschleudert werden, gelangen die Kartoffeln bei dieser Schleuder in den kegelförmigen Reiniger. Hier werden die Kartoffeln vom Rest des Krautes und den Wurzeln befreit. Hinterher liegen sie in einem Streifen auf dem Acker und konnten gegebenenfalls maschinell eingesammelt werden.

    Hier nach dem Pflug (und der noch fehlenden Egge) eine Drillmaschine

    Eigentlich war ich der Annahme im "Nationalmuseum der Landwirtschaft" in Szreniawa noch wesentlich mehr Maschinen fotografiert zu haben...

    Viele Grüße

    Christian

    Es ziemt sich nicht für einem braven Manne-

    nur nach dem praktischen Sinn einer Sache zu sehen.

    Weisheit eines mir unbekannten

  • Moin Christian,

    herzlichen Dank für diese Fotos; mich verbindet damit ein Teil meiner Kindheit, die ich, nach Vertreibung meiner Großmutter aus Schlesien, sehr oft in ihrem neuen Quartier in Rehburg auf einem kleinen Bauernhof, besuchen konnte.

    Diese Gerätschaften sind mir noch sehr vertraut, und die Dreschmaschinen mit Lokomobil-Antrieb von Lanz und Ködel & Bohm kamen zur Erntezeit auf den Hof; die Mahd wurde zu dieser Zeit, 1955 noch mit der Hand von den Schnittern erledigt, dass geschnittene Getreide zu Hocken zusammengestellt, und wir Kinder nutzten es oft für Verstecke. Nur die wenigsten Bauern hatten zu dieser Zeit noch Pferde im Einsatz; bei uns wurden die Kühe als Zugtiere eingespannt ...

    Die Darstellung im Modell und auf Anlagen ist immer wieder ein Aufhänger bei Ausstellungen ...

    Lieber Gruß und nochmal Danke
    Wilfried

  • Hallo Christian,

    danke für die Fotos. Die Drillmaschine kenne ich noch aus meinen Kindertagen. Sie hieß bei uns einfach Sähmaschine. Da auch hier in " Badisch Sibirien" die meisten Bauern in den 1960er Jahren schon auf (kleine) Traktoren umgestellt hatten, hatten die Sähmaschinen keine Vorderachse mehr sondern wurden, soweit ich weiß, am Anhängermaul befestigt.

    Den "Kartoffelroder", wie er auf deinen Fotos im Hintergrund ist, hatte hier jeder Landwirt. An die Version mit Auffangkorb kann ich mich nicht erinnern. Der Kartoffelroder riß ja nur die Kartoffeln aus der Erde und warf sie aufs Feld. Die Familie des Bauern mußte sie dann zusammenklauben. Eine Tortur für den Rücken.
    Apropos Kartoffeln: In meiner Kindheit aßen die Menschen und die Tiere die gleichen Kartoffeln. Die Menschen schälten sie und die Tiere bekamen sie ungeschält. Ich kann heute noch keine ungeschälten Kartoffeln mit Genuß verzehren.

    Jetzt, glaube ich, driftet der Beitragsfaden langsam, aber sicher, aus dem Modellbahnthema ab. Ich bin mir nicht sicher, so interessant das auch ist, ob wir das so weiterführen sollen?

    Grüße

    Johannes

  • Hallo Johannes,

    von mir aus gern, das Schöne bei der Sache ist, daß wir Jüngeren auch etwas dabei lernen können. Das kommt uns dann auch bei der Gestaltung unserer Anlagen und Module zu Gute.

    Um noch einmal auf die Kartoffelschleuder zurückzukommen- der Korb dreht sich. Je nach Ausführung wurde er vom Schleudergetriebe angetrieben. Dabei wurden dann die Kartoffeln von Wurzeln, Erde und Kraut befreit. Üblicherweise lagen sie auch auf dem Acker... Den Rest hast Du ja beschrieben.

    Wenn mein Vater nicht in der Landwirtschaft gelernt hätte- würde ich wohl glauben, daß Kühe lila seien 😉

    Wenn wir den Faden so weiterführen- und im Ergebnis (stimmige) Szenen aus Landwirtschaft gezeigt werden- ist der Modellbahnbezug doch wieder gegeben.


    Viele Grüße Christian

    Es ziemt sich nicht für einem braven Manne-

    nur nach dem praktischen Sinn einer Sache zu sehen.

    Weisheit eines mir unbekannten

  • Hallo Johannes,

    denke auch wie Christian, daß Zeitzeugenberichte eine Bereicherung für authentische Anlagengestaltung sind und daher nicht OT. Es sei denn es stört den TE.

    ...hatten die Sähmaschinen keine Vorderachse mehr sondern wurden, soweit ich weiß, am Anhängermaul befestigt.

    oder aber per Dreipunkt - das besaßen meine Leute, zum Glück. Mit den eisenbeschlagenen Rädern zum Feld war man ja gezogen fast zu Fuß schneller ;)

    Den "Kartoffelroder", wie er auf deinen Fotos im Hintergrund ist, hatte hier jeder Landwirt.

    Bin auch ein Badener ;) Obwohl sie gefühlt technisch 30 Jahre hinter Vollerwerbs-Landwirten herhinkten, besaßen meine Eltern als Ausnahme den damals modernsten Roder - mit Dreipunktaufnahme und Zapfwelle. Sehr praktisch da deutlich schneller am Feld. Aber mit der Fußangel, daß die richtige Arbeitstiefe schwierig zu finden war, was sich in beiden Extremen (zu tief = zu viel Erde bedeckt die Kartoffeln, zu hoch teils halbierte und damit nicht mehr lagerfähige Kartoffeln.) im Unmut der "Mitaufleser" kund tat...

    An die Version mit Auffangkorb kann ich mich nicht erinnern.

    dito, nie gesehen. Theoretisch komfortable Sache. Unser Roder warf die Kartoffeln in meiner Erinnerung bis zu 3 m weit aus. Die Variante Fangkorb muß wohl deutlich langsamer gegraben haben. Unserer hätte damit Chips produziert ;)

    Die Familie des Bauern mußte sie dann zusammenklauben. Eine Tortur für den Rücken.

    Fast so übel wie im Sommer mehrmals pro Jahr in der prallen Sonne das Feld per Hacke durcharbeiten. Herbizideinsatz war auch damals nicht bei allen Bauern gesetzt.

    Apropos Kartoffeln: In meiner Kindheit aßen die Menschen und die Tiere die gleichen Kartoffeln. Die Menschen schälten sie und die Tiere bekamen sie ungeschält. Ich kann heute noch keine ungeschälten Kartoffeln mit Genuß verzehren.

    Die Kartoffeln (vorzugsweise kleine und/oder unförmige, die man damals schlecht verkaufen konnte) standen bei uns jeden Tag mehrere Stunden in einem großen emaillierten Topf auf dem Holzherd - für die Schweine, zusätzlich zu sonstigen Küchenabfällen. Für die Menschen bediente man sich tatsächlich daraus und schälte sie. War auch nötiig, für die Schweine wurden sie nicht extra gewaschen. Es gab also oft Kartoffeln. Ich esse sie ungeschält heute nur weil ich das Schälen immer noch dick habe ;)

    Viele Grüße

    Bernd