G12 Württemberg 1927 - Rivarossi Repaint + Sound

  • Hallo zusammen,

    wie hier G12 Württemberg (Roco Basis), digital, Sound, RP25 vor 2 Jahren (Leute, wie die Zeit vergeht...) erwähnt, wollte ich auch eine Rivarossi G12 nach meinem aktuellem Wissensstand zum Thema Württemberg umlackieren.

    Die Lok lief zunächst stark ruckend und brauchte den Radversatz sorgfältig korrigiert. Behoben kommt das große Aha - was ich bei der alten Roco Konstruktion nur mit viel Stirnfalten geschafft habe - sie läuft sehr schön. Allerdings waren weder Teichmann noch Gräler motiviert, RP25 Radsätze einzubauen, daher immer noch NEM. Nachdem sich die Lok im Betrieb bewährt hatte, war ich bereit für mehr.

    Ursprünglich wollte ich einen Bericht der kompletten dafür nötigen Zerlegung verfassen. Die Geschichte wurde aber im Verlauf so sauer, daß ich sagen muß - für Unerfahrene absolut nicht empfehlenswert. Absolut vergleichbar mit den Brawa Dampfloks, die ich bisher auf dem Tisch und weitgehend zerlegt hatte. Erfahrene wursteln sich sowieso durch. Ein zweites Mal Zerlegen ginge sicher nicht mehr ohne Bruch ab und Ersatzteile gibt es bei Rivarossi bekanntlich keine. Dennoch, sehenswert ist sie und läuft so gut wie meine Roco mit Glockenanker, wenn auch etwas lauter (tiefes aber akzeptables Motorbrummen). Vielleicht kann der eine oder andere trotzdem ein paar Erkenntnisse mitnehmen.

    Hier das Ursprungsmodell - nach heutigen Kenntnisstand finden sich keine Bilder, die auf dieses Grün in Württemberg hindeuten.

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    Außer dem bereits erwähnten Fahrwerksklemmern gab es noch weitere Probleme - die G12 wies trotz der vielen Radsätze eine schlechte Stromabnahme auf. Strom zog sie außerdem noch deutlich zu viel. Die Ursache der relativ empfindlichen Stromabnahme zeigte sich an der Bodenplatte - Auf einer Seite waren die vorderen Stromabnehmner überhaupt nicht mit den hinteren verbunden. Und auf der anderen war die Verbindung nicht gelötet sondern nur "anliegend". Oxidiert und aufgrund Übergangswiderstandes quasi isolierend. Mit dem Erfolg, daß von der Lok selbst nur noch einseitig zwei Räder als Stromabnahme dienen konnten.

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    Lösung - den einseitig komplett fehlenden 0,3 mm Draht einziehen und generell alles vorsichtig mit sehr wenig Lot verlöten

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    Die hohe Stromaufnahme basierte auf einem völlig verölten Kollektor samt Kohlen. Der Motor läßt sich relativ gut zerlegen. Kohlen per Lötkolben ausgeglüht, Kollektor gereinigt.

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    Platz für einen Rundlautsprecher wäre im Tender. Ich wollte diesen damals noch ganz vorne, wo der "Sound" auch beim Vorbild entsteht. Eine Schwungmasse entfernt, die mir digital ohnehin nicht fehlt plus einen fertig gekauften Zimo 13x18 rein , der gerade so reinpasst - sofern man ohne Rauchsatz leben kann.

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    Wer bei einem defekten Lautsprecher lieber nur den Tender zerlegt (deutlich einfacher), nimmt den serienmäßigen Platz im Tender dafür. Vorzugsweise mit einem 3D gedruckten Gehäuse samt Rechtecklautsprecher, was den Platz dort sehr gut ausnützt. Inzwischen würde ich aus leidiger Erfahrung auch dazu tendieren. Das anfälligste Bauteil an der ganzen Moba bei mir hier sind die Lautsprecher (obwohl ich relativ leise höre). Sofern eine Schlepptender-Lok haarig zu zerlegen ist, besser in den Tender damit. Hier zwei Beispiele aus einem Trix S3/6 Tender

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    Die für meinen Geschmack weit jenseits zulässig abgefahrener Radreifen liegenden Serien-Tenderradsätze wurden getauscht und durch Liliput ersetzt. Passt von den Radreifen her doch perfekt zu den Treibrädern.

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    Aus demselben Grund am Vorläufer ein Weinert Radsatz mit von mir zu den Serienradsätzen passend dunkel galvanisierter Lauffläche, der nebenbei auch den korrekten Durchmesser aufweist (der Originalradsatz ist deutlich kleiner). Funktioniert aber nur mit RP25.

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    Hier nun das Endergebnis. Umsetzung wieder mit Schwarzgrau und württ. rotem Fahrwerk, alles mit verdünnter Ölfarbe gealtert. Vorne und Hinten mit OBK Kupplungshaken.

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    Die originalen Gasleuchten waren leider vom Vorbesitzer vermurkst, daher Fleischmann Ersatz

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    Sounddecoder Zimo MS440 mit einem erfreulich abwechslungsreichen Henning 16bit Projekt. Was das angeht, finde ich (als reiner Dampflokbetreiber) Henning ungeschlagen bisher.

    Gruß
    Bernd

  • Hei Bernd,

    ah, endlich mal Input zur Rivarossi BR 58 / G12. Begeistert von deren Detailierung, hatte ich mir auch gleich zwei DB-Maschinen zugelegt. Beide fuhren sehr gut, nur der Lautsprecher im Tender ... mal abgesehen davon, dass seinerzeit ein 4er Esu-Decoder verbaut war, obwohl es schon lange den 5er gab, gefielen mir weniger gut. Daher habe ich sowieso diese komische Adapterplatine rausgeworfen - also die mit diesen "Klemmverbindungen" ??? - und habe den elektischen Verhau vereinfacht und den Lautsprecher, wie oben von Dir beschrieben, upgegradet. Schon damals mit dem dezenten Magengrummeln, dass ich Lautsprecher in Tendern nicht wirklich gut finde.
    Auch informativ, dass ich bei den von Dir genannten Stellen erst gar nicht nachfragen muss, ob ein RP25-Umbau möglich ist ... obwohl es der Lok in ihrer Detailierung wirklich gut anstehen würde.
    Tja, und dann die Demontage. Du deuteste es ja an - nicht einfach. Ich habe davor zurückgeschreckt, aber dennoch die Bitte: könntest Du genauer beschreiben, wie Du das Teil auseinander bekommen hast? Nicht nur, weil ich auch gerne einen Raudauwürfel im Kessel hätte, bei meinen müssen die Haftreifen ersetzt werden, die waren nach kurzer Zeit und ohne große Belastung hin. Desweiteren könnten die Stromabnehmer bei meinen korrigiert werden, nicht alle liegen korrekt an.
    Im Gegenzug ;) : die Platinen der Heck~ als auch der Frontplatine sind ausgerüstet für Lichtwechsel weiß/rot (bei meinen zumindest). Bei meinen habe ich das im Tender entsprechend umgebaut, an der Front nicht, denn dafür hätte ich die Lok demontieren müssen (s.o.).

    Weiteres Manko: die Trittstufen hinten am Tender sind aus Plastik ... und sehr empfindlich. Die sind bei mir inzwischen alle weggebrochen, wenn da jemand metalllischen Ersatz kennt, her mit der Bezugsquelle! ;)

    hG
    Carl Martin

  • Hallo Bernd,

    einen sehr guten Umbaubericht hast Du uns vorgestellt. Die Farbgebung (dezentes altern) und die Überlegungen zum Soundeinbau haben mich begeistert. Gerne verfolge ich Deine weiteren Aktivitäten aus der Epoche I/II.

    Gruß Günter

  • Moin,

    Habt Ihr Euch mal überlegt, warum keiner die S-4.2 - Räder einbauen will, wenn die Loks schon besch....eiden auseinander zu nehmen sind und es keine Ersatzteile gibt?

    Dann wäre nämlich das Risiko bei Teichmann oder Gräler.

    Also ich sehe da nur den Weg, die Räder selbst auszubauen und dann die Achsen mit entsprechenden Rädern versehen zu lassen. Risiko wäre dann bei Euch natürlich auch wieder der korrekte Zusammenbau... und - wenn die Lok von Rivarossi keinen passenden Ausgleich hat - muss man auch seinen Gleisbau "up to date" haben.

    Möglichkeit wäre vielleicht, das Fahrwerk " nackig" zu machen und nicht nur die Räder sondern auch eine Allradauflage rein bauen zu lassen. Dann funzt das Fahrwerk ordentlich und Ihr bastelt die Lok dann wieder zusammen.

    Sonst gibts eben nur Rohlinge besorgen und selber drehen, sofern man eine entsprechende Maschine hat.

    Mit freundlichem Glückauf aus dem Pott

    Klaus

  • Hallo Carl-Martin,

    ist schon wieder ein Jahr her, ich versuche mal was ich noch zusammen bekomme, Nachstellung eigenes Risiko ;-), Bilder hatte ich eine ganze Zeit lang gemacht:

    Um den Kessel samt Führerhaus abzubekommen, mußt Du links und rechts "nur" jeweils eine Schraube zwischen D und E Radsatz heraus pfriemeln. Die ist auf dem Bild nur so gut zugänglich, weil bei meinem Exemplar die eine Bremsbacke freiwillig herausgefallen war. Auf der anderen Seite saß sie bombenfest - dann heißt es mit einem kleinen Kreuzschlitz irgendwie vorsichtig drumherum arbeiten. Oder zusätzlich die Kuppelstange lösen für mehr Zugänglichkeit.

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    Vorne mußt Du zum Glück nur die Rauchkammertür abziehen, was bei mir gut funktionierte. Es kann gut sein, daß es beim Abnehmen von Kessel samt Führerhaus im Führerhausbereich etwas schwer geht. Zwischen dem Kabelbaum und dem Gehäuse ist so ziemlich null Spiel. Auch beim Zusammenbau eine haarige Nummer, nebenbei.

    Da ich den Rauchsatz entsorgt hatte, habe ich mich einfach dessen Kabel bedient (gelb+grün) im Bild. Die müssen dann hinten auf der Platine natürlich auch neu verdrahtet werden!

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    Falls Du die Schwungmasse lieber am ausgebauten Motor abtrennen möchtest, mußt Du zunächst die im Bild oben messingfarbene Schraube (ist normalerweise Schwarz) entfernen, die das Plaste-Teil hält, in welches die Rauchkammertür einhakt. Motorkabel ablöten.

    Danach müssen insgesamt je zwei Schrauben raus an den Enden des Kesselunterteils. Dann kommst du an die beiden Motorhalter-Schrauben (im Bild steckt nur eine noch halb drin.

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    Falls Du so weit gehst, würde ich noch anraten, ein Langloch oder 2-3 Ø3 mm Bohrungen mittig unter dem zukünftigen Lautsprecher als Schallaustritt einzubringen. Sieht man dann von der Seite nicht.

    Der 13x18 von Zimo (fertig gekauft) passt vorne nur, wenn die Kabel absolut ordentlich drunter liegen. Zeigt der Kessel zwischen Kessel und seinem Unterteil einen gut sichtbaren Spalt, Kabel neu sortieren. Keinesfalls zusammenquetschen.

    Mit der Platine hinten im Tender hast Du Recht. Ich habe es zwar belassen, aber unverlötete Kabelenden halte ich nicht gerade für State of the Art. Der 2 Pol Stecker ist nicht Serie, damit war der Vorgänger-LS angeschlossen.

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    Noch ein Wort zu den Haftreifen - ich habe die Originalen abgemessen und mir welche beim ebay Anbieter KaModel bestellt. Dort findet man ein unfaßbar großes Sortiment. Ich nehme ja sonst gerne mal Märklin, aber deren Dicke funktioniert hier nicht. Abgesehen von Streiferei an den Bremsbacken würde durch das ungefederte Fahrwerk vermutlich nur noch Radsatz E und A aufliegen. Über die Haltbarkeit über Jahre kann ich leider noch nichts sagen.

    Gruß

    Bernd

  • Hallo Klaus,

    mit dem Risiko hast Du sicher Recht. Sollte auch nicht als Kritik an den Herren verstanden werden, sondern als deutlicher Hinweis, auf was man sich einläßt, wenn selbst so erfahrene Schrauber nein sagen.

    Nur zur Sicherheit - die Stromabnahmeprobleme basierten wie im Text beschrieben auf serienmäßig unzureichender Verbindung der Stromabnehmer an der Lok. Federung war nicht der Punkt. Die Idee mit den Rädern wäre lediglich ein optisches nice to have für mich gewesen, mehr nicht.

    OT: Auf der anderen Seite bin ich auch kein Freund davon, wenn Loks aufgrund Federung in (topfebenen) Kurven (R650 min) für mich gut sichtbar das Wanken anfangen. Roco 86, die letzten Fleischmann 94 oder die neue Piko 03 mal als Beispiele hier vor Ort. Sie haben alle keine Rundlaufprobleme an den Radsätzen, sie liegen bei Geradeausfahrt satt im Gleis. Ich habe noch nie ein gefedertes oder Wipplager-Fahrwerk von Gräler oder Teichmann in Aktion gesehen, vielleicht ist es dort ja besser oder generell eine Frage guter Fahrwerksauslegung (gerade bei Stangenantrieb), daß nicht gewankt wird, wenn es gar nichts zu wanken gibt ;) Jeder hat so seine Vorlieben, bei mir gehört satte Lage im Gleis dazu. Zum Glück verfüge ich über modernes Gleismaterial, zudem auch noch ordentlich verlegt und fahre maximal RP25. Ich brauche keine Zeit oder Geld in gefederte Fahrwerke investieren - obwohl ich mit Sound fahre, ohne Puffer-Kondensatoren. Hier hilft sicher auch Zimo, von meinen drei Marken hier in von der Stromabnahme her meiner Erfahrung nach schlecht ausgelegten Loks (etwa die alte GfN 94 oder Roco 58) immer noch souverän unterwegs wo andere längst stocken. Selbst eine Fleischmann T3 oder 89.0 mit ihren nur einseitigen Schleiferblechen versehen hier mit Sound und ohne Pufferspeicher ihren regelmäßigen Rangierdienst, auch ganz laaangsam.

    Gruß

    Bernd

  • Hei Bernd,

    vielen Dank für die Ergänzung Deines Berichts!
    Bei den Haftreifen hatte ich mich schon bei Märklin bedient, aber gut zu wissen, dass das keine echte Lösung ist und es bessere Anbieter gibt - eingebaut habe ich die Märklinhaftreifen noch nicht (angekündigt war ja auch, dass eine Achse ohne Haftreifen mitgeliefert würde ... bei beiden Loks waren diese nicht dabei). Da werde ich mich an Deine Empfehlung halten und nachordern. So demontieren, wie Du es gemacht hast, werde ich die Maschinen nicht, die Probleme der Ersatzteilbeschaffung hast Du ja benannt.
    Ich finde das sehr schade, dass Rivarossi so schöne Modelle entwickelt, aber konstrutiv nicht wirklich durchzieht und Ersatzteile mehr oder weniger verweigert. Man darf ja nicht übersehen: ein Hersteller wirft sowas auf den Markt und verschmälert damit die Absatzmarge, die sich ein Konkurrent erhoffen kann, wenn er auch eine solche Maschine anbieten möchte.

    hG
    Carl Martin