Bauen mit Papier

  • Hallo Modellbaugemeinde,


    ich möchte eine Lanze für das Bauen mit Papier brechen.


    Vorzeichnungen
    Für meine Vorzeichnungen verwende ich ein CAD-Programm, da ich gerne mit Originalmaßen arbeite und den Maßstab für die Zeichnung eingeben kann. Ich verwende Autosketch aus dem Jahre 1998.


    Ich drucke mit meinem Hp Laserjet 1200 auf farbiges oder weißes Papier 80-130g, je nachdem.
    Dann kann ich mit einem Abbrechklingenmesser und Stahllineal ausschneiden.
    Ich zerlege die Wand in mehrere Ebenen und klebe diese mit lösungmittelhaltigem Uhu oder Tesa übereinander und montiere das Modell.
    Anschließend kann es gealtert werden.


    Das Nebengebäude in Frensdorf ist das erste Modell komplett aus Papier. Nur das Dach ist Kunststoff.

    Die Verbretterung ist auch aus Papier (80g), das mit Akrylfarben angemalt wurde.


    Das Mauerwerk ist mit Akrylfarben und einem Pinsel Stärke 3 angemalt, die Sandsteinlisene bleibt in der Ebene der Ziegelstein, auch mit Akryl angemalt.


    Beim Empfangsgebäude hatte ich noch Ziegelplatten von Auhagen benutzt, die einzigen maßstäblichen. Die Lisenen habe ich aufgeklebt.
    Der Anbau für das Stellwerk ist auch Papier, ebenso die Dachgauben und die Fensterrahmen.


    Auch der Weichenantieb ist aus 110g-Papier.


    Auch der Deckel für den Weichenverschluss Bauart Henning ist aus 80g-Papier.


    Ich gestehe, dass ich sogar Schienenzungen aus Papier gebaut und diese mit Sekundenkleber an die Zungenschiene geklebt habe.


    Gruß Aus Frensdorf


    Andreas S.

  • Hallo Andreas,


    nun bin ich doch etwas erstaunt was man aus Papier rausholen kann!
    Was mich ganz besonders interessiert ist die Methode, wie du das Mauerwerk so realistisch gestaltest, dass es nicht homogen wirkt, denn das ist dir äußerst gut gelungen!

  • Hallo Andreas,


    sehr eindrucksvoll, was du da mit Papier gebaut hast.


    Als experimentierfreudiger Mensch habe ich auch schon mit Papier gearbeitet und bin prinzipiell davon angetan. Bisher habe ich meine Erfahrungen aber nur bei Weichenlaternen sammeln können.
    Der Vorteil liegt für mich klar auf der Hand: Leicht zu bearbeiten und immer verfügbar.


    Aufgrund der Computertechnologie kann man auch bei grösseren Sachen zu guten Erfolgen kommen, wie man bei deinem Gebäude sehen kann. Leider kann ich mir bis jetzt die Technologie (=Vektor-Programme) nicht zu nutze machen, aber irgendwann mal ..... :D . Dann versuche ich ein individuelles Bahnhofsgbäude aus Papier herzustellen.


    Viele Grüsse
    Holger

  • Hallo Robert,


    damit das Mauerwerk nicht homogen wirkt sind drei Arbeitsschritte von nöten.

    • Zeichnung anfertigen, ich arbeite wie gesagt mit einem CAD-Programm, am Anfang war es Freeware. Damit zeichne ich die Steine mit Originalmaßen inklusive Fugen. Der Normalstein zwischen 1880 und 1955 hatte die Maße 25 x 12 x 6,5 cm, die Fugen 1,2 cm horizontal und 1 cm vertikal. Dass wird auf weißes Papier (80g) ausgedruckt.
    • Die Steine werden dann graviert, d.h. mit einer stumpfen Reißnadel, Spatel o.ä., was sich gut in der Hand halten lässt, werden die Fugen leicht eingedrückt, was horizontal natürlich am besten geht.
    • Dann werden die Steine angemalt. Ich habe i.d.R. drei bis vier Farben auf der Palette; 71 Terracotta, 09 Dunkelbrau, 32 Siena gebrannt und 36 Rehbraun von Hobbyline Mattfarbe Acryl aus dem Bastelgeschäft. Die Farben mischen ich untereinander und ich trage die Farbe auf dem Pinsel auf verschiedene Steine an verschiedenen Stellen auf, so dass die Steinfärbung nicht so homogen aussieht. Ein zweiter Effekt, den ich dabei festgestellt habe, ist, dass die Farbe allmählich heller wird, da weniger Farbmenge auf dem Pinsel ist, also male ich im Umfeld der Steine dann weiter und habe dennoch nicht dieselbe Farbe.

    Holger, gib mal in Google o.ä. CAD freeware ein, da kommen einige Links.


    Gruß aus Frensdorf
    Andreas :sehrgut:

  • Hi Andreas,


    nachdem ja Robert bereits um nähere Ausführungen zu Deiner Methode bat, habe ich mir die Bitte verkniffen. Aber Danke an dieser Stelle möchte ich schon los werden. Bereits in Regensburg hatte ich ja das Vergnügen, einiges über Deine Baumethoden zu erfahren. Aber erst so eine Beschreibung wie diese bringt die notwendige Vorgehensweise nachvollziehbar herüber und zeizt zum nachmachen.



    Gruß Rainer :thumbup:

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    Christopher La Brec: Jeder Mensch verfolgt einen Traum in seinem Leben. Entweder den eigenen oder den eines anderen. Gib acht, das Du Deinen eigenen verfolgst.

  • Hallo Andreas,


    Deinen Beitrag über das Bauen mit Papier kann ich mir erst heute reinziehen. Ich muß schon sagen, das Ergebnis daß Du erzielt hast ist äußerst beeindruckend. Obwohl ich berufsbedingt sehr wohl mit Farben und Pinsel umzugehen verstehe wäre mir dieser Weg aber einfach zu aufwendig. Das muß aber jeder für sich entscheiden. Bei großen Bauten sehe ich bei dieser Technologie doch bezüglich Festigkeit und Verwerfungen Probleme. Wie sind denn da Deine Erfahrungen? Mit welchen Werkzeugen schneidest Du die Teile aus?


    Einen Kritikpunkt muß ich, obwohl mir der Schuppen so sehr gefällt, trotzdem loswerden. Dein CAD-Programm hat sich wohl beim umsetzen des Maßstabes verrechnet? Die senkrechten Fugen liegen teilweise fast übereinander. Die Prüfung durch die Bauaufsicht würde dieses Mauerwerk nicht bestehen. Sperrung und Abriß wären die unweigerliche Folge. Vielleicht solltest Du es doch einmal mit Corel Draw versuchen. Bei allen derartigen Arbeiten bietet ein vektorgestütztes Zeichenprogramm doch viele Vorteile. Die Arbeit damit ist völlig unkompliziert und nach kurzer Einarbeitungszeit will man es nicht mehr missen. Denk mal drüber nach. Robert und ich haben damit nur beste Erfahrungen und helfen gerne.


    Unsere Modellbahnpioniere in der DDR haben schon in den Nachkriegsjahren die Verwendung von Papier und Karton im Eisenbahnmodellbau propagiert. So wurden in den ersten Ausgaben des ME Baupläne für Güterwagen und sogar Brücken in Kartonbauweise veröffentlicht. Man tränkte die ausgeschnittenen Teile vor dem Zusammenbau mit stark verdünntem, grauen oder braunen Nitrolack. Dieser zog schnell ein und das Lösungsmittel verdunstete rasch. Der im Papier/Karton verbleibende Lack machte die Teile formstabil und fest, ja man kann sagen plasteartig. Sie ließen sich problemlos mit allen möglichen Farben streichen. Darüber könnte man auch heute noch nachdenken.


    Soweit meine Ausführungen zum Bau mit Papier/Karton, die hoffentlich richtig verstanden werden.


    Mit Gruß aus Köpenick


    Eberhard

  • Hallo Eberhard,


    zu Deinen Fragen und zu Deiner Kritik.


    Werkzeug
    Ich schneide mit einem Stanley-Knife (9 mm Klingenbreite), d.i. ein Abbrechklingenmesser mit Metallgriff, das ich im TOOM-Baumarkt erworben habe. Die Klinge muss regelmäßig abgebrochen werden. Schneideunterlage ist ein self-healing Schneidematte. Das zweite Werkzeug ist ein Stahlineal, ebenfalls aus dem Baumarkt. Geklebt wird mit lösungsmittelhaltigem Uhu etc.


    Stabilität
    Die Wand wird dargestellt in Abfolge von Lagen von Papier bzw. Karton.

    • Außenwand mit Mauerwerk und/oder Fachwerk
    • Blendrahmen
    • Außenrahmen
    • Innenrahmen
    • Kartonschicht für die Laibung (0,4-0,8 mm)
    • Innenwand

    Jedes Blatt Papier hat je nach Gewicht eine Stärke von 0,1-0,2 mm. Klebt man die Schichten 1-4 aufeinander ist man schon bei 0,8 mm Wandstärke. Das ganze wird also stabil.
    Wichtig ist es konstruktiv zu bauen, d.h. es müssen Innenwände und Decken eingebaut werden.
    Einstruzgefahr


    Die Kritik wegen Einsturzgefahr weise ich zurück bzw. darauf hin, dass das Sehen schon durch die falschen Modell verfälscht ist.


    Eine horizontale Fuge ist nach Bauvorschrift 1,2 cm hoch, dh.h. in H0 sind das 0,137931 mm, die senkrechte 1 cm breit, also 0,1149425 mm.
    Deswegen Augen auf im Modellbau!


    Schau Dir mal die Bretterwände von Güterwagen! Die Bahn würde solche breiten Fugen niemals ab Werk abnehmen. Bretterwände sind auf Nut und Feder aufgebaut. Die Industrie beglückt uns mit Fugen von 0,5 mm, also 4,35 cm in echt.


    Ziegel sind außer bei Auhagen zu groß, Dachziegel sind auch meist zu groß. Ich habe zuhause die Bau-Normen und Bauentwurfslehren aus den 30er bis 50er Jahren, nach denen ich die Gebäude rekonstruiere, wo ich nachschaue.
    Also, was soll ich mit irgendeinem CorelDraw oder anderem Programm? Auch CAD-Programme müssen auf Vektorgrafik beruhen.


    Ich konstruiere das Modell in 1:1 und lasse es dann im Maßstab 1:87 ausdrucken. Mehr nicht. Es stimmt also alles auf den 1/100 mm. Ich mag es präzise.


    Die Modellbauer in der DDR und auch in der BRD haben früher viel origineller gebaut. Ich erinnere mich noch mit Begeisterung an eine Anlage in Artern 1994,die aus Bakalit war. Das Polystyrol und der Spruch, damit es leichter und schneller geht, haben vieles verdorben. Ich erinnere mich noch an mein Lieblingsgebäude von unserer Trix-Anlage, ein Fallerbausatz, mit Kunststofffenstern, Wände aus Holz und mit Rauhputz aus echtem Putz gebaut.


    Papier wird Plaste


    Der Trick mit dem Nitrolack ist klasse. Wenn Du Papier oder Karton mit Sekundenkleber tränkst, kann man es wirklich wie Plaste / Kunststoff behandeln: bohren, feilen, schleifen. Außerdem leitet dieses Material keinen Strom.
    Gruß
    Andreas S.

  • Ich konstruiere das Modell in 1:1 und lasse es dann im Maßstab 1:87 ausdrucken.


    Das ist genau der Punkt, Andreas, an dem ich noch überlege. Meine bisherigen (wenigen) Konstruktionszeichnungen habe ich mit CorelDraw angefertigt und bin ganz gut damit zurecht gekommen. Ausgehend vom 1:100 Originalplan, Maße abgegriffen und umgerechnet in 1:87 und dann in CorelDraw in 1:87 gezeichnet. Einige Male bin ich in die "Ablesefalle" getappt und habe anstelle des 1:87 Maßes das 1:100 Maß genommen und damit weitergearbeitet bis mir der Fehler auffiel. Deswegen würde ich auch lieber ein Programm nehmen, bei dem ich die Zeichnungen mit Originalmaßen oder 1:100 Maßen anfertigen kann und anschließend für die Druckausgabe auf 1:87 oder einen beliebigen anderen Maßstab skalieren könnte. Bei CorelDraw hat sich mir eine solche Funktion noch nicht erschlossen.


    LiteCAD und LibreCAD als Freewareprogramme habe ich zum testen hier, aber da muß ich mir die Funktionen alle erst erarbeiten. Mit Intuition geht da nichts. Leider. Skalierung der Druckausgabe habe ich auch noch nicht gefunden.


    Momentan tendiere ich dazu, CorelDraw weiterzuverwenden.


    Gruß Rainer :thumbup:


    P.S.: Diese "howTo"-Diskussion mit für und wider ist so richtig nach meinem Geschmack. Wieder was gelernt.

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    Christopher La Brec: Jeder Mensch verfolgt einen Traum in seinem Leben. Entweder den eigenen oder den eines anderen. Gib acht, das Du Deinen eigenen verfolgst.

  • Hallo Rainer,


    ich kenne nun diese Freeware-Programme nicht.


    Es müsste ein Funktion Maßstab in einem Menü Optionen oder Extras geben, dort stellst du 1:87 als benutzerspezifischer Maßstab ein.
    Die Eingabe der Maße ist dann in Original möglich, und die Zeichnung wird 1:87 ausgedruckt. Ich brauche also nicht mehr mit Taschenrechner umrechnen. :)


    Beim Zeichnen fange ich mit einer Ausgangslinie an. Davon zeichne ich Paralelllinien, indem ich die Abstandmaße in Original eingebe.
    Ich kann auch Linien mit relativer Länge zeichnen. Ich klicke einen Ausgangspunkt (Fangpunkt) an, dann schalte ich auf relativen Fangpunkt um, und gebe in das Popup-Menü meine Länge horizontal oder vertikal ein.
    Entscheidend sind die Fangpunkte: bei Autosketch haben sie die Buchstaben
    S = freie Positionierung
    E = am Ende einer Linie/Objekts
    M = in der Mitte einer Linie/Objekts
    I = am Schnittpunkt zweier Linie/nObjekte
    C = am Mittelpunkt eines Kreises.


    Die Linien kann man auch über eine Funktion kürzen oder verlängern. Es arbeitet sich ganz einfach damit.


    Runde Objekte erarbeite ich eher über Vollkreise, die ich dann kürze / abtrenne.


    Gruß


    Andreas S.

  • Hallo Eberhard,


    danke für die genaue Zielansprache.
    Da hat sich das Programm nicht verrechnet, da hat der Maurer nicht sauber gearbeitet, also ich. Ich habe mich bemüht, die Fugen übereinander zu bringen, aber nach der dritten Verbesserung habe ich es so gelassen. Du bist der erste, dem das aufgefallen ist. Man sollte nicht mit Makro fotografieren.
    Letzten Endes hast Du uns bewiesen, wie gut das Zeichnen mit CAD ist.


    Danke. :thumbup:


    Gruß


    Andreas S.