Magst nach Magsthausen?

  • Heute möchte ich einen neuen Thread anfangen über eines meiner Bauprojekte.


    Die Magst ist ein kleiner Fluss, der in einem weiten Tal fließt, in dem auch eine Nebenbahn fährt. Fotographisch sehr reizvoll ist die Strecke bei der Ortsdurchfahrt von Magsthausen, wo sich das Gleis eng an den Gebäuden vorbei schlängelt. Für die Lokomotivführer nicht immer angenehm, denn so mancher Autofahrer oder Traktorfahrer meint, dass der Zug für ihn halten müsse. "Die siehn mich doch!"
    Der Kenner der fränkischen Eisenbahnlandschaft bzw. Liebhaber der V80 wird die Fotos sofort mit der Ortsdurchfahrt Mühlhausen gleichsetzen. Und Recht hat er oder sie! Die Strecke wird liebevoll und sehenswert dokumentiert .


    Betrieb
    Eine Ortsdurchfahrt ist immer ein reizvolles Thema. Aber 2-Modulmeter in einem Ort, ohne Betriebsstelle, das geht nicht. Da wir bei den FREMO-Treffen immer wieder gerne den Milchverkehr nachspielen und aufgrund des Eisenbahn-Journals 11/2010 habe ich mich entschlossen, eine kleine Molkerei in dem Ort anzusiedeln, weswegen das Ganze in Magsthausen umgetauft wurde und die Strecke ja auch die Magstbahn ist.
    Google sei dank, fand ich ein Vorbild, das auch einen Bahnanschluss hat, die Molkerei Lauterbach in Hessen, bekannt durch die Reklame mit dem kleinen Strolch.


    Planung Teil 2
    Ich habe verschiedene Zeichnungen gemacht und das Modell auch schon im Rohbau z.B. in Krumbach dabei gehabt, was Jürgen dankenswerterweise dokumentiert hat.


    Bilder im Internet zeigen, dass zu einer richtigen Molkerei auch immer ein Heizhaus gehört, was den angenehmen Nebeneffekt hat, dass die Palette der Frachten vergrößert wird. Leider wurde nur selten das Heizhaus fotografisch festgehalten. Beim Googlen fand ich zwei interessante Gebäude u.a. die Molkerei in Rudwangen im Kreis Sehesten, auch ein anderes Heizhaus hätte mich gereizt, aber es erschien mir zu groß, denn der Platz ist, wie immer, begrenzt. So habe ich durch den Wegfall des Anbaus der Lauterbacher Molkerei und Verschieben des Molkereigebäudes genug Platz geschaffen, ein Kohlelager hinzuzufügen und das Ganze ziemlich glaubhaft zu machen. Denn das Anschlussgleis hat Platz für 3 Güterwagen der Verbands- bzw. Austauschbauart.


    Das Molkereigebäude habe ich noch einmal gezeichnet (siehe Datei-Anhänge) und begonnen zu bauen.


    Das Heizhaus ist noch im Entwurfsstadium und muss noch mit den Ziegeln durchgezeichnet werden. Für den Schornstein überlege ich den von Auhagen zu nehmen, auch wenn der mit 38 cm ganz schön monumental zu sein scheint, für solch eine kleine Molkerei.
    Gebaut wird wieder in meiner gewohnten Papier- u. Kartonbauweise. Für das Dach überlege ich Dachziegelplatten von Kibri zu benutzen und zwar die Falzziegel, da ich genug Biberschwanzziegel auf den umliegenden Gebäuden verteilen werde.
    Bilder folgen.


    Gruß


    Andreas S.

  • Wunderbar, dass Du hier über Dein Molkereimodul berichtest, Andreas. Ich hatte ja schon das Vergnügen, über das im Bau befindliche Modul zu fahren und einen Milchwagen abzuholen. Schön wäre es auch, wenn Du an einem der Gebäude Deine Papier-Schichtbauweise der Leserschaft ein wenig näher brächtest.


    Gruß nach Krumbach
    Rainer :thumbup:

    Kleinreuth-Nord-Logo-supersmall.jpg


    Christopher La Brec: Jeder Mensch verfolgt einen Traum in seinem Leben. Entweder den eigenen oder den eines anderen. Gib acht, das Du Deinen eigenen verfolgst.

  • Gestern habe ich es versäumt, den Modulplan mitzugeben, was ich hiermit im Datei-Anhang tue.


    Außerdem habe ich ein Datenblatt entworfen, womit dem Arrangementplaner und dem Fahrplangestalter mitgeteilt wird, wie groß das Modul ist, welche Besonderheiten es hat und welcher Betrieb dort abgewickelt wird. Leider ist das .pdf-File mit 263 kB zu groß zum Hochladen, weswegen ich es hier händisch übertrage:


    Anschluss Molkerei Magsthausen Mmh
    Eigentümer:Andreas S.
    Die Module bilden die Ortsdurchfahrt Mühlhausen an der Strecke Frensdorf – Schlüsselfeld nach, die um den Anschluss einer kleinen mittelständischen Molkerei ergänzt wurde.
    Die Weiche kann nur mit RP25 oder fine-Radsätzen befahren werden.


    Prinzipskizze (s. Datei-Anhang)


    Gleis Nutzlänge in H0meter (cm)
    Anschluss Molkerei 4,8 (= 40 cm)
    Kohlenlagerplatz 10,0 (= 12 cm)
    Rampengleis 24,4 (= 28 cm)
    Es können maximal 3 Güterwagen gleichzeitig im Anschlussgleis stehen.


    Sicherung der Fahrwege
    Das Anschlussgleis ist durch eine Gleissperre gesichert.
    Die Bahnübergänge im Ort sind durch Andreas-Kreuze gesichert. Läute- u. Pfeiftafeln sind aufgestellt. Die Geschwindigkeit ist auf 20 km/h begrenzt.


    Personenverkehr
    Keiner.


    Güterverkehr
    Die Anlieferung erfolgt in den Abendstunden, nach dem abendlichen Melken, das i.d.R. ab 17:00 stattfand. Dazu wurden (umgebaute) G 10 und G 20 Wagen verwendet.
    Die Molkerei verfügt über ein eigenes Heizhaus, das mit Kohlefeuerung betrieben wird.
    Besonderheit:
    Die Güterwagen für die Anlieferung Material bzw. Abfuhr von Fertigprodukten müssen wieder abgeholt sein, bevor abends die Milchwagen kommen oder dabei abgeholt werden, damit die Gleiskapazität für die Milchwagen vorhanden ist.


    Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag
    Verpackungsmaterial 1 an 1 an
    Milchprodukte 1ab 1 ab
    Kohle 1 an 1 an
    Milch (abends) 3-6 an 3-6 an 3-6 an 3-6 an 3-6 an


    So viel zu den Vital Facts. Dann geht es ans bauen.


    Gruß


    Andreas S.

  • Heute möchte ich den Faden von Magsthausen weiter spinnen.


    Das wichtigste Gebäude aus Sicht des Betriebsbahners ist die Betriebsstelle. Es ist das Anschlussgleis zu einer Molkerei.
    Im FREMO-Süd wollen wir einen typischen nebenbahnigen Verkehr nachstellen. Mit den BRAWA-Wagen kam die Idee auf, den Milchverkehr nachzubilden.
    Der Verkehr von Bahnhof zu Schattenbahnhof ist ja schön und recht, was fehlte, war ein mittelständischer Milch verarbeitender Betrieb, der sich auf dem Lande angesiedelt hatte.


    Die Molkerei generiert eine Menge Frachten:
    im Empfang: Rohmilch, Verpackungsmaterial, Zutaten wie Obst, Kohle zum Beheizen der Anlage.
    Im Versand: Fertigprodukte in Kühlwagen.


    Dörfliche Molkereien sind laut Funde im Internet sehr verbreitet gewesen. Mein Vorbild liegt in Hessen und lag an einem Industrie-Stammgleis.
    Ich bin ja ein Papierbauer, es ist günstig, vielseitig verwendbar, leicht verarbeitbar und man kann die Vorzeichnung mit Hilfe eines Druckers aufbringen, und dann ausschneiden.

    Rohbau

    Mit dem CAD-Zeichnung wird das Gebäude gezeichnet und dann die verschiedenen Schichten der Wand auf verschiedene Blätter Tonpapier gedruckt. Ich habe ein Blatt für die Außenmauer, das auf Pappe aufgezogen wird. Dann wird die Schicht Blendrahmen ausgeschnitten, dann der Innenrahmen u.s.w. Die ausgeschnittenen Schichten werden aufeinander geklebt. Als Glas verwende ich Overhead-Projektor-Folie. Die Metallgitter der Industriefenster habe ich gleich aufgedruckt, denn das auszuschneiden ist sogar mir zuviel.

    Durch die Schichten ergibt sich dann eine gewisse Wandstärke.
    Dann werden die Wandteile zusammen geklebt.

    Die Dachgauben habe ich aus dem Fenster und den Wandteilen aus stärkerer Pappe zusammen gesetzt. Sie werden nun auf den Rohbau gesetzt,

    bevor das Dach und seine Teile montiert werden können.

    Man kann schon an den Dachziegel erkennen, dass sie farblich vorbehandelt wurden. Die Platte ist von Auhagen.


    Die Schichten-Technik lässt die Bauteile sehr plastisch werden. Natürlich steckt da Schneidearbeit drin, aber ich lasse mir Zeit, die Mittel sind einfach (Tonpapier, Stahllineal, Cutter, Klebstoff), die Technik auch (einfach schneiden). Hier noch der Bau einer Tür:
    Modell auf dem Modul


    Die Wände werden am Schluss "verputzt", wozu ich Hobbyline-Acryl-Farben
    gerne verwende. Die äußerste Papierschichte wird in der Farbe des
    späteren Putzes gewählt. Weiß hat sich als schlecht herausgestellt, da
    es so stark hervorsticht, wenn irgendwo die Farbe nicht deckend war. Die
    Gebäude altere ich mit Pudern, die ich mit einem
    Wasser-Spiritus-Gemisch auftrage. Das Heizhaus ist teilweise mit Auhagen-Bauplatten gebaut, der Schornstein ist der von Auhagen. Sicherlich der beste Schornstein auf dem Markt. Die Milchkannen habe ich letzthin von Busch gekauft. Die müssen noch verfeinert werden, bevor sie platziert werden. Demnächst mehr .

  • Hallo Andreas,


    meine Hochachtung und Respekt vor dieser Gedultsarbeit! Dieses Gebäude wäre ja ein klassischer Fall für eine Herstellung auf einem Laser oder einer Fräse, daher gehört schon ordentlich Ausdauer dazu, dass per Hand anzufertigen! Toll! :thumbup:

  • Hallo Robert,
    vielen Dank für Dein Lob.
    Vor einigen Jahren habe ich mich auch mit Fräsen und Lasern gedanklich beschäftigt, aber bin zum Papierschneiden übergegangen, da ich die Materialien und ihre Stärken selber auswählen kann und nicht von technischen Vorgaben abhängig bin.
    Neben der Scheune, die direkt am Gleis steht hat es mir beim Vorbild die Häuserzeile angetan. 8o


    Ich will das ganze Ensemble nicht sklavisch nachbauen, aber ...
    Das Foto der Modelle ist aus der anderen Richtung:

    Im vorderen Haus sind die Fenster an der Traufseite noch nicht alles fest eingeklebt. Auf der rechten Giebelseite sieht man schon die Lisenen an der Ecke, die die Klebestelle tarnen und auch die Lisenen der Fenster sind schon aufgeklebt. Der Giebel der Scheune ist mit CAD gezeichnet. Das Steinmaß beträgt 24 x 12 x 6,5 cm, es ist das alte Normmaß für Ziegelsteine, auch Reichsformat genannt, da um 1871 von der Ziegelindustrie eingeführt. Mit 1 cm vertikale Fuge ergeben 4 Steine einen Meter.
    Die Lisenen werden auch wieder schichtenweise aufeinander geklebt, da mir das Anfertigen einer Form und abgießen zu mühsam erscheint.
    Es sind zwei Teile auszuschneiden. Haarklammer sind wunderbare Hilfsmittel zu Fixieren von Klebungen.

    Jetzt ein Blick auf das fertige Gebäude, das man im Modellfoto hinten sieht, das beim Originalfoto das erste Haus der Zeile ist.

    Das Gebäude wurde mit Hobbyline Acryl-Farben "verputzt" und mit Pudern und Spiritus-Wasser-Beize gealtert (BW-Schmutz, Schmutz, Moosgrün). Das Dach ist die Kibri-Bauplatte, da dies ein altes Biberschwanz-Dach darstellen kann. Allerdings wurde in Franken früher gar nicht so häufig der Rundschnitt verbaut, sondern der Segmentschnitt, d.h. der Bogen ist nicht so tief. Der Schornstein ist übrigens aus Pappe gebaut.
    Die Scheunen sind aufwendig zu bauen, da ihr Grundriss ein Paralellogramm darstellt. Die Wände bestehen aus Graupappe, die mit Papier beklebt sind, auf denen die Bauelemente aufgezeichnet sind.
    Wie man sieht habe ich für den Dachstuhl hier echtes Holz verwendet. Auch hier wird auf die vordere Ecke noch eine Lisene geklebt werden.
    Die Dachdeckung erfolgte bei der linken Scheune mit der früher beliebten Biberschwanzform Wappenform. Nachdem der Laserer immer noch nicht geliefert hat, habe ich die Biberschwänze mit der Hand ausgeschnitten, natürlich nicht einzeln, sondern immer eine ganze Reihe.
    Nebenbei kann man noch sehen, wie ich die Straßen baue. Straßenoberfläche schleifen, Untergrund ist Hartschaum, anmalen mit Asphaltgrund, und die Randsteine gravieren. Danach werden sie mit Acrylfarbe angemalt. Inzwischen gebe ich nicht mehr immer Rainershagener Naturals mehr dazu, da das Ganze sonst zu körperhaft wird, für den Maßstab 1:87. In einem zweiten Gang, habe ich die Steine noch etwas feiner bemalt. Könnt ihr ja in Krumbach begutachten.

    Auch die Dachziegel erhalten noch einen Anstrich mit der Hobbyline-Acrylfarbe. Zum Abschluss werden sie noch gealtert, mit der bekannten Methode. Die Ziegel falten sich zwar hoch, wenn sie nass sind, ziehen sich dann aber wieder gerade, wenn die Beize ablüftet. Danach wird das Dach immer trocken abgebürstet.


    Der Putz an der rechten Seite ist übrigens Fugenbunt, das ich normalerweise für das Gelände verwende.


    @ Holger: Du siehst, es geht weiter in Magsthausen :thumbup:

  • Der Tipp mit dem "Fugenbunt" ist ja sehr interessant. Gibt es dazu Erfahrungen, wie das auf Kunststoffen, z.B. Polystyrol, haftet?

  • Hallo Andreas


    Wirklich klasse, was Du hier zeigst. Erinnert mich sehr an meine Anfänge beim Bau von Ondrup, wo ich auch als erstes das fürs Münsterland sehr untypisch verputzte Gebäude darstellen musste. Dabei habe ich mich der selben Technik wie du bedient (oder hat da etwa mal jemand meinen Blog gut gelesen? ;) ). Die Ergebnisse sind verblüffend. Es ist auch erstaunlich, wie genau man mit Lineal und Cuttermesser/Skalpell arbeiten kann.


    Bei mir das das damals (herrje, 4 1/2 Jahre her) so aus:


    Krumbach ist mir nun etwas weit, um das Endergebnis selbst begutachten zu können, daher freue ich mich das hier zu sehen.


    Patrick

  • Moin

    Zitat

    "Fugenbunt" ist ja sehr interessant. Gibt es dazu Erfahrungen,

    meine Erfahrungen sind nicht gut, die Masse ist zu "unflexibel" und haftet nicht überall dauerhaft.
    Es gibt heute bessere Materialien, vor allem aus dem Künstlerbedarf. Ein Stichwort: Die Welt der Strukturpasten.


    eine Meinung; und: jeder so wie er möchte


    meint Friedrich

  • Hallo Andreas,
    hallo Friedrich,


    ich nehme das Fugenbunt nicht einfach so aus dem Beutel, denn dann würde es schlecht haften. (Alte Rainershagener Schule)


    Ich mische bei Knauf-Produkt caramel und Schoko 3:1 und dann gebe ich noch:

    • Micro-Balloons dazu (Quelle auf ebay dort 5-l-Eimer ca.25€ von Firma HP-Textiles, www.hp-textiles.com, info@hp-textiles.com), dadurch bleibt die Masse länger feucht, was auch beim Wiederanfeuchten zum Begrasen sehr praktisch ist.
    • 1:8 verdünntes Latex, denn dann bleibt die Masse elastischer und platzt nicht vom Kunststoff ab. Ich arbeite ja auch mit Hartschaumplatten als Untergrund, wo die Haftungsprobleme ähnlich sind. Wenn das Fugenbunt seine hydraulische Fähigkeit verloren hat (= überlagert), reicht auch 1:5 verdünntes Latex.

    Für Putz könnte man das auch ohne Microballoons probieren, aber es ist eh schon drin.


    Was mir auf jeden Fall gefällt, ist dass die Oberfläche beim Fugenbunt sehr fein ist. Rauheren Putz könnte man durch Tupfen mit dem Pinsel erreichen oder durch Zugabe gröberen Materials.


    Gruß


    Andreas


    PS


    Hallo Patrick,
    Dein Gebäude sieht beeindruckend aus. Wie sieht es jetzt aus, ist es auf Deiner Website/Blog zu sehen?
    Ja, Messer, Lineal und Papier und man kann wunderbar arbeiten. Lasern lohnt sich in der Regel doch nur dann, wenn man verkaufen will oder eine Vielzahl gleicher Teile braucht.


    Andreas

  • Hallo Andreas,


    coole Gebäude.


    Was eine Molkerei angeht: ich habe die Molkerei von Kemnade (liegt an der VEE - und war auch mal in der engeren Auswahl für meinen VEE-Bahnhof, ist letztlich aber an der zu geringen Anschließerzahl - die Molkerei hat keinen Bahnanschluss - gescheitert...) fotografiert - ich suche die Bilder mal raus. Allerdings zeigen sie den den jetzigen und trostlosen Zustand - das Heizhaus kann man allerdings noch erkennen...


    Grüße aus H0-Kirchbrak,
    Erik

  • Hallo Modellbahnfreunde,


    es geht weiter in Magsthausen. Das nächste Objekt an der Bahnstrecke, dem ich mich widme, ist eine Scheune:

    Eine spannende Aufgabe, denn die Seitenwand ist aus Sandsteinquadern aufgebaut, die teilweise mit einem Lehmputz versehen wurden, der jetzt aber abblättern. Die Fugen sind nicht mehr gepflegt und stehen weit offen.
    Das Dach scheint ein Spließdach zu sein. Die Segmentschnittziegel sind iübereinander gesetzt und noch nicht auf Versatz verlegt.


    Es wurde wieder eine Zeichnung erstellt und diese auf hellbraunes Tonpapier ausgedruckt, auf Graupappe geklebt. Danach wurden die Teile ausgeschnitten und zusammengeklebt.

    Da es diese Dachdeckung von keinem Hersteller gibt, bleibt wieder mal nur der Selbstbau. In das Gebäude wurden also wieder Sparren eingeklebt. Zur Stabilisierung erhielten sie Abstandshalter.
    Anschließend wurden die Fugen der Sandsteinquader eingeritzt. Die horizontalen Fugen werden an einem Stahllineal gezogen. Die Quaderhöhe entnahm ich dem Katalog des Fränkischen Freilandmuseums, etwa 40 cm. Die senkrechten Fugen wurden Freihand eingeritzt. Als Instrument dient mir eine stumpfe Reißnadel.
    Der östliche Giebel ist noch Fachwerk, der westliche wurde bereits versteinert.

    Also habe ich einen zweiten Ausdruck erstellt, und die Ausfachungen ausgeschnitten und auf die Gefache geklebt.
    In den nächsten Tagen werde ich das Fachwerk ausmalen und dann Fugenbunt als Verputz auftragen.
    Die ersten Gehversuche mit dem Lehmputz für die Wand sieht man schon. Gerade habe ich die ersten Sandsteinquader mit Steinfarbe angemalt.


    Gruß
    Andreas

  • Hallo Andreas!


    Was ist ein Spließdach?
    Was ich auf dem Foto des Vorbilds sehe sind am rechten Rand Bieberschwänze. Die sind auch überlappend ("doppelt") gelegt.
    In der Mitte sind das Formziegel mit eingearbeitetem Rand?
    Es ist auch nichts ungewöhnliches verschiedene Dachziegelarten auf dem gleichen Dach zu sehen. Als wir damals unser Haus gekauft haben, lagen auf dem Scheunendach 3 verschiedene Arten Dachziegeln plus noch Blechflicken um die Lücken zu überbrücken.
    Die Blechflicken übrigens genau die, die für die Ausbesserung von O Wagen mit Bretterwänden verwendet wurden.

  • Spließdach ;)


    Die Scheune auf dem Bild von Andreas hat durchgängig eine Biberschwanz-Einfachdeckung. Links sehen wir vorwiegend einen geraden Schnitt, rechts wurde, wahrscheinlich im Zuge einer Umdeckung, mit Rundschnitt (teils möglicherweise auch Segmentschnitt; man erkennt das nicht genau) ergänzt. Am First ist eine Reihe in Kronendeckung verlegt (also: Ziegel zweilagig auf einer Latte, versetzter Stoß). Die Kronen scheinen durchgehend Rund-/Segmentschnitt aufzuweisen.


    Interessant sind die verschiedenen Flick- und Fehlstellen. Besonders rechts im unteren Drittel wird's richtig bunt: warum genau man hier mit offenbar recht neuen Ziegeln anderer Größe geflickt hat, weiß ich nicht. Man hat aber teils ordentlich "schnitzen" müssen, damit sich das in der Breite noch ausgeht. Das im Modell nachzubilden wird sicher eine undankbare Aufgabe. Bei der achten Reihe von unten vermute ich, dass die Dachlatte gebrochen oder weggefault ist - die Biber rutschen dann nach unten durch. Sieht man recht oft bei alten Gebäuden.


    Die hellen, ein bis zwei Ziegel breiten Stellen mögen Blech sein. Es mag aber auch sein, dass man dort mit eingesteckten Glasscheiben den Versuch unternommen hat, etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Auch das sieht man öfter mal.


    Schönes Projekt, Andreas! :aok:


    Grüße!
    B.

    Den wahren Freund erkennt man in der Not. (Cicero)

  • Hi Eberhart,
    Boscho hat den Sachverhalt im Prinzip geklärt.
    Das Spließdach ist für Gebäude untergeordneter Bedeutung, z.B. Scheunen oder Schuppen, da das Dach keinen ausreichenden Schutz gegen das Eindringen von Wasser und Schnee bietet. Die "Fuge" zwischen den Dachziegeln wird nicht ausreichend geschlossen. Eine Besserung soll der Spließ bringen, ein 34 cm langes, 5 cm breites und 3-5 mm dickes Brettchen, das das eingedrungene Wasser aufnehmen und es auf die darunterliegende Dachziegelreihe leitensoll.
    Hier jetzt die scheppsen Häuser im Modul eingebaut. :D
    Sehe gerade, dass die Regenrinne am vorderen Haus wieder befestigt werden muss.
    Und noch Bilder von der Gesamtsituation. Man sieht auch den Standort der Scheune.

    Das Haus davor ist noch im Bau, wie man am sauberen Dach erkennen kann.

    An der Scheune hab ich die ersten Experiment mit Sandstein getätigt.

    Gruß
    Andreas

    Einmal editiert, zuletzt von Andreas S () aus folgendem Grund: Info zu Spließdach eingefügt.

  • Hier jetzt die scheppsen Häuser im Modul eingebaut. :D
    Sehe gerade, dass die Regenrinne am vorderen Haus wieder befestigt werden muss.


    "Sakra, da legst di nieder", würde der Oberbayer sagen, als Franke drängt es mich zum allerhöchsten fränkischen Lob: "Passt scho!"
    Andreas, bei mir würde sogar die herunterhängende Dachrinne als authentisch durchgehen. :sehrgut:


    Gruß Rainer :thumbup:

    Kleinreuth-Nord-Logo-supersmall.jpg


    Christopher La Brec: Jeder Mensch verfolgt einen Traum in seinem Leben. Entweder den eigenen oder den eines anderen. Gib acht, das Du Deinen eigenen verfolgst.

  • Hallo Andreas,


    dein Sandsteingebäude überzeugt durchaus - vielleicht sollte ich mein Sägewerksgebäude <Gebäude: Holzwerk Kirchbrak> doch noch mal überdenken (das liegt jetzt schon eine ganze Weile unbearbeitet rum). Hast du Erfahrungen mit ungleichmäßigen Fugen, d.h. Fugen, die man nicht einfach mit einem Stahllineal ziehen kann? Und noch was: wie gestaltest du deine Ecken so, dass man die Fuge nicht sieht?


    Übrigens hätte ich die runterhängende Regenrinne auch nicht bemängelt - so was gibt es durchaus mal...


    Grüße aus H0-Kirchbrak,
    Erik