Wie Rangiert man mit ellenlangen Auslauf?

    • Als relativ neuer User in diesem Forum weiß ich nicht, wie beliebt (oder eben nicht) es ist, alte Themen hochzuholen. Auch wenn in diesem Jahr schon einiges hier gepostet wurde, so hat es sich doch weit von der ursprünglich von Lutz K gestellten Frage entfernt : Wie Rangiert man mit ellenlangem Auslauf? Und auf diese Frage würde ich gerne eingehen.

      Ich beziehe mich auf das allererste von Lutz eingestellte Video, indem der Kommentator seinen Throttle erklärt. Diese hat drei Regelfunktionen: Regler, Richtungsumschalter und Bremse. Diese Dreifaltigkeit ist leider (zumindest habe ich den Eindruck) in der Diskussion völlig hinten runter gefallen.

      Und die Bremse ist der nämlich der Clou des Ganzen. Die Beeinflussung der Fahrgeschwindigkeit geschieht bei den hierzulande üblichen Reglern ausschließlich über den Reglerknopf: Regler aufdrehen = schneller, Regler zurückdrehen = langsamer, bis zum Halt.
      So funktionieren Vorbildloks nicht. Wenn man bei einer „richtigen“ Lokomotive den Regler schließt, fährt sie – zumindest in der Ebene - einfach so weiter wie bisher. Das Beharrungsvermögen des Zuges ist so groß, dass er sogar den Luftwiderstand lange überwinden kann und kilometerlang weiterfährt und dabei nur allmählich langsamer wird.
      Wenn der Tf eine schnellere Verlangsamung oder gar einen alsbaldigen Halt erreichen will, betätigt er die Bremse, was sonst. Und genau so macht es der US-Bahner im ersten Video dieses Stranges. Und deswegen ist der „Auslauf“ seiner Lok auch nicht ellenlang, sondern von ihm direkt beeinflussbar. Das Video zeigt er sehr genau seine Zielbremsungen, die auch nicht besonders zeitaufwändig sind.

      Wir versuchen unsere Modellbahn so realistisch wie möglich zu gestalten und – zumindest im FREMO und auch in meinem Keller – so realistisch wie möglich zu betreiben. Selbst unseren Stellwerke versuchen wir die Haptik und Anmutung der des Vorbildes beizubringen. Und dann bedienen wir unsere Loks wie ein Spielzeug – völlig unrealistisch. Da ist meines Erachtens die Entwicklungsaufgabe der kommenden Jahre in unserem Hobby.

      In meinem Buch „Die Braunlage-Andreasberger Eisenbahn“, das kürzlich erschienen ist, habe ich die Idee eines realistischen Reglers vorgestellt, der die Bedienung der Modelllok sehr derjenigen einer Vorbildlok annähert. Dieser Regler hat – wie die des US-Bahners im Video – drei Bedienelemente: Regler, Richtungsumschalter und Bremse. In der Dampflokversion ist der Regler auch kein Drehknopf, sondern ein Schieberegler, was die Bedienung etwas dampflokmäßiger macht.
      Das Entscheidende ist, dass das Rückstellen des Reglers auf Null, besser gesagt also das Schließen des Reglers, keine wesentliche Verringerung der Geschwindigkeit bewirkt. Die wird erst durch Betätigung der Bremse bewirkt.
      Und damit es noch vorbildentsprechender wird, hat der Bremshebel drei Positionen: Bremsen, Abschluss und Lösen. In der Stellung Bremsen erhöht sich die Bremswirkung stetig, in der Stellung Lösen verringert sich die Bremswirkung, in der Stellung Abschluss (die durch Loslassen des Hebels eintritt) bleibt die aktuelle Bremsverzögerung erhalten. Das ist schon recht nah am Bremsverhalten einer Vorbildlok.

      Mit einem solchen Regler hat eine Lok also keinen „ellenlangen“ oder sonstwie definierten Auslauf, sondern einen (fast) unbegrenzten. Andererseits kann dieser durch Bremsen in fast beliebiger Weise verkürzt werden. Deshalb können auch Zielbremsungen durchgeführt werden.

      Mein wunderbarer Regler hat nur einen Schönheitsfehler: Es gibt ihn (noch) nicht, er ist ein Wunschtraum von mir. Und da ich kein Elektroniker bin, kann ich auch keinen Schaltplan vorlegen, wie er herzustellen wäre. Das müssen die entsprechenden Fachleute und Koryphäen tun.

      Mit diesem Beitrag würde ich den Strang gerne auf die Eingangsfrage zurückbringen und würde mich freuen, wenn ein paar Leute in diese Richtung mitdenken würden. Es geht darum, den letzten Spielzeugbereich unseres wunderbaren Hobbys zu überwinden.


      Grüße vom Ostrand des Ruhrgebietes

      Otto (OOK)
      Alle meine bahn- und modellbahn-relevanten Seiten (und auch ein Kontaktformular) findet man hier: ferrook-aril.jimdo.com/
    • Hallo Otto,

      ja dann hättest Du mich in Unna mal ansprechen sollen. Ich habe Dich zwar gesehen, wusste aber zu der Zeit nicht wer du bist.
      Du hättest von mir eine Lok:





      Und einen "KPEV"-Fredi:

      In die Hand gedrückt bekommen.
      Dann hättest Du Dich in der Betriebspause mal mit Auslauf und Bremsen probieren können.
      Durch Functionmapping sind die Tasten so belegt worden:
      - f0 = Licht, wobei hier gemäß Rule 17 automatisch aufgeblendet wird sobald sich die Lok in Bewegung setzt
      - f1 = Glocke
      - f2 = Pfeife lang
      - f3 = Pfreife kurz
      - f4 = Bremse
      - f5 = Steuerung auslegen
      - f6 = Steuerung zurücknehmen
      - f7 = Gimmick Schaffnerruf: "All aboard!" und Wagentüren schlagen
      - f8 = Mute
      Es ginge noch viel mehr, aber die Möglichkeiten des Fredis sind nun einmal begrenzt und bei dem gezeigten Fredi sind f5 bis f8 nur umständlich mit der Schifttaste zu erreichen.
      Ansonsten lässt es sich mit diesen Einstellungen genauso fahren wie es im Video beim Anfangsbeitrag gezeigt wurde.
      Die Lok hat bei Höchstgeschwindigkeit einen "Auslauf" von etwa 1,20m, der sich nach Betätigen der Bremstaste auf knapp 20cm reduziert.
      Übrigens, die rote Nothalttaste funktioniert beim Fredi nicht wenn der Regler geschlossen ist. Hier hilft dann nur Umpolen der Fahrtrichtung mit dem Kippschalter, was dann zuverlässig einen Nothalt auslöst.

      Gelebte Fremo Realität bei der Southwest Division.
      Mit freundlichen Grüssen

      Lutz
    • Hallo Otto,

      das Wiederbeleben dieses Themas finde ich gut, auch weil ich in der Zwischenzeit für eines meiner Lokmodelle eine Lösung gefunden habe, die das von Dir aufgezeigte Ziel wenigstens teilweise erreicht. Begonnen hat das vor Jahrzehnten noch zu Analog-Zeiten mit einem Fahrpult aus englischer Produktion (digitol), mit dem man sowohl die Beschleunigung als auch die Bremsverzögerung stufenlos regeln konnte.

      Die Decoder meiner Loks habe ich in der Folge über die CVs 3 und 4 immer mit einer fest eingestellten Beschleunigung und Verzögerung versehen. Mehr war nicht möglich, und es war letztlich eine Verschlechterung gegenüber dem Analog-Fahrpult. Die sonstigen Vorteile des Digitalbetriebs wie bessere Kontaktgabe durch konstante Gleisspannung, keine abschalt- oder umschaltbaren Gleisabschnitte mehr und Entfall der damit verbundenen Bedienungsfehler, die Nutzung von Sonderfunktionen und Fahrgeräuschen überwogen bei weitem.

      Sehr hilfreich war dabei die die fremo-interne Entwicklung des Fred von Stefan und Martin. Für meine Begriffe ein Geburtsfehler war jedoch die Empfehlung einer direkten Geschwindigkeitsabhängigkeit von der Reglerstellung ohne im Decoder hinterlegte Beschleunigung und Verzögerung. In der Folge entwickelte sich leider eine Carrera-Bahn-mäßige Fahrweise, die mit Modellbahn recht wenig zu tun hat, insbesondere bei Rangierfahrten, was mir das Zuschauen ziemlich verleidet. Häufig gehörte Begründung: Der Fahrplan verlangt das; wir fahren mit Zeitverkürzung. Hier ist es halt wie im richtigen Leben: Der Fahrplanmacher verwendet die Zeitelemente, die tatsächlich gefahren werden und wenn dabei dreimal die zulässige Geschwindigkeit überschritten wird.

      Seit ich digital fahre, bekommt jede Lok ihren eigenen Regler. Wenn man mit einem Beschleunigungwert nach CV 3 fahren will, sollte man wählen können, bei welcher Geschwindigkeit die Beschleunigung zu Ende sein soll. Das geht mit Geschwindigkeitsmarken auf dem Reglerknopf, deren Position mittel Tachowagen ermittelt worden ist. Und da jede Lok mechanisch anders ist, braucht man eben so viele Regler, wie man Loks betreiben will. Ein Vorteil der gezielten Beschleunigung: Sobald der Regler auf der Zielgeschwindigkeit steht, kann man die Position zur nächsten Buchse wechseln - die Beschleunigung läuft weiter. Wer braucht da noch einen Funkregler? Ein Nachteil der fest eingestellten Beschleunigung ist, dass man nicht zwischen Lokleerfahrt und schwerem Zug unterscheiden kann (das geht mit meinen Möglichkeiten allenfalls akustisch). Eine saubere Anfahrt mit direkter Regelung ist zwar machbar, erfordert aber sehr viel Konzentration und bei Buchsenwechsel wird die Beschleunigung unterbrochen.

      Nun zum Bremsen. Auch hier habe ich bislang immer einen festen Wert in CV4 eingestellt, und zwar etwa 1 m Bremsweg aus 40 km/h. Bei niedrigeren oder höheren Geschwindigkeiten ergeben sich dann entsprechend kürzere oder längere Bremswege, die auch von Lok zu Lok verschieden sind. Damit der Gelegenheitslokführer trotzdem weiß, was ihn erwartet, bekommt der Regler eine auf Messwerten basierende Tabelle der Bremswege aufgeklebt.

      Mit diesen Einstellungen kann man zwar einigermaßen vorbildnah Modellbahnbetrieb machen, aber von den vier Phasen eines Fahrspiels Anfahren, Beharrungsfahrt, Auslauf und Bremsen fehlt immer noch der Auslauf.

      Seit einigen Jahrzehnten lag eine teilmontierte Roco BR 74 in meiner Bastelkiste. Sie hatte bereits einen Fauli, maßstäbliche Radsätze von Prkenny und etwas zusammengeschobene Zylinder, sogar ein zweites Gehäuse war vorhanden, um die Belpaire-ähnlichen Beulen vor dem Führerhaus zu entfernen. Ich nutzte schließlich einen ESU-Decoder und den Sound der BR 94, um die Lok für den Betrieb fertig zu machen. ESU ermöglicht eine sogenannte dynamische Bremse. Bei deren Betätigung wird der eingetragene Wert von CV 4 auf die Hälfte reduziert. Bei der BR 74 passte es gerade so, dass bei maximalem Wert von CV 4 (255) und auf 50 km/h begrenzter Vmax mein Standardbremsweg von 1 m aus 40 km/h zustande kommt. Damit zu fahren macht einen Riesen-Spass, wenn die unterschiedlichen Phasen des Fahrspiels auch akustisch passend untermalt sind. Man beschleunigt relativ lautstark bis zur gewählten Geschwindigkeit, danach folgt die leisere Beharrungsfahrt, man schließt den Regler (leises Schnuffeln), das Tempo reduziert sich etwas und schließlich das Bremsen, untermalt mit passenden Druckluftgeräuschen. Hat man zu früh gebremst, kann man zwischendurch natürlich auch wieder lösen.

      Leider bin ich mit den Ergebnissen bei einer anderen Lok, dem bayrischen Glaskasten von Trix nicht so zufrieden, hier fällt der Bremsweg entweder im Vergleich zum Auslauf zu lang oder bei passendem Bremsweg der Auslauf zu kurz aus. Eine parametrierbare Einstellung für die dynamische Bremse müsste eigentlich bei jeder mechanischen Konfiguration zu brauchbaren Ergebnissen führen, gibt es aber bei ESU derzeit leider nicht.

      Noch etwas zur Tastenbelegung: Die ist bei mir einheitlich und für jeden Gelegenheitslokführer per Aufkleber ersichtlich:
      F0 Geräusch an/aus
      F1 Licht vorne
      F2 licht hinten
      F3 Pfeife
      F4 Pfeife kurz, bei BR 74 (dynamische) Bremse
      F5 Läutewerk (optional)
      F6 Luftpumpe
      F7 Schlusslicht richtungsabhängig (optional)
      F8 frei

      Mit dem Lokprogrammer von ESU kann man das ziemlich bequem so einstellen. Geräusche, die mit dem Fahrgeräusch und diesen Sonderfunktionen nichts zu tun haben, werden gelöscht, um die Ladezeit der Soundprojekte zu verkürzen.

      Gruß
      Johannes

      Noch ein Nachtrag: Ein Link zu einem älteren Beitrag bei DSO, in dem die Fotos der beklebten Freds noch sichtbar sind: drehscheibe-online.de/foren/re…31404,6931404#msg-6931404

      Zu dieser Zeit hatte ich die Bremswegtabellen noch nicht aufgeklebt. Obwohl es inzwischen Fredis mit ausreichend vielen Funktionstasten gibt, habe ich für die BR 74 mit der F4-Tasten-Bremse doch lieber einen Uhlenbrock-Fred genommen, weil dort die Funktionen optisch rückgemeldet werden. Das heißt, ich weiß über die Rückmeldung, ob die Bremse angelegt ist oder nicht. Wenn man, um sauber heranzufahren, mehrmals bremst und löst, weiß man ohne Rückmeldung nicht mehr, wie der aktuelle Status ist.

      Nachdem ich die Roco-Lok der BR 74 nach den oben beschriebenen Maßnahmen in Betrieb genommen hatte, fuhr sie mit ihrem starren Fahrwerk nur sehr unwillig mit knurrendem Getriebegeräusch durch Überhöhungsrampen, aber auch ungewollte Gleisverwindungen und hat bei dieser und anderen Gelegenheiten gerne mal die Stromabnahme verweigert. Also habe ich mich an Lutz' Beiträge zum Thema Dreipunktlagerung bei Lokomotiven erinnert und ich muß sagen, es war gar nicht so schwer, die Lok, deren Zahnradgetriebe nur auf den Radsatz A wirkt, entsprechend herzurichten - noch nicht mal das Gehäuse musste runter: Untere Abdeckplatte abschrauben und aus dem Rahmen ausklinken; Kurbelzapfen des Radsatzes C aufschrauben; Radsatz C entnehmen; den Boden der vierkantigen Lagerrinne zu beiden Seiten hin keilförmig mit einer Rundfeile (Durchmesser etwa 1,5 mm, damit man die Flanken der Lagerrinne nicht vermurkst) bearbeiten; auch an der Abdeckplatte für Radstz C etwas Höhenspiel ermöglichen; Radsatz wieder einbauen, Kurbelzapfen ebenso, Abdeckplatte wieder drauf und fertig. Das war so einfach, weil Roco dem Radsatz B schon federbelastet Höhenspiel ermöglich hatte. Die Kuppelstangen habe ich entgegen Lutz' Rat nicht geteilt, weil ich nicht sicher war, ob ich mit der dabei drohenden Ungenauigkeit nicht das Optimum schon wieder überschritten hätte. Das Ergebnis zeigt, dass die Lok jetzt wunderbar läuft und die Stromabnahme fehlerfrei funktioniert.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Johannes ()

    • Hallo Freunde des digitalen Komforts,

      nachdem @Otto den Faden mit der Vorstellung seines idealen digitalen Wunsch-Fahrreglers wiederbelebt hat, @Lutz K und @Johannes ihre Erfahrungen und Vorgehensweisen beim CV-Jonglieren eingebracht haben, bleibt bei mir folgende Frage 'y# offen:

      Kann ich beim ESU-Loksound 4.x eine Funktion "Bremse" einstellen und damit einen Bremsvorgang beginnen oder auch wieder beenden, wie im Videobeispiel des ersten Beitrages von Lutz K zu sehen? Zumindest schließe ich das aus dem Beitrag 42 von Lutz K. Oder klappt das mit Decodern aus deutscher Produktion nicht? Wohlgemerkt, ich meine einen durch den Lokführer ausgelösten, gezielten Bremsvorgang, nicht eine der bekannten Bremsstrecken-Lösungen.

      Das könnte mir gefallen, wenn es denn programmierbar wäre.

      Gruß Rainer :thumbup:


      Christopher La Brec: Jeder Mensch verfolgt einen Traum in seinem Leben. Entweder den eigenen oder den eines anderen. Gib acht, das Du Deinen eigenen verfolgst.
    • Lutz K schrieb:

      Hallo Otto,

      ja dann hättest Du mich in Unna mal ansprechen sollen. Ich habe Dich zwar gesehen, wusste aber zu der Zeit nicht wer du bist.
      Du hättest von mir eine Lok:
      Und einen "KPEV"-Fredi:
      In die Hand gedrückt bekommen.
      Dann hättest Du Dich in der Betriebspause mal mit Auslauf und Bremsen probieren können.
      Durch Functionmapping sind die Tasten so belegt worden:
      -... ...

      - f4 = Bremse
      - f5 = Steuerung auslegen
      - f6 = Steuerung zurücknehmen
      Hallo Lutz, ich war gar nicht in Unna (jedenfalls nicht auf der FREMO-Veranstaltung), da muss eine Verwechslung vorliegen. Deshalb muss ich nun auf diesem Wege ein paar Details nachfragen.
      1. "KPEV"-Fredi? Da bin ich nicht auf dem Laufenden. Ich besitze ein halbes Dutzend alte FREDs und zwei (mittelalte) FREDIs, letztere mit Inkrementalregelung. Deshalb muss ich nun anfrgen, ob der KPEV-FREDI auch inkremental ist.

      Dann noch eine Frage zu f4 = Bremse: Was passiert, wenn ich f4 drücke? Erfolgt dann eine konstante Bremsverzögerung oder nimmt diese mit der Dauer des Drückens zu? Wenn ich den Bremsvorgang abbrechen und wieder lösen will, wie geht das dann?

      Und noch eine Frage zu f5 und f6: Das ist natürlich schon very sophisticated. Die meisten Modellbahner wissen mit der Steuerung (Füllung) nichts anzufangen, ich auch nur deshalb, weil ich mal bei der Dampfkleinbahn Mühlenstroth Dampflok gefahren bin. In meinem "Wunsch"-Regler war das auch ursprünglich in Forum eines zweiten Schiebereglers mit drin, habe ich dann aber weggelassen, weil die Bedeinung dann wohl für die meisten doch zu kompliziert ist. Sinn macht das ja eigentlich nur, wenn das Auswirkung auf den Auspuffschlag hat, oder?

      Jedenfalls bin ich hocherfreut festzustellen, dass ich mit meinen Ideen doch nicht so allein auf weiter Flur stehe.

      Gruß

      Otto
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    • Hallo Rainer,

      ja, das geht mit der Funktion "dynamische Bremse". In dem Bereich des ESU-Lokprogrammers, in dem Du das Funktionsmapping festlegt, gibt es eine Spalte "logische Funktion" in der Du ein Häkchen bei "dynamische Bremse" in einer von Dir ausgewählten Zeile - bei mir ist es die Zeile für die Funktionstaste F4 - setzen kannst.

      Das Fahrspiel läuft dann so ab: Regler auf Zielgeschwindigkeit stellen - die Lok beschleunigt gemäß CV 3 bis zur Zielgeschwindigkeit und gibt dabei den Beschleunigungssound von sich. Ist die Zielgeschwindigkeit erreicht, bleibt die Geschwindigkeit konstant und ein leiserer Antriebssound ertönt: Beharrungsfahrt.
      Ist das Ende deines Fahrspiels absehbar, kannst Du den Regler wieder auf 0 drehen und das Tempo wird mit der (am besten maximalen) Zeiteinstellung (CV 4 = 255) langsam reduziert, sie rollt scheinbar aus.
      Möchtes Du bremsen, drückst Du die Bremstaste (bei mir F4) und die Lok verzögert mit CV4' = 128 (also dem halben Wert von 255). Leider gibt es bei ESU4 nur dieses feste Verhältnis von 2:1 für die dynamische Bremse. Hast Du trotzdem eine Einstellung gefunden, die Dir gefällt, kannst Du bei Betätigen der Bremstaste mit einem Bremsweg rechnen, der geschwindigkeitsabhängig länger oder kürzer ist.

      Du kannst diese Phasen teilweise unterdrücken, z. B. aus der Beschleunigung den Regler schließen und sofort die Bremstaste drücken. Vor dem Betätigen der Bremse muss aber der Regler auf 0 gedreht sein, denn eine Reglerstellung > 0 unterdrückt die dynamische Bremse.

      Wenn Du magst und einen Lokprogrammer in Reichweite hast, schicke ich Dir die von mir und mit ESU-Forum-Hilfe nachbearbeitete Datei der BR 74 per Mail. Dann kannst Du testen und die Einstellungen an Deine Gegebenheiten anpassen.

      Gruß
      Johannes
    • Hallo Johannes,

      vielen Dank für Deine Hinweise. Über die "dynamische Bremse" hatte ich im ESU-Manual schon nachgelesen.

      Johannes schrieb:

      Möchtest Du bremsen, drückst Du die Bremstaste (bei mir F4) und die Lok verzögert mit CV4' = 128 (also dem halben Wert von 255). Leider gibt es bei ESU4 nur dieses feste Verhältnis von 2:1 für die dynamische Bremse.
      Und genau darüber bin ich "gestolpert" weil ich bei "bremsen" davon ausging, die Lok je nach Dauer des Knopfdrucks mehr oder weniger schnell zum Stillstand zu bringen. Deswegen hatte ich das Thema nicht weiter verfolgt.

      Ich werde das bei nächster Gelegenheit mal mit meiner V80 ausprobieren. Jetzt weiß ich, wo ich hinlangen muss. Danke auch für Dein Angebot, mir die Datei zuzusenden, momentan mache ich keinen Gebrauch davon.

      Gruß Rainer :thumbup:


      Christopher La Brec: Jeder Mensch verfolgt einen Traum in seinem Leben. Entweder den eigenen oder den eines anderen. Gib acht, das Du Deinen eigenen verfolgst.
    • Hallo Otto,

      dann bitte Entschuldigung. Zum Thema KPEV-Fredi eine PN, ist besser so.
      Zu den Lokdecodern:
      Ich bin ja modellbahnmässig auf der anderen Seite des großen Teichs angesiedelt und benutze auch die Decoder von dort. Hier muß ich dann hinzufügen, Deutsche Decoder und US Decoder haben sich auseinanderentwickelt. Hierzulande wird von der überwiegenden Zahl der Käufer sehr viel Wert auf das Vorhandensein von 28 Funktionen gelegt, egal was, es müssen 28 Funktionen vorhanden sein. Auf dieses Ziel sind die einheimischen Decoder hin gezüchtet, wobei leider die akustischen Abläufe der eigentlichen Betriebsgeräusche viel oft zu kurz kommen und vernachlässigt werden. Ebenso geben die Sounddateien oft nicht den tatsächlichen akustischen Eindruck des Vorbilds wieder. Aber solange man einem großen Teil der hiesigen Käufer den Sound eines Mercedes-Benz Kurzhauber LKWs als "Originalsound V200" verkaufen kann wird sich daran, leider muß ich sagen, wohl so schnell nichts ändern. Die Anspruchsvolleren unter Uns werden wohl weiterhin Sounddateien von Dritten erwerben müssen, weil die originalen Sounddateien auf den Decodern so grottig sind.

      Auf der anderen Seite des Atlantiks legt man viel mehr Wert auf eine genaue akustische Wiedergabe der Betriebsabläufe. Ebenso auf eine korrekte Sounddarstellung bestimmer Motorentypen und deren akustisches Verhalten.

      Dampfsound geht man etwas pragmatischer an. Es reichen wenige Grundtypen aus die mit weiteren Merkmalen kombiniert werden können. Des weiteren kann man per CV Einstellungen radsynchrone Auspuffschläge und über die Klangregler das Timbre der Auspuffschläge so einstellen um den Sound des Decoders demjenigen des Vorbilds anzupassen. Von daher ist auch die akustische Wiedergabe des Füllgrades zu verstehen, die bis hin zum (akustischen) Schliessen des Reglers geht. Die Lok rollt dann bei geschlossenem Regler im Leerlauf, so lange wie man es jedenfalls möchte. Wiederaufmachen des Reglers jederzeit nach eigenem Belieben möglich. Bei geöffnetem Regler sind dann leise Auspuffschläge bei Beharrungsfahrt in der Ebene zu hören. In diesem Zusammenhang kommt auch eine dynamische Komponente des Sounddecoders mit ins Spiel indem der Decoder selbstständig Lautstärke und Härte des Auspuffschlags bei steigender Belastung nachregelt, wie es z.B. bei der Bewältigung einer Steigung der Fall ist. Im Gefälle dagegen wird der Regler beigezogen. Auch hier kann man eine weitere dynamische Komponente selber mit einbringen indem man bei der Lastregelung auf eine volle Ausregelung verzichtet, einstellbar ab einer bestimmten Fahrstufe. Die Lok wird dann auf der Steigung auch tatsächlich langsamer bei bei gleichzeitig ebenfalls langsamere werdenden, härteren als auch lauteren Auspuffschlägen. Wie erwähnt, das macht die interne Regelung des Decoders selbstständig. Demzufolge verhält es sich auf Gefällestrecken umgekehrt analog. Hier empfiehlt es sich dann manuell selber den Regler zu schliessen.
      Diese dynamische Komponente ermöglicht dann auch andererseits ein Davonschleichen der leer fahrenden Lok, je nachdem wie schnell man den Regler (am Fredi) öffnet, die Lautstärke das Auspuffschlags wird aus Fahrstufensollwert pro Zeit beeinflusst. Heißt je schneller und je weiter man den Regler, hier Sollwertgeber am Fredi, aufreißt, desto mehr TSCHUFF.
      Bei Dieseloks werden entsprechend die Fahrstufen (hier Notches genannt) hoch- rsp. heruntergeschaltet bei ebenfalls sich anpassender Lautstärke.
      Die Einstellungen der allg. Beschleunigungszeit CV3 als auch der Bremszeit CV4 beeinflussen die o. a. Vorgänge nicht.

      Dynamische Bremse:
      Das ist ein Austattungsmerkmal speziell bei dieselelektrischen Lokomotiven.:
      engineeringexpert.net/Engineer…ploads//2010/06/loco1.jpg
      Dieselelektrolok im Normalzustand.
      engineeringexpert.net/Engineer…oads//2010/06/loco2a2.jpg
      Dieselektrolok bei der (dynamischen) Widerstandbremsung.
      Das versteht man unter Dynamic Brakes und dient in erster Linie dazu die Geschwindigkeit auf Gefällestrecken zu kontrollieren. Beim Soundecoder wird das akustisch wiedergegeben; der Dieselmotor geht in den Leerlauf und der Lüfter für die Widerstände wird hinzugeschaltet. Bei den Decodern der neuesten Generation kann man zusätzlich eine Bremsfunktion einstellen (1 - 255 mal inverse Zeitfaktor 0,9s). Das können dann bei Maximalwert 3 Minuten und 50 Sekunden sein bis der Zug "dramatisch" auf 0 heruntergebremst ist. Abstellen jederzeit möglich. Der Dieselmotor geht dann wieder auf die entspechende Notch.

      Man kann auch einen konstanten Bremsweg einstellen, egal wie schnell der Zug unterwegs ist, die Länge des Bremswegs wird immer die gleiche sein.

      Das ist nur die Spitze des Eisbergs.

      Dann noch etwas, US Soundecoder sind benutzerfreundlich angelegt. Ausführliche Handbücher und zusätzliche Dokumentationen kann sich der User auf den Seiten der Decoderhersteller herunterladen. Teuere Programmer um die Decoder zu bearbeiten sind nicht erforderlich, hier tut es eine allgemeines Programm wie Decoder Pro was die Arbeit sehr erleichtert, aber nicht an ein bestimmtes Fabrikat gebunden ist. Ebenso ist es überflüssig von einem Dritten (kostenpflichtig) Sounddateien zu erwerben. Man bekommt hier schon den Sounddecoder ab Werk mit ordentlichen Sounddateien versehen, welche das Vorbild auch richtig wiedergeben. Der User kann dann einfach mit, von div. "Spezialisten" so verächtlich genannten, "CV-Kurbeleien" den Sounddecoder ganz pragmatisch seinen Bedürfnissen anpassen.
      Mit freundlichen Grüssen

      Lutz
    • Rainer schrieb:

      Hallo Johannes,

      vielen Dank für Deine Hinweise. Über die "dynamische Bremse" hatte ich im ESU-Manual schon nachgelesen.

      Johannes schrieb:

      Möchtest Du bremsen, drückst Du die Bremstaste (bei mir F4) und die Lok verzögert mit CV4' = 128 (also dem halben Wert von 255). Leider gibt es bei ESU4 nur dieses feste Verhältnis von 2:1 für die dynamische Bremse.
      Und genau darüber bin ich "gestolpert" weil ich bei "bremsen" davon ausging, die Lok je nach Dauer des Knopfdrucks mehr oder weniger schnell zum Stillstand zu bringen. Deswegen hatte ich das Thema nicht weiter verfolgt.

      Ich werde das bei nächster Gelegenheit mal mit meiner V80 ausprobieren. Jetzt weiß ich, wo ich hinlangen muss. Danke auch für Dein Angebot, mir die Datei zuzusenden, momentan mache ich keinen Gebrauch davon.

      Gruß Rainer :thumbup:
      Hallo Rainer,

      am 15.04.2016 habe ich das geschrieben:

      ...
      Insbesondere wenn man seine Möglichkeiten bei den Fahreigenschaften
      richtig nutzen möchte, muss man sich mit mit einem richtigen
      Bremsvorgang wie beim Vorbild anfreunden. Der Auslauf über CV4 wird
      "ellenlang" eingestellt. Wenn man fährt und den Regler zumacht passiert
      erst einmal fahrdynamisch nichts. Akustisch hört man wie die Lok in den
      Leerlauf übergeht, die Druckausgleicher arbeiten und die Lok rollt ganz
      wie beim Vorbild einfach weiter. Solange Stecke da ist kein Problem;
      wenn der gelernte Deutschbahner jetzt aber anhalten möchte bekommt er
      erst einmal eines. Man darf nicht in Panik verfallen, sondern muss hier
      über eine der Funktionstasten die Bremsung, ganz wie beim Vorbild,
      einleiten. Die hat man sich vorher wohlweislich beim Fredi auf F4 gelegt
      und drückt diese Taste jetzt. Bremsgeräusche setzen ein und die Lok
      verzögert fast unmerklich etwas mehr. Noch ein Druck auf die Tasten, die
      Bremsgeräusche werden etwas lauter, die Lok verzögert noch etwas
      stärker. Nach insgesamt 4-maligen Drücken sind die Bremsen in Emergency
      und machen infernalisch laute Geräusche. Nach dem 5. Drücken kommt die
      Lok zu einem abrupten Stopp, das ist quasi als Notaus zu verstehen. Zeit
      sich den Schweiß von der Stirn zu wischen.
      Hat man das aber einmal verstanden, kapiert, es verinnerlicht und sich
      daran gewöhnt, macht es auf der anderen Seite einen Riesenspaß mit der
      Lok auf diese Weise zu fahren.
      ...


      Aus: Atchison Topeka & Santa Fe Class 3160
      Mit freundlichen Grüssen

      Lutz
    • Lutz K schrieb:

      Hallo Rainer,

      am 15.04.2016 habe ich das geschrieben:
      Hallo Lutz,

      merci für den Hinweis. Trotz zweimaligem durchlesen des gesamten Fadens ist mir diese Passage heute nicht ins Auge gesprungen.

      Lutz K schrieb:

      Die hat man sich vorher wohlweislich beim Fredi auf F4 gelegt
      und drückt diese Taste jetzt. Bremsgeräusche setzen ein und die Lok
      verzögert fast unmerklich etwas mehr. Noch ein Druck auf die Tasten, die
      Bremsgeräusche werden etwas lauter, die Lok verzögert noch etwas
      stärker. Nach insgesamt 4-maligen Drücken sind die Bremsen in Emergency
      und machen infernalisch laute Geräusche. Nach dem 5. Drücken kommt die
      Lok zu einem abrupten Stopp, das ist quasi als Notaus zu verstehen.
      und genau dieses mehrmalige drücken mit verschärftem Bremsen bis Stillstand ist beim ESU Lopi über den CV4 gegeben bzw programmierbar? Oder ist das nur bei den US-Decodern so, fragt Dich ein ungläubiger Thomas äh Rainer. :thumbup:


      Christopher La Brec: Jeder Mensch verfolgt einen Traum in seinem Leben. Entweder den eigenen oder den eines anderen. Gib acht, das Du Deinen eigenen verfolgst.
    • Hallo Rainer,

      die angesprochene mehrstufige Bremsfunktion kann bislang nur der TCS WOW Sound Decoder.
      Zimo kann eine einstufige Bremsfunktion, wie auch die von mir verwendeten Soundtraxx Econami und Tsunami2 Decoder.
      Esu kann nach der Bescheibung von Johannes jetzt wohl auch eine einstufige Bremse.

      Besonders der Umgang mit dem TCS erfordert ein völliges Umdenken beim Fahren. In dem Thread über die ATSF #3160 Class habe ich in den folgenden Beiträgen da näheres beschrieben. Ebenso ist die Programmierung anders und gewöhnungsbedürftig, der Decoder spricht mit Dir. Zur Verblüffung der Treffenteilnehmer habe ich mal auf einem Fremo Arrangement mit dem KPEV-Fredi mal eben die Glocke gewechselt und Lautstärken verändert. Diesen Decoder einzustellen ist zwar umfangreich, aber kein Buch mit 7 Siegeln, es geht völlig ohne Nerdsprech und Programmer. Der Fredi reicht als Werkzeug dafür aus.

      Wie schon gesagt, auf dem US Markt sieht es anders aus, man geht pragmatischer an die Sache heran und bei H0 kennt man auch nicht diesen Markenfetischismus und Markenbindung wie es hier oft der Fall ist. Man probiert verschiedene Decoderfabrikate aus. Selbst Esu hat sich dort anpassen müssen und bietet Soundeecoder mit bereits ab Werk installierten brauchbaren rel. guten Sounddateien an. Diese ESU (LLC) Select Soundecoder sind hierzulande offiziell nicht erhältlich.
      Mit freundlichen Grüssen

      Lutz

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