D) Verkehr - Einordnung und Entwicklung - Eisenbahn

    • D) Verkehr - Einordnung und Entwicklung - Eisenbahn

      Tach zusammen,

      endlich was zur Eisenbahn. Aber –ein bisschen Folter muss sein :whistling: - nur ein einzelner kleiner Abschnitt der ausschließlich den Einstieg bringt, sozusagen alle Leser auf den gleichen Startpunkt für die „große Einordnung“ bringen soll. Trotzdem wünsche ich viel Spaß beim Lesen.

      2) Eisenbahn
      ...Auch wenn ich auf die Direktion Essen noch einmal genauer eingehe, hier schon mal ein erster Überblick der Entwicklung bis 1945...

      Der Staat hatte Anfang der 1830er Jahre kein Interesse, Geld in den Aufbau eines Schienennetzes zu stecken. Dies überließ er lieber privaten Gesellschaften. 1943 erhielt die Cöln-Mindener Eisenbahngesellschaft (CME) die Konzession zum Bau einer Eisenbahn zwischen Köln und Minden. Am 09.02.1846 wurde Duisburg erreicht, am 15.05.1847 konnte über Dortmund bis Hamm gefahren werden. Der Bergbau im Ruhrgebiet forderte Anschlussbahnen, die jedoch durch die CME nur in den seltensten Fällen gebaut wurden. Die meisten wurden durch die Bergbaugesellschaften selbst gebaut. Die CME beschränkte sich auf den Fernverkehr. Oberhausen kam 1856 hinzu, bis 1878 wurden Castrop, Herne, Wanne-Eickel, Gelsenkirchen-Bismarck, Essen-Karnap und Oberhausen-Osterfeld Süd mit der Emschertalbahn erreicht.

      Die zweite große Eisenbahngesellschaft war die Bergisch-Märkische Eisenbahn-Gesellschaft (BME). Sie erreichte 1849 Dortmund von Elberfeld aus. 1862 erreichte man Dortmund, Witten, Essen, Mülheim an der Ruhr, Bochum-Langendreer und Duisburg mit dieser Gesellschaft. Es schlossen bereits zahlreiche Zechen an die BME an.

      Die Dritte im Bund war die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft (RhE – andere Quelle RE). 1866 erfolgte der Eisenbahnanschluss über Duisburg-Rheinhausen (Eisenbahntrajekt Homberg (über den Rhein – mit Dank an Lutz K.) nach Duisburg-Hochfeld und weiter nach Mülheim-Speldorf, Mühlheim (Ruhr), Mülheim-Heißen und Essen Nord. Bis 1874 wurde Bochum Nord, Bochum-Langendreer und Dortmund Süd erreicht. Die RhE baute kostenfrei Zechenanschlüsse, kam im Ruhrgebiet allerdings recht spät erst an, weshalb sie nicht optimal an die Verkehrsbeziehungen angebunden war.

      1879 bis 1880 übernahm der preußische Staat die privaten Eisenbahnen und den weiteren planmäßigen Ausbau des Schienennetzes im Ruhrgebiet. Sie gingen in der „Königlichen Eisenbahn-Direktion zu Köln rechtsrheinisch“ auf. Sie ist bis zum 31.03.1895 der Vorgänger der dann gegründeten „Königlichen Eisenbahndirektion zu Essen“ (ab 01.04.1895) und sie übernahm etwas über 795km Streckenlänge. Unter ihrer Ägide wurden das Streckennetz nun zügig ausgebaut und Verkehre gebündelt. So erreichte der Schienenstrang bald Winterswijk in den Niederlanden und kürzere Verbindungen zwischen verschiedenen Orten wurden geschaffen.

      1908 wurde der Betrieb mit Akkumulator-Triebwagen (ETA) von Heißen nach Dahlhausen und Osterfeld aufgenommen.
      Ab den 1910er Jahren wurden, im Zuge der Behebung von Bergsenkungen, innerstädtische Bahnlinien höher gelegt. Auch konnten auf diese Weise viele Bahnübergänge ersetzt werden, die zum Ärgernis der Bevölkerung oftmals geschlossen waren.
      1932 führte die Reichsbahndirektion Essen den Ruhr-Schnellverkehr ein. Er führte von Essen Hbf nach Dortmund Hbf und von Essen Hbf nach (Essen)-Kupferdreh. In den Folgejahren wurden auch Düsseldorf, Duisburg, (Wuppertal-) Vohwinkel, Krefeld, Hagen und Hamm erreicht. Der Zweite Weltkrieg erforderte die Abgabe von Lokomotiven in die Frontgebiete, Ersatz leisteten „Mietlokomotiven“, vornehmlich aus Frankreich und Belgien. Die Bahnanlagen wurden –neben der Industrie-bevorzugtes Ziel für alliierte Bomberverbände, entsprechend hoch waren die Zerstörungen.

      Neben diesen staatlichen Eisenbahnlinien gab es zahlreiche Zechen. Und Industriebahnen der großen Betriebe im Ruhrgebiet. Dies rührte daher, dass die ehemals privaten Bahnen CME und BME nur geringe Anstalten machten, einen Anschluss der Hütten und Zechen auf eigene Rechnung vorzunehmen. Eine Ertrag bringende Bedienung dieser Anschlüsse wurde durch die damaligen Verantwortlichen nicht gesehen. Den Versand zu anderen Orten allerdings, den wollten sie dann schon durchführen.
      Um ihre Absatzchancen am wachsenden Markt zu erhöhen und auszubauen, bauten viele Zechen und Hüttenbetriebe deshalb eine eigene Eisenbahninfrastruktur auf. Ein weiterer Vorteil war, dass innerhalb des Betriebes entsprechend dem Produktionsanfall der Rangierbetrieb durchgeführt werden konnte. Man war nicht auf die Staatsbahn oder ihre Vorgängergesellschaften angewiesen. Allerdings hatten die wenigsten Betriebe werkseigene Wagen, die bei der Staatsbahn oder den Vorgängergesellschaften eingestellt waren. Hier musste auf das zurückgegriffen werden was CME, BME, RhE oder später die preußische Staatsbahn zur Verfügung stellen konnten.

      Um nur einen kurzen Einblick in die Vielfalt zu erlangen, hier eine unvollständige Liste von Zechen mit eigenem Werksverkehr:
      Bergwerke Bochum
      Bochumer Verein für Gussstahlfabrikation
      Zeche Bruchstraße Bochum-Langendreer
      Zeche Carl Funke Essen
      Zeche Consolidation Gelsenkirchen-Bismarck
      Ewald Kohle AG Herten
      Zeche Friedrich der Große Herne
      Zeche Gneisenau Dortmund
      Zeche Graf Bismarck Gelsenkirchen-Bismarck

      Bedeutendere private Bahnen, die den internen Werksverkehr, auch über längere Strecken, auf eigenen Netzen sicherstellten, sind und waren z.B.
      Zechenbahn- und Hafenbetriebe (ZuH)
      Gemeinschaftsbetriebe Eisenbahn und Häfen (EH) Duisburg
      Gelsenkirchener Bergwerks AG (GBAG)
      Ruhrkohle AG (RAG)

      Hier zum Abschluss eine Auswahl des Eröffnungsdatums (im Personenverkehr) von Bahnstrecken im Ruhrgebiet
      15.05.1847 Duisburg – Gelsenkirchen – Dortmund - Hamm
      09.03.1849 Schwelm – Hagen – Witten - Dortmund
      26.10.1860 Witten – Langendreer - Bochum
      01.03.1862 Bochum – Steele – Essen - Mülheim
      05.10.1862 Langendreer – Lütgendortmund - Dortmund
      21.09.1863 Steele - Dahlhausen (Ruhr)
      01.01.1868 Essen Nord – Kray – Gelsenkirchen - Wattenscheid
      28.12.1869 Dahlhausen (Ruhr) – Hattingen - Welper
      01.01.1870 Wanne-Eickel – Recklinghausen – Haltern - Münster
      07.11.1871 Wanne-Eickel – Gelsenkirchen - Schalke
      01.06.1872 Kray Nord – Rotthausen - Gelsenkirchen
      15.11.1873 Schalke – Bottrop – Osterfeld - Sterkrade
      01.04.1874 Überruhr - Altendorf (Ruhr) - Dahlhausen (Ruhr)
      15.10.1874 Gelsenkirchen – Wattenscheid - Bochum Nord
      19.11.1874 Bochum Nord – Langendreer - Dortmund Süd
      25.11.1874 Dortmund Ost – Eving – Derne - Lünen
      01.01.1875 Essen Nord – Katernberg – Heßler - Schalke
      01.01.1875 Bochum-Riemke - Herne
      01.10.1875 Essen - Gelsenkirchen-Wattenscheid - Bochum
      12.11.1875 Dortmund-Süd – Hörde - Hacheney
      01.01.1878 Castrop – Huckarde - Dortmund
      01.07.1879 Mülheim (Ruhr) - Steele Süd - Altendorf (Ruhr)
      01.07.1879 Osterfeld – Dorsten – Coesfeld - Rheine
      21.06.1880 Gelsenkirchen-Bismarck – Dorsten – Borken - Winterswijk
      15.12.1880 Bochum-Langendreer - Dortmund-Lötringhausen
      21.06.1880 Schalke Nord - Gelsenkirchen-Bismarck
      01.04.1884 Bochum Nord – Wiemelhausen - Weitmar
      01.10.1886 Bochum-Riemke - Wanne-Eickel
      01.06.1890 Wanne-Eickel - Gelsenkirchen-Bismarck - Schalke
      01.05.1905 Hamm – Lünen – Waltrop – Bottrop - Osterfeld
      01.07.1922 Bottrop - Essen-Borbeck - Essen

      Für das verhältnismäßig unorganisch gewachsene Eisenbahnnetz des Bezirks Essen waren keine weitsichtigen Verkehrsplanungen die Grundlage, sondern seine Gestaltung orientierte sich an der Lage der Großindustrien.

      … Alles in allem eine verwirrende Vielfalt von Strecken, die in alle Himmelsrichtungen führten, von irgendwo herkamen und unbekannten Orten zustrebten. …

      Quellen:
      de.wikipedia.org/wiki/Rheinische_Eisenbahn-Gesellschaft
      de.wikipedia.org/wiki/Köln-Mindener_Eisenbahn-Gesellschaft
      de.wikipedia.org/wiki/Bergisch…he_Eisenbahn-Gesellschaft
      de.wikipedia.org/wiki/Eisenbahn_und_Häfen
      de.wikipedia.org/wiki/Dortmunder_Eisenbahn
      lowa.lima-city.de/lowa2/krupp-werksbahn.html
      kuladig.de/Objektansicht/KLD-271093
      historisches-homberg.de/html/ht.htm

      Deutsche Bundesbahn, Heft 12, Juni 1958, Bundesbahndirektion Essen
      DGEG, 2005, Windelschmidt/Klee, Kleine Geschichte des Ruhrgebietes
      DGEG, 2007, Swoboda/Vogelsang/Klee, Die Eisenbahn in Bochum
      DGEG, 2003, Swoboda/Tempel/van Kampen/Hake, Die Eisenbahn in Dortmund
      Drehscheibe, 1999, Leitsch/Sydow, Regelspurige Diesel- und Elektrolokomotiven auf den Steinkohlenzechen in Nordrhein-Westfalen
      EK-Verlag, 1988, Vogelsang, Das Bw Bochum-Dahlhausen und die Eisenbahn im mittleren Ruhrtal
      EK-Verlag, 2016, Kemp, Regiebahn - Reparationen, Besetzung, Ruhrkampf, Reichsbahn – Die Eisenbahn im Rheinland und im Ruhrgebiet 1918-1930
      LokReport, 2003, Weleda/Tempel, Die Bahn- und Hafenbetriebe der Ruhrkohle AG
      MotorBuchVerlag, 1979, Ostendorf, Eisenbahn-Knotenpunkt Ruhrgebiet
      MotorbuchVerlag, 1983, Ostendorf, Die Geschichte der Eisenbahndirektion Essen
      Podszun, 2005, Hajt, Zechen- und Hafenbahnen im Ruhrgebiet
      Verlag Kenning, 1993, Swoboda, Eisenbahn Gelsenkirchen-Bismarck – Winterswijk
      Verlag Kenning, 1994, Hajt, Eisenbahnen im mittleren Ruhrgebiet

      Herzliche Grüße

      Andreas B.

      … Alles in allem eine verwirrende Vielfalt von Strecken, die in alle Himmelsrichtungen führten, von irgendwo herkamen und unbekannten Orten zustrebten. …