E) Bahnamtliche Einordnung und Entwicklung - Gleise

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    • E) Bahnamtliche Einordnung und Entwicklung - Gleise

      Tach auch und ein frohes Neues Jahr an alle,

      huch, schon wieder zehn Tage rum, wie die Zeit vergeht. Jetzt aber schnell den nächsten Beitrag, heute zu den

      5) Gleise(n)
      1945 waren im Ruhrgebiet rund 1600 Weicheneinheiten und 730 km Hauptgleise zerstört. Dies waren rund 55% der Eigentumslänge der Direktion (Eigentumslänge 1944: 1350 km). Hinzu kamen rund 2000 km Nebengleise, also alle Gleise, die für Güterzugbehandlung, Lokomotivbehandlung oder zur Abstellung von Loks und Wagen benötigt wurden.

      Die rheinische Bahn (Osterath – Essen – Bochum – Dortmund Süd) z.B. blieb streckenweise bis 1946 außer Betrieb.

      1945 wurde die Strecke von Oberhausen-Osterfeld Nord über Essen-Frintrop nach Essen-Dellwig Ost stillgelegt. Der Gesamtbetrieb wurde auf Grund von Kriegsschäden (gesprengte Brücken (siehe Bauwerke)) auf den Abschnitten Oberhausen-Osterfeld Nord bis Oberhausen Hbf, Oberhausen-Osterfeld Nord bis Oberhausen West und Oberhausen-Osterfeld Nord bis Essen-Dellwig Ost dauerhaft eingestellt.

      Die RBD Essen übernahm noch vor Ende des Zweiten Weltkrieges am 08.03.1945 Streckenteile der aufgelösten RBD Köln um die Bw Bocholt und Wesel. Die Streckenteile gingen im Juli 1945 (andere Quelle: September 1945) weiter an die RBD Münster. 1946 wurden sie allerdings der RBD Essen wieder zugeschrieben. Dies betraf die Strecken
      • Wesel – Emmerich – Grenze zu den Niederlanden
      • Wesel - Lippe-Flutbrücke gegen Spellen
      • Wesel - Lippe-Flutbrücke - Friedrichsfeld
      • Wesel – Bocholt – Barl

      Im Gegenzug übernahm die Direktion Essen 1945 von der Direktion Münster die Strecke
      • Hervest-Dorsten – Borken – Landesgrenze zu Niedersachsen
      Sie wurde 1946 wieder an die RBD Münster zurückgegeben.

      Im Zuge einer Neuabgrenzung der RBD’en entlang der Zonengrenzen übernahm die RBD Essen am 01.07.1945 die auf dem Gebiet der britischen Besatzungszone liegenden Streckenanteile der RBD Kassel (amerikanische Besatzungszone). Dies traf Strecken um die Bw Soest und Paderborn. Des Weiteren wurden Streckenanteile um das Bw Holzwickede von der RBD Wuppertal übernommen. Die Betriebslänge stieg deshalb auf rund 1430 km.

      Die Länge der durchgehenden Hauptgleise im Bezirk Essen betrug 1957 rund 2600 km, davon 1100 km für den Reisezugverkehr, 1500 km für den Güterverkehr. An DB-Nebengleisen kamen weitere rund 4350 km hinzu, die in lagen.
      Die Eigentumslänge betrug 1957 etwa 1450 km Gleise, davon waren 124 km elektrifiziert. Insgesamt 1300 km waren als Hauptbahnen ausgeschrieben, 150km als Nebenbahnen.

      Anmerkung:
      Das Gleisnetz privater Anschlussbahnen im Bezirk Essen belief sich 1957 auf rund 4500 km.

      Hier eine graphische Darstellung der Personenzugstrecken (grün) im Ruhrgebiet, ergänzt durch reine Güterzugstrecken (lila). Wichtige Bahnhöfe und solche zur Orientierung im Raum sind mit eingetragen.
      Anmerkung:
      Um Missverständnissen vorzubeugen: Auf den Personenzugstrecken fand natürlich auch Güterverkehr statt, jedoch in teils deutlich reduziertem Umfang.

      Karte Personenzug- und Güterzugstrecken im Ruhrgebiet 1957

      Die in der vorgelegten Karte eingetragenen Nummern an den Symbolen stehen für die im Folgenden aufgeführten Bahnhöfe. Dabei wurden die Bahnhöfe den Gemeinden nach sortiert – mit einigen kleineren Abweichungen. Die Bahnhöfe werden zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal angesprochen.
      1 Wesel
      2 Rheinhausen

      3 Duisburg-Hamborn
      4 Duisburg Hbf
      5 Duisburg-Hochfeld Süd
      6 Duisburg-Ruhrort
      7 Duisburg-Meiderich Süd
      8 Duisburg-Neumühl
      9 Duisburg-Ruhrort Hafen
      10 Duisburg-Wedau

      11 Oberhausen West
      12 Oberhausen-Sterkrade
      13 Oberhausen Hbf
      14 Oberhausen-Osterfeld Süd
      15 Oberhausen-Osterfeld Nord

      16 Mülheim-Speldorf
      17 Mülheim-Styrum
      18 Mülheim Hbf
      19 Mülheim-Heißen
      20 Mülheim-Saarn

      21 Bottrop Nord
      22 Bottrop Hbf
      23 Abzweig Horst

      24 Burlo
      25 Hervest-Dorsten
      26 Dorsten

      27 Gladbeck
      28 Herten

      29 Essen-Dellwig
      30 Essen-Bergeborbeck
      31 Essen-Kettwig
      32 Essen-Altendorf
      33 Essen-Werden
      34 Essen-Altenessen
      35 Essen Nord
      36 Essen Hbf
      37 Essen-Rüttenscheid
      38 Essen-Überruhr
      39 Essen-Kupferdreh
      40 Essen-Kray Nord
      41 Essen-Steele

      42 Gelsenkirchen-Bismarck / Gelsenkirchen-Zoo
      43 Gelsenkirchen-Schalke Süd
      44 Gelsenkirchen Hbf

      45 Wanne-Eickel
      46 Herne
      47 Castrop
      48 Rauxel
      49 Lünen
      50 Preußen
      51 Haltern
      52 Marl-Sinsen

      53 Recklinghausen Hbf
      54 Recklinghausen Ost
      55 Recklinghausen Süd

      56 Wattenscheid

      57 Bochum-Riemke
      58 Bochum-Präsident
      59 Bochum-Ehrenfeld / Bochum-Süd / Katholikenbahnhof / Bochum Hbf alt
      60 Bochum-Weitmar
      61 Bochum Hbf neu
      62 Bochum-Dahlhausen
      63 Bochum Nord
      64 Bochum-Langendreer

      65 Altendorf
      66 Hattingen

      67 Witten Hbf
      68 Witten Ost
      69 Witten-Annen

      70 Herbede
      71 Wengern

      72 Dortmund-Obereving
      73 Dortmund-Eving
      74 Dortmund-Flughafen
      75 Dortmund Vbf
      76 Dortmund Hbf
      77 Dortmund Süd
      78 Dortmunderfeld
      79 Dortmund-Hörde
      80 Dortmund-Löttringhausen

      81 Hagen-Vorhalle
      82 Hagen-Eckesey
      83 Hagen Hbf
      84 Hagen-Hengstey
      85 Hagen-Kabel

      86 Schwerte
      87 Holzwickede

      88 Unna
      89 Unna-Königsborn

      90 Bönen
      91 Hamm

      Auf der Karte gut zu erkennen sind die drei großen Magistralen, die auch heute noch das Ruhrgebiet durchziehen. Dies waren (und sind) von Nord nach Süd:
      Die Nordstrecke Hamm – Recklinghausen – Oberhausen-Osterfeld Süd – Duisburg-Wedau. Sie war für den schweren Güterverkehr im Austausch der großen Verschiebebahnhöfe in Ost und West zuständig. Sie wies eine tägliche Belegung mit 36 Reisezügen auf. 95 tägliche Güterzüge beförderten durchschnittlich 50.000 Tonnen Güter.

      Die Köln-Mindener Strecke in der Relation Dortmund Hbf – Wanne-Eickel – Duisburg Hbf war mit starkem Reiseverkehr, zahlreichen Eilgüterzügen und im Bereich Dortmund – Wanne-Eickel auch mit starkem Güterverkehr belegt. Sie wurde von durchschnittlich 123 Personenzügen und 61 Güterzügen mit 70.000 Tonnen (t) Fracht genutzt. Dabei war die Belastung einzelner Streckenabschnitte mit Personen- und Güterzügen sehr unterschiedlich:
      Gelsenkirchen – Wanne-Eickel Hbf
      227 Personenzüge, 19 Güterzüge mit insgesamt 2.800 t Fracht.
      Rauxel – Mengede
      118 Personenzüge, 98 Güterzüge mit insgesamt 36.500 t Fracht.
      Dortmund Flughafen – Hamm-Selmig
      125 Personenzüge, 99 Güterzüge mit insgesamt 30.700 t Fracht.

      Die Bergisch-Märkische Strecke Hamm – Dortmund Hbf – Bochum-Hbf – Essen Hbf – Duisburg Hbf diente überwiegend dem Fernreise- und Berufsverkehr.
      Die Streckenbelastung war ebenfalls unterschiedlich.
      Mülheim (Ruhr) – Essen West
      210 Personenzüge, 4 Güterzüge mit insgesamt 515 t Fracht.
      Bochum-Langendreer – Dortmund Hbf
      180 Personenzüge, 3 Güterzüge mit 405 t Fracht.

      Auffällig ist, dass es sich ausschließlich um Ost-West-Verbindungen handelt. Der Nord-Südverkehr weist auch heute noch keine Magistralen auf. Die hier notwendigen „Querverbindungen“, fast alle durchgängig zweigleisig ausgebaut, verbinden immer nur einzelne Betriebsschwerpunkte. Nur wenige Orte bildeten dabei „Drehkreuze“, von denen man zu verschiedenen Zielorten gelangen konnte. Zu nennen sind hier, neben Dortmund, Oberhausen Hbf, Recklinghausen Süd und Wanne-Eickel und natürlich Hamm als nordöstlicher Dreh- und Angelpunkt - aber außerhalb des Ruhrgebietes.

      Die 1957 im Bau befindliche Neubaustrecke V9 (V=Verkehrsband) von Gelsenkirchen-Buer Nord nach Haltern am See war 17km lang, sie war eines der herausragenden Nachkriegs-Projekte der BD Essen und wurde erst 1968 (!) eröffnet.

      Bis 1957 wurde die Betriebsführung im Ruhrgebiet durch die ständigen Bergsenkungen, zusätzlich zu den noch vorhandenen Kriegsschäden, erheblich beeinträchtigt. Die Reparaturen bedeuteten teilweise die völlige Einstellung des Betriebes, so z.B. im Dezember 1957 bei der Hebung des Ostberges in Wanne-Eickel. Während der Arbeiten war deshalb 14 Tage kein Ablaufbetrieb in Ost-West-Richtung möglich. Um den ausfallenden Ablaufbetrieb aufzufangen, mussten 10 benachbarte Rangierbahnhöfe aushelfen. Darunter waren die Rangierbahnhöfe in Gelsenkirchen-Bismarck, Gelsenkirchen-Schalke Süd, Oberhausen-Osterfeld Süd, sowie Recklinghausen Süd und Ost.
      Manche Hebungen mussten auch mehrfach ausgeführt werden, so z.B. die Hebungen des Bf Herne von 1955 und 1960. Die Ablaufzone des Rangierbahnhofes musste dabei 1955 um 4 Meter gehoben werden, 1960 nochmals um 1,50 Meter. Verursacht wurde die Bergsenkung durch die Zeche Mont Cenis, deren Abbaufelder unter dem Bahnhof lagen.

      Bis 1965 waren keine größeren Veränderungen mehr am Gleisnetz im Bezirk Essen feststellbar, sieht man einmal von der Elektrifizierung ab. Aber das ist erst Thema in 10 Tagen.

      Bis dahin herzliche Grüße
      Andreas

      … Alles in allem eine verwirrende Vielfalt von Strecken, die in alle Himmelsrichtungen führten, von irgendwo herkamen und unbekannten Orten zustrebten. …
    • Tach zusammen,

      bei der durchgeführten Änderung der Inhaltsverzeichnisses mussten diverse Punkte geändert werden. Der hier aufgeführte Teil musste - weil völlig deplatziert bei Personenverkehr - hierhin verschoben werden. Und weil die Gleise schon Thema waren, füge ich die wenigen Informationen gleich an.

      b) Streckennummern

      Von den alten Streckennummern in der Direktion Essen, also die, die vor 1984 angewendet wurden, sind mir leider –trotz intensiver Suche- nicht viele bekannt.
      Es gab die alten Nummern der Reichsbahn, die auch noch von der DB genutzt wurden, sie wurden von jeder Direktion selber vergeben. Hierzu gibt es bisher jedoch –für mich- keine weiteren Erkenntnisse.

      Die neuen Streckennummern der Bundesbahn wurden erst ab 1984 genutzt. Sie umfassen auch kurze Streckenabschnitte, die nur von einem Bahnhof zu einem Abzweig führen (z.B. 2201 Wanne-Eickel - Abzw Baukau) oder sogar nur eine Weichenstraße umfassen (z.B. 2162 Essen, W 169 - W 193). Sie wurden regional vergeben, 2000er-Nummern stehen dabei für Nordrhein-Westfalen. Eine vollständige Liste der heute verwendeten Nummern sowie eine Beschreibung dessen, wie es dazu kam, findet sich auf den beiden folgenden Seiten:
      Hauptseite
      Streckennummern Nordost
      Jeder, der diese Streckennummern gerne einsehen möchte, dem empfehle ich den zweiten Link. Es sind wahre Kuriositäten darunter.

      Ich zeige hier nur die Daten auf, die auch die von der Deutschen Reichsbahn verwendeten Nummern beinhalten. Sie hatten meist noch das Kürzel +BDW+ vor der Nummer, nur ließ sich dies nicht zuordnen; es ist deshalb hier nicht aufgeführt. Wer das Kürzel eindeutig erklären kann, den bitte ich um eine Mail, damit es hier korrekt ergänzt werden kann. Weitere Ergänzungen hierzu werden natürlich gerne entgegengenommen. :)

      DRB DB ...Strecke
      23 ....2155 Wuppertal-Wichlinghausen – Hattingen
      29 ....2723 Wuppertal-Vohwinkel – Essen Kupferdreh
      33 ....2423 Düsseldorf-Gerresheim – Hagen-Hengstey – Dortmund
      45 ....2801 Hagen - Witten
      46 ....2400 Hagen Hbf - Hattingen
      63 ....2724 Wuppertal-Vohwinkel – Wülfrath – Velbert – Heiligenhaus - Kettwig

      Herzliche Grüße
      Andreas

      … Alles in allem eine verwirrende Vielfalt von Strecken, die in alle Himmelsrichtungen führten, von irgendwo herkamen und unbekannten Orten zustrebten. …