In fünf Schritten zu Gewebedecken für Güterwagendächer ...

    • In fünf Schritten zu Gewebedecken für Güterwagendächer ...

      ... Oder: Keine Angst vorm Taschentuch

      Moin moin zusammen,

      eine Gewebedecke für Güterwagendächer nachbilden? Hier kann man sich vortrefflich streiten, ob dies notwendig ist. Aus der üblichen Modellbahnentfernung sieht man es eigentlich kaum noch, ein einfach gestrichenes Dach würde sicherlich auch reichen. Aber – und das ist meine persönliche Meinung – es fehlt dem Dach doch die Struktur. Deshalb werden bei vielen meiner Güterwagen die Gewebedächer nachgebildet.

      Allseits bekannt ist die Methode, Gewebedächer aus einer Lage eines Papiertaschentuches herzustellen. Nur nachlesen, wie es gemacht wird, das kann man kaum irgendwo.
      Deshalb möchte ich hier einmal für jeden nachvollziehbar darstellen, wie ich solche Dächer herstelle.

      Was ich brauche:
      1 Waggondach
      1 Papiertaschentuch (reicht für 10 bis 15 Wagen)
      1 Schere
      1 Skalpell mit scharfer (!) Klinge
      1 matte Email-Farbe mit Vorbildfarbton, z.B. von Revell oder Humbrol
      …(Weißaluminium oder jeden Grauton)
      1 breiten Pinsel - Hierfür eignet sich ein dicker, auch älterer, Pinsel am besten, jedoch kein Borstenpinsel –
      …der ist meist zu rau.

      Das Material

      Vorbereitung
      Dach vom Waggonmodell abnehmen (wenn möglich).
      Wenn dies nicht möglich ist: Einfach weitermachen, es geht auch mit aufgesetztem Dach. Nur ist dabei ein wenig mehr Vorsicht walten zu lassen. Schließlich soll der Waggon ja nicht in Dachfarbe gestrichen werden. ;)

      1. Schritt
      Aus einem Papiertaschentuch werden Streifen geschnitten, die etwas breiter und länger sind, als die Dachfläche auf die sie gelegt werden sollen.
      Dann werden die Streifen in ihre Lagen zerlegt (bei Tempo-Taschentüchern sind es z.B. drei Lagen).
      Anmerkung:
      Es sollten keine strukturierten Flächen (meist die Randzone eines Papiertaschentuches) verwendet werden, diese Strukturen lassen sich nicht mit Farbe ausgleichen.

      2. Schritt
      Nun wird die zu belegende Dachfläche mit Farbe eingepinselt (bei mir Grautöne in verschiedenen Nuancen), der Taschentuchstreifen eingelegt und mit viel Farbe auf der Dachfläche „verklebt“. Dabei ziehe ich den Taschentuchstreifen über die Kanten und halte ihn mit den Fingern unter dem Dach leicht gespannt. So ergibt sich eine relativ glatte Gewebedecke.
      Anmerkung:
      Dies ist auf Dächern von z.B. G10 kein Problem, da die Dächer eine einfache Form haben. Bei Dächern der Güterzugbegleitwagen Pwg pr.14 ist es jedoch etwas schwieriger. Diese Dächer weisen umfangreichere Formen auf, bei denen etwas mehr Sorgfalt gefordert ist. Aber es geht, wie das beigefügte Bild zeigt.

      3. Schritt
      Danach wird das Tuch erneut satt mit Farbe eingepinselt. Eventuell auftretende Luftbläschen lassen sich mit dem Pinsel ausstreichen. Auftretende Falten in der Decke –sofern sie nicht zu dick sind- werden mit dem Pinsel angedrückt. Das kam auch beim Vorbild vor und somit bekommt die Dachhaut ein wenig Struktur. Aber auch hier gilt es nicht zu übertreiben. Mal eine Falte ist in Ordnung, zu viel sieht schnell „nicht gekonnt“ aus.

      Schritte 2 und 3 in Bildern: links Dach eingestrichen und darüber der einzulegende Streifen; rechts oben Streifen eingelegt; rechts unten Dach erneut satt eingestrichen

      4. Schritt
      Nach ca. 10 Minuten (oder: noch vor dem endgültigen Trocknen der Farbe) werden die Ränder erneut angedrückt, weitere Luftbläschen entfernt und, soweit notwendig, die Dachdecke noch einmal mit Farbe nachbehandelt.

      5. Schritt
      Nach dem vollständigen Durchtrocknen –das kann schon mal einige Stunden in Anspruch nehmen- sind mit dem Skalpell die überstehenden Bereiche des Papiertaschentuches abzuschneiden. Im Idealfall ist der überstehende Bereich bereits weitgehend auch unter der Dachkante „angeklebt“, meist bleibt er jedoch farbfrei und „hängt“ deshalb frei in der Luft.
      Zum Schneiden spanne ich das Tuch erneut über die Dachkante (mit den Fingern) und schneide es auf der Unterseite des Daches im Abstand des Dachüberstandes ab. Dabei halte ich das Skalpell möglichst flach, sonst reißt die neue Dachhaut ein. Die nun noch frei hängenden Reste werden erneut mit Farbe an die Dachunterkante geklebt und satt eingestrichen. Dabei bis über den Dachüberstand hinaus streichen, damit auch von unten ein gleichmäßiger Farbauftrag zu sehen ist. Auftretende Falten lasse ich dabei bewusst bestehen, sie werden allerdings fest gegen die Dachunterseite gedrückt.
      Dabei bitte nur darauf achten, dass sich an der Kante keine „Luftbläschen“ bilden.
      An Stellen, wo dies formtechnisch nicht geht, z.B. bei den Dachkanzeln von Güterzugbegleitwagen, streiche ich die Dachkante nochmals im Dachfarbton mit an.

      Nachbereitung
      Das Dach kann nun wieder auf den Wagenkasten aufgesetzt werden.

      Hier mal einige Beispiele von so hergerichteten Dächern. Von links nach rechts zu sehen: Gh 05, Gr 20, G 10, Pwg pr. 14

      Schlussbemerkung:
      Sollte bei dieser Prozedur mal etwas schief gehen, egal bei welchem Schritt (wie zum Beispiel eine eingerissene „Dachdecke“), so ist dies kein Problem.
      Es kann dann so weiter vorgegangen werden:
      Einen passenden Flicken aus einem Reststück des Taschentuches ausschneiden, auf die zu kaschierende Fläche auflegen und mit Farbe aufkleben. Im Idealfall hat die Farbe dann noch einen anderen Farbton (meist heller) als der genutzte (dunklere, weil mit Betriebsspuren versehene) Grundton. Siehe im obigen Bild den 2. Wagen von links, den Gr 20. Ja, das geht besser, der Wagen ist aber auch schon 20 Jahre alt und hat diverse FREMO-Treffen hinter sich. Der geht jetzt noch mal ins Aw... so wie der Gh 05.

      Was nicht verschwiegen werden sollte:
      Ein so verändertes Dach kann auch problematisch sein. Wenn mit Pulverfarben Betriebsspuren aufgebracht werden sollen (Ruß z.B.) so ist mit besonderer Vorsicht vorzugehen. Das Dach nimmt auf Grund der wesentlich raueren Struktur erhebliche Mengen Pulver auf, die sich nicht mehr (!) entfernen lassen.

      Sicherlich gibt es auch noch viele weitere Methoden, hier mag jeder bitte für sich experimentieren.
      Ich finde, dass auf diese Art eine Gewebedecke fast perfekt dargestellt ist und sich einfach realisieren lässt.

      Herzliche Grüße und viel Spaß beim Nachbau wünscht
      Andreas

      … Alles in allem eine verwirrende Vielfalt von Strecken, die in alle Himmelsrichtungen führten, von irgendwo herkamen und unbekannten Orten zustrebten. …

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Andreas B ()