E) Bahnamtliche Einordnung und Entwicklung - Güterverkehr - Zechen und Kokereien 2

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    • E) Bahnamtliche Einordnung und Entwicklung - Güterverkehr - Zechen und Kokereien 2

      Tach zusammen,

      bisher habe ich den Brennstoffverkehr der Kohle genauer beschrieben. Heute geht es um Koks, Briketts und Grubenholz.

      11.h.ii.b) Brennstoffverkehr Koks
      Wird Steinkohle auf 900° Celsius (C) unter Luftabschluss in einem Kammerofen erhitzt, werden die flüchtigen Bestandteile der Kohle ausgetrieben. Sie werden abgesaugt, direkt oder indirekt -in der chemischen Industrie (siehe dort)- weiterverwendet. Bei weiterer Erhitzung auf über 1000° C entsteht Koks, der bei der Roheisenherstellung und Stahlherstellung gebraucht wird.
      Dabei ist die Backfähigkeit der Kohle -das heißt die Fähigkeit, bei 400 bis 500° C in einen plastischen Zustand überzugehen und bei weiterer Erhitzung zu einem gebackenen, grobstückigen und porigen Koks zu werden- von besonderer Bedeutung. Zur Koksherstellung eignet sich besonders die Fettkohle, in geringerem Maße auch die Gasflammkohle.

      An den überwiegenden Teil der Fettkohle fördernden Zechen des Ruhrgebietes waren Kokereien angegliedert. Hier wurde die geförderte Kohle sogleich zu Koks weiterverarbeitet. Zwischen 1945 und 1965 wurden jährlich produziert (gerundet):
      1946 8.700.000 t
      1948 18.300.000t
      1950 24.300.000 t
      1953 33.500.000 t
      1955 35.600.000 t
      1958 37.800.000 t
      1960 33.700.000 t
      1963 31.800.000 t
      1965 34.700.000 t
      Hinzuzurechnen sind jährlich rund 1.700.000 t Koks aus Hüttenkokereien.

      Für das Jahr 1957 werden rund 39.800.000 t angegeben, die Bundesbahndirektion Essen selber gab für das Jahr eine tägliche Produktionsmenge von 110.000 t Koks an, was auf das Jahr hochgerechnet (365 Tage) 40.150.000 t wären.
      Davon ausgehend wurden etwa 23 Millionen t von den Werken im Ruhrgebiet selbst benötigt. Der Transport erfolgte teils im reinen Werkverkehr direkt zwischen Kokerei und Hütte, er betrug etwa 10 Millionen t.
      Die Restmenge von rund 13 Millionen t transportierte die Bundesbahn und setzte hierfür OOt-Wagen in Ganzzügen ein.
      Übrigens:
      Auf Dortmunder Stadtgebiet wurden 1950 3.410.000 t und 1958 4.905.000 t Koks produziert.

      Rund 3,5 Millionen Tonnen Koks wurden nach Luxemburg ausgeführt. Der Bahntransport erfolgte zu den Hüttenwerken der +Aciéries Réunies de Burbach-Eich-Dudelange+ (ARBED).

      Etwa 6,2 Millionen t Koks wurden im Programmverkehr vor allem in lothringische Hüttenwerke in Frankreich abgefahren.
      Der Dg 6562, im Jahr 1963 mit dem Laufweg Ruhrgebiet – Frankreich, passt dazu.

      Lieferant für den Koks nach Frankreich waren unter anderem seit spätestens 1951 die Kokereien Dahlbusch 2/5/8 und Dahlbusch 3/6 auf Gelsenkirchener Stadtgebiet (in der Karte unter Brennstoffverkehr Kohle die Nummern 66 und 67).

      Anmerkungen:
      • 1951 wurde Koks in TP-Wagen, die zur Volumenerhöhung aufgesetzte Bretter- oder Stahlrohrwände erhalten hatten, befördert.
      • Des Weiteren kamen vierachsige Kokstransportwagen der Bauart „De Wendel“ in Deutschland zum Einsatz. Diese mit Gitterwänden versehenen
      ...Güterwagen sind 1950 bis 1955 auch ins Ruhrgebiet zu den Kokereien eingesetzt worden.
      ...Der Einsatz dieser Wagen auf DB-Gleisen ist belegt. Hier eine Serie von Aufnahmen, leider zum traurigen Ereignis eines Kesselzerknalls der
      ...42 1893 am 13.10.1951 entstanden.
      ...Bild 1, Bild 2, Bild 3. Zu sehen sind zwei unterschiedliche Bauarten dieser Wagen.
      • Ab ca. Mitte der 1950er Jahre kamen dann auch hier die Wagen der Typen MKH 30, MKH 45 und STEMI 56 zum Einsatz.

      Zwischen 300.000 und 500.000 t Koks wurden 1957 nach Österreich exportiert. Der Transport erfolgte auf dem direkten Bahnweg, verwendet wurden meist OOt-Wagen. Allerdings waren dies nicht immer die erwarteten Großraumwagen wie OOt 42 oder OOt 50, sondern auch schon mal OOtz 43, wie diese Aufnahme von 1958 im Hüttenwerk Donawitz eindeutig belegt.
      Transportiert wurde der Koks in Großgüterwagenzügen (Gdg), für 1967 bekannt ist der Gdg 7972, Laufweg Gelsenkirchen-Rotthausen – Donawitz.

      Die restlichen rund 7 Millionen Tonnen Koks teilten sich auf in Transporte zu:
      • Hüttenwerken in Belgien (etwa 2,7 Millionen Tonnen; in der Wallonie und bei Lüttich) und
      • Hüttenwerken in Deutschland (4,3 Millionen Tonnen, ohne Saarland)
      Somit gelangten Koksganzzüge aus dem Ruhrgebiet auch zum Beispiel auf die Ruhr-Sieg-Strecke, hier ein solcher Zug 1963 bei Benolpe. Sein Ziel war möglicherweise die +Stahlwerke Südwestfalen AG+ in Siegen-Geisweid.
      Aber auch das Stahlwerk Hagen-Haspe (Klöckner Hüttenwerk Haspe) wurde beliefert.

      Kurz erwähnt werden sollen noch die anfallenden Rest- und Nebenstoffe der Koksgewinnung, die in der chemischen Industrie weiterverarbeitet wurden (siehe hier LINK folgt noch). Die angegebenen Produktionsmengen gelten für 1957.
      Rohteer........... 1.600.000 t
      Rohbenzol......... 564.000 t
      Schwefel............ 475.000 t
      Ammoniak.......... 111.000 t
      Schwefelsäure... 500.000 t

      11.h.ii.c) Brennstoffverkehr Briketts
      Grob gesagt, wird bei der Brikettierung zermahlene Steinkohle mit einer sehr kleinen Körnung unter Zusatz von Steinkohlenteerpech unter hohem Druck gepresst.
      Die klassischen Formbriketts, auch +Klütten+ genannt, ließen sich gut stapeln und brauchten somit wenig Platz im Kohlen-Vorratskeller. Hergestellt wurden sie mit einer Stempelpresse.
      Ein weiteres Brikettprodukt waren die Eierbriketts: Sie wurden nicht mit einer Stempelpresse geformt, sondern mit einer Walzpresse. Zur Brikettierung eignen sich Magerkohle, Anthrazit und Eßkohle, die keine oder eine nur geringe Backfähigkeit (siehe Koks) besitzen.

      Für 1945/1946 wird eine arbeitstägliche Produktion von 6000 t Briketts angegeben, was einer Jahresproduktion von 1.860.000 Tonnen entspricht. Diese erhöhte sich in den Folgejahren bis 1952 auf etwa das Vorkriegsniveau von rund 15.000 t arbeitstäglich. 20 bis 23.000 t arbeitstäglich wurden bis 1957 erreicht. In diesem Jahr wurden insgesamt 7,4 Millionen Tonnen Steinkohlebriketts in 17 Brikettfabriken produziert. Nur drei Jahre später waren es nur noch 5,2 Millionen Tonnen. In den Folgejahren sank die Bedeutung des Briketts weiter deutlich ab.
      Steinkohlenbriketts wurden zum Teil werksintern verwertet oder für den Hausbrand abgegeben. Ihr Transport erfolgte, sofern nicht lokale Händler ihn selber mit dem Lkw abholten, mit der Bahn.
      Hier ein mit Briketts beladener italienischer O-Wagen im Rbf Oberhausen-Osterfeld Süd.

      10.h.ii.d) Grubenholz
      Um die Kohleflöze unter Tage ausbauen zu können wurden im Jahr 1957 2.710.605 Festmeter (fm) Grubenholz benötigt (22 Festmeter je 1000 t Kohle). Eine Grube hatte in etwa einen Vorrat von vier Monaten eingelagert. Grubenholz wurde in den waldreichen Gebieten Deutschlands -so im Bayrischen Wald, Eifel, Franken, Harz, Lüneburger Heide, Oberhessen, Odenwald, Rothaargebirge, Sauerland, Schwarzwald, Spessart- geschlagen, auf Länge gesägt, verladen und versendet.

      89% der Gesamtmenge wurde in O-Wagen an die Zechen geliefert und dort gelagert (2.412.438 fm). Beim Transport kam auch der bereits angesprochene gebrochene Versandweg Schiff/Bahn zum Tragen.
      Als Grubenholz genutztes Holz kann bis 5 Meter lang sein, in der Regel waren die Stempel in genormten Längen zu 1,10 m, 1,25 m, 1,85 m, 2,20 m, 2,50 m, 2,80 m und 3,10 m gesägt. Ihr Durchmesser lag zwischen 15 und 25 cm. Es eigneten sich vor allem Kiefern- und Fichtenhölzer als Grubenholz.
      Nur aus dem Harz ließen sich bisher Liefermengen recherchieren: Hier wurden rund 9.000 Festmeter Fichtenholz als Grubenholz verwendet.
      Übrigens:
      Der Festmeter Fichte wiegt 430 kg, Kiefer wiegt etwa 520 kg. Zum Abtransport der o.a. Gesamtmenge war die Stellung von rund 83.000 O-Wagen notwendig.

      Hiermit endet die Exkurzion zu den Zechen und Kokereien.

      Herzliche Grüße
      Andreas

      … Alles in allem eine verwirrende Vielfalt von Strecken, die in alle Himmelsrichtungen führten, von irgendwo herkamen und unbekannten Orten zustrebten. …