E) Bahnamtliche Einordnung und Entwicklung - Güterverkehr - Brauereien

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    • E) Bahnamtliche Einordnung und Entwicklung - Güterverkehr - Brauereien

      Tach zusammen und ein frohes Neues Jahr auch in diesem Thread,

      eigentlich sollte das folgende Thema bei +Sonstiges+ mit „abgehakt“ werden. Doch dann wurde es mehr … und mehr … bis ich mich entschloss, es als eigenständiges Thema nach oben zu holen.

      Über ein artverwandtes Thema -den Anschluß einer Bierniederlage- hat Bruno hier etwas geschrieben.

      11.h.v.e) Brauereien

      Der Bergmann trank sein einheimisches Bier. So platt kann man die Häufung von Brauereien im Ruhrgebiet vielleicht am besten beschreiben. In so ziemlich jeder Stadt gab es mindestens eine Brauerei oder gleich mehrere. Wie in Dortmund z.B. wo nach dem Krieg noch 28 Brauereien existierten.
      Gebraut wurden die Sorten Export und Pils, sowie Malzbier. Einige Brauereien (in Hamm und Duisburg) brauten auch Alt.

      Als unvollständigen Überblick hier einige Brauereien im Bereich der Direktion Essen:
      Bochum Brauerei Moritz Fiege
      Bochum Müser-Brauerei
      Bochum Schlegel-Scharpenseel-Brauerei
      Bottrop Westfalia-Brauerei
      Dortmund Bergmann Brauerei
      Dortmund Dortmunder Actien-Brauerei
      Dortmund Dortmunder Hansa-Brauerei
      Dortmund Dortmunder Stifts-Brauerei
      Dortmund Dortmunder Union-Brauerei
      Dortmund Germania Brauerei
      Dortmund Kronen Brauerei
      Dortmund Ritter-Brauerei
      Dortmund Thier-Brauerei
      Duisburg-Beeck König-Brauerei
      Duisburg-Friemersheim Rheingold-Brauerei
      Duisburg-Hochfeld Brauerei Böllert
      Essen Stern-Brauerei
      Essen-Altenessen Privatbrauerei Jakob Stauder
      Essen-Rüttenscheid Aktien-Brauerei Carl Funke
      Gelsenkirchen Glückauf-Brauerei
      Hamm Brauerei Isenbeck
      Hamm Kloster-Brauerei Pröpsting
      Hamminkeln Feldschlösschen-Brauerei
      Mülheim (Ruhr) Bergbrauerei H. Mann
      Mülheim (Ruhr)-Saarn Brauerei Ibing
      Oberhausen-Sterkrade Brauerei Meininghaus
      Paderborn Aktien- & Vereinsbrauerei A.-G. Paderborn
      Unna Linden-Adler-Brauerei
      Wanne-Eickel/Herne Hülsmann-Brauerei
      Westerholt Brauerei Hackert

      Rund 3 Millionen Hektoliter Bier wurden um 1950 herum im Ruhrgebiet gebraut. Daran hatten Dortmunder Bierbrauereien einen Anteil von 1.240.000 Hektolitern (hl).
      In den Folgejahren stieg die Produktion rasant an.
      1958 lag der Dortmunder Bierausstoß schon bei etwa 4.900.000 hl. In 8 großen Brauereien in Dortmund waren noch rund 6.000 Personen beschäftigt.
      In Bochum wurden 1956 430.000 hl und 1958 500.000 hl gebraut.
      In Wanne-Eickel wurden zwischen 1948 und 1952 rund 60.000 hl Schwachbier (Bier mit geringerem Alkoholgehalt) gebraut.

      Vielleicht erklärt dies, warum es u.a. in Dortmund Brauereien mit eigenem Gleisanschluss gab. Dies waren z.B. die Dortmunder Actien-Brauerei (DAB), Dortmunder Union-Brauerei (DUB) und die Germania-Brauerei (später: Ritter-Brauerei).
      Sie hatten ihre Produktionsstätten im sogenannten Dortmunder Brauerei-Viertel entlang der +Rheinische Straße+, westlich des Hauptbahnhofs.
      Nur die Dortmunder Hansa-Brauerei lag deutlich weiter im Norden an der Steigerstraße, mit Anschluss an den Vbf Dortmund-Eving.

      Brauerei-Anschlüsse, Luftbild, Ausschnittvergrößerung, mit eigenen Ergänzungen
      Quelle: Regionalverband Ruhr, CC BY-NC-SA 4.0

      In diesem Thread sind Gleispläne der Dortmunder Actien Brauerei und der Dortmunder Union-Brauerei zu sehen. Im Letzteren sind auch die Übergabegleise zur Ritterbrauerei eingezeichnet, die spätestens zum Ende der 1960er Jahre die Germania-Brauerei übernommen hatte. Die Gleispläne sind von ca. 1973/74 und 1978.
      In dieser Karte von 1922 sind die Anschlussgleise der Dortmunder-Actien-Brauerei eingezeichnet, die darüber liegenden beiden Anschlussgleise werden hier noch der Dortmunder Germania-Brauerei zugeordnet.

      In Duisburg-Beeck hatte die König-Brauerei (König-Pilsener) eigene Privat-Güterwagen und einen eigenen Gleisanschluss; in Paderborn hatte dieAktien- & Vereinsbrauerei (Paderborner Pilsener) ebenfalls eigene Güterwagen.
      In Dortmund hatten mindestens vier Brauereien eigene Privat-Güterwagen. Dies waren die Dortmunder Union Brauerei, die Dortmunder Actien Brauerei, die Dortmunder Hansa-Brauerei und die Brauerei Kronenburg – diese allerdings erst nachweisbar im Jahr 1976. Diese Wagen waren in Dortmunderfeld beheimatet.
      Anmerkung:
      Die Dortmunder Union-Brauerei transportierte ihr Bier auch in pa-Behältern, von denen mindestens vier bekannt sind (siehe unten). Ab wann diese eingesetzt wurden konnte ich bisher jedoch noch nicht feststellen.

      In der Direktion Essen waren nach dem Zweiten Weltkrieg noch über 100 (113) Privatwagen (Bierwagen) eingestellt; die meisten davon waren in Dortmunderfeld beheimatet.

      Die Abfuhr beladener Bier-Kühlwagen erfolgte u.a. mit Güterzügen. Auf dieser Aufnahme fahren im Jahr 1965 Bierwagen von zwei Dortmunder Brauereien (DUB und DAB) hinter 50 3164 des Bw Hamm aus Dortmunderfeld aus.

      Bierwagen von Brauereien aus dem Ruhrgebiet (hier erneut: Dortmunder Union) konnten unter anderem in folgenden Bahnhöfen gesichtet werden:
      - in Arolsen
      - in Hannover
      - in Heidelberg-Karlstor
      - in Husum
      - in Westerland/Sylt

      Ein weiteres Ziel von Bierwagen der Dortmunder Union war Celle, nördlich Lehrte gelegen.
      1967 führte der Sg 5507 Duisburg Hbf – Essen-Frintrop – Wanne-Eickel Hbf – Dortmund-Obereving – Hamm (W) Rbf – Hannover-Linden (bis Wanne = B) ab Dortmund-Obereving als Gruppe 1 Bierwagen für Celle, die in Hannover-Linden auf den Sg 5537 nach Celle übergingen.
      Möglicherweise war hier die A. Schilling GmbH, Bierverlag, in der Dasselsbrucher Straße der Abnehmer.
      Oder kann jemand der Leser den/die dortigen Abnehmer (Bierverlag/Biergroßhändler?) benennen?

      Auch in den Süden, so z.B. nach Frankfurt am Main, sollen Bierwagen bereits in den 1960er Jahren (und auch später) gelaufen sein, hierzu habe ich jedoch aktuell keine weiterführenden Informationen.
      Kann jemand der Leser den/die dortigen Abnehmer (Bierverlag/Biergroßhändler/Bierniederlage?) benennen
      und eventuell weitere Informationen bereitstellen?

      Nur wenig lässt sich über Bierwagen aus anderen Regionen Deutschlands und des benachbarten Auslands im Ruhrgebiet vermelden. Nur dieser Wagen des Würzburger Hofbräu, eventuell der 521 774 P (Wagennummer schlecht lesbar), ist für Bocholt verbürgt.

      Nachweisbare Bierwagen und pa-Behälter für 1945 bis 1965:
      Mit Wagennummer/Behälternummer
      DR Brit-US-Zone Essen 502 729 P - Aktien- & Vereinsbrauerei A.-G. Paderborn (Bild 148)
      DR Brit-US-Zone Essen 503 790 P - Dortmunder Hansa-Brauerei (Bild 181)
      DB 504 205 P – Dortmunder Union Brauerei
      DB 504 208 P – Dortmunder Union Brauerei (beide Wagen)
      DB 504 214 P – Dortmunder Union
      DB 504 219 P – Dortmunder Union
      DB 504 223 P – Dortmunder Union
      DB 504 231 P – Dortmunder Union
      DB 504 239 P – Dortmunder Union
      DB 504 275 P – Dortmunder Union

      pa-Behälter 7253 070 P – Dortmunder Union Brauerei
      pa-Behälter 7253 085 P – Dortmunder Union Brauerei
      pa-Behälter 7253 117 P – Dortmunder Union Brauerei
      pa-Behälter 7253 134 P – Dortmunder Union Brauerei (pa-Behälter hier)
      pa-behälter 7253 113 P – Dortmunder Union Siegel-Pils

      Ohne Wagennummer
      DB xxx xxx P – König-Brauerei (5 Wagen – 5 Bauarten!)
      DB xxx xxx P – Dortmunder Actien-Brauerei (1 Wagen)
      DB xxx xxx P – Dortmunder Union Brauerei (1 Wagen)
      DR Brit-US-Zone Essen 503 xxx P - Dortmunder HANSA Brauerei (2 Wagen; Bild 116).

      pa-Behälter ohne Nummer der Dortmunder Hansa-Brauerei.

      Schlussanmerkungen:
      1 Liter Bier kostete zwischen 1945 und 1948 0,50 Reichsmark (RM), 1948 0,50 Deutsche Mark (DM). Der Preis stieg dann auf 0,55 DM in 1949 und 0,65 DM in 1950. Auf diesem Niveau (zwischen 0,58 DM und 0,65 DM) schwankte der Bierpreis in den kommenden Jahren bis 1965.
      Der Anteil von Export-Bier am Gesamtmarkt lag bei rund 57% gegenüber dem Pils, das bei 19% lag.
      Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch lag 1950 bei 39,4 Liter je Jahr.

      Herzliche Grüße
      Andreas

      … Alles in allem eine verwirrende Vielfalt von Strecken, die in alle Himmelsrichtungen führten, von irgendwo herkamen und unbekannten Orten zustrebten. …