ALCO RS-11

  • Hallo,


    gute Dinge dauern zuweilen eine ganze Zeit lang. Vor etwa 2 1/2 Jahren habe ich eine ALCO RS-11 von Rapidotrains vorbestellt die jetzt den Weg nach Europa geschafft hat.

    Erst einmal die Links damit sich der geneigte Leser ein Bild machen kann:

    Diesellok ALCO RS-11: https://en.wikipedia.org/wiki/ALCO_RS-11 (eine Deutsche Seite gibt es leider nicht)

    Der Importeur Rapido Trains in Canada: https://rapidotrains.com/

    Das Modell wie es vom Anbieter angekündigt worden ist: https://rapidotrains.com/ho-alco-rs11

    Und geleistet habe ich mir diese Ausführung: https://rapidotrains.com/produ…%3A150&page=2#prettyPhoto[field_image]/3/ In analoger DC Ausführung um die bekannten Probleme mit den werksmässigen Sounddecodern zu vermeiden.


    Da ich bei Sound in Lokmodellen meine eigenen Vorstellungen hinsichtlich Klang, Ablaufsteuerung u.v.m. habe, musste das fabrikneue Lokmodell geöffnet werden.


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    Nach beiliegender Anleitung wurde das Führerhaus abgenommen.





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    Es kam eine eingerichteter Führerstand zum Vorschein dessen Fußboden hier tatsächlich in der richtigen Höhe wie beim Vorbild lag. Die inneren Stirnwände mitsamt ihren Nachbildungen der Schaltschranktüren befinden sich am Fhs. selber. Im Bild der Arbeitsplatz des Engineers (Lokführer).





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    Nach Anleitung sollte zuerst der kurze Vorbau abgehoben werden. Im Bild die Sitze für den Fireman und Brakeman (hier Beimann und Rangierer).





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    Nach genauem betrachten unter der Uhrmacherlupe und Prokeln mit einen feinen Schraubendreher gelang das auch. Vorher müssen jedoch einige Geländerstützen ausgehängt werden.





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    Der lange Vorbau war schwieriger abzunehmen. Es war bereits ein original i-phone Lautsprecher mitsamt seiner Schallkapsel eingebaut.





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    Wenn schon ein Lautsprecher ab Werk eingebaut ist sollte man denn den auch ausprobieren. Das schnellste war den MTC21 Blindstecker gegen einen Sounddecoder meiner Wahl auszutauschen.

    Der Decoder habe ich dann nach meinen Wünschen eingestellt. Das sind Fahreigenschaften, Funktionstastenbelegung, Soundabläufe (immer in Verbindung mit dem Fahrverhalten), die dynamische Reaktionen der Soundabläufe in Abhängigkeit der tatsächlichen Belastungs des Lokmodells, Beleuchtungsfunktionen, Soundfunktionen (wie Auswahl des richtigen Motortyps, Signalhörner, Glocken) und letztendlich auch den Klangverhaltens. Ich kann hier mit einen 7-fach Klangregler Bässe rsp. Höhen betonen oder abschwächen, Nachhall- und Echoverhalten beeinflussen, des weiteren noch einen Hochpaßfilter zur Verfügung.


    Hier könnte der Umbaubericht eigentlich zuende sein.


    Jedoch fielen mir unangenehm Aussetzer bei nicht so topfebenen Gleisabschnitten auf. Trotz Stromabnahme von allen 8 Rädern kam es zu Stromunterbrechungen weil die Lok bocksteif ist. Das ist nicht sicher genug für Fremobetrieb.

    Ferner fand ich den Klang des serienmässigen Lautsprechers in meinen Ohren nicht so überzeugend.

    Mit freundlichen Grüssen


    Lutz

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  • Hallo,


    bezüglich Lautsprecher in H0 Loks habe ich ja nun einmal meine eigenen Vorstellungen und Vorlieben.


    So möchte ich nach Möglichkeit auch hier diesen Lautspecher (Zimo LSG 50x15x14) in der Lok haben.





    Zuerst müssen jedoch die Anschlüsse und die Kabelfarben nach Neu-Ulmer Werksstandard aufgedröselt werden.





    Dann erfolgt der Griff in den Traktor Werkzeugkasten. Das Ballastgewicht wird ausgebaut und in den Schraubstock eingespannt. Dann tritt die Bügelsäge in Aktion.





    Das Ballastgewicht ist in 3 Teile zersägt worden, von denen der mittlere Teil nicht mehr gebraucht wird.





    So passt der große Zimo Lautsprecher dann hier hinein.

  • Hallo Axel,


    das ist gleich erklärt und gezeigt:


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    Auch hier zwei Drehgestelle welche aus dem gleichen Werkzeug kommen. Eigentlich nichts Schlimmes und vom Fertigungsaufwand her sinnvoll weil man nur einen Satz Formwerkzeuge braucht. Man sieht die beiden "Ohren" auf welche sich das DG abstützt. Diese sind gleichzeitig auch die beiden Wankstützen.

    Aber beim Hauptrahmen gibt es auch 2 identische Drehgestellaufnahmen. Da beide DG gleich sind und beide ihre "Ohren" haben, auf die sich der Hauptrahmen abstützt, gibt es hier insgesamt 4 Auflagerpunkte. Und wie war das noch einmal mit den Tischen? 'y#

    Ein 4-beiniger wackelt jedenfalls immer. Im Wirtshaus kann man ja Bierfilze unter ein Bein klemmen wenn der Tisch zu arg wackelt, aber das geht hier gar nicht. Ein 4-beiniger Barhocker potenziert das Problem noch *#'

    Da die Herren Konstruktörichte wohl nie von einem wackelnden 4-beinigen Barhocker geplumst sind und/oder sich daran erinnert, haben sie das Gesetz von der statisch bestimmten Auflage wohl erfolgreich verdrängt.

    Also muß der geneigte Modellbahner hier selber Hand anlegen und Industrieschelte betreiben. Die Generation i-phone wird wahrscheinlich versuchen das an sich durch und durch mechanische Problem mittels elektronischen Wunderkondensatorpacks zu lösen. Die Stromabnahmeprobleme kriegen sie vielleicht übertüncht und verdrängt, nicht aber die geheimnisvollen Entgleisungen die man lieber verschweigt.


    Folgerung in Sachen statisch bestimmter Auflage: 1 Auflagerpunkt muß weg.






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    Aus meinem Fundus an Halbzeugen suche ich mir einmal ein paar Teile zusammen.





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    Hier sind das 2 U-Scheiben und ein Stück 0,5mm Messingdraht das zu einem irgendwie Ring gebogen wird.





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    Das wird aufeinander getürmt bis die Höhe der Ohren erreicht wird.





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    Dann heißt es zwack ...





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    ... ab!

    Der Stapel wird auf den Drehzapfen gesteckt und evtl. geklebt. Muß aber nicht sein; das Kleben ist nur eine Montagehilfe.





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    Der Gegenpart ist der aufklipsbare Deckel der die Schneckenlager fixiert. Durch die mit angespritzen Pratzen wird eine Abhebesicherung hergestellt die das Drehgestell am Herausfallen hindert. Gleichzeitig behindern diese Pratzen aber auch die Wankbewegungen des DGs. Daher werden sie etwas gekürzt. Nur so viel, daß sie eine Wankbewegung zulassen aber das DG immer noch am Herausfallen hindern.





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    Wenn alles wieder zusammen gebaut ist schwankt sie mal nach Luv und man nach Lee.


    Und damit das richtig herüber kommt, das andere Drehgestell bleibt unangetastet. Da sind nach wie vor die beiden "Ohren" vorhanden und bilden 2 Auflager. Das Dritte Auflager ist jetzt der Stapel U-Scheiben auf dem Drehzapfen. Damit ist mit einfachen Mitteln ein funktionierende 3-Punktlagerung geschaffen worden.

    Die Lok kann jetzt allen vorhandenen Gleisunebenheiten folgen. Und soll mir keiner kommen er würde seine Gleise so ordentlich verlegen, daß sie immer topfeben sind. Selbst diejenigen die den Gleisbau immer ganz supergenau ausführen, mussten das auf die ganz harte Tour lernen. Ein Lernprozeß der noch immer nicht ganz abgeschlossen ist.


    So auch hier.

    Es stellt sich die Frage was an Mehrkosten angefallen wären, wenn man es gleich bei der Konstruktion mit berücksichtigt hätte?

    Ich sage wenig bis Null-Komma-Nichts.

    Der Hauptrahmen auf einer Seite für eine Drehgestellaufnahme:

    - Beim Drehzapfen hätte man im oberen Teil mit größeren Durchmesser ausführen können. Dann kann man sich den Stapel U-Scheiben sparen.

    - Für die "Ohren" hätte man im Boden Taschen oder Aussparungen machen können, dann würden sie die Wankbewegungen dieses DGs nicht behindern.

    Beim Bau des Werkzeugs für den Hauptrahmen wären kaum Mehrkosten für die zusätzlichen Bearbeitungsschritte angefallen. Diese evtl. Mehrkosten dann durch Berechnen zu erfassen dürfte sehr schwierig werden.


    Übrigens; 3-beinige Barhocker wackeln nicht. :pilotbw:



    P.S. Tante Edit: Rechtschreibefehler, Buchstabendreher und Satzbau korrigiert

    Mit freundlichen Grüssen


    Lutz

    2 Mal editiert, zuletzt von Lutz K ()

  • Hallo,


    was mir dann noch aufgefallen ist:

    Glocke und Bremszylinder kommen sich in die Quere. Die Lok steht dabei auf der ebenen Werkbank. Dreht man beide Drehgestelle von Hand, so macht sich ein spürbarer Widerstand beim Ausdrehen der beiden DG bemerkbar. Die Glocke war nur eine der Ursachen.





    Die Glocke wurde daher von ihrem ursprünglichen Anbringungsort 2mm versetzt wieder angeklebt. Damit war dieses Problem gelöst.

    Keine schlaflosen Nächte.





    Aber noch immer liessen sich beide DG nicht widerstandsfrei ausdrehen. Die Ursachen waren die Halterungen für den Tank. Sie waren nicht weit genug ausgeschnitten und die DG kollidierten dann mit ihnen. Mir war es wichtig diese Käfer (Bugs) schon im Vorfeld zu beseitigen wegen Ärger vom Hals schaffen.





    Daher habe ich die Halterungen freihändig etwas weiter ausgefräst.


    Die Drehgestelle habe ich für eine Verbesserung in Sachen zuverlässige Stromabnahme auch später bei hohen Laufleistungen teildemontiert.

  • Hallo,


    die nächste Arbeit betrifft die Stromabnahme. Diese Arbeit wurde chronologisch gesehen zusammen mit der Herstellung der Allradauflage ausgeführt. Ich habe mich entschlossen ihr einen eigenen Beitrag zu widmen.


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    So sieht die ursprüngliche Stromabnahme aus. Die Achsen der Radsätze sind nur Halbachsen welche in einer durchgehenden Isolierbuchse stecken an die gleichzeitig das Achszahnrad mit angespritzt ist.

    Die Zapfen der Achsen drehen sich in Metallhülsen die in ein Messingblech eingestanzt sind. Diese Art der schleiferlosen Stromabnahme ist auch bei Modellen nach deutschen Vorbildern bekannt. Sie funktioniert einwandfrei solange sie neu und sauber ist. Hat die Lok jedoch dann einmal eine gewisse Laufleistung erbracht, so wird sie immer unzuverlässiger. Eine Kombination von öligem Schmier und um die Achszapfen gewickelten Staubflusen hat eine isolierende Wirkung. Entfernen und Reinigen bringt nur eine sehr kurzzeitige Verbesserung und die Reinigungsarbeiten müssen oft wiederholt werden. Wundermittelchen wie Kontaktspray haben eine ähnlich kurze Halbwertszeit und helfen auf Dauer nicht.





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    Ich habe dann vor ettlichen Jahren damit angefangen hier zusätzliche Schleifer einzubauen. Damit werden die Achslager elektrisch überbrückt und damit die Unzuverlässigkeiten der Stromabnahme.

    Hier löte ich Abschnitte von 0,3mm Bronzedraht an die Bleche.





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    Sie werden anschliessend so gebogen und eingekürzt. Da die Achszapfen in ihren Lagern doch etwas Spiel aufweisen, kommt man so ganz nebenbei zu einer Federung.

  • Hallo Lutz


    Danke für deinen Report um diese ALCO und deiner Fehlerfindung.

    Es hat schon was, wenn man wie du die Unstimmigkeiten mit kleinen Aufwendung an der schönen Lok ausmerzen kann.

    Die RS ist schon hier in dieser Lackierung, ein schöner "Dampfer", (ein Schelm der böses denkt)

    Ich war Zeuge als du meinen "CARL" in wenigen Handgriffen, in Bewegung gebracht hast.



    Ich finde, das ist des Modellbahners Kunst, etwas "unbewegliches", wieder zum Laufen zu bringen.:sehrgut:

    Mit freundlichen Grüßen :hutab:
    Jürgen


    Wir sind weg, in Richtung Nimmerland ( Alles nur ein Traum, oder doch Realität )

  • Hallo,


    ja manchmal sind die Lösungung so einfach aus bockenden Rangierböcken gut laufende Rangierloks zu machen.


    Hier jedoch beuge ich vor damit das Fahren mit dieser ALCO RS-11 später auf Fremo Sessions ungetrübtes Vergnügen wird.


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    So fügt sich dann alles zusammen. Der große Zimo Lautsprecher hat seinen Platz gefunden und das Gehäuse geht ohne Zwang auch wieder aufzusetzen.





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    Die Drehgestelle sind entkäfert und nichts behindert mehr ihre Bewegungen. Die Ketten sind richtige Ketten und dienen der Betätigung der Feststellbremse.





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    Glück gehabt, die abgeplatzten Stellen liessen sich mit Elita RAL6020, das gute alte Bundesbahn Chromoxidgrün, wieder ausbessern. Der Farbton ist identisch.





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    Gimmick am Rande, die Beleuchtung der Anzeigen im Führerhaus.

    Es gibt noch weitere Gimmicks wie Anfahrleuchten links und rechts. Die beleuchten dann die Bremszylinder und sind nur bei Dunkelheit sichtbar. Des weiteren die sog. Markerlights, das sind farbige Markierungsleuchten an der Lok welche die verschiedenen Ausnahmezustände signalisieren. Sie sollen angeblich auch am Modell 3-farbig sein und sich nur mit einem bestimmten Decoderfabrikat ansteuern lassen.

    Ich habe sie deaktiviert, da ich den Normalzustand darstelle und nicht krampfhaft nach irgendwelchen lichttechnischen Ausnahmesituationen suche.

    Bei der Programmierung des Decoders sind daher solche Gimmick-Funktionen sinnvoll zusammen gelegt worden. So wie z.B. die Armaturenbeleuchtung die zusammen mit mit den Loknummern und die Stirnlichtern zusammen mit f0 geschaltet werden.


    Das ist meine erste Lok von Rapido Trains. Anbetracht des von Rapido Trains beanspruchten hohen Levels und des doch recht hohen Einstandspreises (284,90€ DC/DCC-ready und 419,90 DCC+Sound) hinterlässt sie einen etwas zwiespältigen Eindruck bei mir.

    Auf der einen Seite hat mich sich richtig Mühe gegeben mit vielen Ätzteilen und der minutiösen Herausarbeitung der Unterschiede bei den einzelnen Bahngesellschaften. Ebenfalls sind hier auch Details in allen Einzelheiten nachgebildet worden wie man es noch nie zuvor gesehen hat. Erfreulich ist auch die Kompaktierung der Getriebetürme in den Drehgestellen. Die Gelenkwellen konnten dadurch tiefer angeordnet und damit eine mäßstäbliche Lage des Führerhausbodens realisert werden. Ferner ein erweiterter Beleuchtungsumfang der wohl dem Geschmack der heutigen Generation geschuldet ist. Die Lok ist jedoch nicht so um ein einzelnes Decoderfabrikt "herumkonstruiert" worden wie das bei Scaletrains der Fall ist.

    Die Kehrseite sind dann die mechanischen Konstruktionsfehler wie z.B. die nicht ausreichende Bewegungsfreiheit der Drehgestelle. Leider hat man es auch hier versäumt der Lok eine 3-Punktlagerung zu verpassen wie es Heute z.B. Walthers bei seinen Lok macht. Die im beigegebenen Handbuch gebetsmühlenartigen Wiederholungen bei nachträglicher Digitalisierung nur dieses "eine" Decoderfabrikat zu nehmen nerven jedenfalls. Qualitativ gab es hier bei meinem Exemplar krumme Geländer und schief montierte Geländerstützen.


    Und Häme weil es sich um ein "ausländisches" Produkt handelt ist nicht angebracht. Dafür gibt es zu viele Negativbeispiele "einheimischer" Anbieter welche u.a. erhebliche Verabeitungsmängel aufweisen bis hin zu wirklich konstruktiven Murks.

    Mit freundlichen Grüssen


    Lutz

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