Noch einmal zu Mitschreiben: die V60 von Roco

  • Hallo Leute!


    Vorab gesagt, wer seine Loks zum einschlägigen Spezialisten zum Umbauen gibt, der braucht diesen Thread nicht durchzulesen. Hier ist Küchentischniveau und eher eine Anleitung zum Selbermachen.


    Erst einmal zeigen wie sich das serienmässige Fahrwerk wirklich über die Gleise bewegt:



    Wie üblich bei mir stark übertrieben dargestellt um die Vorgänge überhaupt sichtbar zu machen. Bei normal guten Gleisbau sind es dann statt der gezeigten 2mm nur noch 0,2mm und bei sehr guten Gleisbau sind es dann nur noch 0,02mm, aber auch 0,02mm Luftspalt stellen für die bei der elektrischen Modelleisenbahn üblichen Spannungen ein unüberwindbares Isolationshindernis dar.
    Wie man sieht hängen 1. und 2. Kuppelachse in der Luft



    Nur die 3. Kuppelachse hält noch Kontakt zur linken Schiene, ein Staubflüschen oder ein Mückenschiß reichen dann aus um die Fuhre dann nachhaltig zu stoppen.
    Gerade bei langsamen Rangierfahrten ein ständiges Ärgernis.



    Jetzt plumpst die 3. Kuppelachse in die Kuhle und die beiden linken Räder der vorderen Achsen haben wieder Gleiskontakt.
    Aber dafür haben die die rechten Räder dieser beiden vorderen Achsen Airtime...









    Das Ganze jetzt noch einmal mit einer schon umgebauten Lok des gleichen Typs.
    Wie man dahin kommt, das will ich in diesem Thread hier beschreiben.

    Mit freundlichen Grüssen


    Lutz

    3 Mal editiert, zuletzt von Lutz K ()

  • Klasse ! Freu ich mich drauf.


    Was ist das für ein Radprofil ?


    Für pur wirken die Räder zu dick, für Rp25 kommen mir die Radkränze zu klein vor ???

  • Hallo Lutz,


    da bin ich auch gespannt - ich habe diese Lok auch noch irgendwo rumstehen. Meine hat allerdings mittlerweile das Taumeln gelernt - mir ist das am Anfang nicht aufgefallen. Macht zumindest Streckenfahrt zu einer kleinen Seefahrt für den Lok- und Rangierführer. Kennt ihr das Problem auch? Woran liegt das? Ich hatte mal die H-förmigen Achsfeder im Verdacht, da diese einen Arm verloren hatte. Habe ich dann allerdings erfolglos ausgetauscht...


    Schöne Grüße,
    Erik

  • Zuerst wird die Lok demontiert:



    Nach dem Lösen der vorderen und hinteren Schrauben in der Bodenplatte kann man das Gehäuse mitsamt dem Umlauf nach oben abheben.
    Die mittlere Schraube in der Bodenplatte hält übrigens den Motor, so wie fast den ganzen Rest des Fahrwerks zusammen.



    Dreht man sie heraus, fällt das Fahrwerk fast schon allein auseinander. Hier ist einfach nur die Bodenplatte abgenommen worden um den Originalzustand zu zeigen.
    Die Kupplungsrückstellfedern sind kleine Plättchen aus Bronzeblech a'la Fleischmann und funktionieren auch genau so.
    Man sieht auch das H-förmige Federblech das den beiden vorderen Kuppelachsen so eine Art Wipplagereffekt verschaffen soll. Jedoch verpufft die Wirkung weil die 1. Achse fest im Rahmen gelagert ist.
    Lediglich die mittlere Achse hat etwas Höhenspiel nach oben und wird vom H-Blech abgefedert. Jedoch kann sie die Stromabnahme nicht wirkungsvoll zu unterstützen weil die Bodenplatte sie daran hindert nach unten auszufedern. So schweben ihre Räder dann auch in der Luft.



    Nach herausziehen der Stoppel (original Nomenklatur Roco für die Kurbelzapfen) kann man die Lok weiter zerlegen.



    Bis hierhin, aber nicht weiter haben es wohl schon viele geschafft. Die große Befremdlichkeit und damals wohl ein Ausrutscher, sind die geschlossenen Achslager der 3. Kuppelachse.
    Bei der verschlimmbesserten Version der Roco V60 hat man die geschlossenen Achslager wohl beseitigt, dafür dann zum Ausgleich das ganze Fahrwerk brettsteif gemacht.





    Jetzt geht es ans Eingemachte:



    Um auch diesen letzten Radsatz zu demontieren, muß ein Rad als auch das Zahnrad von der Achse gezogen werden.
    Dafür gehe ich mit einer spitzen Pinzette zwischen Rahmen und Radnabe. Hier an der Radnabe und direkt an der Achse muß der Kraftangriffspunkt liegen an dem ich hebeln kann. Man sollte auch nicht am Radreifen hebeln, sonst kann man dem Rad ganz schnell einen (Seiten-) Schlag verpassen und es kommt zu den von Erik beschriebenen Effekten einer Seekrank-Lok ;)
    Man sollte auch unter gar keinen Umständen die Räder auf der Achse beim Abziehen verdrehen!!!
    Roco hat hier eine Rändelung der Achsstummel gemacht und bei Verdrehen ruiniert man dann die Preßpassung als auch den festen Sitz des Rades auf der Achse.



    So sieht die oben beschriebene Theorie in der Praxis aus. Die spitze Form der Pinzette mache ich mir zu nutze, in dem ich sie wie 2 Keile zwischen Radnabe und Rahmen schiebe.



    Ist das Rad erst einmal von der Achse, kann man den Getriebedeckel auch abnehmen. Hier ist es mit etwas Fummelei verbunden um an der Blindwelle vorbei zu kommen, aber diese wollte ich nicht ebenfalls abziehen



    Jetzt können die Zahnräder heraus genommen werden und nach Abziehen des Achszahnrads auch der restliche Radsatz ausgebaut werden. Hier kann man einfach mit einem Stück Rundmaterial, Durchmesser kleiner 2mm, das Zahnrad von der Radsatzachse drücken.
    Keine Panik, es sind 3 völlig gleiche Zahnräder vorhanden, von denen eines auf der Radsatzachse sitzt und die beiden anderen im Getriebe.
    Das alte Fett wird vollständig entfernt, es wird schon zäh und fängt an langsam zu verharzen.


    So weit erst einmal die vorbereitende Demontage.


    @Jörg
    Das sind immer noch die originalen Roco Räder. Als ich damals die erste V60 umbaute, hatte ich noch keine Drehbank und so habe ich die Spurkränze am Schleifbock nieder gemacht. Jahre später habe ich sie dann noch einmal mit der Drehbank überdreht um sie zu glätten. Sie haben denn auch nur noch eine Höhe der Spurkränze von 0,2mm, das ist schlimmer als Finescaler erlauben ... :whistling:
    Trotzdem läuft die Lok völlig betriebssicher auf Normalogleisen.


    @Erik
    Ich vermute eines oder mehrere Räder haben einen Schlag. Egal ob Höhen- oder Seitenschlag, das Resultat ist immer eine Seekrank-Lok

    Mit freundlichen Grüssen


    Lutz

    Einmal editiert, zuletzt von Lutz K ()

  • Ok,


    das erklärt die seltsame Optik.


    Ach wäre es schön, wenn es fertige Tauschradsätze für solche Loks gäbe. *träum*

  • Hallo Lutz
    besten Dank schon mal - Ich gehe Samstag MoBa Shoppen :-)
    Mal sehen, ob ich eine V60 fischen kann. Dann feile ich nach.
    Wenn Ich den Thread hier von Dir richtig verstehe, geht es darum, der V60 eine Allrad-Auflage zu verpassen - Korrekt?
    Das wird einem nicht 100% klar - es könnten auch noch abgeschliffene Radkränze dabei sein...


    LG,
    Axel

  • War es bis jetzt reversibel, nützlich wenn man die Lok mal generalüberholen möchte einschliesslich Fettwechsel im Getriebe, so geht es jetzt einen Schritt darüber hinaus.


    Als nächster Schritt wird der 3. Kuppelradsatz wieder ausserhalb des Lokrahmens zusammen gebaut:



    Das Zahnrad wird zuerst wieder aufgepresst. Der rel. leichte Preßsitz reicht hier völlig aus.
    Dann wird das vorher abgezogene Rad auf den Achsstummel gerade so eben aufgesteckt. So kann man es noch drehen und ausrichten.
    Wenn man mal genau hinschaut erkennt man die Rändelung auf dem Achsstummel. Das genau ist der Grund warum man die Räder nicht auf den Achsen drehen sollte. In der gezeigten Position hat die Rändelung allerdings noch nicht gefasst und man kann das Rad auf dem Achsstummel noch verdrehen.



    Beim Ausrichten ist der 90° Versatz der Kurbelzapfen unbedingt zu beachten.
    Vorher sieht man sich an den anderen Radsätzen an, wo die Zapfenbohrungen sitzen sollen.
    Danach richtet man jetzt die Räder der zu montierenden Achse aus.
    Mit Daumen und Zeigefinger der linken Hand fasst man das Rad, welches schon etwas auf der Achse sitzt und richtet die Zapfenbohrung genau nach unten aus.
    Dann schwenkt man den Teilradsatz zur Seite, so daß man es jetzt im Profil sieht.
    Das zu montierende Rad wird jetzt so verdreht, daß Achse und Kurbelzapfen eine Linie bilden.
    Als Kontrollblick schwenkt man den Radsatz wieder zurück und schaut bei möglichst rechtwinkeligem Blick, durch die Speichen der beiden Räder.
    Hier sollten die Speichen beider Räder paralell stehen und deckungsgleich sein.
    Hat man es nicht getroffen, Vorgang wiederholen.
    Durch die Rändelung wird der Richtvorgang etwas erleichtert, weil das vorher schon mal montierte Rad schon Nuten ausgeprägt hat. In diese rutscht sozusagen bei endgültiger Montage die Rändelung jetzt wieder hinein und richtet sich so innerhalb gewissen Grenzen wieder selber aus.


    Wenn der 90° Versatz stimmt kann das Rad jetzt wieder aufgepresst werden.

    Man nimmt den Radsatz zwischen Daumen und Zeigefinger an den Naben beider Räder und drückt zu.
    Bis zum Anschlag.
    Das Rad sitzt dann wieder in der ursprünglichen Position.



    Der nächste Schritt ist die Herstellung einer Mittelauflage für die 1. Kupplelachse welche pendeln soll.

    Dafür misst man bei noch unbearbeitetem Achslagern den Zwischenraum zwischen Achse und dem Fahrwerk.
    Hier ist durch probieren mit verschiedenen Drahtstärken ein Maß von 1,2mm gefunden worden.
    Soll bedeuten, ein Messingdrahtstück von 1,2mm Stärke lässt sich so gerade noch zwischen Achse und Boden schieben ohne die Achse von ihren Lagern abzuheben.
    Ich werde später dieses mittige Auflager einfach mit Sekundenkleber einkleben, der Winkel dient nur zur Vergrösserung der Klebefläche.



    Jetzt kommt der Schritt der die meiste Selbstüberwindung erfordert.

    Man kann hiermit arbeiten. Mit Säge und Feilen.
    Zuerst werden Schlitze zwischen Unterkante Rahmen und Achslagerbohrung gesägt.
    Dann werden die Schlitze mit geeigneten kleinen Feilen aufgeweitet bis ein "U" entsteht.
    Die obere Hälfte der Lagerbohrung wird nicht angetastet!
    Dieses obere Halbrund stellt später das eigentliche technisch funktionale Lager für die 3. Kuppelachse dar.




    Auch ich habe von den Japanischen Wundersägen gehört die auf Zug arbeiten. Was hindert mich als Querdenker auch meine PUK Sägeblätter anders herum einzuspannen und die Säge so auf Zug zu benutzen. Es lässt sich m. E. besser und genauer damit arbeiten.

    Mit freundlichen Grüssen


    Lutz

    2 Mal editiert, zuletzt von Lutz K ()

  • Hi Lutz
    Auf Zug sägen ist immer besser :thumbup: Die Japanischen Sägen haben noch eine leicht andere Verzahnung, sind dünner, aus anderem Stahl und anders gehärtet.
    Aber auf die Querdenkerweise hast Du schon viel gewonnen... .
    Wichtig wäre noch, das man mit wenig Druck und guter Führung der Säge die ersten Züge macht - vielleicht an einem Probestück...


    LG,
    Axel

  • Weil bei mir die Ausrüstung vorhanden ist, habe ich mich entschlossen diese auch zu benutzen.

    Viel Späne und mit der gezeigten Fräseinrichtung auch nur mit Tricks zu bearbeiten, so wie nacharbeiten mit der Handfeile erforderlich.



    So sollte jedenfalls das Ergebnis aussehen. Aus den Achslagern der 1. und 2. Kuppelachse sind nur noch Führungen geworden.
    Die Bodenplatte ist noch unbearbeitet.



    So wird dann die Bodenplatte mit einer kleinen Rundfeile im Bereich der Achslager von 1. und 2. Achse ausgefeilt. Im Bereich der 1. Achse muß ich noch etwas ausnehmen.



    Die 3. Achse wo das Achslager nach unten hin geöffnet wurde. Hier habe ich ersatzweise eine 2mm Waggonachse eingelegt um zu zeigen wie weit die Bodenplatte an dieser Stelle aufgefüttert werden muß.



    So sieht es bei den anderen Achslagerführungen jetzt aus.



    Zwei Stückchen aus 1,0mm PS werden hier eingeklebt (mit Sekundenkleber)



    So habe ich dann die eingeklebten PS Stückchen mit einer kleinen Rundfeile bearbeitet damit die 3. Kuppelachse möglichst spielfei und dabei leichtgängig läuft.
    Man sieht auch das eingeklebte mittige Auflager der 1. Achse und die H-förmige Feder. Die H-Feder habe ich noch etwas stärker gebogen damit die mittlere Achse mehr vom Lokgewicht aufnimmt.
    Wer weiterhin mit NEM Radsätzen und Analog fahren möchte, der kann hier aufhören und die Lok wieder zusammenbauen. Auf jeden Fall hat sich durch die Allradauflage die Stromabnahme signifikant verbessert.
    Weitere Arbeitschritte wie Digitalisierung werden noch folgen.


    Dann die Frage nach den Kosten. "Ab Werk" hätte eine Allradauflage nach dem Konzept wie gezeigt wirklich keine Mehrkosten verursacht. Es wären keine zusätzlichen Teile erforderlich gewesen.
    Alle gezeigten Funktionen und Effekte hätte man schon in den Spritzgußwerkzeugen selber integrieren können. Einfach durch die Gestaltung der entsprechenden Partien.
    Allenfalls bei der Konstruktion wäre etwas mehr an Gehirnschmalz, so wie die Mitarbeit von etwas mehr grauen Zellen erforderlich gewesen.
    Statt des eingeklebten Messingdrahts als mittiges Auflager für die 1. Achse hätte man einen Steg im Rahmen anformen können. Die vergrösserten Achsausschnitte hätte man auch gleich im Werkzeug ausbilden können.
    So bleibt uns nichts anderes übrig als die entsprechenden Fahrzeuge aus dem Angebot der Industrie selber für den eigenen Bedarf herzurichten.


    [ironie]Veränderungen fangen im Kopf an. So weit ist unsere Spielzeugbahnindustrie noch nicht. Man macht da lieber mehr als fragwürdige Schritte in die Vergangenheit. Siehe in diesem Zusammenhang auch den Thread über die ÖBB 2067 in DSO :
    http://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?10,7195253
    Die DB V60 und die ÖBB 2067 sind durchaus vergleichbar. Der Thread mit seinen vielen Bildern zeigt eindrücklich die technische Dämlichkeit der Neukonstruktion der 2067 von Anno 2014.
    Optisch ist dieses Modell ja recht gelungen, aber die technische Ausführung? :uebel: [/ironie]

    Mit freundlichen Grüssen


    Lutz

    2 Mal editiert, zuletzt von Lutz K ()

  • Moin Lutz,


    vielen Dank für deine Offenbarungen in Sachen 260 von Roco. Die Ursprungsversion liegt mir leider nicht vor, wohl aber die recht junge Neuauflage in Ep. IV, die ich irgendwann zu einem sehr guten Kurs habe erstehen können. Dank einer technischen Werkstattausrüstung wie bei Dir lesen sich diese Umbauten bzw. Verbesserungen sehr leicht. Vielleicht sollte ich Dir meine 260 zumindest teilzerlegt schicken. ;)


    Mal weiter gesponnen und im Fazit betrachtet: Mit diesem Aufwand und zusätzlich feineren Räderwerk ist und bleibt die Roco 260 mE das beste Dreibein am Markt. Die überfrachtete Version von Esu reicht optisch schon bei weitem nicht an die Altkonstruktion heran.


    Interessant finde ich Deine Anmerkungen zur grundsätzlichen Konstruktionen und der Blindheit der Konstrukteure. Von Theoretikern entwickelt, aber nicht von Praktikern wie Dir kontrolliert. Das Hättehätte läßt keine Langeweile aufkommen. :hust:

    Gued gaohn un bis düsse dage aus dem Münsterland
    Andreas

  • Ich mache dann mal weiter.
    Wenn man schon eine funktionierende Allradauflage der Lok geschaffen hat, dann kann mach sich auch gleich von den überflüssigen Spurkranzhöhen verabschieden.
    Als weitere Option steht einem dann auch die Möglichkeit offen hier noch feinere Räder einzubauen. Hier denke ich an Radsätze mit 2,2mm breiten Radprofilen nach NMRA RP25 Code 88, hierzulande als H0-Fine gehandelt oder gar an 1,6mm Breite Radprofile nach Proto (:87 oder Pur).
    Das ist jetzt möglich ohne daß die Betriebssicherheit der Lok darunter leidet. Entspechende Infrastruktur in Form von angepasstem Gleismaterial selbstverständlich vorausgesetzt.
    Ich selber habe mich für 2,8mm breite Räder nach Code 110 entschieden.




    Das überflüssige Material der Spurkränze wurde entfernt.[ironie]Wenn jemand noch einen Satz Spurkranzaufsätze braucht bitte melden ... [/ironie]Die Höhe der Spurkränze beträgt jetzt gefällige 0,5mm und das Radreifenprofil entspricht damit der RP25/110. Das Radsatzinnenmaß wurde auf 14,5mm eingestellt und entspricht damit sowohl der NMRA S-4.2 als auch der NEM310.
    Auch hier gilt es die Infrastruktur in Form der vorhandenen oder geplanten Gleise zu beachten.



    Anschliessend wurde das Fahrwerk wieder zusammen gebaut und die Kuppelstangen montiert.
    Wie man sieht ist ein Teil über 3 Lagerstellen durchgehend. Bei Roco hat man jedenfalls damals nachgedacht und die Bohrungen für die Kurbelzapfen auf der Blindwelle als vertikales Langloch ausgeführt.
    Somit ist eine kinematisch einwandfreie Höhenbeweglichkeit der mittleren Kuppelachse gewährleistet und man muß keine Bearbeitung an diesen Stangen machen. Für diese leichte Lok reichen auch die Stoppel als Kurbelzapfen völlig aus um die auftretenden Kräfte zu übertragen.
    Anschliessend erfolgte eine Rollprobe des Fahrweks mit ausgebauter Schnecke.
    Danach analoge Fahrtests.
    Erst wenn alle evtl. Klemmer und Unrundheiten beseitigt sind, kann man weiter machen. Falls Klemmer oder dergleichen auftreten, sollte man jetzt die Ursache(n) dafür suchen und diese beseitigen. Man sollte aber nicht versuchen die Symptome zu kurieren, sondern wirklich die Ursachen dafür suchen und sie gründlich beseitigen.




    Da die Lok Digital betrieben werden soll ist der nächste Schritt die Suche nach einem geeignetem Decoder so wie einem geeigneten Einbauraum dafür.



    Entschieden habe ich mir für einen TCS M4 aus dem Spur N Sortiment. Der Zwerg kann jedenfalls 1A Motorstrom auf Dauer ab und verträgt Spitzen bis zu 2A. Also ausreichend selbst für H0 Loks und für diese V60 mit ihrem Spur N Motor erst Recht.
    Des weiteren habe ich auch wegen der Kleinheit dieses Decoders schnell einen Einbauplatz gefunden. Unter der Inneneinrichtungsattrappe passt er genau hin.
    Selbst das Ausfräsen des Ballastgewichts konnte ich mir sparen, da Roco schon eine Art Kabelkanal auf der rechten Lokseite eingerichtet hat.
    Leider konnte ich hier keine genormte Schnittstelle unterbringen, das hätte dann doch wieder zusätzliche Fräsarbeiten nach sich gezogen. So wurde der Decoder hardwired (fest eingelötet).



    Alle für den Digitalbetrieb überflüssigen Bauteile wurden ausgelötet. Drosseln, Kondensatoren und Dioden machen dem Decoder nur das Arbeiten schwer und können u.U. das Regelverhalten negativ beeinflussen. Also weg damit, zumal Decoder eine eigene Funkentstörung eingebaut haben.



    Die Leiterbahnen werden an den entspechenden Stellen unterbrochen bzw. überbrückt und können so teilweise weiter benutzt werden. Hier sollten man sich den Stromverlauf vorher allerdings sehr genau anschauen. Dann nachdenken wo getrennt, wo überbrückt und wo welches Kabel angelötet wird.
    Die Kabelfarben des Decoders sind gemäß NMRA ausgeführt und es liegt ein Anschlußplan bei. Grün und Violet sind für 2 weitere Zusatzfunktionen die ich hier im Moment nicht benötige.
    Bevor man die Lok wieder zusammenbaut, sollte man noch einmal alle Kabelanschlüsse kontrollieren, hier gilt unbedingt der Satz von Lenin: "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser."



    Ist alles eingelötet und in der Lok verstaut geht es erst einmal auf das Programmiergleis. Wenn alles richtig angeschlossen ist, sollte die Zentrale die Adresse 3 auslesen.
    Wenn nicht, siehe Methode Lenin.
    Ist so weit alles O.K., kommt die Lok auf die Anlage zum Probefahren. Mit Adresse 3 sollte sie reagieren.
    Fahrtrichtung korrekt?
    Licht richtig herum?
    Sonst s.o.

    Mit freundlichen Grüssen


    Lutz

    2 Mal editiert, zuletzt von Lutz K ()

  • Noch etwas:



    Einige sind schon an den Kupplungsschächten verzweifelt. Die kleine Blattfeder a'la Fleischmann drückt hier nicht etwa nach vorne, sondern nach hinten.
    Soll heißen der Mitnehmerstift kommt hinter die Feder.



    Schwenkt die Deichsel mit dem Schacht aus, so wird die Feder nach vorne gedrückt.



    Um den Steckteilen einen sicheren und festen Halt zu geben, muß man zuweilen die in die Bohrungen einzusteckenden Enden mit einer Zange etwas quetschen. Dann sitzen sie auch fest.



    Über das Einstellen von Decodern für den persönlichen Geschmack gibt es hier einen ausführlichen Thread.




    Das Handbuch sollte man im Zweifel immer zu Rate ziehen. :rtfm:



    Mit Speed Graph ist hier eine 3-Punkt Kennlinie gemeint:
    CV2 = 0 => Dem Motor zugeführte Spannung in Fahrstufe 1 ist kleinstmöglich
    CV6 = 60 von 255 Zählern => Spannung 23,5% vom Maximalwert in Fahrstufe 14
    CV5 = 120 von 255 Zählern => Spannung 47% vom Maximalwert in Fahrstufe 28 = eingestellte Höchstgeschwindigkeit der Lok
    Trägt man das in einen Graphen ein, so findet man eine gerade (lineare) Kennlinie der Beschleunigung.




    Die Beschleunigungs- und Bremszeiten CV3 und CV4 hängen vom persönlichen Geschmack, so wie den Anlagenverhältnissen ab. Hier ist selber ausprobieren angebracht.


    Mit dem Motor Trim kann man unterschiedliche Höchstgeschwindigkeiten für vor- bzw. rückwärts einstellen. Sinnvoll ist das für Schlepptenderloks wie z.B. eine BR03 die vorwärts 120 km/h laufen darf, rückwärts jedoch nur 50 km/h. Hier bei der V60 bleibt die Funktion ungenutzt da sie in beiden Fahrtrichtungen jeweils die gleiche Höchstgeschwindigkeit aufweist.



    Nur so viel, der von mir eingebaute TSC Decoder ist hier für diese Lok ein Overkill. Kaum jemand wird wohl die unterschiedlichen Beschleunigungs- und Bremsraten nutzen. Die kommen zu der Möglichkeit die Geschwindigkeit für jede der 28 Fahrstufen einzeln separat einzustellen, noch einmal bei diesem Decoder hinzu.
    Der Decoder hat eine sich selbst einstellende Lastregelung und man braucht sich mit den Einstellungen der PID Parameter nicht zu beschäftigen.

    Mit freundlichen Grüssen


    Lutz

    2 Mal editiert, zuletzt von Lutz K ()

  • Ach wäre es schön, wenn es fertige Tauschradsätze für solche Loks gäbe. *träum*


    Deine Gebete sind erhört worden!


    Weinert hat im Neuheitenprospekt für die Roco V60 Austauschradsätze angekündigt, unter der Best.-Nr.:
    5652 "RP25", hier vermute ich mal Radreifenprofile nach NMRA RP25 Code 110
    5626 "fine25", hier vermute ich mal Radreifenprofile nach NMRA RP25 Code 88


    Hier der Direktlink (pdf) zu Weinert:
    www.weinert-modellbau.de/image…/2015er-Neuheiten-web.pdf

    Mit freundlichen Grüssen


    Lutz

    2 Mal editiert, zuletzt von Lutz K ()

  • Als ich für Wartungsarbeiten meine andere V60 geöffnet hatte, habe ich das wegen der anderen Einbaumöglichkeit eines DCC Decoders mit der Kamera dokumentiert:




    Hier habe ich damals ein Stück des Ballastgewichts herausgesägt und eine 8-polige NMRA/NEM Schnittstelle geschaffen. Man muß nur auf die Kabel aufpassen damit diese nicht die Gelenkwelle berühren. Das verursacht dann sonst ratternde Geräusche.
    Die Innenrichtung wurde um Platz zu schaffen etwa 2mm höher gesetzt.
    So konnte ich dort einen ESU Lopi Basic V1.0 einstöpseln. Der reicht für den Betrieb der Lok vollkommen aus, auch hinsichtlich seiner Regelungsqualitäten.

    Mit freundlichen Grüssen


    Lutz

    Einmal editiert, zuletzt von Lutz K ()

  • Hallo,


    auch hier zum Abschluß ein kleines Video:



    Durch eine neue Kamera war es mit jetzt möglich auch Videoaufnahmen zu machen.
    2019 ist ein Jahr der V60. Nicht weniger als 3 verschiedene Hersteller wollen Modelle von neu konstruierten Modellen der V60 auf den Markt bringen:


    Piko, die ersten Varianten werden gerade ausgeliefert
    Brawa, soll laut Prospektaussge eine 3-Punktlagerung haben
    ESU, nach deren eigener Aussage neu konstruiert und mit neuer Decodergeneration


    Hinsichtlich der Fahreigenschaften werden sie sich mit den oben gezeigten Fahrwerksumbauten messen lassen müssen.
    Hat auch die Elektronik in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht und hilft so manchen schlecht gemachten Antrieben auf die Sprünge, so offenbaren sich Mängel an Antrieb und Fahrwerk gnadenlos beim Überfahren von Gleisunebenheiten.
    Dies gilt um so mehr wenn man ein möglichst vorbildnahes Aussehen durch niedrige Spurkränze anstrebt.
    Es gibt viele gut gemachte Modelle, welche man sich als kostbare Schaustücke in der Vitrine gerne anschaut.
    Aber um mit derartigen Modellen tatsächlich auch zuverlässig Betriebseinsätze fahren zu können, bedarf es eben auch der Berücksichtigung von Naturgesetzen, eben der Mechanik.


    Fahrwerksumbauten sind daher auch nur ein Teilaspekt der Betriebssicherheit von Modelleisenbahnen.
    Nach wie vor bewirkt erst das harmonische Zusammenspiel aller Komponenten wie Gleis- und Weichenbau, Radsatzmaße, Antriebe, Fahrwerke, Stromversorgung, elektronische Steuerung rsp. Regelung, Anlagenkonzept und nicht zuletzt Betriebskonzept ein möglicht entspannten Umgang mit seiner Modellbahn. Versagt hier nur eine dieser Komponenten oder funktioniert nicht so wie sie soll, so ist der Spaßverderb vorprogrammiert.

  • Moin an alle und Moin Lutz,


    Dich stört es hoffentlich nicht, wenn ich mich an Dein Thema heranhänge.


    Als mir neulich im Hinblick auf die Fahrtage im MEC die Roco 260 319 (62969) zwischen die Finger kam, habe ich sie wegen ihres bocksteifen Rückschrittsfahrwerk kurzerhand zerlegt. Beim Wühlen fiel mir außerdem ein sehr gut erhaltenes Altexemplar der fast schon legendären Roco V60 423 (43620) zwischen die Finger, die bekanntlich noch das alte Fahrwerk mit leichter Pendeltendenz besitzt. Lutz beschrieb oben bereits, daß Roco mit Einbinden der neuen DSS-Platine das Fahrwerk geändert hat. Genau das hat mich nicht nur interessiert, sondern auch in Überlegungen verfallen lassen, das neue Fahrwerk in ein pendelfähiges Fahrwerk nach Vorbild der alten Ausführung oder auch das alte Fahrwerk umzubauen, um die DSS nutzen zu können. Irgendwann fiel es mir ein, da war doch was im Forum. Gesucht gefunden. Voila.


    Auch wenn es manch einer kennt, möchte ich an dieser Stelle den Vergleich zeigen:



    Oben das neue Fahrwerk der 260 319 mit angepunkteter Schwabbelplatine mitsamt 8-poliger Schnittstelle (2) auf einem Papptablett (1). Man beachte auch die unterschiedlichen Schwungmassen.



    Die Änderungen von unten:

    Durch den Entfall des Stegs an Position 1 zur Aufnahme der Blattfeder (Lutz K: H-Feder), keine Aufnahmemöglichkeit dieser Feder mehr.

    Nach oben offene Achshalterungen (2) für Widerlager und Antriebsachse. Die Kunststoffeinlage wurde dafür mit Nuppsis vesehen, damit die Antriebsachse in gerade Flucht bleibt (nicht abgebildet). Die Achsen selbst sind aufgrund einer leichten Erweiterung (eckig) der Achsführung im Rahmen mit Kunststoffhülsen versehen.



    Das neue Fahrwerk (oben) erhielt seitens Roco Ausfräsungen an den Enden (z.B. 1) und vorallem eine kräftige Aussparung unterhalb der Antriebswelle (2). Diese Aussparung dient dazu, den unterhalb der eigentlichen Neu-Platine angelöteten Widerstände Platz zu bieten.


    Mein ursprünglicher Plan, das alte Fahrgestell zu nutzen und mit der neuen Platine zu versehen, geht so ohne weiteres nicht auf. Entweder fräse ich eine Aussparung für diese Widerstände ins neue Fahrwerk oder ich nutze die alte Platine als Basis zum Auflöten eines Decoders.


    Ein weiteres Manko ist auch der Radsatz. NEM geht gar nicht. Arbeitsmittel zum Abdrehen fehlen mir, so daß letztlich nur ein Austausch gegen Weinert-Räder möglich ist. Im alten Fahrwerk muß dafür - siehe oben bei Lutz - der Antriebsradsatz zerlegt werden. Will man das neue Fahrwerk als Basis nehmen, müßten beim Weinert-Radsatz die Kunststoffhülsen der Achsen entfernt werden. Zumindest bei dem Radsatz, den ich irgendwann mal auf einem Foto gesehen habe. Verwende ich weiterhin das neue Fahrwerk mit Kunststoffhülsen, ist ein Pendelachsfahrwerk wegen dieser Hülsen nicht möglich. Dafür müßte ich in die Achsführung des alten Fahrwerks kurze Stückchen Halbrohr aus Messing einsetzen, um wackelfreie (in Längs-/Fahrtrichtung) Achsführungen mit hülsenfreien Achsen zu gewährleisten.


    Sollte sich am zerlegten Zustand der beiden 260/V60 irgendwas ändern, werde ich sicherlich wieder berichten. Mittlerweile ist eine weitere V60 423 als echter Schlachter für ein Trinkgeld in die Hände gefallen.

    Gued gaohn un bis düsse dage aus dem Münsterland
    Andreas

    Einmal editiert, zuletzt von Andreas ()

  • Hallo Andreas,


    geht nicht gibt es (fast) gar nicht. Jetzt kommt die "Dutch Connection" zum tragen.

    Diese Achslagerbuchsen sind die gleichen wie sie auch bei der Roco BR50 vorhanden sind.


    Also warum eine Pendellagerung und eine gefederte Lagerung nicht auch so machen wie ich es bei der BR50 gemacht habe?*glu1*


    Siehe Umbauberichte dort:

    Hier sind 3 verschiedene Möglichkeiten abgebildet wie man eine Pendellagerung mit den originalen Roco Achslagerbuchsen ausführen kann.





    Als potentieller Autoschrauber hast Du auch unter aller Garantie einen Akkuschrauber. Für die Federn empfehle ich dann 0,3mm Bronzedraht (Neusilber und Stahl sind hier zu hart). Die Bohrung für die Federung des mittleren Radsatzes können hier auch größer, so 3 bis 4mm, sein wenn es das Fleisch am Rahmen hergibt. Das ergibt dann einen, wegen des größeren Duchmessers, eine weichere Feder weil hier mehr Länge an Federdraht untergebracht werden kann.

  • Hallo zusammen,


    ich hatte das Vergnügen die 50er in den Händen zu halten und die Achslagerung selbst in Augenschein zu nehmen. Ich für meinen Teil werde das bei meinen Maschinen so machen. Die Funktionalität ist perfekt und fällt in dem 50er Rahmen überhaupt nicht auf. Außerdem kann man den Umbau mit "Hausmitteln" durchführen. Somit halte ich es auch für weitere Modelle, wie oben gezeigt, für sinnvoll diese Methode anzuwenden.


    Mit freundlichen Modellbahnergrüßen

    Thomas

    "Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." Jorge Augustín Nicolás Ruiz de Santayana

  • Moin,


    genau aus diesem Grund habe ich mir weitere Ersatzteile (Rahmen V60) günstig beschafft - sollte etwas schief gehen. Ich besitze leider nur grobe "Hausmittel" (dehnbarer Begriff) zum Herumbasteln.

    [scherz]Statt Säge dürfte (siehe oben) auch die kleien 125er Flex gehen. [/scherz]


    Wenn ich mich recht entsinne, hat die BR 24 von Roco eine ähnliche Federkonstruktion, aber nicht auf allen Achsen. Das schaue ich mir die Tage bei dieser Lok genauer an.

    Gued gaohn un bis düsse dage aus dem Münsterland
    Andreas

  • Gude Andreas,


    also wir haben an der TH einmal eine Kittplatte zum Polieren einer Planfläche mit der Flex angefertigt. Wir haben das dann "Präzisionsflexen" genannt.:D

    Geht alles, man muss nur starke Nerven haben.

    Die 50er von Lutz hat auch nicht alle Achsen gefedert. Macht auch keinen Sinn, da Du ja mindestens einen "Festpunkt" brauchst. Bei Deiner V60 würde ich die angetriebene Achse als Festlager nehmen. Die beiden anderen Achsen würde ich nach dem von Lutz vorgestellten Verfahren umbauen. Im einfachsten Fall tun es ein Satz Schlüsselfeilen und eine Laubsäge mit Metallblatt. Gut, ein Bohrständer mit einem vernünftigen Schraubstock und scharfen Metallbohrern vereinfachen die Sache ungemein. :) Aber das sollte eigentlich Modellbahnerstandard sein.:thumbup2:


    Mit freundlichen Modellbahnergrüßen

    Thomas

    "Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." Jorge Augustín Nicolás Ruiz de Santayana